Asia – Live In England

13.03.2026 - AOR - Frontiers Records S.R.L. - 61:14 Minuten

Bei einem Blick in unser virtuelles Review-Regal der Redaktion blieb mein Blick sofort an einem Album kleben. Asia? Die Rockhelden meiner Jugend live? Das musste ich ergründen.

Mehr als vier Jahrzehnte nach ihrem kometenhaften Start beweisen Asia, dass ihr Katalog noch immer eine erstaunliche Strahlkraft besitzt. Das am 13. März 2026 veröffentlichte Album Live In England dokumentiert eine besondere Phase der Band: Eine neue Besetzung, die sich an einem der wichtigsten Kapitel der Bandgeschichte abarbeitet, nämlich dem legendären selbstbetitelten Debütalbum Asia von 1982, das hier fast vollständig live dargeboten wird. 

Aufgenommen wurde das Album im April 2025 während einer dreitägigen Konzertreihe im Trading Boundaries in Sussex. Das Album wird in mehreren Variationen angeboten, leider liegt mir nur die digitale CD-Variante vor. Die meisten werden sich für eine DVD-Edition entscheiden, was ich generell begrüße. Nur so kommt das Live-Feeling auf, das es braucht, um das Konzert ausreichend zu genießen und zu würdigen. Der Mitschnitt stammt vom ersten dieser drei Abende und zeigt die Gruppe in einem eher intimen Rahmen, fernab großer Arenen.

Asia 2025; Quelle: scruffybearmedia

Im Mittelpunkt steht die aktuelle Besetzung der Band. Keyboarder Geoff Downes, das einzige verbliebene Mitglied der klassischen Ära, wird flankiert vom Gitarristen John Mitchell (Arena, It Bites etc.), dem australischen Virtuosen Virgil Donati (ex-Planet X) am Schlagzeug sowie Sänger und Bassist Harry Whitley, der 2024 zur Band stieß.
Gerade Whitley trägt entscheidend zum Gelingen des Albums bei. Seine warme, kraftvolle Stimme erinnert stellenweise an den verstorbenen Originalsänger John Wetton, ohne dabei zur bloßen Kopie zu werden.

Musikalisch setzt Live In England konsequent auf Nostalgie. Die Setlist folgt weitgehend der Trackreihenfolge des Debüts. Klassiker wie Heat Of The Moment, Only Time Will Tell oder Sole Survivor erklingen mit erstaunlicher Frische. Downes’ markante Keyboardflächen, Mitchells melodische Gitarrenarbeit und Donatis technisch versiertes Schlagzeugspiel lassen die Songs gleichzeitig vertraut und modern wirken.

Besonders überzeugend gelingt Wildest Dreams, das mit dynamischem Groove und präziser Bandarbeit glänzt, während Cutting It Fine seine progressive Seite mit längeren instrumentalen Passagen ausspielt. Der emotionale Höhepunkt bleibt jedoch unbestritten Heat Of The Moment, jener AOR-Evergreen, der Genrefans seit 1982 zuverlässig zum Mitsingen bringt.

Im letzten Drittel der Videoedition erweitert die Band das Programm um Bonusstücke. Ride Easy vom 2005er-Album Gold fügt sich überraschend organisch in den Fluss des Konzerts ein. Danach folgt eine rockige Interpretation von Video Killed The Radio Star, eine Referenz an Downes’ Zeit bei den Buggles, die kontrovers diskutiert wird. Mit nur dreieinhalb Minuten der kürzeste Track des Albums, bleibt es jedem frei, die Skiptaste zu bedienen. Ich finde die Idee und die Version ganz gelungen. Der Megahit The Heat Goes On aus 1983 vom Album Alpha dient als energetischer Abschluss des Albums.

Unterm Strich wirkt Live In England wie eine liebevolle Rückschau auf die Anfangstage der Band, allerdings ohne bloße Retro-Routine. Die neue Formation spielt die Klassiker mit hörbarer Begeisterung und beweist, dass die Songs auch über 40 Jahre später noch funktionieren. Gleichzeitig deutet das Album an, dass diese Besetzung genügend Energie besitzt, um vielleicht bald auch auf größere Touren zu gehen und wieder die großen Hallen zu füllen.

Wie schon erwähnt, ist dieses Album in mehreren Varianten erhältlich. CD, CD/DVD, CD/BluRay und auch als Vinyl bieten für jeden Fan die entsprechende Variante. Digitale Erscheinungsformen habe ich nicht überprüft, gehe aber davon aus, dass es die CD auch im Download und Stream geben wird.

Hier geht es für weitere Informationen zu AsiaLive In England in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Asia – Live In England
Fazit zu Live In England
Ein gelungenes Live-Dokument zwischen Nostalgie und Neuanfang. Die aktuelle Besetzung verleiht den Klassikern frischen Atem und zeigt, dass Asia auch im Jahr 2025/26 noch relevant klingen können.

Anspieltipps: Heat Of The Moment, Only Time Will Tell und Sole Survivor
Norbert C.
9
Leserbewertung0 Bewertungen
0
9
Punkte