Interview mit Andreas Dötsch, dem Gitarristen von Steelpreacher, einen Tag vor der Veröffentlichung des neuen Albums „Back From Hell“

Steelpreacher haben wesentlich mehr zu bieten als diese drei Akkorde auf Rock 'n' Roll

Artist: Steelpreacher

Herkunft: Koblenz, Deutschland

Genre: Heavy Metal

Label: ACFM Records (https://www.acfm.info/records/)

Link:  https://www.facebook.com/steelpreacherrocks/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Jens „Preacher“ Hübinger
Gitarre – Andreas Dötsch
Bass, Gesang – Andy „Mu“ Hübinger
Schlagzeug, Gesang – Hendrik „Beerkiller“ Weber

Am Freitag, den 07.05.2021, hatte ich die Gelegenheit, mich mit Andreas Dötsch, dem Gitarristen der Koblenzer Heavy Metal Institution Steelpreacher, über die Band und das neue Album Back From Hell zu unterhalten. Back From Hell ist einen Tag später, am 08.05.2021, via ACFM Records erschienen.

Time For Metal / Juergen S.
Hi Andi, schön dich hier zu haben zum Interview. Das letzte Mal bist ja du gekommen, um mich zu interviewen. Dieses Mal bist du für die Mannen von Steelpreacher hier. Bist du von den anderen drei Jungs autorisiert, oder unterhalten wir uns heute hier illegal ohne Genehmigung der anderen drei? (muss gerade schmunzeln bei den drei ??? 😉 ) Müssen wir irgendwelche Regressforderungen befürchten? Nicht, dass wir demnächst mit einem Biertanklaster vorfahren müssen.

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Um Gottes Willen, gegen einen Biertanklaster hätten wir zwar nichts einzuwenden, es darf aber nur Bier aus braunen Flaschen sein – das ist ganz wichtig!!! Ich bin natürlich grundsätzlich autorisiert hierfür, keine Frage. Wir haben momentan tatsächlich alle sehr viel Arbeit bei Steelpreacher. Wir beide kennen uns ja schon seit ewigen Zeiten und laufen uns bei Konzerten immer über die Füße… Ob ich das jetzt mit dir mache, oder ob Jens oder Mu das mit dir machen…ich denke, wir beiden haben einen ganz guten Draht zueinander, sodass das schon gut passt.

Time For Metal / Juergen S.
Ich frage ja deshalb, weil du als Letzter zu den Jungs dazu gekommen bist. Das war 2018?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Nee, 2017.

Time For Metal / Juergen S.
Ah ok. Die anderen Jungs spielten da schon seit 2001 als Trio zusammen. Wie war die Aufnahme bei Steelpreacher? Hoffe doch nicht wie das fünfte Rad am Wagen oder die vierte Ecke beim Dreieck?

Steelpreacher/Andreas Dötsch
Nein, natürlich nicht. Das war eine ganz großartige Angelegenheit damals. Das hatte seine Wurzeln darin, dass wir im Florinsmarkt eine Specialshow gespielt haben. Das war ein Set, was über den kompletten Abend ging und wir waren 17 Gastmusiker. Alles tolle Leute aus der Koblenzer Szene. Unter anderem war ich einer der Musiker, der gefragt worden ist. Ich sollte eigentlich nur zwei Songs mitspielen. Bei den Proben haben wir dann gesagt, dass es mit zwei Gitarren doch irgendwie geiler ist und es passt. Am Schluss waren es dann alle Songs und die Jungs haben mich einfach “behalten“.

Time For Metal / Juergen S.
Die nächste Frage hast du mir damit ja bereits beantwortet, also wie du dazu gekommen bist? Wurdest du angefragt oder hast du dich aufgedrängt? 😉

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Nein ich wurde angefragt!

Time For Metal / Juergen S.
Ja, hattest du eben auch schon gesagt. Und zwei Gitarren stehen Steelpreacher schon ganz gut.

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Live auf jeden Fall. Im Studio kann man einiges auch mal doppelt einspielen oder so. Aber live macht es wirklich einen wahnsinnigen Unterschied.

Time For Metal / Juergen S.
Das erste Mal mit Steelpreacher habe ich dich am 25.11.2017 im Florinsmarkt in Koblenz gesehen. Das war ein genialer Abend mit den italienischen Freunden von Alltheniko. Du hattest eben ja bereits gesagt, dass das dein erster Gig mit Steelpreacher war. In der Koblenzer Szene bist du durch deine Solosachen ja kein Unbekannter. Damals warst du auch noch bei den Kölnern Wolfen aktiv, das ist jetzt ad acta gelegt, das Kapitel ist vorbei?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Ja

Time For Metal / Juergen S.
Das Konzept von Steelpreacher ist recht einfach! Reichlich Heavy Metal und viel Bier – oder!? Ist das zu einfach? Eine Menge Spaß ist doch dabei, gehe ich jetzt mal von aus. Auf der Bühne sieht es jedenfalls so aus, oder täusche ich mich?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Nein, täuschen tust du dich da ganz bestimmt nicht! Aber Steelpreacher haben wesentlich mehr zu bieten als diese drei Akkorde auf Rock ’n‘ Roll. Das merkt man, glaube ich, auch auf der neuen Platte. Man versucht auf den Platten immer das gesunde Mittelmaß zu finden zwischen Partymusik, einer gewissen Ernsthaftigkeit und klassischem Heavy Metal. Das ist so ein gewisser Rahmen, der muss da sein. Wenn man die Platte durchhört, merkt man, da sind grundsätzlich so zwei Schienen, die gefahren werden. Das ist einmal natürlich: Gute Laune, Bier und Party und zum anderen der etwas ernsthaftere Heavy Metal, der auch mal klassische Heavy Metal Themen in seinen Texten behandelt. Mit dieser Mischung sind Steelpreacher schon immer gut gefahren.

Time For Metal / Juergen S.
Steelpreacher sind nun Back From Hell (Albumtitel). Der Teufel wollte sie wohl nicht mehr, die haben ihm wohl den gesamten Biervorrat aufgesoffen. Kann das sein? Wie ist der Albumtitel entstanden?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Der Titel ist tatsächlich bei einer Probe entstanden. Wir waren an einem Song am Schrauben. Das Songwriting bei Steelpreacher ist sehr aufwendig. Es wird so lange daran gefeilt, bis wirklich jeder damit einverstanden ist. Es werden keine Kompromisse gemacht. Back From Hell stammt aus der Feder von Jens und Mu, das ist die klassische Arbeitsteilung bei Steelpreacher. (Hendrik Weber) ist im eigentlichen Sinne die Qualitätskontrolle. Er sagt, wenn wir da oder da noch mal ran müssen. Ich schwimme da irgendwie ein bisschen mit.

Aber zu Back From Hell – das war so ein Ding: Im Proberaum gestanden, das Ding angespielt… Wir haben dann einstimmig gesagt: Das ist der Titelsong für die Platte. Das kommt geil, das passt gut zu den typischen Steelpreacher Themen.

Time For Metal / Juergen S.
Bevor wir auf das Album kommen, muss ich noch mal etwas zurück in die Annalen von Steelpreacher. Back From Hell ist ja nicht die erste VÖ von Steelpreacher mit dir, obwohl es das erste Album von Steelpreacher mit dir als Quartett ist. Der 29.12.2018 wird zumindest in der Koblenzer Gegend das Metalunderground-Datum bleiben. Ein geiler Abend, der zudem auf DVD festgehalten wurde. Wie sind deine Erinnerungen daran?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Die DVD-Produktion war was Neues, das kannte ich so noch nicht. Wir haben mit drei Undergroundbands den Laden (das JUZ Andernach) vollgemacht. Wir haben den Laden zum Kochen gebracht, der Laden ist regelrecht abgebrannt. Der Anspruch war, den Abend 1:1 auf DVD wiederzugeben, egal ob jemand schief singt oder auch daneben spielt. Purer Underground halt, nicht nachbearbeitet.

Time For Metal / Juergen S.
Also null Overdubs?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Nicht das ich wüsste!! Es ist halt Underground und da sollte es so sein. Der Rolf hat da einen sehr geilen Sound hinbekommen.

Time For Metal / Juergen S.
Zurück aus Hölle, oder besser Back From Hell – das neue Steelpreacher Album. Sage und schreibe sechs Jahre hat man sich Zeit gelassen. Wieso sind so viele Jahre seit dem letzten Album Devilution ins Land gegangen? Sechs Jahre wurde wohl nicht an dem Album gearbeitet. Wie lange habt ihr gebraucht zwischen den ersten Ideen und der endgültigen Fertigstellung. Morgen, am 08.05. erscheint es ja offiziell!

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Ich kann dir gar nicht sagen, wie lange wir an Back From Hell geschrieben/gearbeitet haben. Es war auf jeden Fall lange. Wir haben tatsächlich viel geprobt.

Time For Metal / Juergen S.
War die Idee schon vor Corona?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Ja, die Idee hatten wir schon vor Corona. Viele Ideen mussten ausgearbeitet werden. Die Richtlinien zur Kontaktbeschränkung haben wir während Corona eingehalten. Das hat sich dann alles in die Länge gezogen. Wahrscheinlich wären wir ohne Corona etwas früher fertig gewesen. Zwischen der Devilution und Back From Hell war halt eine Menge Zeit. Da stand dazwischen auch noch die DVD-Aufnahme. Da musste auch einiges an Zeit investiert werden. Das hat sich halt gezogen. Das Material auf der DVD ist ja so was wie ein Best-of-Album.

Time For Metal / Juergen S.
Nochmals zu meiner These Steelpreacher sind reichlich Heavy Metal und viel Bier! War das bei den Aufnahmen auch so, oder fährt man die dann komplett trocken ein?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Das Bier-Image pflegen wir natürlich gerne nach außen als Gimmick. Mehr aber auch nicht, wir nehmen das alles schon sehr ernst. Auch live macht das schon den Eindruck, als würden wir mehr trinken als andere. Aber das ist ja nicht wirklich so. Wenn es so aussieht, dass Jens während der Show fünf Bier trink, dann geht die Hälfte sowieso schon ins Publikum. Wie gesagt, wir nehmen das schon sehr ernst, dass wir die Shows vernünftig durchziehen. Trinken kann man gerne auch danach. Wie gesagt, das Saufen ist ein Gimmick, trotzdem machen wir unseren Job. Professionalität steht an erster Stelle.

Time For Metal / Juergen S.
Zehn Songs sind es auf dem Album geworden. Alleine drei Songs, die Bier/Beer im Titel haben. Auf der Bühne ist dann immer das obligatorische Bitburger Bier zu sehen. Habt ihr mit denen eigentlich einen Werbevertrag? Wenn nicht, dann solltet ihr euch so was mal überlegen. Habt ihr eigentlich schon mal überlegt, den Kollegen Gerre von Tankard für Guestvocals mal anzufragen?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Das sind ja zwei verschiedene Fragen. Eine über Bier, die andere über Tankard.

Time For Metal / Juergen S.
Nö, eigentlich nicht. Ist ja die gleiche Frage, denn Tankard ist Bier.

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Zum ersten Teil deiner Frage: Ganz klar, ich glaube Bitburger kann sich das gar nicht leisten 😀 Die haben ja sowieso, was sie wollen. Wir trinken viel, wir sind gute Kunden. Irgendwie ist Bitburger ja immer dabei. Was Guestvocals auf dem Album betrifft, da war es ganz klar, da haben wir wieder den Schlag zur DVD mit Secutor und Dragonsfire gemacht. Die beiden Jungs haben das großartig gemacht. Der Denis Ohler (Dragonsfire) und der Peter Cüsters (Secutor). Das ist halt großartig, dass hier wieder der Bezug zur DVD ist

Time For Metal / Juergen S.
Der letzte Song ist das so etwas wie ein Tribute To Yourself? Der heißt nämlich Master Of The Underground. Ihr wart ja 2018 Bestandteil des Andernacher Masters Of The Underground und für viele Fans seid ihr auch Masters Of The Underground.

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Das kann man sehen, wie man möchte. Im Underground gibt es jede Menge an (guten) Bands.

Time For Metal / Juergen S.
Das Cover von Back From Hell stammt erneut von Timo Würz. Sehr genial natürlich wieder. Wie bei Timo nicht anders zu erwarten. Timo hat mir auch zur Hochzeit ein geiles Bild gemalt. Er ist ja ein riesen Künstler. Ich finde es sehr geil, dass er auch im Underground für viele Bands so aktiv bei den Coverillustrationen dabei ist. Kennst du ihn persönlich? Weißt du, wie das Cover entstanden ist?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Nein, persönlich kenne ich ihn nicht. Vom Ablauf war das so, dass wir ihm ein paar Eckpunkte genannt haben, so nach dem Motto: Beer, Metal, Hell. Wir haben ihm so einen gewissen Rahmen genannt, was wir gerne drin hätten. Wenig später hat er uns dann Schemenzeichnungen (ich glaube, so nennt man das) geschickt, also so einen groben Entwurf. So, haben wir schon gesagt, das ist es. Das hat er dann natürlich megagenial ausgearbeitet.

Time For Metal / Juergen S.
Ich denke, dass Steelpreacher gut und gerne mit vielen bekannteren Heavy Metal Kapellen problemlos mithalten können. Was denkst du, was macht es im Heavy Metal aus, einen bestimmten höheren Bekanntheitsgrad zu bekommen?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Wie bereits gesagt, ich hätte nichts gegen eine Tour mit Saxon einzuwenden (Andi spielt da auf das signierte Tourposter von Saxon bei mir an der Wand an). Das würde auch gut zusammenpassen. Wir haben uns unsere Fanbase hier im Underground erarbeitet. In höhere Levels hineinzurutschen, ist meiner Meinung nach meistens eine Geldfrage. Man kann sich ja für relativ viel Geld auf so eine Tour mit einer großen Band draufbuchen. Die Frage ist dann natürlich, ob sich das im Endeffekt dann wirklich rechnet. Es gibt viele, die das machen. Dann spiele ich doch lieber meine Undergroundgigs vor einem Publikum, was echt guter Laune ist und sich von uns entertainen lassen will. Alles andere ist zudem sehr businessbehaftet. Man muss sich selbst fragen: Was will ich eigentlich?

Time For Metal / Juergen S.
Ihr macht das wieder in Eigenregie bzw. über ACFM Records in Zusammenarbeit mit Jan. Was denkst du, wie kann das Label ACFM bzw. Jan dazu beitragen, dass Steelpreacher nochmals einen Schub bekommen? Habt ihr eigentlich Ziele bzw. Avancen in diese Richtung?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Von Steelpreacher leben können wir natürlich nicht. Wir haben alle unsere Jobs und Familie. Die Zusammenarbeit mit A Chance For Metal / mit Jan ist natürlich von einer Freundschaft gekennzeichnet. Man fühlt sich da nicht unter Druck gesetzt, alles bleibt auf dem Boden. Da setzt keiner einem die Pistole auf die Brust, nach dem Motto „weil du bei uns unter Vertrag stehst“. Da ist es halt: Eine Hand wäscht die andere. Ich finde so eine Zusammenarbeit toll, das bringt einen weiter.

Time For Metal / Juergen S.
Möchtest du noch ein paar abschließende Worte sagen, zum Beispiel Oma grüßen, irgendwas, was du loswerden willst…

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Wenn ich noch eine Oma hätte, dann würde ich sie natürlich grüßen – keine Frage. Ich kann mich eigentlich nur noch mal bei den ganzen Fans bedanken. Auch bei denen, die mich als viertes Steelpreacher-Mitglied akzeptieren. Ich kann euch nur ans Herz legen, trinkt kein Bier aus grünen Flaschen. Das ist ganz wichtig. Wir werden auch noch die nächsten zwanzig Jahre alles dransetzen, um ein geiles Entertainment für euch auf die Beine zu stellen.

Time For Metal / Juergen S.
Da fällt mir am Schluss aber noch was ein! Gibt es noch eine Releaseparty? Vielleicht im Florinsmarkt dann?

Steelpreacher / Andreas Dötsch
Auf jeden Fall wird es eine Releaseparty geben. Wo dann, lass dich auf jeden Fall überraschen! Es wird auf jeden Fall hart werden!!! Im November ist ja noch das zwanzigjährige Bandjubiläum geplant, so Corona will! Unter der Voraussetzung, dass Corona es will, werden wir für euch dann im November im JUZ in Andernach eine Show bereithalten, die sich gewaschen hat! Mit Gästen: Dragonsfire, Secutor, Hornado, Wild Rider, Sic Zone, Torment Of Souls

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