“Von angezogener Handbremse bis zum Outro vom Band“

 

Eventname: Got Your Six Tour 2015

Headliner: Five Finger Death Punch

Vorbands: Papa Roach (abgesagt), Devil You Know (abgesagt), Eskimo Callboy, Skindred, Nothing More

Ort: Mitsubishi Electric Halle (ehem. Philipshalle), Düsseldorf

Datum: 25.11.2015

Kosten: 52,50 € VVK

Genre: Alternative Metal, Groove Metal, Heavy Metal, Nu Metal

Besucher: geschätzt 2.000 Besucher

Veranstalter:  Handwerker Promotion (http://www.handwerker-promotion.de/)

Setliste:

  1. Lift Me Up
  2. Hard To See
  3. Never Enough
  4. Got Your Six
  5. Bad Company
  6. Jekyll and Hyde
  7. Drum Solo
  8. Burn MF
  9. The Agony Of Regret
  10. Wrong Side Of Heaven (akustik)
  11. Battle Born
  12. Coming Down
  13. Burn It Down

Zugabe:

  1. Under And Over It
  2. Far From Home
  3. The Bleeding
  4. The House Of The Rising Sun (vom Band)

 Five Finger Death Punch Tour 2015 Flyer stand 12.06

Bei dem heutigen Konzert wollte ich mich eigentlich nicht von den Vorfällen vom 13.11.2015 in Paris beeinträchtigen lassen. Doch als gestern die Absage für das Tourkonzert in Paris seitens Five Finger Death Punch über alle Kanäle bekanntgegeben wurde, stand das Konzert am heutigen 25.11.2015 (also gerade mal zwölf Tage nach den besagten Anschlägen) so ein wenig auf der Kippe. „Man wolle bei jedem Konzert einzeln entscheiden, ob man dies aus Sicherheitsgründen stattfinden lassen sollte oder eben nicht“, hieß es von der Band und dem Veranstalter. Also auf Nummer Sicher zu gehen für die Band und vor allem auch für die Fans, ist in meinen Augen auf jeden Fall genau das, was man tun sollte. Doch wenn es zum puren Aktionismus führt, dann wird das Ganze gefährlich. Zum Glück ist dies heute nicht der Fall und trotz Absage von Papa Roach und Devil You Know soll es heute in der Mitsubishi Electric Halle ab 19:00 Uhr ordentlich rund gehen.

Erfahren habe ich von der Absage der Bands – und der zeitgleichen Zusage von Skindred und Nothing More durch ein offizielles Statement von Five Finger Death Punch und dem Veranstalter handwerker Promotion.

Hier das offizielle Statement von FIVE FINGER DEATH PUNCH:

Despite some significant challenges in Europe since the horrible events in Paris recently, we have continued on our tour and remained dedicated to our mission of providing you, the fans, the highest quality show in the safest possible show environment.  As a result of new & increased travel/transportation  restrictions and challenges, in some cities we are scheduled to play, we are unable to fulfill this promise, so we were forced to postpone those shows. We continue to face additional challenges but remain committed to finishing out the tour as best as we can. We are not a band that is used to postponing or canceling shows. In fact, we have always prided ourselves on showing up onstage no matter what, so these extenuating circumstances have been particularly challenging for us, as artists, given the high standard we place on ourselves to deliver for the fans.

Five Finger Death Punch will finish out the remaining European tour dates without Papa Roach and Devil You Know in Dusseldorf, Germany and at Wembley Arena in the UK. The lineup for Düsseldorf will include FFDP, Eskimo Callboy, Skindred and Nothing More. For Wembley it will be FFDP, Skindred, As Lions and The One Hundred.  The show in Brussels will be postponed, but we will be back soon to play for our Belgian fans.

We appreciate everyone’s support as we continue to navigate these largely uncharted waters.  Nothing gives us greater satisfaction than delivering the best show possible in the safest conditions.

 

Bitte beachtet auch folgenden Sicherheitshinweis des Veranstalters:

Liebe Besucher,

da wir aufgrund der aktuellen Geschehnisse verstärkt Rückfragen zur Sicherheit erhalten, möchten wir folgende Punkte ansprechen:
Das Konzert wird stattfinden. Wir haben grundsätzlich einen sehr hohen Standard durch unseren Sicherheitsdienst im Einlass-Bereich und die Positionen in und um die Halle.

Um zeitliche Verzögerungen beim Einlass zum Konzert zu vermeiden, möchten wir euch bitten, die Anreise früher einzuplanen und nach Möglichkeit auf die Mitnahme von Taschen und Rucksäcken zu verzichten.
Mit eurer Hilfe können wir somit verstärkte Kontrollen an den Zugängen der Halle erleichtern. Gleichzeitig möchten wir natürlich längere Wartezeiten beim Einlass, der bereits ab 17:30 Uhr stattfinden wird, vermeiden.

Vielen Dank für eure Hilfe. Wir wünscht euch jetzt schon viel Spaß und uns allen einen entspannten Konzertabend!

Euer handwerker promotion Team

Da wir vor allem wegen der Bands Devil You Know, Eskimo Callboy, Papa Roach und natürlich dem Headliner Five Finger Death Punch anreisen wollten, sitzen wir heute erst so gegen 18:30 Uhr im Auto und lassen uns die 25 km bis zum Einsatzort mit ein wenig Fassbrause und guter Musik untermalen – im heutigen Fall natürlich die neue Platte von Five Finger Death Punch. Auf der Siegburger Straße in Düsseldorf angekommen, macht sich das volle Maß des heutigen Events bemerkbar. So ist bereits um 19:00 Uhr der erste und der zweite Parkplatz der ehemaligen Phillipshalle wegen Überfüllung gesperrt und auch die Autokarawane, die auf dem Weg zum dritten Parkplatz ist, will nicht wirklich abreißen. So macht es sich unser Gefährt heute mal auf dem Grünstreifen bequem, während wir uns auf den Fußweg zur Halle machen. 

Trotz angekündigter verschärfter Einlasskontrollen, ist es vor der Halle echt ruhig und auch wenn weiterhin Leute anreisen, ist man in Null-komma-nix durch die Sicherheitskontrolle – also quasi so wie immer. Drinnen gönnen wir uns noch ein kühles Blondes und staunen nicht schlecht bei dem Anblick, was die Bands heute für Preise für ein T-Shirt haben wollen. Da mir persönlich 35 € für ein T-Shirt und 80 € für ein Tanktop zu teuer sind, geht es ohne Tour-Merch in die bereits gut gefüllte Konzerthalle.

Den Auftakt machen heute Skindred – ich weiß, eigentlich wäre ja noch von Nothing More zu berichten, doch die haben wir auf Grund der etwas späteren Anreise leider bereits verpasst. Die Briten, die heute für Papa Roach eingesprungen sind, wissen ganz genau, wie man eine Halle aufheizt. Wer mit Under Attack, Roots Rock Riot und meinem Favoriten Rat Race beginnt, kann ja eigentlich kaum etwas falsch machen. So ist von unserem Platz aus gut zu sehen, dass weder das Publikum noch die Band, es schlimm finden, dass Skindred bloß als „zweite Wahl“ heute hier auftreten dürfen. So tanzt die Mitsubishi Electric Halle bei Volume, Pressure und dem Abschluss-Song Warning ausgelassen mit. Wer eigentlich wegen Papa Roach gekommen war, der bekommt vom DJ als kleines Schmankerl einen Dubstep-Remix zum Kassenschlager Last Resort geliefert.

Nach kurzer Umbaupause, darf nun der Co-Headliner des Abends sein Bestes geben. Die aus Castrop-Rauxel stammenden Eskimo Callboy haben ja in den letzten Jahren mit We Are The Mess und Crystals schon so einige Male von sich hören lassen. Obligatorisch startet das Maskottchen die Show. Hier wird klar, dass doch so einige auch wegen der eigentlich noch recht jungen Band gekommen sind. Wo Crystals noch verhalten vom Publikum angenommen wird, bringt We Are The Mess den Zenit des Auftritts. Auch wenn das Wort Zenit nach viel klingen mag, will der Funke heute nicht auf alle Zuschauer überspringen. So kenne ich eigentlich nicht, dass das Publikum nur wenig Interaktionen mitmacht. Sicher ist mal ein kleiner Circle Pit drin, jedoch war es das auch. Da bin ich doch gespannt, ob die Menge durch den Headliner so richtig auftaut. Den Abschluss machen das Skrillex-Cover Cinema, Best Day und Is Anyone Up?

Was folgt nach einer Vorband? Klar eine Umbaupause – hierbei ist aber wohl eher von einer Abbaupause die Rede, denn bis auf eine kleine Bühne vorn (für den Sänger) und zwei kleine Aufsteller darf nur der große Banner im Background die Bühne verzieren – ich hatte eigentlich etwas mehr erwartet. 

Pünktlich huschen die US-amerikanischen Proll-Metaler auf die Bühne. Beim Opener Lift Me Up zeigen die Jungs aus Las Vegas, dass man auf einer fast leeren Bühne die Fans trotzdem mitreißen kann. Mit einer Setliste, die trotz Albumtour die Alben The Wrong Side Of Heaven And The Righteous Side Of Hell, Volume 1, War Is The Answer, American Capitalist und das neue Album Got Your Six verarbeitet, sind Five Finger Death Punch genau richtig. Jedoch will der Funke zum wiederholten Male nicht wirklich überspringen. So sind zwar Songs wie Got Your Six und Jekyll And Hyde echt cool und auch gut rübergebracht, jedoch ist einzig bei Bad Company das Publikum zu hören und bei Burn MF ein Circle Pit (wenn auch ein kleiner) in der Halle zu sehen. Soundtechnisch macht man alles richtig, so ist nichts zu leise und auch das Pfeifen in den Ohren bleibt bei den meisten aus. Als bei der Akustik-Version von Wrong Side Of Heaven Sänger Ivan L. Moody beim Ende des Songs durchs Publikum läuft, muss sogar der Sanitäter ausrücken. Ob aber Moody selbst dafür verantwortlich ist, oder nur ein Schwächeanfall eines Gastes ist von unserem Winkel aus nicht zu erkennen. Burn It Down begleitet die Band in die obligatorische Zugabe-Pause. Irgendwie ist es schade, dass heute alle ein wenig mit angezogener Handbremse die Bühne beschallen. So etwas merkt man im Publikum sofort und das zieht die Stimmung runter. Under And Over It, Far From Home und The Bleeding
 machen den Abschluss der Zugabe-Session. Dass man sich dafür entschieden hat, als Outro das Cover-Lied House Of The Rising Sun von The Animals ist zwar schlüssig, doch warum man diesen – in meinen Augen – genialen Song vom Band abspielt, obwohl man eine vollwertige Band auf der Bühne stehen hat, bleibt mir ein Rätsel.

Fazit: Zusammengefasst war das heutige Konzert befriedigend. Jede der anwesenden Bands hat ihren Job gemacht, aber leider auch nicht mehr. So bleibt ein etwas unbefriedigendes Gefühl im Bauch als ich das Grundstück der Konzerthalle verlasse. Denn im Vergleich zum Auftritt der Todesfäuste beim Wacken Open Air 2014 war das heute alles andere als eine gute Leistung. Jetzt kann man natürlich sagen, dass man wegen der Anschläge in Paris ein wenig beeinträchtigt gewesen wäre, doch man erwartet doch auch von mir als Redakteur, dass ich meine Texte schreibe, egal ob gerade ein Journalist erschossen wurde oder nicht. Gut wenn man das jetzt mal weglässt, ist trotzdem nicht erklärbar, warum man so spartanisch ausgestattet war. Bei einem Konzert, welches mehr als vierzig Euro kostet, erwartet man als Fan, dass man einen tollen Abend dafür erhält und nicht nur einen netten. Also ich bleibe dabei, Five Finger Death Punch und Eskimo Callboy haben echt mit angezogener Handbremse gespielt und so konnten Skindred in meinen Augen als einzige Band wirklich überzeugen.

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