Interview mit El Rojo, dem Sänger von Metal Inquisitor

Also im Augenblick hätte ich Bock, nochmal zwei Dekaden zu füllen!

Bandmitglieder

Gitarre – Blumi
Gitarre – T.P.
Gesang – El Rojo
Schlagzeug – Havoc
Bass – Cliff Bubenheim

Ich hatte das Vergnügen mit El Rojo, dem Sänger von Metal Inquistor ein Interview zu führen. Als echter Metaler zeigte er sich beim Fotoshooting sehr offen für meinen Kumpel Challisto. Den Maulkorb musste ich leider Challisto anziehen, mit El Rojo musste ich ja noch das Interview führen. Außerdem wollen wir El Rojo noch länger singen hören! 🙂

Time For Metal / Juergen Simon

Hi El Rojo, schön dich zum Interview hier zu haben. Mehr als zwei Dekaden Metal Inquistor! Wie fühlt man sich da!? Alt? Immer noch so frisch wie am Anfang?

Metal Inquisitor / El Rojo

Weder frisch noch alt! Eine Mischung aus beidem – im positiven Sinne: Da ist durchaus noch Kraft in den Knochen und der Spaß bestimmt nicht weg! Aber man hat Erfahrung, die ich durchaus als Bereicherung empfinde. Also im Augenblick hätte ich Bock, noch mal zwei Dekaden zu füllen – Saxon feiern gerade ihr 40. Jubiläum, das will ich auch!

Time For Metal / Juergen Simon

Was ich schon immer mal fragen wollte: Ihr habt alle Pseudonyme oder Spitznamen. Kannst du mal erklären, woher die kommen / was sich dahinter verbirgt? Dich kenne ich zwar schon recht lange, jedoch nur mit deiner ultrakurzen Haarfrisur! Darf ich mal raten? El Rojo kommt aus dem spanischen und heißt übersetzt: der Rote … Kannst du zu den anderen Namen auch was sagen, oder ist das secret?

Metal Inquisitor / El Rojo

Nö, nix Geheimes – zumindest was mich betrifft! Du bist schon auf dem richtigen Wege: Mein Bruder hat mich so genannt, als er in den 80ern für einige Monate in Spanien war und nach Hause kam. Damals hatte ich volle (!!!), rote, lange Haare und passte daher. Und als dann rund 10 Jahre später die Bandgründung kam und wir beschlossen, Pseudonyme zu verwenden, wählte ich eben El Rojo. Zu Beginn sorgte das für Irritationen, denn die Verwendung des Spanischen im Heavy Metal war (und ist) eher ungewöhnlich. Und dass das „j“ hier wie ein „ch“ (vergleichbar mit dem „ch“ in „Woche“) ausgesprochen wird, ist auch nicht jedem klar. In Kowelenz ist man daher schon mal schnell der „äl Rotscho“

Time For Metal / Juergen Simon

Im Frühjahr war Release des neuen Metal Inquisitor Albums Panopticum. Wie zufrieden seid ihr mit dem Album? Wie kommt es bei den Fans an?

Metal Inquisitor / El Rojo

Die Fertigstellung des Albums hat uns allen zu lange gedauert – aber das ist kein Vorwurf in irgendeine Richtung!! Es gab Gründe dafür, die eben nun mal so waren – Punkt. Aber das Produkt an sich – also die Songs, der Sound, das Cover – stellt uns sehr zufrieden! Natürlich gibt es Dinge, die man verbessern könnte, und wir sind immer selbstkritisch genug, um dies auch zu benennen. Aber im Grunde liegt das auf einer „fachlichen“ Auswertungsebene, z. B. ob der Gesang bei dem Song xy nicht vielleicht doch etwas zu sehr im Vordergrund steht, anstatt die Gitarren lauter zu machen. So kann man jede Platte analysieren. Aber Musik ist nun mal Geschmacksache, sodass man immer auch anderer Meinung sein kann. Letztlich zählt, ob wir die positiven Emotionen beim Hörer freisetzen können, die wir selbst beim Erschaffen der Songs da reingesteckt haben. Am besten in Form eines Ausflippens vor der heimischen Anlage. Wenn man die Kritiken so liest, kommt die Platte gut, zum Teil sogar sehr gut an und es hat sich auch niemand geäußert, der das Teil nach zwei Songs ausgemacht hat.
Es ist – angesichts der aktuellen, unglaublichen und auch sehr hochwertigen Veröffentlichungsdichte im klassischen Heavy Metal – sicher nicht einfacher geworden, die Leute zu begeistern. Ob Panopticon vor 10-15 Jahren anders wahrgenommen worden wäre, als viele dieser Bands noch in den Kinderschuhen steckten und traditionelle Heavy Metal Outputs eher Randerscheinung war? Who knows …

Time For Metal / Juergen Simon

Zwischen Panopticum und dem Vorgänger Ultima Ratio Regis lagen immerhin fünf Jahre. Braucht man die Zeit, um ein neues Album heraus zu bringen? Wie viel spielt der Zeitfaktor beim Entstehen eines neuen Albums mit? Was passiert in den Zeiträumen zwischen den Alben?

Metal Inquisitor / El Rojo

Wie eben schon angedeutet, war im letzten Jahr vor der VÖ etwas der Wurm drin. Die Songs und das Cover waren Sommer/Herbst 2017 fertig und auch das Studio stand bereit. Aber alle Beteiligten haben „Full-Time-Jobs“, Familie und Co., sodass gemeinsame Zeitfenster per se schwer zu finden sind. Dann kamen auch noch unschöne Störfälle dazu und schwuppdiwupp ist ein Jahr rum, bis alle Songs aufgenommen, abgemischt und gemastert sind. Dann muss man auch noch ein paar Monate drauf rechnen, bis ein Presswerk das Ding vervielfältigt hat (Vinyl dauert noch mal extra lang), sodass wir erst im Januar 2019 veröffentlichen konnten.

Time For Metal / Juergen Simon

Ihr nehmt euch sowieso immer richtig Zeit zwischen den Alben! Also scheint es euch ja auch wichtig zu sein, die Zeit dafür zu haben. Panopticum ist das zweite Album beim Label Massacre Records. Wie wichtig ist es für euch, solch ein Label im Hintergrund zu haben? Was nimmt das Label euch ab? Macht das Label evtl. sogar auch Druck?

Metal Inquisitor / El Rojo

Wir haben keinen Druck, Songs zu machen und Platten rauszubringen. Außer unserem eigenen (künstlerisch-kreativen) Anspruch. Das heißt, wenn wir glauben, dass wir genug neue, gute (!) Songs haben, gehen wir die nächste Platte an. Wir entscheiden das! Das war von Anfang an unser wichtigster Aspekt bei dem Deal mit Massacre Records und das ist bislang von unserem Label auch absolut respektiert worden. Dass dann irgendwann auch mal jemand höflich fragt: „Ey, Jungs, wie sieht´s denn aus?“, ist absolut legitim – schließlich muss das Ganze auch vernünftig organisiert werden. Ein gewisses Maß an Verlässlichkeit muss auch von einer Heavy Metal Band an den Tag gelegt werden, die keinen kommerziellen Dogmen folgt und nicht korrumpiert wird. Ernsthaftigkeit und Freiheit schließen sich nicht aus! Soweit ich weiß, ist selbst bei den Punkern „Professionalität“ kein Schimpfwort (mehr).

Time For Metal / Juergen Simon

Worum geht es inhaltlich beim neuen Album Panopticum? Gibt es eine Botschaft / Message? Was ist Thema des neuen Albums?

Metal Inquisitor / El Rojo

Eine „Botschaft“ (z. B. im Sinne eines Konzeptalbums) gibt es nicht. Die Songtexte sind von unterschiedlichen Dingen beeinflusst worden, z. B. geschichtliche Ereignisse, die mich bewegen (u. a. Free Fire Zone). Aber auch andere Themen werden aufgegriffen, z. B. meine Meinung über rückgratlose Karrieristen (Change of Front). Der Plattentitel, das Cover und der Song Discipline and Punish handeln von einem Gefängnistypen, der tatsächlich existiert (hat)! Gruselige Sache – kann man nachlesen …

Time For Metal / Juergen Simon

Wer ist der Hauptsongschreiber bei Metal Inquisitor? Gibt es die Songs nur in Gemeinschaftsarbeit? Gibt es eine treibende Kraft im Hintergrund?

Metal Inquisitor / El Rojo

Hier musst Du das Musikalische und die Lyrics trennen. Die Lyrics stammen ausnahmslos von mir. Was den musikalischen Part angeht, so war in der Vergangenheit Blumi (Gitarre) die Antriebsfeder und hat einen großen Teil der Arrangements komponiert. Aber von Anfang an haben wir alle unsere Beiträge geliefert und konnten uns so einbringen, wie wir es für richtig erachtet haben. Und das ist auch so geblieben: Was Schlagzeug, Bass und zweite Gitarre spielt, steht nicht von vorne herein fest und auch die Gesangsmelodien sind nicht in Beton gegossen. Mal kommt jemand mit einer Idee, mal lässt man einfach auf einer Probe was geschehen und „jamt rum“. Dann wird probiert, gefeilt, getüftelt und oft genug auch wieder verworfen. Es soll gut klingen und wir müssen alle zufrieden sein! Bei Panopticon ist der Anteil, der TP (Gitarre) vorkomponiert hat, deutlich gestiegen. Ich finde, das hat einen bei diesen Songs einen „neuen Touch“ mitgebracht und unser Spektrum erweitert. Das wird auch von allen Menschen, die das mitbekommen haben, positiv zurückgemeldet – einschließlich bzw. vor allen Dingen von Blumi!

Time For Metal / Juergen Simon

Live macht ihr euch ja leider auch ein wenig rar! Wieso eigentlich? Sind die einzelnen Bandmitglieder ansonsten mit anderen Sachen, evtl. auch Nebenprojekten beschäftigt. Von Havoc (Moontowers), Cliff Bubenheim (Midnight Rider) und Blumi (Metalucifer, Midnight Rider) weiß ich es ja, dass die zumindest bandmäßig noch irgendwo anders eingebunden sind!

Metal Inquisitor / El Rojo

Auch hier liegt in Deiner Frage bereits die halbe Antwort: „Zweiteilen“ kann man sich nicht. Wenn ein Gig irgendwo bestätigt ist, kann man nicht zwei Wochen später einen Rückzieher machen, wenn eine Anfrage für die andere Combo kommt. Aber in den meisten Fällen können wir einen Auftritt nicht bestätigen, weil wir einfach beruflich und/oder privat gebunden sind: Da sind die Dienstwochenenden des Krankenpflegers, des Polizisten, des Kaufmanns oder die Unterrichtssamstage des Lehrers (ja, auch das gibt es!). Und dann kommen die familiären Termine – vor allem, wenn Kinder da sind.

Time For Metal / Juergen Simon

Wie erlebt ihr momentan den kleinen Hype um die Koblenzer „Supergroup“ Moontowers? Havoc ist da ja auch eingebunden. Freut man sich da mit ihm, dass das so gut läuft? Hat das vielleicht sogar noch positive Rückwirkungen auf Metal Inquisitor? Nach dem Motto, ach ja der spielt auch bei Metal Inquisitor, da muss ich unbedingt mal rein hören?

Metal Inquisitor / El Rojo

Puh, schwer zu sagen. Ist das überhaupt ein „Hype“? Der Begriff wird einerseits geradezu inflationär gebraucht, andererseits sehr unterschiedlich interpretiert. Ich für meinen Teil kann einfach nur das wiederholen, was ich vorher schon gesagt habe: Musik ist Geschmacksache. Wem Moontowers gefällt, der bangt. Wem nicht, der lässt es bleiben.

Time For Metal / Juergen Simon

Noch mal zurück zum Rarmachen. Es gab, glaube ich, keine offizielle Release-Party zum neuen Album im heimischen Gefilde. Da war meines Wissens nur ein Gig mit einer Band in Münster, aber nur anlässlich deren Albumreleases. Gibt es demnächst noch was von euch in Koblenz? Oder ist das Ironhammer Festival 2019 in Andernach im September die offizielle Releaseparty?

Metal Inquisitor / El Rojo

Du hast recht: Einen offiziellen Release-Gig gab es nicht – für uns unüblich wohlgemerkt. Wir hatten für Oktober 2018 im Florinsmarkt ein Event angedacht (dann auch verbunden mit einer Geburtstagsshow „20 Jahre MI“), aber aus mehreren Gründen wieder verworfen – nicht zuletzt, da die Platte noch nicht fertig war. Jetzt noch ein „Nachhol-Release“ hinterherschicken, finden wir irgendwie unpassend. Daher sind die Auftritte, die jetzt kommen, Auftritte ohne spezielles Motto – außer dem Wahlspruch, den wir immer haben: „Bangen und Bier“

Time For Metal / Juergen Simon

Wo und wann werden wir euch in diesem Jahr noch hören und sehen? Gibt es bereits Arrangements für das nächste Jahr? Das Der Detze Rockt hat ja Jubiläum, ihr ward da in der Vergangenheit bereits und es ist praktisch vor der Haustür!

Metal Inquisitor / El Rojo

Der Detze Rockt gehört sowohl aus aktiver Musiker-Sicht als auch aus der Publikum-Perspektive zu meinem festen Jahresplan: Entweder ich trete da auf oder ich stehe vor der Bühne und genieße die Bands, die die Veranstalter in die Eifel holen: Was da schon in den letzten Jahren alles gespielt hat! Supergeil! Und Preise, Orga – das ganze Drumherum verdient ebenfalls meine Hochachtung. Ich hoffe, dass wir dort wieder spielen werden – vor allem, da wir den allerersten Der Detze Rockt headlinen durften. Dass diese Ehre nun anderen Kapellen zu Teil wird, hängt (hoffentlich?!?) weniger mit unserem Niedergang, mehr mit den Größen, die dort auch spielen, zusammen: Wenn NWOBHM-Legenden wie Diamond Head und Satan am Start sind, bin ich kein bisschen angefressen, vorher aufzutreten. Ganz im Gegenteil: Dann kann ich wenigstens auch mal ungeniert über das Backstage-Freibier herfallen und die Bands genießen.

Time For Metal / Juergen Simon

El Rojo, vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hat! Gibt es von deiner Seite noch etwas, was du den Fans von Metal Inquisitor mit auf den Weg geben willst?

Metal Inquisitor / El Rojo

Ich finde, Songtitel der Altvorderen liefern immer einen guten Abschluss für ein Interview – ähnlich dem Zitat eines Dichters am Ende eines Essays. Und da ich mit Saxon begonnen habe, schließe ich mit Saxon: Never Surrender!

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