Eventname: Mittelalter Phantasie Spectaculum Spätsommer Rockheide 3
Headliner: Feuerschwanz und Fiddler’s Green
Vorband: Forgotten North
Ort: Eventgelände, Luhmühlen
Datum: 26.09.2020
Kosten: 50,80 € VVK/AK
Genre: Folk Rock, Folk Metal, Powermetal, Speed Folk Rock, Irish Folk Rock, Comedy, Mittelalter Rock, Viking Metal
Besucher: ca. 800 Besucher
Veranstalter: Produzent und Veranstalter der Veranstaltungsreihe Mittelalterlich Phantasie Spectaculum, Herr Gisbert Hiller (https://www.spectaculum.de/indexMPS.php und https://www.facebook.com/mpsfestival)
Links: https://www.fiddlers.de/de/
https://de-de.facebook.com/Speedfolk/
http://feuerschwanz.de/
https://www.facebook.com/feuerschwanz/
https://forgotten-north.de/
https://de-de.facebook.com/forgottennorth/
Setlisten:
- Intro
- Licht Der Zeit
- Kinder Des Zorns
- Drachenfest
- Walhalla
- Macht Und Intrigen
- As Dusend Düwels
- Berserker
- Kalt
- Fahnenraub
- Am Leben
- Wir Trinken Nie
- Seelenglut
- Vogelfrei
- Intro Metfest
- Metnotstand Im Märchenland
- Die Hörner Hoch
- Wikingerblut
- Metfest
- Schubsetanz
- Prinzessin
- Das Elfte Gebot
- Kinder Im Geiste
- Kampfzwerg
- Ding
- Latte
- Operation Drachensturm
- Krieger Des Mets
- Methämmer
- Ketzerei
- Malleus Maleficarum
- Unter Dem Drachenbanner
- The Freak Of Enniskillen
- Matty Groves
- Buccaneer
- Born To Be A Rover
- Down & Jig (Old Polina)
- A Night In Dublin
- Raise Your Arms
- No More Pawn
- The Night Pat Murphy Died
- John Kanaka
- Galway Girl
- Bottoms Up
- I’m Here Because I’m Here
- Walking High
- Highland Road
- Bottom Of Our Glass
- Tam Lin
- Yindy
- Never Hide
- Star Of The County Down
- Bugger Off
- Girls Along The Road
- Victor And His Demons
- Irish Rover
- Blarney Rose
Der dritte und letzte Teil der kleinen MPS Konzertserie in Luhmühlen steht an. Am 12.09.2020 waren Versengold und Mr. Hurley & Die Pulveraffen hier (Klick), eine Woche später die gleiche Besetzung noch einmal und heute also die beiden bayrischen Bands Feuerschwanz und Fiddler’s Green. Meine Anreise erfolgt etwas später als vor zwei Wochen, es war ja bekannt, wo man hinmuss. Dazu ist das MPS heute auch nicht ausverkauft, ca. 800 Menschen werden erwartet. Weiterer negativer Punkt ist die Prognose für das Wetter, das ist alles andere als Spätsommer, dazu aber später mehr. Der Aufbau ist quasi identisch zu dem vor zwei Wochen. Man hat auf die Getränkekarte mehr Heißgetränke aufgenommen. Die Hunde sind heute in Bückeburg, ebenso wie der Veranstalter Gisbert Hiller. Ansonsten alles wie gehabt, nur die Polstermöbel, die eine Art Lounge vor der Bühne bildeten, sind wegen der Wettervorhersage unter die Sonnensegel gewandert und die Lagerfeuer schon sehr früh an. Bezüglich der Coronaregeln sind ebenfalls keine Änderungen vorhanden, ebenso das Konzept mit zweimal 500 Menschen vor der Bühne. 
Um 16 Uhr startet das Programm auf der MPS Bühne. Die erste Band des heutigen Tages sind Forgotten North aus dem Kreis Dithmarschen, also durchaus nicht so weit entfernt. Zu dem Kreis gehören bekannte Touristenorte wie Büsum oder Friedrichskoog, Heide ist die Kreisstadt. Für den Metalfan eigentlich sehr simpel zu beschreiben. Man fahre an Wacken vorbei Richtung Norden auf der A23. Forgotten North sind seit sechs Jahren auf den Bühnen und produzieren gemäß eigener Beschreibung Fantasie Wikinger Rock. Die Truppe umschifft im Zuge ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit den alten Völkern Nordeuropas die Klischee-Klippen vom Schwert schwingenden, Met saufenden Bart- und Helmträgern. Allerdings erschien bereits 1999 das Werk Beschwörung unter dem Namen Forgotten North. Dann war Funkstille bis 2015 und Heimkehr. In den letzten fünf Jahren war man mehr als sehr aktiv bezüglich Songwriting und Studioarbeit. As Dusend Düwels (2016) und Kinder Des Zorns (2019) folgten, dazu noch mit Im Schatten Des Drachen Live ein Konzertmitschnitt 2018. Man tritt unter nordischen Künstlernamen auf, der Sänger nennt sich z.B. Børje Lokisson. Der Opener Licht Der Zeit (Kinder Des Zorns, 2019) erinnert von der Musik leicht an Subway To Sally, viele folkloristische Instrumente sind am Start, jedoch insgesamt etwas härter und natürlich mit einer anderen Stimme. Der Titeltrack des letzten Albums ist genauso auf der Setlist und recht weit vorne und man sieht einige Fähnchen des Landkreises Dithmarschen, man hat wohl auch eine eigene Fankolonie mitgebracht. 
Der Regen nimmt leider nicht ab, sondern zu und es schüttet wie aus Eimern, als Feuerschwanz die Bühne entern. Feuerschwanz haben ihren Musikstil in den letzten Jahren etwas verändert. Von der reinen Partyband mehr in Richtung Powermetal und auch mal ernstere Texte. Die Truppe wurde schon mal als „Karnevalscomedy unter dem Keuschheitsgürtel“ bezeichnet, bei Alben wie Sex Is Muss und Songs namens Latte oder Der Geile Prinz kein Wunder. Vor einigen Jahren wurden Feuerschwanz von einem Veranstalter wegen frauenfeindlicher und sexistischer Texte ausgeladen, worauf Sex Is Muss als Antwort veröffentlicht wurde. Das aktuelle Langeisen Das Elfte Gebot hat sich von den Anfängen deutlich entfernt und bietet mit z.B. Im Bauch Des Wals ganz andere Themen, dazu wurden sieben bekannte Titel „verfeuerschwanzt“ und als Cover aufgenommen. Ding von Seeed hat dabei eine gewisse Bekanntheit erlangt. In den 16 Bandjahren wurden bereits neun Longplayer auf den Markt geworfen. Zum Intro tanzt zunächst eine Mieze (so die Bezeichnung der Tänzerin, welche Feuerschwanz bei den Live-Gigs unterstützt) im strömenden Regen über die Bühne, bevor der Rest der Band die Bretter entert und mit Metnotstand Im Märchenland (Walhalligalli, 2012) die Show eröffnet. Die beiden Sänger Hauptmann Feuerschwanz (Peter Henrici) und Prinz R. Hodenherz III (Ben Metzner) sorgen gleich für Stimmung im Dauerregen und heben die Hörner (Methämmer, 2018). Über Wikingerblut im blutroten Scheinwerferlicht geht es zum Metfest (Das Elfte Gebot, 2020), was von den Zuschauern trotz Dauerregen kräftig abgefeiert wird. Schubsetanz wird zum Bierbanktanz und die beiden Sänger nehmen wie die Zuschauer auf einer Biergartengarnitur Platz. Die Setlist konzentriert sich vor allem auf die letzten beiden Werke Methämmer (acht Titel) und Das Elfte Gebot (sechs Tracks), das Seeed Cover Ding wird ebenso kräftig abgefeiert wie Methämmer oder Krieger Des Mets. 
Da die Masse der anwesenden Menschen bis auf die Haut nass ist, dazu die Temperaturen bei unter 10 Grad liegen, startet die Abreise vieler Zuschauer früher als geplant. Ich selbst versuche mich in der Pause bestmöglich trockenzulegen, dabei helfen Pkw und die Tribüne, welche wohl bei den Pferdeveranstaltungen genutzt wird. Heute hat das Teil den großen Vorteil, den Regen abzuhalten und so sucht nicht nur meine Person Schutz unter irgendwelchen Dächern. Aber alles Jammern hilft nicht, das wahrscheinlich letzte Livekonzert des Jahres 2020 steht für mich auf dem Programm und der Himmel weint dazu, und das mehr als kräftig. Mittlerweile stehen große Teile des Geländes unter Wasser. Die Wiese, wo die Bierzeltgarnituren stehen, ist eine einzige Wasserlache. Es kommen nun Fiddler’s Green, ebenfalls aus Erlangen, auf die Bühne. Die Herren feiern 2020 ihren 30. Bandgeburtstag, heute mit genau dem zweiten Konzert des Jahres. In den 30 Jahren Bandgeschichte wurde natürlich reichlich Material veröffentlicht, zuletzt 2019 das Langeisen Heyday. Der Style wird als Speed Folk bzw. Irish Speed Folk bezeichnet. Viele traditionelle irische Tracks erhalten via Fiddler’s Green reichlich Tempo. Heute sind die Herren jedoch unplugged unterwegs und sitzen wie das Publikum auf Barhockern auf einer Bühne, die als eine Art Irish Pub dekoriert ist. Los geht es mit The Freak Of Enniskillen, dem ersten Track des letzten Release. Wie auch das Publikum sitzt das Sextett dick eingepackt auf der Bühne. Das Publikum ist mehr als ausgedünnt, direkt vor der Bühne im strömenden Dauerregen dürften kaum mehr als 100 Menschen ausharren. 
Ich kann mich den Worten vieler Bands nur anschließen und mich bei dem Veranstalter und seinem Team bedanken. Wichtig ist natürlich, dass Musiker Bühnen finden, auf denen man unter Corona-Bedingungen auftreten kann. Für das heutige Wetter kann keiner etwas, schade, aber irgendwie auch passend für das Jahr 2020. Bereits am Abend war mir klar, dass die heutigen Konzerte ein besonderes Erlebnis waren und mir immer in Erinnerung bleiben werden.


































