Vesta – Odyssey

Ein gradliniges Album ohne viel Schnickschnack

Artist: Vesta

Herkunft: Viareggio, Italien

Album: Odyssey

Spiellänge: 52:52 Minuten

Genre: Post Rock, Progressive Rock

Release: 16.10.2020

Label: Argonauta Records

Link: www.facebook.com/vesta2017

Bandmitglieder:

Gitarre und Synthesizer – Giacomo Cerri
Bassgitarre und Synthesizer – Giulio Lorenzini
Schlagzeug – Sandro Marchi

Tracklist:

  1. Elohim
  2. Tumæ
  3. Breach
  4. Juno
  5. Borealis
  6. Temple
  7. Supernova
  8. Cerere

Die Bands, die bei Argonauta Records unter Vertrag sind, sind wohl in diesem Jahr besonders fleißig. Gerade noch ein Review für ein Album von La Fin geschrieben, da steht mit Vesta die nächste Band auf der Matte. Sind La Fin noch mit drei Gitarristen und insgesamt sechs Bandmitgliedern sehr opulent besetzt, kommen im Gegensatz dazu Vesta mit nur drei Bandmitgliedern fast minimalistisch daher. Hier gibt es allerdings keinen Gesang, sondern knapp 53 Minuten lang Instrumentalkunst. Gegründet wurden Vesta im Jahr 2016, bereits ein Jahr später veröffentlichten sie ihr selbst betiteltes Debütalbum. Nun erschien drei Jahre später das Album Odyssey, das sowohl in einer Vinyl- als auch einer CD-Edition und in digitaler Form käuflich zu erwerben ist. Wie auch La Fin haben Vesta vor der Veröffentlichung ein wenig gezaudert, allerdings nicht, weil sie wegen Corona keine Promotion-Shows spielen können, sondern aus einem – für mich zumindest – ebenso nachvollziehbaren Grund: „…What makes us a bit nervous is, in this instant time, to release something that might take more than one listen. Where everything is instantly judged on YouTube or something! It’s a bit like releasing a horse and cart on a racetrack…“ Dass dieses Album mehr als nur einen Hördurchlauf braucht, kann ich schon mal bestätigen, es wird aber auch keine Odyssey, das zur Beruhigung.

Mit Elohin können Vesta gleich mal aufhorchen lassen. Wenn bei zwei von drei Bandmitgliedern neben dem Saiteninstrument auch noch der Synthesizer steht, darf man sich auf belebende Elemente freuen. Die Synthesizer stehen hier allerdings nicht so im Vordergrund, wie zum Beispiel bei pg.lost. Leicht orientalisch klingen die Gitarren, und wie für Post Rock ja fast schon üblich, wird ein und dasselbe Riff auch mal an die zwei Minuten lang wiederholt. Wenn es ein so Schönes ist, dann aber gern. Im Hintergrund ackert sich insbesondere Sandro am Schlagzeug schon mächtig ab, während Giulio am Bass zunächst mal vornehm im Hintergrund seine wirkungsvolle Arbeit tut. Nach dem Midtempo von Elohin drücken Vesta in Tumæ zunächst einmal ein wenig aufs Gaspedal, vollführen aber nach dem ersten Drittel auch wie aus dem Nichts eine Vollbremsung, um ein wenig in Blues-Gefilde abzudriften.

Wie schon in Elohin geht’s auch in Breach mit einem repetitiven Riff los, hier allerdings in gestrecktem Galopp, und Sandro wird höchstwahrscheinlich wieder mächtig in Schweiß gekommen sein. Großartig, sein Spiel! Nicht weniger hoch zu bewerten sind die songschreiberischen Qualitäten von Vesta, die genau wissen, wie lange sie was an welcher Stelle wiederholen können, ohne, dass es ermüdend für den Hörer wird. Da gibt es dann immer mal wieder kurze Ausflüge abseits des Trampelpfades, auf dem sie sich mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen, und zu dem sie dann auch gern wieder zurückkehren.

Überraschen können Vesta mich mit Juno, der im Downtempo und mit seinem schweren Riff tatsächlich eher im Stoner Rock als im Post Rock unterwegs ist. Hier darf sich dann auch mal Giulio mit seinem Bass ein wenig näher ans Scheinwerferlicht stellen. Sehr langsam schleicht sich Borealis ein, der entwickelt sich aber fast zum härtesten Song auf dem Album, da ist Headbangen angesagt. Die teilweise ziemlich abgehackten Riffs könnten fast ein wenig an Tool denken lassen. Darüber dann noch ein dermaßen geiles Solo zu legen, ist wieder mal ein sehr gelungener Kunstgriff.

Auch das folgende Temple kommt auf sehr leisen Sohlen herein, nur Gitarre und Schlagzeug eröffnen den längsten Song des Albums. Da haben Vesta genug Zeit, mal wieder Genregrenzen zu überschreiten. Hier mal ein wenig Blues, da wieder mal ein wenig Tool, ein kurzer Abstecher in den 70er-Rock, auch ein wenig Psychedelic darf es dieses Mal sein. Das ist mir persönlich zu viel des Guten. Das machen Vesta dann aber mit dem zweitlängsten Song Supernova mehr als gut. Da ist der Name Programm, und Vesta haben den Song sehr schön fast schon filmmusikartig aufgebaut. Hier explodiert nicht nur ein Stern. Zum Ende hin legen Vesta mit Cerere zunächst wieder ordentlich Tempo vor und verlassen noch einmal den Post Rock-Pfad. Die schon aus Tumæ bekannte Vollbremsung kommt hier noch einmal zum Einsatz, danach schlingern Vesta allerdings ein wenig ziellos durch die Gegend.

Vesta – Odyssey
Fazit
Vesta haben auf Odyssey ihren ganz eigenen Sound erschaffen, für den ich so spontan keine andere Band nennen könnte. Ziemlich gradlinig ziehen sie die meisten Songs durch, ohne dabei langweilig zu werden. Zeit nehmen sollte man sich für Odyssey aber trotzdem, zum nebenbeihören ist das Album zu schade, und die tolle Arbeit der drei Männer würde dann wohl hoffnungslos unterbewertet.

Anspieltipps: Elohin, Breach und Borealis
Heike L.
8
Leser Bewertung1 Bewertung
8.2
8
Punkte
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