Interview mit Marc Hudson der Band Dragonforce zum neuen Album „Extreme Power Metal“ und über seine Position in der Band

"Das ist Gamification – das ist Dragonforce."

Artist: Dragonforce

Herkunft: London, Großbritannien

Genre: Power Metal

Link: dragonforce.com

Bandmitglieder:

Gesang und Perkussion – Marc Hudson
Leadgitarre – Herman Li
Gitarre – Sam Totman
Bassgitarre – Frederic Leclercq
Schlagzeug – Gee Anzalone

Das Interview fand im Rahmen des Summer Breeze Open Air 2019 in Dinkelsbühl (Bericht zum Festival: hier) statt.


Time For Metal / Kai R.:
Hey Marc,
es ist wirklich schön, dich heute hier zu treffen. Gerade nach der Show, die ihr eben auf der Main Stage geliefert habt – also ich fand sie echt super.

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Hallo Kai,
ja, vielen Dank. Ich freue mich auch, dass wir die Zeit gefunden haben heute hier miteinander zu sprechen.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Wir haben gehört, dass Frederic Leclercq (euer Bassist) euch verlassen wird. Ist da etwas dran?

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Ja, das stimmt. Er wird auf dem Elb Riot 2019 seine letzte Show mit uns spielen. Es ist eigentlich eine Schande für uns, denn er ist ein wirklich guter Musiker – ein guter Bassist und Backgroundsänger. Eigentlich wollen wir gar nicht, dass er geht, doch persönlich hat er ein Angebot erhalten, welches er nicht abschlagen wird. Darüber werdet ihr aber zeitnah etwas hören.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Doch diese Information ist noch wirklich geheim oder?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Ja, im Moment schon noch, doch ich denke, es wird nicht mehr lange dauern, bis wir etwas darüber hören werden. Er wird woanders unterkommen, was er natürlich selbst mitteilen möchte.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Ist das dann nun endgültig? Also wenn jemand sich gegen die Band entscheidet, dann braucht er nicht mehr zurückkommen oder ist das bei Dragonforce nicht so streng geregelt?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Mein weiß eigentlich nie, was die Zukunft bringt. Also wir gehen ja im Guten auseinander, also vielleicht kreuzen sich noch mal unsere Wege. Wir sind wirklich gute Freunde, doch Frederic ist nicht der Typ Mensch, der Dinge unüberlegt macht.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Ist Stevie T. eine Parodie oder die Wahrheit?
Hintergrund zu der Frage:

Dragonforce / Marc Hudson:
Haha, ich weiß gar nicht, was ich darüber und über ihn sagen soll. Es ist irgendwie beides – einerseits ist es natürlich eine Parodie, doch die wird wirklich wahr. Also er wird uns auf der US-Tour supporten.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Nur auf der US-Tour?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Ja, im Moment schon.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Ich habe das Video gesehen und fand die Idee einfach sehr lustig, wie kam es dazu?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Es hat erst angefangen mit diesem MEME-Zeug zwischen Herman und ihm und jetzt ist er mit uns als Bassist in der USA – vielleicht sogar als Triangelspieler.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Da kommt er doch jetzt nicht mehr dran vorbei oder?

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Nein, die Fans werden das ganz klar einfordern und wir geben ihnen, was sie wollen.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Woran erkennst du, ob ein Konzert gut gelaufen ist oder nicht? Gibt es etwas, was für dich den perfekten Gig ausmacht?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Das ist eine schwierige Frage. Die Dinge, anhand der ich mich selbst und die Band an sich messe, ist wirklich nur unser Spiel auf der Bühne. Es gibt weltweit so viele kulturelle Unterschiede und es ist so schwer am Publikum abzulesen, ob das Konzert gut angekommen ist oder nicht. Als Beispiel, wenn wir in Mexiko spielen, da schreit das Publikum immer, egal ob der Auftritt gut oder extrem schlecht ist, sie genießen das Event so oder so. Den Gegensatz dazu sieht man bei uns zu Hause in England. Da ist das Publikum oftmals sehr reserviert und man bekommt fast gar kein Feedback zurück und doch werden wir nach dann Konzert angesprochen und bekommen gesagt, dass es die beste Show des Jahres gewesen sein soll. Also an der Reaktion der Menge kann man sich selbst einfach nicht messen. Aber wir sind ja alles Musiker und wir kennen ja unsere Songs. Somit wissen wir eigentlich ob wir gut performt haben oder nicht – daran kann man sich eigentlich dann auch nur selbst messen.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Wie war die Show heute, hier auf dem Summer Breeze?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Anfänglich war es gefühlstechnisch ein wenig kühl, doch es wurde immer besser. Schon beim zweiten Song gingen die Gäste vor der Bühne ab – wir hatten zwei Circle Pits – darauf waren wir nicht gefasst. In Deutschland ist es aber immer angenehm, zu spielen.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Euer neues Album erscheint am 27.09.2019 (Extreme Power Metal)  – kannst und darfst du bereits etwas darüber erzählen?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Das Album bringt das, was alle Fans von Dragonforce erwarten und bringt es noch ein wenig mehr in die Extreme. Wir haben versucht, unsere Barrieren wegzuschaffen und alles noch etwas extremer auszulegen. Man glaubt ja kaum, wie sehr man sich selbst in einer Richtung versucht zu drängen. Wir wollten nicht zu „shreddy“ oder zu gitarrenorientiert sein und mussten das erst mal über Bord werfen als wir die Songs geschrieben haben. Es hat richtig Spaß gemacht, dieses Album zu produzieren und am Ende ist es wirklich ein richtiges Spaß-Album geworden.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Gibt es bzgl. der Songtexte auf Extreme Power Metal ein Konzept oder ein Fokus, den ihr gesetzt habt?

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Ich fange mit dem letzten Song des Albums an. Es ist ein Cover, nein viel mehr eine Dragonforce-Interpretation von Celine Dions Track My Heard Will Go On vom Titanic-Soundtrack.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Meinst du das jetzt ernst?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Ja, absolut! Es könnte sein, dass das noch keiner bisher gesagt hat, doch jetzt habe ich es gesagt und es ist ein Fakt. Wir wollten mit dem letzten Song etwas polarisierendes und lustiges dem Album hinzufügen und es hat auch richtig Spaß gemacht. Wir haben ja bereits eigene Interpretationen veröffentlicht, von Johnny Cash oder Evil Death. Ja und musikalisch ist My Heard Will Go On ein echt sehr guter Song und diesmal wurde es eben dieser.

Wir haben einen Track auf dem Album, der Trooper Of The Stars heißt. Welcher eine Hommage an den 1997 erschienenen Film Starship Troopers darstellt. Ich mag den Film (nach dem ersten Teil ging es jedoch steil bergab), ich mag die Samples zum Film und ich hoffe, wir haben einen guten Plan für das Musikvideo zum Song.

The Last Dragon Born ist dann dem Spiel Skyrim gewidmet. Kennst du das Spiel?

 

Time For Metal / Kai R.:
Ja, klar. Das ist doch aus der The Elder Scrolls-Serie.

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Genau, The Last Dragon Born bedient sich dem Setting. Er ist keine wirkliche Ballade, es ist eher eine Hymne. Und hey, wir sind alle Nerds, somit ist es ein Song über genau das, was wir alle mögen. Ich denke, das passt wunderbar zu Dragonforce.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Das ist Gamification – das ist Dragonforce.

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Genau so sehe ich das auch – wir haben aber auch ein paar unsinnige Tracks auf dem Album, wie zum Beispiel den zweiten Song. Er heißt Cosmic Power of the Infinite Shred Machine und das sagt ja bereits alles über den Track.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Könnte das ein Through The Fire And Flames-Part 2 werden?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Ja, vielleicht schon. Er ist catchy aber doch absolut verrückt – ein Fun-Track, der wirklich Spaß macht.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Ist es schwer, für dich als Frontman hinter einem Guitar-Hero wir Herman Lee zu stehen? Ich meine, er polarisiert total in den Reihen von Dragonforce, wird gefühlt in jedem Gitarrenmagazin interviewt und durch sein Können aus der Band hervorgehoben. Also wenn man Dragonforce in der Presse sieht, sieht man eigentlich immer Herman Li. Ist das ein Problem für dich?

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Da gibt es kein Ja und auch kein Nein. Die Wahrheit ist, dass ich darauf absolut nichts gebe. Ja, Herman bekommt sehr viel Aufmerksamkeit von der Presse. Er ist auch ein verdammt guter Gitarrist. Sam hingegen schreibt alle Songs – er ist dabei viel mehr der Kopf der Band, als ich das bin. Doch für mich ist das kein Problem, dass jemand anderes die Hauptaufmerksamkeit bekommt, weil ich keinen Wert darauf lege im Mittelpunkt zu stehen. Dragonforce startete als eine gitarrenorientierte Truppe und da ist der Sänger ganz klar im Hintergrund. Ich sorge für die Mitsingparts und den Rest machen die anderen Jungs, doch mehr brauche ich auch nicht für mich.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Wären sie auch ohne dich nichts?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Na ja, ohne Gesang wären die Tracks nicht so griffig. Aber so würde ich das nicht sagen, denn ohne die Jungs wäre ich ja auch nichts.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Etwas Persönliches – hast du auf den Tourneen auch mal Zeit für Sightseeing?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Ja, manchmal. Zum Beispiel in Mexiko – vor einer Woche, nein das war letzten Monat oder so. Da habe ich mir die Inka-Pyramiden angeschaut. In der Regel bauen wir so Zeiten für uns immer ein, damit man sich die Umgebung mal anschauen kann und entspannen kann. Gerade, wenn da wo wir spielen, nicht gerade um die Ecke ist. Doch leider klappt das nicht immer. Es gibt auch Perioden, da sitzt man nach dem Gig wieder direkt im Flieger zur nächsten Location und das Tag für Tag. Doch in Europa und da wo man nicht von einem Jetlag betroffen ist, da kann man auch mal eine Show nach der anderen spielen und dann privat die Orte bereisen, die man auf der Tour nicht gesehen hat.

 

Time For Metal / Kai R.:

Wie schaut dann deine Work-Band-Life-Ballance aus? Also wie managst du die ganzen Reisen für dich? Macht ihr zwischen den Touren Heimaturlaub und nutzt die Zeit, um die Familie zu sehen, oder verreist du in der Zwischenzeit auch viel?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Nein, jetzt vor der US-Tour zum Beispiel, da haben wir drei Wochen frei und da können wir wieder Energie tanken und unsere Freunde und Familien sehen. Doch das macht jeder von uns anders. Wir brauchen für die Tourneen immer ein wenig Vorbereitung, denn es soll ja immer ein Erlebnis für die Fans sein. Wir designen unser Set jedes Mal selbst oder so Zeug wie die sozialen Medien. Das will alles gepflegt werden. Somit verbringen wir die freie Zeit immer mit den Gedanken bei der Band.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Werden die Tracks auf dem Album anders gespielt als auf der Bühne?

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Eigentlich nicht – vielleicht ein paar Tracks. Da wo es ein wenig zu tricky wird oder wo etwas ausgefaded wird, so was ist live nur schwer machbar. Doch die neuen Tracks haben wir so entwickelt, dass wir sie live so spielen können, wie der Fan sie auf die CD gepresst bekommt. Das Schwierige ist, dass wenn man einen Track aufnimmt, da spielt man mal nur das Solo oder singt das nächste Mal nur den Refrain. Bis das Lied dann als Gesamtkunstwerk steht und in einem durchgespielt werden kann, da braucht es schon einen ganzen weiteren Monat an Übung. Die Prozedur klingt schwer, doch so haben wir das für das neue Album gemacht.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Gehst du selbst auf Konzerte?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Ja, doch schon ab und zu.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Was war dein letztes?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Die letzte Band, die ich mir angesehen habe war Symphony X in London. Sie spielten in The Odysseey, meiner Lieblings-Location. Ich habe mich total gefreut sie zu sehen aber, um ehrlich zu sein, wir spielen auf vielen Festivals und da kann man auch immer mal wieder andere Bands sehen. Alleine in den letzten Jahren habe ich so viele Bands gesehen, da besuche ich privat nicht mehr so viele Konzerte wie früher. Jetzt gehe ich nur noch auf Konzerte von Bands, die mir selbst wirklich wichtig sind. So was wie Dream Theatre oder Symphony X.

 

Time For Metal / Kai R.:
Also hörst du eher Progressive Metal?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Ja, das ist genau mein Ding.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Letzte Frage: Bands wie Metallica waren auf Tournee und haben gefühlt für jeden Quatsch ein eigenes Ticket verkauft. Egal ob für ein Meet und Greet, für die erste Reihe beim Konzert oder die Black-Tickets. Was hältst du von den 100 % kommerzialisierten Bands?

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Ehrlich gesagt, kann ich es verstehen. Wenn zum Beispiel Metallica in Mexico ein Meet and Greet geben würde, welches offen wäre, dann müssten sie wahrscheinlich zehn Wochen vor Ort bleiben, um Hände zu schütteln. Ich meine irgendwie muss man das ja selektieren. Doch generell ist es nicht gut, dass sich dann nur besser betuchte sich die Band leisten können. So kann ich aus Sicht der Band es vollkommen verstehen. Doch sein wir mal ehrlich, im Leben wird der besser bezahlt, der am bekanntesten ist. Das ist zwar scheiße, doch so ist eben das Leben und da können wir nichts daran ändern.

 

 

Time For Metal / Kai R.:
Das war es dann auch schon von meiner Seite – vielen lieben Dank, dass du so offen warst und dich unseren Fragen gestellt hast. Wir wünschen dir noch viel Spaß hier auf dem Festival.

 

 

Dragonforce / Marc Hudson:
Ja danke, ich fand es auch sehr angenehm und locker – danke!

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