Photo by Alex Bemis

Of Virtue im Interview

Gitarrist Damon Tate im Gespräch

Artist: Of Virtue

Herkunft: Michigan, USA

Genre: Metalcore

Bandmitglieder:

Gesang – Tyler Ennis
Gitarre & Gesang – Damon Tate
Gitarre – Michael Valadez
Schlagzeug – Ryan Trinh

Link: https://ofvirtueband.com/

Time For Metal / Anja:
Ich hoffe, ihr seid gut angekommen.

Of Virtue / Damon Tate:
Oh ja. Es ist sehr heiß draußen, aber wir sind sehr froh, hier zu sein. Das ist die erste Show der Tour und wir haben sehr gut angefangen.

Time For Metal / Anja:
Wart ihr zufrieden mit eurem Auftritt?

Of Virtue / Damon Tate:
Absolut. Wir haben es so gut wie möglich gemacht. American Airlines hat vier unserer Gepäckstücke verloren und in
zweien davon waren Sachen, die wir für unsere Show brauchten. Die Crew hat alles so arrangiert, dass es doch noch geklappt hat. Es war eine der schlimmsten Erfahrungen, denn wir mussten damit zurechtkommen, was wir hatten. Darum sind wir froh, dass die Leute Spaß hatten und das ist alles, was zählt.

Time For Metal / Anja:
Summer Breeze ist nicht so das Metalcore Festival. Es ist eher gemischt mit Death- und Heavymetal. Aber auch beim Metalcore gibt es Unterschiede: Metalcore in Amerika ist anders als zum Beispiel in Europa.

Of Virtue / Damon Tate:
Absolut. Als ich das Line-Up für Summer Breeze sah, dachte ich mir auch, da ist viel Death Metal und Power Metal dabei. Aber das ist cool. Ich habe mir heute zum Beispiel Terror angehört. Es gibt beim Festival ein paar Hardcore Bands und auch ein paar Metalcore Bands wie While She Sleeps. Wir kennen Sleep Token, was zwar kein Metalcore ist, aber trotzdem ziemlich strange. Das Coole ist, dass das alles unter dem Genre Metal läuft. Und solange es Heavy ist, schaffst du es, die Leute bei Laune zu halten und Spaß zu haben, und das ist alles, worum es geht.

Time For Metal / Anja:
Und der Regen war auch auf euerer Seite, weil alle Leute Schutz unter der überdachten Werra Stage bei eurem Auftritt am Donnerstag gesucht haben!

Of Virtue / Damon Tate:
Ja, wir haben das gesehen und ich habe mir gedacht, das könnte gut für uns sein, weil die Leute aus dem Regen raus wollten und uns dann zugeschaut haben. Vielleicht wären manche Leute sonst einfach an uns vorbeigegangen, ohne dass sie von uns Notiz genommen hätten, aber der Regen hat sie dazu gezwungen, uns zuzuhören. Und vielleicht haben dann auch manche gesagt: „Hey, das ist ja eine gute Band“.

Time For Metal / Anja:
Für mich waren die Songs manchmal nicht so eindeutig. Die Lieder enden meist sehr abrupt. Gewöhnlich klingen sonst viele Lieder oft etwas länger aus. Ist das mehr so euer Stil?

Of Virtue / Damon Tate:
Es ist ein Stil, bei dem wir denken, dass er live besser funktioniert. Einige unserer Albumsongs fangen langsamer an oder enden langsamer. Aber wenn wir live spielen, kommt die meiste Energie mit einem harten Anfang und einem harten Ende und die Pause können wir damit füllen, um mit dem Publikum zu sprechen. Auf Festivals hast du oft auch wenig Zeit und willst so viele Songs wie möglich spielen. Es ist cool, solche einleitenden Anfänge oder Enden zu haben, aber wo wir aufgewachsen sind, sind wir es gewohnt, die Leute bei der Stange zu halten – sprich, die Energie auf einem Level zu halten. Das lernt man, wenn man in den Staaten lebt! Und 30 Minuten sind so schnell vorbei.

Time For Metal / Anja:
Ihr seid ja auf eurer Europa-Tour. Seid ihr froh, in Deutschland zu spielen?

Of Virtue / Damon Tate:
Wir lieben es, in Deutschland zu spielen. Das ist unsere fünfte Tour in Europa und wir freuen uns immer über jede einzelne Show in Deutschland, denn das sind die Besten, die wir bisher gespielt haben. Ich erinnere mich daran, als wir 2017 hier das erste Mal spielten haben und uns die Leute gesagt, es ist eine ganz andere Welt, in Deutschland zu spielen. Du glaubst es nicht, bis du es mal erlebt hast. Unsere erste kleine Show war vor ca. 50 Leuten und es fühlte sich an, als wären da gerade 500 Leute. Die Leute haben gesungen, kannten jede Textzeile, haben gemosht und einfach mitgemacht. Bei jeder Tour schauen wir: Wie viele Shows haben wir in Deutschland? – That‘ s always be awesome!

Time For Metal / Anja:
Denkst du, dass das Billing eurer Tour passt?

Of Virtue / Damon Tate:
Absolut. Wir sind auf Tour mit Being As An Ocean und einer weiteren Band namens Senna. Being As An Ocean sind eine wenig Indie und ein wenig Heavy und haben einen einzigartigen Sound. Senna sind dagegen mehr emotionaler in ihrer Musik. Und dann hast du uns, mit sehr viel Energie und Action die ganze Zeit – sprich „mehr so Metal in your Face“. Das macht die Dynamik unter den Bands aus. Es ist ein Paket, bei dem man, wenn man die Show verlässt, denkt: „Wow“! Wenn ich keine dieser Bands kennen würde, wäre ich beeindruckt. Wenn du alle Bands kennst, bist du hin und weg!

Time For Metal / Anja:
Magst du uns kurz etwas über das neue Album sagen?

Of Virtue / Damon Tate:
Das neue Album wird Omen heißen und am 29.09.2023 über Arising Empire veröffentlicht. Es ist eine vierjährige Arbeit voller Energie und Einsatz jedes Einzelnen. Zum einen war da die Pandemie und zum anderen mussten wir neu bewerten, was wir machen wollen. Wir hatten viel Zeit zu Hause verbracht und uns nicht sehr oft gesehen. Wir hatten ein paar Verluste in der Familie, wirtschaftliche Probleme und Probleme, die nichts mit uns, sondern mit dem Rest der Welt zu tun hatten. Wir haben uns gefragt, ob wir das überhaupt machen können, was wir machen wollen. Wir wussten nicht, ob wir überhaupt in absehbarer Zeit wieder nach Europa kommen oder nicht. Musik hat sich verändert. Alles lief nur noch online. Es gab Releasestopps, Konzertverbote usw. Aber mir fehlte etwas. Es fühlte sich so an, als ob man nicht das bekommt, was Metal Hardcore ausmacht. Und mit Omen wollen wir zeigen, was am wichtigsten ist: So authentisch wie möglich zu sein. Wir haben dann unsere erste Single Sinner veröffentlicht und der Song ist anders als für den traditionellen Metalhead! Aber so ist mein Hintergrund und ich meinte: „Lasst uns ein bisschen mehr davon reinpacken!“ Der Song ging ab und wir dachten uns, wir müssen so weitermachen. Wir planen jetzt unsere Songs nicht mehr so wie vorher. Es fühlt sich gerade an,
als wäre man das erste Mal in einer Band. Wir haben für alle Songs nicht so viel Zeit investiert. Es klingt komisch, wenn ich das sage, aber die Songs kamen so schnell, weil wir viel zu sagen haben. Ich bin seit über 16 Jahren weg vom Alkohol und ein Teil der Songs erzählt davon, dass man das ganze Chaos über Bord werfen soll. Wir können versuchen, anderen Leuten zu helfen. Andere Künstler haben das auch für mich gemacht und wir wollen dies jetzt an anderen zurückgeben!

Time For Metal / Anja:
Danke für deine Zeit, Damon! Dir und der Band viel Erfolg auf der Tour und mit dem neuen Album!