Enthroned – Cold Black Suns

Wenn die Sonne in Brüssel anfängt, ihre wärmende Kraft zu verlieren

Artist: Enthroned

Herkunft: Brüssel, Belgien

Album: Cold Black Suns

Spiellänge: 48:35 Minuten

Genre: Black Metal, Progressive Blacl Metal, Atmosphärischer Black Metal

Release: 07.06.2019

Label: Season Of Mist

Link: https://www.facebook.com/Frater.Silurian/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Nornagest
Gitarre, Gesang – Neraath
Gitarre – Shāgāl
Bassgitarre, Gesang – Norgaath
Schlagzeug – Menthor

Tracklist:

  1. Ophiusa
  2. Hosanna Satana
  3. Oneiros
  4. Vapula Omega
  5. Silent Redemption
  6. Aghoria
  7. Beyond Humane Greed
  8. Smoking Mirror
  9. Son Of Man

Vor 26 Jahren begann das Unheil in Brüssel, als Enthroned auf diesen Planeten gespuckt wurden. Mit Cold Black Suns gibt es diesen Sommer das elfte Studioalbum, und die Entwicklung wird weiter vollzogen. Mit Blasphereion aus dem Death Grind entsprungen, führte der Weg in schwärzere Gefilde. Vom typischen Black Metal der Neunziger ist nicht mehr viel geblieben und so greifen die fünf Musiker dieser Tage Black Metal auf, der durch atmosphärische Spitzen und Progressive Klangmuster andere Schwerpunkte wie noch vor zwei Jahrzehnten setzt. Beim französisches Independent-Label Season Of Mist wird ein neues Enthroned Zeitalter eingeläutet, bei dem der Weg weiter in melodische Tiefen führt.

Kurze Stücke sollen es am Anfang richten, um für die längeren Werke angemessen anzurichten, das Konzept geht auf. Das Intro Ophiusa drückt eine skandinavische Klinge aus den Boxen und bringt das träge wie schwermütige Blut nur langsam in Wallung. Ophiusa einmal abgeschüttelt darf Hosanna Satana zeigen, was er drauf hat. Der erste eigentliche Brecher kommt rasant herbei. Flinke Riffs, wütende Growls und sachlich krachende Salven brechen das Eis. Die anfänglichen Aggressionen werden schnell zurückgedreht. Ganz nach dem Motto „Hallo, wir sind da beachtet uns“ legen Enthroned los, um dann in eigentliche Fahrwasser abzubiegen. Deutlich andächtiger: Oneiros, der die kalte, schwarze Sonne ans Firmament spuckt. Frech, unorthodox und trotzdem mit für meinen Geschmack zu vielen ruhigen Elementen versehen, schneidet man Gruppen wie Enslaved und Co. während Parallelen zu Marduk oder Watain weiter versickern. Zu Enslaved fehlt trotzdem noch ein guter Sprung und so bleiben die Belgier in einem klebrigen Morast hängen, der nicht mehr voll aufdreht, aber bei den instrumentalen Sequenzen dem Hörer nicht zwingend die Luft zum Leben nimmt. Der Maingesang bekommt einen düsteren Anstrich. Zwischen der Double Base von Vapula Omega kommt Nornagest sogar an Nergal und Behemoth heran, die wiederum druckvoll die Breaks nutzen. Im Großen und Ganzen keine schlechte Entwicklung, nur der Türöffner fehlt. Große Kracher bleiben aus, starke Passagen verlieren gerne den Faden und dann, wenn es kribbelig wird, verliert der Spannungsbogen an Stärke.

Fazit
Völlig okay, was uns auf Cold Black Suns geboten wird, nur hätte man hier noch mehr herausholen können. Enthroned verlieren an unpassenden Stellen das Gefühl, den tödlichen Stoß zu setzen, lassen atmosphärische Stricke nicht ganz zuziehen oder verfallen in einen monotonen Serienmord, wo eben jedes Opfer gleichermaßen das Leben lassen muss. Wirken lassen kann man die frostige Sonne, die schwarz aus den Wolken schimmert. Verhangen lassen die aufkommenden Winde Blicke auf die schaurige Oberfläche zu, bevor sie wieder hinter dicken Wolken verschwinden. Positive Aspekte heben die negativen auf und so bleibt ein Studioalbum zurück, das man gerne mal hört, aber nicht bis zur Bewusstlosigkeit durchkaut.

Anspieltipps: Oneiros und Beyond Humane Greed
René W.7
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7
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