Abgespeckte Kieler Woche 2020 zieht gemischte Bilanz

Corona ließ die Besucher zu Hause bleiben - Stadt ist zufrieden

Eventname: Kieler Woche

 

Seit 125 Jahren findet die Kieler Woche in der letzten vollen Woche des Junis statt. Durch die COVID-19-Pandemie, kurz Corona, musste das Segel- und Volksfest allerdings abgesagt werden. Mehr als drei Millionen Besucher besuchen dieses Fest normalerweise jährlich. Nun fand eine kleine Ersatzveranstaltung mit allen Corona-Auflagen statt. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer zog nun trotzdem eine positive Bilanz. 38.000 Buchungen bei 44.000 Plätzen, 195.000 Zuschauer der Livestreams: Das Konzertprogramm mit überwiegend regionalen Bands zog trotzdem und bot schöne Konzerte. Darüber hinaus gab es natürlich überaus erfolgreiche Segelwettbewerbe sowie 30.000 Besucher bei der Windjammerparade mit 400 Booten auf der Förde.

 Die Event-Areale beschränkten sich auf einige wenige Hotspots und erstrecken sich nicht auf die gesamte Innenstadt. Die Auftritte waren auf der Freilichtbühne Krusenkoppel, einem Amphitheater sowie am Bootshafen in der Innenstadt. Hier wurde die Kieler Woche mit dem sogenannten Bootshafensommer zusammengelegt. Als drittes Veranstaltungsgelände gab es eine Secret Stage. Diese war nicht in der Innenstadt, sondern weit draußen in Kiel-Friedrichsort. Während die Freilichtbühne und das Gelände am Bootshafen 400 bis 500 Zuschauern Platz bot, traten die bekannteren Künstler dort vor maximal 50 Gästen auf. Für das Konzert von Die Happy verloste Radio Bob! die wenigen Tickets über den Sender.
Der Bootshafen in der Innenstadt war der Besuchermagnet

Alle Besucher mussten durch die Auflagen erfasst werden. So wurden die drei Konzertareale und die Eventkino-Areale abgesperrt. Ein kostenloses Buchungssystem stellte Eintrittskarten zur Verfügung. Hierin bestand allerdings das Hauptproblem. Erst brachen die Server zusammen, im Laufe der Veranstaltungswoche gaben kaum Leute ihre Tickets zurück, wenn sie sich umentschieden hatten. So blieben manche Konzerte trotz einer hohen Buchungszahl leer. Zum Ende der Woche steuerten die Veranstalter jedoch nach, sodass auch spontane Besucher auf die Areale kommen konnten und die Plätze besser genutzt werden konnten. Aber auch für die Veranstalter war es eine neue Situation und eine Lehrveranstaltung. So wurde täglich an verschiedenen Stellschrauben gedreht und letztendlich doch noch eine tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt.

Die nur zu einem Fünftel belegte Freilichtbühne Krusenkoppel wirkte befremdlich leer

Als einziger internationaler Star wurde der Belgier Milow präsentiert. Aber auch nationale Stars wie Lotte oder Michael Schulte gaben sich die Ehre, auf der Secret Stage zu spielen. Umjubelte Konzerte gaben aber besonders Kieler Bands. Der Auftritt von Das Beben mit Kultmoderator Maschine Nitrox am Mikro sowie nachfolgend The Pinpricks war restlos ausgebucht und Tische in angrenzenden Restaurants am Bootshafen komplett gefüllt. Auf der Krusenkoppel begeisterten insbesondere Jeden Tag Silvester aus Bad Oldesloe. Aber auch das ältere Publikum füllte das Areal bei ihren Events. Das plattdeutsche Programm von NDR-Moderator Yared Dibaba oder das Orchester der Kieler Philharmoniker lasteten das Amphitheater vollständig aus.

Leidtragend war der ehemalige Olympiastützpunkt Kiel-Schilksee. Die Segelwettbewerbe fanden ohne direktes Publikum im Hafen statt. Die Sportler waren abgeriegelt und nur im Vorwege akkreditierte Helfer, Funktionäre und Journalisten bekamen Zutritt auf das Hafenvorfeld. Dafür lieferten sie sich packende Duelle und spannenden Sport, der im Internet stets live verfolgt werden konnte. Alle Wettbewerbe gingen reibungslos über die Bühne.

Auch die beliebte Windjammerparade fand zum Abschluss statt. 400 Boote aller Größen tummelten sich auf der Förde und gaben trotz fehlender internationaler Großsegler ein imposantes Bild ab. Die Alexander von Humboldt II übernahm in diesem Jahr diese besondere Aufgabe des Führungsschiffs. Die Schiffe verwandelten die Kieler Außenförde für Stunden in ein Meer aus überwiegend weißen Segeln.

Zwar waren die Kosten genau so hoch wie für eine „richtige“ Kieler Woche, dennoch zogen alle Verantwortlichen eine positive Bilanz. Auch der Leiter des Kieler-Woche-Büros, Phillip Dornberger, ist zufrieden. „Erleichtert und dankbar, dass alles so gut geklappt hat“, sagt er in einem Interview. Andere Veranstalter hätten inzwischen Interesse an dem Sicherheits- und Hygienekonzept, erzählt er weiterhin. Die Kieler Woche soll nach bisherigen Planungen im kommenden Jahr vom 19. bis 27. Juni auf dem regulären Termin stattfinden. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer rechnet allerdings damit, dass es wieder Corona-bedingte Einschränkungen geben wird. Dafür habe das Veranstaltungsteam jetzt wertvolle Erfahrungen sammeln können.

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