Emmure – Hindsight

Hindsight kann dem Vorgängerbrett nicht so ganz das Wasser reichen

Artist: Emmure

Herkunft: Connecticut, USA

Album: Hindsight

Spiellänge: 31:12 Minuten

Genre: Metalcore, Deathcore, Nu Metal

Release: 26.06.2020

Label: SharpTone Records

Link: https://www.facebook.com/emmure/

Tracklist:

  1. Finally Understand Nothing
  2. Trash Folder
  3. Pig’s Ear
  4. Gipsy Disco
  5. I’ve Scene God
  6. Persona Non Grata
  7. Thunder Mouth
  8. Pan’s Dream
  9. 203
  10. Informal Butterflies
  11. Action 52
  12. Bastard Ritual
  13. Uncontrollable Descent

Drei Jahre nach ihrem siebten Studioalbum ist 2020 Nummer acht an der Reihe. Wie schon beim Vorgänger Look At Yourself aus 2017 hat die Emmure-Crew erneut auf Drew Fulk als Produzenten gesetzt. Der frische Longplayer heißt Hindsight und erschien Ende Juni über das Label SharpTone Records. Als kleinen Vorgeschmack brachten die Jungs aus Fairfield im vorab die beiden Tracks Gipsey Disco und Pig’s Ear als Single-Auskopplungen heraus. Sänger und Urgestein Frankie Palmeri, der als einziges Gründungsmitglied der Metalcore-Formation bis heute verblieben ist, sollte vor dem geplanten Release schon mal ein Statement zum neuesten Werk abliefern. Dies lehnte der Emmure-Fronter jedoch ab, weil er die Meinung vertritt, dass man den Fans nicht alles vorkauen solle und es besser ist, wenn sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. Mal sehen, in welche Richtung sich das entwickelt.

Emmure sind mir bislang komplett durch die Lappen gegangen, also beschäftige ich mich zunächst mit älterem Musikmaterial von ihnen, bevor ich mir die neuen Songs zu Gemüte führe. Einflüsse vom Limp Bizkit und Korn lassen sich nicht von der Hand weisen. Die Ähnlichkeiten beim Gesangsstil sowie den Songstrukturen erinnern auf dem aktuellen Silberling mehr als auffällig an Korn. Das dürfte wohl nicht jedem gefallen, so mancher Fan und auch Kritiker werden es als Abklatsch bemängeln. Hindsight setzt wie sein Vorgänger Look At Yourself bei seinen 13 Tracks mit einer durchschnittlichen Spielzeit von knackigen zwei bis drei Minuten und bringt es insgesamt auf rund 31 Spielminuten. Für ein Full Length Album ist das schon sehr knapp bemessen, da erwarte ich eindeutig mehr.

Opener Finally Understand Nothing ballert nach einem kurzen Intro mit etwas Plattengeknister im gewohnt fetten Sound los. Im letzten Drittel scratcht der Song belanglos vor sich hin und endet mit den Worten: „… finally understand nothing …“. Das dachte ich mir dann auch so – am Ende habe ich nichts mehr kapiert. Thrash Folder startet wieder im gewohnten Emmure-Sound durch – Feuer frei! Allerdings bleibt die Songstruktur die ganze Zeit über sehr gleichmäßig. Pig´s Ear legt sogleich mit sattem Drumming und harschem Sreaming nach. Auch hier wird am Ende wieder gesampelt, das kommt als Ausklang etwas dürftig daher. Gipsey Disco sorgt zwar mit seinen Breakdowns für eine entsprechende Rhythmik, schafft es aber nur ansatzweise mich abzuholen. Irgendwie zündet der Song nicht so richtig. Bei I’ve Scene God strapaziert das Gejaule der Alarmanlage im Hintergrund so langsam meine Hörnerven, was als stetiger Trigger, seit Track drei, nonstop anhält. Zu Persona Non Grata brüllt sich Frankie Palmeri die Lunge aus dem Leib, wechselnd mit wehklagendem Gejammer – mehr ist an dem Song auch nicht dran. Der Sound ist zwar bestens ausgesteuert, aber in Sachen Songwriting fehlt es hier an allen Ecken und Kanten. Thunder Mouth drischt erbarmungslos sein eintöniges Riffing herunter, was mich auf Dauer zermürbt. Ich zappe also vor zum nächsten Track, Pan’s Dream. Hier kommt mal wieder etwas mehr Abwechslung bei der Gitarrenarbeit ins Spiel. Das abschließende Abdriften in träumerische Klänge mag bewusst gesteuert worden sein, wirkt auf mich allerdings deplatziert. Bei 203 gibt es zwischen den Spannungskurven immer wieder volles Brett, was sich auch bei Informal Butterflies konstant fortsetzt. Da kommen sogar die vermissten Djent-Einflüsse zum Vorschein. Action 52 und Bastard Ritual laufen danach in einem Guss durch. Uncontrollable Descent dreht zum Abschluss ein letztes Mal richtig auf und lässt es mit fetten Metalcore-Walzen ordentlich krachen. Davon hätte ich mir auch bei einigen anderen Songs mehr gewünscht,

Insgesamt kann man das Album durchlaufen lassen, allerdings darf man keine urgewaltigen Brecher erwarten.

Verfügbare Formate: CD, Vinyl – orange-black swirl, Vinyl – orange-blue splatter

Plattformen: Spotify, iTunes, Apple Music, amazon music, deezer, Google Play

Emmure – Hindsight
Fazit
Emmure mögen zwar vom Songwriting her diesmal nicht in Höchstform gewesen sein, bei der Wahl ihres Masterminds haben sie auf jeden Fall wieder goldrichtig gelegen, dem bewährten Mann hinter dem Mischpult die Treue zu halten. Der Sound ist wieder sehr gut ausgesteuert und massiv, wie man es von einer Drew Fulk Produktion erwarten kann. Die Kompositionen sind insgesamt allerdings eher einfach gestrickt. Der Silberling kann sich hören lassen, kommt allerdings an das Vorgängerbrett Look At Yourself nicht so ganz heran. Einen Grund dafür vermute ich in der Achterbahnfahrt der Bandbesetzung, die Emmure in den vergangenen Jahren hinter sich haben. Bleibt den Jungs aus Conneticut zu wünschen, dass es wieder bergauf geht in den nächsten Jahren.

Anspieltipps: Thrash Folder, 203 und Uncontrollable Descent
Sandra R.
7.2
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