Wolfheart – Exclusive Virtual Gig am 09.04.2020

Wolfheart zeigen bei ihrem Geisterkonzert vollen Einsatz

Eventname: Wolfheart – Exclusive Virtual Gig

Band: Wolfheart

Ort:  Finlandia Klubi via Indiegogo

Datum: 09.04.2020

Kosten: 20,00 € VK

Genre: Melodic Death Metal

Veranstalter: Indiegogo (https://www.indiegogo.com)

Link: https://www.indiegogo.com/p…/wolfheart-exclusive-virtual-gig

Setliste:

  1. Everlasting Fall
  2. Ghost Of Karelia
  3. Aeon Of Gold
  4. Horizon On Fire
  5. The Hunt
  6. The Saw
  7. Breakwater
  8. Boneyard
  9. Reaper

Gerade habe ich das Review zu Wolfes Of Karelia, dem fünften Studioalbum von Wolfheart (Bericht: hier) im Kasten. Es war mir ein Vergnügen das neue Langeisen rauf und runter hören zu können – wieder einmal ein hammergeiles Album! Ursprünglich hatten die Finnen eine Tournee geplant, aber diese musste leider wegen der Corona-Pandemie auf Eis gelegt werden. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben – die neuen Termine für ihre Devastation On The Nation North American Tour mit Rotting Christ und Borgnagar für 2021 stehen bereits fest. Bleibt zu hoffen, dass die Tour sich nicht noch weiter nach hinten verschiebt. Nun freue ich mich wie Bolle, dass ich mir auch ihr Geisterkonzert anschauen darf.

Um 20:00 Uhr sollen die Downloadlinks über Indiegogo versendet werden. Ich warte also darauf und bin verdammt gespannt, wie es ablaufen wird – es ist mein erstes Geisterkonzert. Als es tatsächlich so weit ist, bekomme ich eine Nachricht, dass sich der Versand etwas verzögern wird. Ich werde von Indiegogo auf dem Laufenden gehalten, bekomme noch zwei weitere Updates mit Informationen. Dann endlich ist der heiß ersehnte Link da. Ich komme jetzt in den Genuss, mir das Video anschauen zu dürfen. Tuomas Saukkonen begrüßt alle Fans in einer zweiminütigen Ansprache. Er ist sichtlich überwältigt von der erhaltenen Unterstützung und bedankt sich mehr als herzlich. „Ihr seid Lebensretter!“, entfährt es ihm in seiner Begeisterung. Zunächst einmal erklärt er, wie es überhaupt zu dem virtuellen Konzert gekommen ist. Die geplante Tournee musste verschoben werden, danach haben sich Wolfheart überlegt, was sie alternativ tun können. Weiter erzählt er von den Herausforderungen, vor denen die Band gestanden hat. Es war schwierig, überhaupt einen Konzertraum zu bekommen. Zudem durfte die Filmcrew nicht anreisen, weil sich laut Vorgabe nicht mehr als zehn Leute im Saal des Finland Klubi aufhalten dürfen. Das Equipment musste dann auch noch separat angeliefert werden, sodass die Bandmitglieder zeitweise nicht an ihre Gitarren herankamen – am Ende hat doch alles funktioniert. Tuomas Schlussworte lauten: „Now let’s metal!“ Genau das wird jetzt auch gemacht.

Der kleine Konzertsaal ist in ein tiefes Blau gehüllt. Als Bühnendeko dient eine Waldkulisse, auf der mittig das Bandlogo von Wolfheart positioniert wurde. Es ist alles so hergerichtet, als fände hier ein reguläres Klubkonzert mit Gästen statt. Es wirkt schon etwas gespenstisch – ein einzelner Kameramann filmt das Geschehen auf der Bühne, ansonsten bleibt der Klub heute leer. Als die ersten Klänge ertönen, stehen Tuomas Saukkonen (Gesang, Gitarre), Lauri Silvonen (Bass, Hintergrundgesang) und Vagelis Karzis (Leadgitarre) mit dem Rücken konzentriert in Richtung Saal gewandt. Drummer Jonas Kauppinen ist ebenfalls für seinen Einsatz startklar. Die finnischen Melodic Death Metaller spielen heute neun Songs ihrer Alben Winterborn (2015), Shadow World (2015), Thjyys (2017), Constellation Of The Black Light (2018) und dem neuen Longplayer Wolfes Of Karelia (2020). Den Anfang macht Everlasting Fall. Der Sound ist perfekt ausgesteuert, er brettert wuchtig durch den Saal. Wilde Mähnen kreisen wie Windmühlen, Gitarren flirren, die Pedalen der Doublebassdrums wirbeln. Das mächtige Growling ist präzise auf die Instrumente abgestimmt. Im Wechsel mit verschiedenen Kameraperspektiven werden Bandmitglieder oder Instrumente herangezoomt. Es macht sich bemerkbar, dass hier nicht die eigentliche Filmcrew am Werk ist, sondern mit eigenen Mitteln gearbeitet werden muss. Am Anfang flimmert das Bild etwas, die Übergänge bei den Szenenwechseln sind etwas unsauber. Wolfheart waren den Umständen zum Trotz verdammt kreativ. Sie haben sich einiges einfallen lassen, um ihr Projekt trotz aller Widerstände durchzuführen, damit sie den Fans diesen Gig ermöglichen können. Ghost Of Karelia schließt direkt an. Der Sound wird noch härter und aggressiver. Düstere Bässe wabern über den Äther, erste Nackenbrecher Riffs verleiten mich zum Bangen. Lauri Silvonen unterstützt jetzt als Backingvocal. Eine mächtige Riffwand schließt den Song ab. Im Anschluss folgt ein kurzer Break, der den Bildschirm für ca. eine Sekunde schwarz werden lässt. Gleich darauf herrscht wieder volle Konzentration hinter den Instrumenten. Sanfte Pianoklänge sorgen für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Danach heißt es volle Kraft voraus für Aeon Of Gold, im Uptempo geht es zur Sache. Der Chorus reißt mich voll mit. Eine gefühlvolle Leadpassage lässt zwischenzeitlich etwas Ruhe einkehren, bevor die schnelle Fahrt weitergeht. Jetzt ist Horizon Of Fire dran, der erste Song des neuen Albums Wolfes Of Karelia (2020). Der kommt live mal so richtig satt und wuchtig rüber! Das Drumgeballer von Jonas Kauppinen nagelt ohne Gnade durch. Wieder besinnlichere Klänge läuten dann The Hunt ein. Bevor Wolfheart richtig loslegen, reißt Drummer Jonas Kauppinen plötzlich die Arme hoch, fängt an zu lachen und hört auf zu spielen. Hat er seinen Einsatz verpasst? Man weiß es nicht. Die Finnen sammeln sich kurz, nehmen wieder ihre Positionen ein – weiter geht es. Bei diesem Song kann man nur die Augen schließen und sich dem Sound hingeben. Der nächste Hit lässt nicht auf sich warten – düster und heftig setzt The Saw nach. Das schroffe Riffing zur wehmütigen Melodie ist einfach der Hammer! Nahtlos geht es mit der Hymne Breakwater weiter. Da es einer meiner Lieblingssongs ist, gröle ich den Refrain einfach mit. Bei Boneyard ist wieder Action angesagt. Lauri Silvonen und Vagelis Karzis wirbeln dabei nahezu ohne Unterbrechung ihre Matten durch. Das Beste kommt zum Schluss – Reaper lässt es dann noch einmal mächtig krachen! Bei den dramatischen Melodieläufen verdunkelt sich die Beleuchtung merklich, verstärkt die ohnehin finstere Stimmung. Nach den letzten Klängen des Schlächters bleibt der Bildschirm schwarz. Ein geiles Konzert geht zu Ende – was für eine Liveperformance!

Fazit: Wolfheart haben das Beste aus der aktuellen Situation herausgeholt und mit wenigen Mitteln ein erstklassiges Konzert für ihre Fans gestemmt. Nach dem Ende ihres Sets hätte ich mir noch einen Abspann gewünscht, der das Video abrundet. Das wäre aus meiner Sicht ein perfekter Abschluss gewesen. Vielleicht war der harte Cut aber auch beabsichtigt, wie bei einem Thriller. Wer weiß, möglicherweise gibt es eine Fortsetzung…

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