Boom Dox – Dead Nation

Schubserei statt Faustkampf in der toten Nation

Artist: Boom Dox

Herkunft: Griechenland

Album: Dead Nation

Spiellänge: 26:19 Minuten

Genre: Crossover, Rap Metal, Groove Metal, Hardcore, Rapcore

Release: 11.06.2021

Label: Rock Of Angels Records

Link: http://www.boomdox.gr/

Bandmitglieder:

Gesang – Mr. Sharp
Gitarre – Nickal
Bassgitarre – Dr. V
Schlagzeug – Dino George

Tracklist:

  1. Zombie
  2. Hit N‘ Run
  3. Guns Blazing
  4. Blacklight
  5. Death From Above
  6. My Enemy
  7. Leave No Man Behind
  8. Dead Nation

In Griechenland sind die Gangster los: Gitarrist und Produzent Nickal hat zusammen mit DJ und Sänger Mr. Sharp ein Crossover-Produkt namens Boom Dox ins Leben gerufen. Endlose Studiosessions, Trinken, Musik hören, Riffs jammen und dazu die passenden Rhymes droppen – so entstanden die Songs für das Debütalbum Dead Nation. Beeinflusst von Bands wie Body Count, Rage Against The Machine und den US Rap-Pionieren Public Enemy, kommen Boom Dox aus Griechenland mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch. Die Texte erheben die Stimme gegen Rassismus, soziale Ungerechtigkeit und Polizeibrutalität. Um einigen Songs noch mehr Nachdruck zu verleihen, gastiert auf dem ersten Album kein geringerer als Body Count Bassmann Vincent Price am Mikrofon. Dead Nation erscheint am 11.06.2021 via Rock Of Angels Records als Vinyl (limitiert in transparent green und oxblood red) und auf den gängigen Streamingplattformen.

Bevor wir zur Musik kommen, springt mir erst mal das geniale Coverartwork von Chris P ins Auge: eine Bar neben einer Polizeiwache, daneben ein Drugstore (Drogeriemarkt) mit der fetten Überschrift „Drugs“ – genau mein Humor. Dazu die Zombies im Comicstil, das macht schon was her im Plattenregal. Produziert wurde Dead Nation in diversen griechischen Studios sowie in den USA, wo die Vocals von Vincent Price aufgenommen wurden. Auch wenn die technischen Möglichkeiten heutzutage dieses Stückwerk zulassen, so ist der Sound schon der erste Kritikpunkt auf dem Werk der Griechen. Obwohl ich ein entschiedener Gegner des sogenannten Loudness War bin, muss ich das Album (MP3) schon auf das Doppelte meiner eigentlichen Wohlfühllautstärke drehen, damit sich hier etwas regt. Zudem fehlt der Produktion einfach der Punch, den eine Crossover-Scheibe nötig hat. Vielleicht ist die Vinylfassung besser ausbalanciert.

Was wäre eine Dead Nation ohne Zombie? Der Opener zeigt sich nicht ganz so angriffslustig, wie die Zombies auf dem Albumcover, hat aber dennoch ein paar coole Korn-Vibes im Gepäck. Sänger Mr. Sharp baut einen Spannungsbogen auf, wie man ihn auch von Zach de la Rocha (RATM) kennt, agiert dann mit seinen Rap-Parts allerdings eher saft- und kraftlos wie warmer Ice-T, äh Eistee. Die Melodien versuchen eine Horroratmosphäre zu erzeugen, landen aber eher bei Scooby-Doo, anstatt angsteinflößenden Psychoterror zu verbreiten. Die Riffs sind zwar nicht originell, lassen den Daumen dennoch nach oben schnellen.

Weiter geht die Verfolgungsjagd in der toten Nation mit Hit N‘ Run. Die Polizeisirenen klingen nicht wie aus einem Getto, sondern wie von einem alten Casio-Keyboard. Die Riffs verwursten das Kashmir-Thema von Led Zeppelin, wie es Ende der Neunziger schon von Puff Daddy verbrochen wurde. Im Fall von Boom Dox wird der kommerzielle Erfolg wohl ausbleiben. Wie im ersten Song gestaltet sich das Ende mit netten Gitarrensoli und Breakdowns etwas versöhnlicher.

Zu Guns Blazing mischt erstmals Vincent Price die Gegend auf: Boom Dox and Body Count, we’re coming out with guns blaziiiiiing“ schreit der Grammy-Preisträger immer wieder heraus. Er ist zwar kein guter Sänger, verleiht der Szenerie aber immerhin mal ein paar Ecken und Kanten. Die Riffs grooven ebenfalls wieder aggressiv durch die Hood. All die positiven Attribute von Guns Blazing fehlen leider komplett im nächsten Song. In Blacklight nervt der leiernde Gesang und die Gitarrenarbeit passt sich dem langweiligen Geschehen an – kann weg.

Death From Above baut wieder auf dem bekannten Schema auf: Tausendfach gehörte Riffs, Gangshouts und ein Rapper, der einem Löwen beim Mittagsschlaf Konkurrenz macht. My Enemy geht mit etwas Funk im Sound wieder mehr in Richtung RATM, hat aber im Refrain wieder zu wenig Eier, um einen auf dicke Hose zu machen.

Für Leave No Man Behind kehrt Vincent Price zurück auf die Bühne, vielleicht kann er noch etwas retten? Die Melodie zu Beginn greift das Horrorthema aus Zombie wieder auf und hat ein paar ordentliche Thrashriffs im Gepäck. Zwischendurch grölt Mr. Price den Titel des Stücks aus dem Hinterhalt. Das ist alles nicht schlecht, aber viel zu lieb und nett, um im harten Getto zu überleben.

Für den Titelsong Dead Nation, der gleichzeitig das letzte Kapitel markiert, haben sich Boom Dox die Sänger George Nikolaou und Nick V in die Gang geholt. Auf einmal hat man starke Gesangspassagen, gute Riffs, tolle Soli und einen eingängigen Refrain im Angebot – warum nicht gleich so? Bitte für die Zukunft auf diesem Niveau aufbauen.

Boom Dox – Dead Nation
Fazit
Beim Debüt der Griechen von Boom Dox bin ich hin- und hergerissen, zumal ich mich in diesem Genre zu Hause fühle. Die Ansätze sind da, werden aber relativ schnell durch die zahnlosen Raps und die halb gare Produktion zunichtegemacht. Holt man sich fürs nächste Album professionelle Unterstützung am Mikro und an den Reglern, könnte was daraus werden. So ist es doch nur der uncoole Weiße mit Dreadlocks im falschen Viertel.

Anspieltipps: Zombie, Guns Blazing und Dead Nation
Florian W.
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