Das Interview mit Belphegor Mastermind Helmuth im Zuge Keimels Metalldetektor Ausgabe August 2017

Artist: Belphegor

Herkunft: Österreich

Genre: Black/Death Metal

Label: Nuclear Blast

Link: http://www.facebook.com/belphegor

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre, Bass – Helmuth
Bass, Gesang – Serpenth
Schlagzeug – Bloodhammer

Im Zuge der August-Ausgabe von Keimels Metalldetektor lud Markus Keimel Belphegor-Mastermind Helmuth Lehner zum Gespräch. Zur Kolumne inklusive Bandportrait der österreichischen Black-Death-Metal-Ikonen geht es hier lang.

Markus Keimel / Time For Metal:

Hallo Helmuth! Kurz vorab schon mal ein großes Dankeschön, dass Du Dich meiner Fragen annimmst. Im Moment dürfte es bei Dir ja ganz schön stressig hergehen.

Ihr habt am 14. Juli die neue Single Baphomet vom kommenden Album Totenritual (VÖ: 15. September 2017) veröffentlicht. Kurzum, ein absoluter Wahnsinnstrack! Wie waren die bisherigen Reaktionen auf Baphomet, was waren die ausschlaggebenden Beweggründe für diese Single-Auskoppelung, und inwiefern flossen eigentlich auch Deine Ideen in das zweifelsohne grandiose Lyric-Video ein?

Helmuth / Belphegor:

Genau. Alles läuft auf Hochtouren im Moment. Wir sind noch immer eine der am härtesten arbeitenden Bands auf diesem Planeten, um unseren Supportern das Beste bieten zu können, sowohl in einer Live Situation als auch auf einem neuen Album. Totenritual wird am 15. September entfesselt, und wir zelebrieren Sommer Festivals und planen bereits weltweite Einmärsche bis April 2018 voraus. Haben gerade Summer Breeze zertrümmert und bereiten uns auf die „leider“ zwei letzten Open Airs diese Sommer Saison vor, u.a. das Wolfszeit. Desweiteren werden wir 2018 im August wieder auf das Wacken Open Air zurückkehren. Weitere Einäscherungstermine werden die nächsten Wochen veröffentlicht.

Baphomet ist wahrscheinlich der Track, der Belphegor anno 2017 am besten repräsentiert. Dämonischer – brachialer Death Metal mit rasenden Black Metal-Influences im Refrain.

In ein paar Tagen werden wir den zweiten Track, Apophis – Black Dragon, auf die Metal Horden entfesseln. Das ganze Album ist dem Tod gewidmet und den inneren Dämonen, der Tod ist überall, und bleibt niemanden verwehrt. Ich verehre die Deutsche Sprache, die Härte in der Aussprache, die wir seit 1994 für uns entdeckt haben… die wohl perfekte Sprache, um Befehle zu geben, wie in Apophis – Black Dragon zu hören ist [Der Schlangendrache, Todfeind des Sonnengottes RE, – er kann nicht besiegt noch getötet werden, und wenn du ihm zu lange in die Augen schaust, stirbst du und verreckst zu Staub].

Markus Keimel / Time For Metal:

Totenritual wird Eure unglaubliche elfte Veröffentlichung! Unfassbar! War die Herangehensweise bei diesem Album eigentlich anders als bei den vorherigen Outputs? Benötigst Du hinsichtlich Songwriting, Inspiration, dem Schreiben der Lyrics etc. immer wieder neue Muster und Inputs, oder sind es eher gefestigte Strukturen, gewohnte Arbeitsweisen, die bereits funktioniert haben, auf die Du dann bevorzugt zurückgreifst? Ich könnte mir denken, dass man nach so vielen Veröffentlichungen einen abwechslungsreichen Kreativ-Prozess benötigt!?

Helmuth / Belphegor:

Nein, um so ein spannendes Projekt wie Belphegor solange am Leben zu halten, braucht man immer neue Herausfoderungen, wir verlassen uns nie auf eine bewährte Formula. Wir probieren immer Neues aus, sei es Studio, Mastering, Produzent usw. Auch beim Entstehungsprozess der Arrangements lassen wir neue Einflüsse zu, wie z.B. diesmal bei Embracing A Star, der wohl experimentreichste Track auf Totenritual , den ich als unsere Death/Black Metal Oper bezeichne, und der fließend in den Track Totenritual reingeht, da beide Songs eigentlich als eine Einheit, als Ganzes stehen. Oder Apophis – Black Dragon, wo ich cleane Mönchschöre zu imitieren versuchte. Stagnation ist Tod!! Neun obskure – majestätische Kompositionen bekommt man auf Totenritual zu hören, die Dir Blei in den Schlund gießen. Authentisch und extrem dargebracht, ein ungeschliffener Roh-Diamant mit Ecken und Kanten.

Markus Keimel / Time For Metal:

Das Cover-Artwork der neuen Platte erledigte mal wieder der Grieche Seth Siro Anton. Wie lief die Zusammenarbeit ab, und wieviel kreativen Freiraum bekam er eigentlich von Dir? Hattest Du bereits genaue Vorstellungen oder blindes Vertrauen?

Helmuth / Belphegor:

Es ist das dritte Cover, für das Seth verantwortlich zeichnet, seit 2006. Ich hab genaue Vorstellungen, wie ein Belphegor Cover auszusehen hat, und arbeite ganz klar mit dem jeweiligen Artisten zusammen. Die Grundidee/ Skulpturen kommen von mir, bei Details hat der Artist Freiraum.

Markus Keimel / Time For Metal:

Für mich klingt der Name Totenritual nach einem Konzept-Album. Ist es eines, beziehungsweise was kannst Du über den Inhalt des Albums generell erzählen beziehungsweise verraten?

Helmuth / Belphegor:

Es zieht sich ein teuflischer Strick und Ritual Vibe durch das ganze Album. Ich will hier auch Aleister Crowley oder Friedrich Nietzsche nennen. Es geht in Baphomet um die Dualität des Lebens. Feuer – Wasser. Mann – Frau. Mensch – Dämon. Tag – Nacht. Sex-Magic und Self-Creation.

The Devil’s Son, der Text handelt von Niccolo Paganini, auch der Teufelsgeiger genannt [1782-1840, Italien]. Einer seiner Spitznamen war auch The Devil’s Son. Wir haben den Text aus seiner Sichtweise geschrieben, dem man dämonisches und einen Pakt mit dem Teufel vorwarf, da er präziser und viel virtuoser als andere Geiger zu spielen in der Lage war, völlig besessen, ein Genie.

Swinefever – Regent Of Pigs, bedarf keiner Erklärung und zeigt, was wir von dieser Institution Kirche halten, im typischen ketzerischen Belphegor Gewand. Den Text hat unser Gitarrist Sigurd geschrieben, der von 1993 bis 2006 in der Band war und wichtige Akzente setzte. Er ist bekannt für diese offensiven antichristlichen Ergüsse. Wir waren immer Feinde des Kreuzes.

Totenkult – Exegesis Of Deterioration: Ultra-schwere Gitarren, und der Text kommt in Englisch, Deutsch, Lateinisch und mit Krafstrom öffnenden Flüchen aus einem uralten Totenbuch, Original belassen, um den Sinn nicht zu entweihen. „Aus der Erde sind wir genommen, zur Erde sollen wir wieder werden, Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“, der Track präsentiert Verfall/Erneuerung, und seine finstere Destruktivität peitscht dich ins Feuer.

Markus Keimel / Time For Metal:

Was mich brennend interessiert, was hört das Mastermind von Belphegor eigentlich privat für Musik? Hast Du eigentlich ein nennenswertes Faible für Musik abseits von Metal?

Helmuth / Belphegor:

Von Hardrock bis Metal, Thrash natürlich, alles, was ich verehre, über alle extreme Formen dieser archaischen – aufregenden Musik. Abseits dieser Sounds verehre ich auch Flamenco, mit diesen anmutigen – stolzen Gitarren und natürlich viele klassische Komponisten.

Markus Keimel / Time For Metal:

Auf Eurer Website habe ich gelesen, dass Ihr einen Gitarristen für die kommende Tour sucht? Ich kann mir mal vorstellen, dass die Bewerberflut schon immens sein muss. Wie lautet diesbezüglich der aktuelle Stand?

Helmuth / Belphegor:

Ab 2018 suchen wir einen neuen Session Gitarristen. Bis dahin ist Impaler am Start und spielt auch noch die kommende Europa und North Amerika Invasion mit uns mit.

Das aktuelle Line Up mit Serpenth am Bass und Bloodhammer an den Drums ist das stärkste, das wir jemals zur Verfügung hatten für ein Belphegor Album und auch in einer Live Situation. Das hört man auch, alles ist technischer, intensiver mit vielen Details und dynamischer auf Totenkult. 15th September,… du kannst kommen!!!

Markus Keimel / Time For Metal:

Apropos Tour! Was können wir generell erwarten, und wieviel Material von Totenkult wird auf der Setlist stehen?

Helmuth / Belphegor:

Das kann ich jetzt so noch nicht sagen. Aber Baphomet, The Devil’s Son, Totenkult – Exegesis Of Deterioration. Der wohl brutalste Track auf dem Album, titled Swinefever – Regent Of Pigs wird wohl auch in die Setlist genommen. Nach elf full–length Veröffentlichungen nicht leicht, eine gute Mixtur zu finden. Wir werden wie immer ca. 65 Minuten plus Zugaben unseren Sound in die Horden schmettern mit extremer – bessessener Magie und Ritual Show.

Markus Keimel / Time For Metal:

Ich bin kürzlich auf ein herrliches Zitat von Dir gestoßen, in dem Du angesprochen auf das Image der Band gesagt hast, dass „Titten, Tod und Teufel zu Belphegor gehören, wie das Amen in der Kirche“. Es gibt meiner Meinung nach nicht (mehr) wirklich viele Metal-Bands und Musiker, die wie Du beziehungsweise Belphegor, einerseits musikalisch gänzlich ungeschönt und roh, extreme Musik verkörpern, aber auch vom persönlichen Standpunkt sagen, was sie denken. An authentischen Bands, Musikern und Persönlichkeiten fehlt es nach meinem Ermessen immer mehr. Teilst Du diese Meinung, beziehungsweise hast Du auch das Gefühl, dass es an Nachwuchs glaubwürdiger (Extrem) Metal-Bands mangelt? Für mich zumindest ist es ein erheblicher Faktor, warum ich beispielsweise auf Belphegor abfahre, weil ich dieser Band ohne jeglichen Zweifel abkaufe, was sie da macht.

Helmuth / Belphegor:

Wie der Boss Lemmy Kilmister [Rest In Peace] bereits erwähnt hatte vor Jahren, alles ist geschliffen geworden, die leeren Musikerhüllen, leicht auswechselbar, reden über Fitprogramme und gesundes Essen auf Tour und anderen Schwachsinn und versuchen, es allen recht zu machen und nirgends anzuecken, abscheulich diese Rückgratlosigkeit und Dekadenz.

Wir stehen auf der völlig anderen Seite, versuchen alles authentisch zu präsentieren und unsere Roots nicht zu verleugnen und sind unserem Trademark Chaos Sound immer treu geblieben, hermetisch abgeriegelt von der heutigen dahinsiechenden Trend- und Fashion-Szene. Haben eigene Entscheidungen getroffen und unseren eigenen Weg in unserem eigenen Reich beschritten und immer gegen den Strom geschwommen.

Markus Keimel / Time For Metal:

Lieber Helmuth, herzlichen Dank für das Gespräch. Ich wünsche viel Erfolg mit dem neuen Album und der anstehenden Tour. Der Graz-Termin steht schon fett in meinem Kalender. Wenn Du ein paar abschließende Worte an die Belphegor-Fangemeinschaft hast, nur zu.

Helmuth / Belphegor:

Danke für deine Würdigung Markus. Was vielleicht noch interessant ist, die Digipak Version kommt mit zwei live Bonus-Tracks. Gasmask Terror [Conjuring The Dead 2014] und die Hymne Stigma Diabolicum [Bondage Goat Zombie 2008], das wir beim Inferno Festival in Oslo im April 2017 mitgeschnitten haben. Eine Ehre, dieser Horror!!

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