Eventname: Wir Rocken Den Keller
Bands: Complicated, Bronkobeat, Pingels Plan B
Ort: Zur Altstadt, Zweite Str. 26, 58809 Neuenrade
Datum: 11.10.2025
Kosten: 13 € VVK, 15 € AK
Genre: Classic Rock, Hard Rock, Rock ’n’ Roll, Grunge, Alternative Rock, Reggae
Besucher: 200 Besucher
Veranstalter: Rock im Wohnzimmer e.V.
Link: https://www.facebook.com/RockimWohnzimmereV
Setlisten:
- Last Night
- All Alone
- Echo
- Hope For The Underrated Youth
- Lullaby
- Dance
- Zombie
- Destiny
- Father
- Sorry
- Complicated
- Music Therapy
- Coming Home
- I Wanna Go
- Jailbreak
- Bad Case Of Loving You
- The Worker
- Overkill
- Maneater
- Wristcutter’s Lullaby
- American Girl
- The Letter
- Loaded Gun
- Dancing In The Moonlight
- We Ain’t Much Different
- Zero House
- Superstition
- Runnin‘ Down A Dream
- King Of Bongo
Zugabe:
- St. Pauli
- Mountain Climbing
- Perfect Strangers
- Back In Black
- Reckless Paradise
- Frozen
- Don’t Stop Believin‘
- 18 And Life
- Weak
- Mother
- Even Flow
- Superstition
- Can’t Stop
- Power
- Are You Gonna Go My Way
- Joker And The Thief
- Ain’t Talking ‚Bout Love
- Wohle Lotta Love
- Open Your Eyes
- Killing In The Name
- Enter Sandman
- Smells Like Teen Spirit
- Fortunate Son
- Fight For Your Right
Zugabe:
- Smoke On The Water
- Woo Hoo
- Highway To Hell
- Hush
Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich dieses Jahr wieder die Möglichkeit, beim diesjährigen R.i.W. (Rock Im Wohnzimmer) dabei zu sein. Die einst private Veranstaltung, die 2007 im Wohnzimmer von Veranstalter Martin Schäfer begann, hat sich mittlerweile zu einem Mini-Festival unter dem Namen Wir Rocken Den Keller etabliert, das in der kleinen Kellerbar Zur Altstadt stattfindet. Bei den letzten Events sind ca. 200 Gäste zum legendären Jam-Abend gekommen. Das passt einfach in kein „normales“ Wohnzimmer mehr hinein, daher wurde die Veranstaltung in die örtliche Kellerbar nach Neuenrade verlegt.
Meine Anfahrt ist mit rund 460 Kilometern nicht gerade um die Ecke, daher reise ich zwei Tage eher an, um noch Freunde zu besuchen, bevor es losgeht. Ohne meine Freunde hätte ich diese urige Veranstaltung nie kennengelernt, daher freue ich mich besonders auf dieses Wiedersehen. Anders als bei den vorherigen Veranstaltungen ist für mich, dass ich nicht nur zu Gast bin, sondern auch für Time For Metal berichten werde.
Um 17:45 Uhr breche ich gemeinsam mit meiner Freundin auf, die als aktives Mitglied des Rock Im Wohnzimmer e.V. bei den letzten Aufbauarbeiten unterstützt, bevor um 18:30 Uhr der Einlass startet. Ich nutze dabei die Gelegenheit, mit den jungen Musikern von Complicated, der ersten Band, die heute Abend auftritt, ein paar Worte zu wechseln. Gitarrist Thorben und Sängerin Jacky erzählen mir etwas zur Entstehung und dem Bandkonzept von Complicated. Dabei erfahre ich, dass das eigentliche Quartett heute als Trio auftritt, weil Bassist Jan verhindert ist. Danach machen sich die beiden auf den Weg in die Kellerbar, gemeinsam mit Schlagzeuger Mino, um sich auf ihren bevorstehenden Auftritt vorzubereiten und letzte Einstellungen in der Technik durchzuführen.

Pünktlich um 20:00 Uhr ergreift Veranstalter Martin Schäfer das Mikro und eröffnet den Abend im ausverkauften Zur Altstadt. 200 Gäste warten gespannt auf den Beginn der bevorstehenden Konzerte. Nach wenigen Worten des Veranstalters starten Complicated mit ihrem Opener Last Night durch. Nach anfänglichen Tonproblemen, die zügig behoben sind, setzt die Band ihre Setliste mit ihrem neuen Song Echo fort, den sie heute Abend das erste Mal spielt. Im Unterschied zu den zwei weiteren Bands, die heute noch folgen, treten Complicated mit überwiegend selbst geschriebenen Songs auf. Mit Ausnahme von Zombie (The Cranberries) und Hope For The Underrated Youth (Yungblood) spielt diese talentierte Nachwuchsband ausschließlich ihre eigenen Stücke. Die Band betrachtet ihre Musik als Ventil, um Gefühle und Gedanken auszudrücken. Ihre Songs sind dabei ehrlich und emotional, basierend auf einer langen Freundschaft. Beim Hören dieser Eigenkompositionen kommen Erinnerungen an The Cranberries, Alanis Morrisette, Guano Apes auf, Bands, von denen man leider heute nicht mehr viel hört. Sängerin Jacky beweist ihr gesangliches Können auf vielfältige Weise, mal zart und zerbrechlich, dann wieder energisch mit Druck, begleitet von Gitarrist Thorben, dessen zusätzlicher Gesang mich in Teilen an Mike Shinoda (Linkin Park) erinnert. Drummer und Gründungsmitglied Mino rundet den Sound mit voller Energie und reichlich Enthusiasmus ab. Man merkt ihm deutlich an, dass er heute Abend richtig Bock hat. Zum Abschluss drehen Complicated mit ihrem Outro I Wanna Go noch einmal auf, dessen an Van Halen anmutendes Riffing mich ernsthaft beeindruckt. Complicated machen ihr eigenes Ding, ohne kopieren zu wollen. Das erste Konzert des Abends ist rundum gelungen. Die Band hat die Stimmung erfolgreich mit ihrer Spielzeit von einer Stunde auf Betriebstemperatur gebracht.
Die Viertelstunde Umbauzeit für die nächste Band, Bronkobeat, nutze ich für ein kühlendes Getränk und etwas Austausch mit meinen Freunden. Bei dieser Gelegenheit treffe ich auf Susanne, die Sängerin der Band Pingels Plan B, die mir einen kurzen Einblick zur Entstehung der relativ neuen Formation gewährt. Ehe ich mich versehe, ist die Zeit um und das zweite Konzert beginnt in wenigen Minuten. Ich beeile mich daher, wieder vor die kleine Bühne zu gelangen, was sich bei der mittlerweile herrschenden Raumfülle etwas schwierig gestaltet.

Um ca. 21:15 Uhr steht die Mannschaft um Frontmann Jörg „Bronko“ (Gesang, Gitarre) bereit für ihr 16 Songs umfassendes Set. Die Lokalmatadore aus dem Sauerland ziehen entsprechend ihrem Bekanntheitsgrad entsprechend viele Gäste an, sodass die Kellerbar jetzt proppenvoll ist und es nahezu kein Durchkommen mehr. Sehr schnell wird klar, dass diese regional etablierte Cover-Band sehr beliebt ist bei ihrer Fangemeinde. Eigentlich sind die Bronkobeats eine fünfköpfige Mannschaft. Am heutigen Abend müssen sie jedoch auf ihren Saxofonisten Jan verzichten, der bei diesem Auftritt nicht dabei sein kann. Ganz kurz wird noch die Technik gecheckt, danach hat Veranstalter Martin Schäfer das Wort. Direkt im Anschluss begrüßt der Bandleader Jörg „Bronko“ das Publikum und los geht es mit Opener Jail Break (Dr. Dr.), einem Cover von Thin Lizzy. Diese Sauerländer Coverband ist bekannt dafür, nicht nur abgedroschene Partyhits zu spielen, sondern auch weniger bekannte Songs wie die Fisher-Z-Klassiker The Worker und Wristcutter’s Lullaby. Nach den ersten drei Liedern wird es jetzt eine Nummer härter. Bronkobeat lassen es mit dem Hard-Rock-Klassiker Overkill von Motörhead ordentlich krachen. Weiter geht es mit einem Querbeet-Mix durch die Genres. Sie performen Songs wie Maneater (Daryl Hall & John Oates), The Letter (The Box Tops), Runnin‘ Down A Dream (Tom Petty & The Heartbreakers) bis hin zu King Of Bongo (Manu Chao). Bronkobeat beherrschen diverse Genres, von Hardrock über Alternative Rock bis hin zu Reggae. Sie holen damit die heutigen Gäste vollständig ab. Gemeinsam mit seinen Kollegen Jens (Gitarre), Carsten „Cate“ (Bass, Gesang) und Mirco (Schlagzeug) bringt Bronko die Stimmung in der Kellerbar auf den Höhepunkt. Es wird getanzt, wenn auch auf sehr beengtem Raum kaum möglich, gelacht und fleißig mitgesungen. Nach anderthalb Stunden beenden sie ihr Set um 22:45 Uhr mit dem Rausschmeißer St. Pauli. Es wird ein letztes Mal fleißig mitgegrölt. Danach verabschieden sich die Bronkobeats von den begeisterten Gästen und räumen sogleich die Bühne für die nachfolgende Band.
Der Ansturm auf die Getränketheke setzt unmittelbar nach Konzertende ein, der Andrang ist echt groß. Auch meine Kehle ist jetzt etwas trocken, sodass ich ebenfalls ein kühles Getränk brauche und mich prompt in die Warteschlange einreihe. Dabei treffe ich auf den Bassisten Markus von Pingels Plan B, der Nachfolgeband. Er erzählt mir weitere Details zu seiner Coverband. Schnell ist eine halbe Stunde verflogen und das letzte Konzert steht an, daher sprintet Markus schnell zur Bühne, um rechtzeitig bereit zu stehen für seinen Einsatz.

Um 23:10 Uhr geht es schließlich los mit dem finalen Konzert des heutigen Abends. Pingels Plan B begrüßen kurz die schon gespannt wartenden Gäste und verschwenden in Anbetracht der Zeit und des geplanten Sets von 23 Songs keine Zeit. Sie legen direkt mit Opener Mountain Climbing (Joe Bonamassa) los. Es folgen Hard–Rock-Klassiker wie Perfect Strangers (Deep Purple) und Back In Black (AC/DC). Mittendrin überraschen Pingels Plan B mit „Ausreißer“ Frozen (Madonna). Textsicher singt hier das Publikum einfach mit. Es fällt bei der professionellen Performance nicht mal auf, dass es eigentlich ein Popsong ist, den Sängerin Susanne mit der gleichen Begeisterung zelebriert, wie alle anderen Songs aus den Bereichen Hard Rock, Alternative Rock, Grunge etc. Bevor das Danzig-Cover Mother dran ist, bittet Bassist Markus noch schnell einen Fan vor die Bühne, der diesen Song im Verbund mit seinen Kumpanen frenetisch feiert. Die Sauerländer Coverband, die während der Corona-Zeit entstanden ist, bedient danach weiter mühelos alle gängigen Genres von den 70ern bis hin zu den 90er-Jahren. Das nahezu unbegrenzte Repertoire besteht aus Songs von Bands wie Led Zeppelin (Wohle Lotta Love), Pearl Jam (Even Flow), Guano Apes (Open Your Eyes), Lenny Kravitz (Are You Gonna Go My Way) oder auch Rage Against The Machine (Killing In The Name), um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Sängerin Susanne strahlt konstant eine unbändige Freude aus, die schier unendlich scheint. Dabei scherzt sie zwischendrin mit Bassist Markus (der mit einem lockeren Spruch seinen Bass umstimmt), Gitarrist Mark und Schlagzeuger Michael. Unter den vielen Rock-Songs verbirgt sich eine weitere Überraschung, und zwar der Thrash-Klassiker Nothing Else Matters von den Bay-Area-Ikonen Metallica. Auch diesen Metal–Hit performen Pingels Plan B mit Bravour.

Nicht mal vor Covern wie Fight For Your Right von den Beastie Boys schrecken sie zurück, den sie am Ende ihrer üppigen Setlist spielen, und das immer noch so frisch, als hätten sie gerade erst angefangen. So langsam lichtet sich die kleine Kellerbar, in Anbetracht der späten Stunde sowie des reichlichen Konsums von Gerstensaft und anderen alkoholischen Getränken geschuldet. Das verbliebene Publikum wird noch gut eine halbe Stunde mit Songs von Deep Purple, AC/DC etc. verwöhnt. Wer bis dahin durchgehalten hat, erlebt noch ein besonderes Highlight an diesem Abend: eine Van-Halen-Performance vom überaus begabten Gitarristen Mark, der seine Stratocaster mit einer Bohrmaschine bearbeitet, in die er einen Schlitzfräser eingespannt hat. Damit entlockt er seiner Gitarre Töne, wie einst Eddie van Halen. Im Vorfeld des Konzerts verriet mir Bassist Markus, dass bei der Suche nach einem Gitarristen, ohne lange zu überlegen, die Wahl auf Mark gefallen ist. Dies hat sich definitiv als richtige und gute Entscheidung erwiesen. Um 01:15 Uhr ist nun endgültig Feierabend, wobei Pingels Plan B noch locker weiterspielen könnten. Die Ausdauer dieser Band ist schon enorm.
Zum Abschluss findet noch etwas Small Talk mit der Band statt, der dann auch noch einmal locker eine Stunde dauert. Um 02:15 Uhr beendet Veranstalter Martin Schäfer offiziell den Konzertabend und resümiert, dass es seine längste Veranstaltung der gesamten Jahre ist. Jeder geht nach diesem gelungenen Mini-Festival glücklich nach Hause. Wir Rocken Den Keller ist auch 2025 ein voller Erfolg und lässt sofort Vorfreude auf die bevorstehende Veranstaltung für 2026 aufkommen.

















