Interview mit My Refuge-Bandleader Mauro Paietta über das Konzept hinter dem neuen Album „The Anger Is Never Over“

„Musik ist der beste Weg, um Menschen aus verschiedenen Ländern zu vereinen“

Artist: My Refuge

Herkunft: Mailand, Italien

Genre: Power Metal

Release: 23.04.2021

Label: Pride & Joy Music

Link: https://www.facebook.com/MyRefugeMetal/

Bandmitglieder:

Gitarre und Keyboard – Mauro Paietta
Gitarre – Simone Dettore
Bassgitarre – Javier Perez
Bassgitarre – Salvatore Chimenti
Schlagzeug – Mark Vetter

Deutsche Übersetzung – hier geht es zur englischen Originalversion. 

Die italienische Power Metal Band My Refuge bringt am 23. April ein neues Album heraus. Wir sprachen mit Bandleader und Gründer Mauro Paietta über das Konzept hinter The Anger Is Never Over, die aktuelle Situation in Italien und seine Einflüsse.

Time For Metal / Florian W.:
Hi Mauro,
danke für deine Zeit. Ich hoffe, es geht dir gut und alle um dich herum sind gesund. Italien war eines der Länder, das von dem Virus stark betroffen war. Wie sieht es aktuell aus?

My Refuge / Mauro Paietta:
Es ist eine surreale Situation, niemand hätte sich jemals vorstellen können, mit einer Pandemie konfrontiert zu werden. Italien war das erste Land in Europa, das betroffen war, und die Situation ist immer noch nicht unter Kontrolle. Ich hoffe, dass wir mit der Verbreitung von Impfstoffen bald zu einem normalen Leben zurückkehren werden, aber Organisation und Ordnung sind leider nicht charakteristisch für Italien.

Time For Metal / Florian W.:
Zu etwas Angenehmerem: Gratuliere zu eurem neuen Album The Anger Is Never Over. Um ehrlich zu sein, als ich zum ersten Mal das Genre las und dann die große Anzahl an Gästen sah, waren meine Gedanken „Oh nein, nicht noch so ein Metaloper-Ding“. Aber dann entpuppte es sich als eine großartige Platte und als ein tolles Konzept. Wann hast du das erste Mal über so ein Konzept nachgedacht?

My Refuge / Mauro Paietta:
Es war notwendig, das Projekt My Refuge zu revolutionieren, nach vielen Besetzungswechseln und Instabilität waren wir im Stillstand. 2018 befand sich die Band im absoluten Stillstand und ich dachte daran, My Refuge aufzulösen.

Ich erinnere mich, dass die Idee, die Band komplett zu verändern, im Mai 2019 geboren wurde. Ich war in Stuttgart auf einer Messe für Arbeit, am Abend fand ich mich bei einem Bier mit deutschen und holländischen Jungs wieder. Zwischen einem Bier und dem Nächsten sagte einer der Holländer „das Leben ist schön, weil es unvorhersehbar ist, man weiß nie, was morgen passieren wird“. Ich war wie vom Blitz getroffen. Während der Reise zurück nach Italien hörte ich die Alben von Lost Horizon und Nocturnal Rites. Ich dachte, dass Daniel Heiman oder Jonny Lindqvist perfekt für My Refuge wären, habe sie allerdings nicht kontaktiert. Ich dachte, dass das Einbeziehen bekannter Namen nur Aufmerksamkeit auf sie ziehen würde, aber langsam wurde die Idee geboren, andere Künstler zu kontaktieren. Anfangs dachte ich nur an einen Sänger, dann begann ich Videos auf YouTube anzusehen und entdeckte so viele talentierte Künstler, einige davon völlig unbekannt, und von da an war die Idee eines internationalen Projekts geboren.

Time For Metal / Florian W.:
Wie bist du mit all den Gastsängern und -musikern in Kontakt gekommen?

My Refuge / Mauro Paietta:
Fast alle durch YouTube-Videos, es war sehr interessant, ich habe tatsächlich Hunderte von Videos gesehen, es gibt eine Menge sehr gute Künstler, die viel mehr Aufmerksamkeit und Ruhm verdienen. Ich stellte mir ihre Stimmen in meinen Songs vor, oder ich mochte eine Stimme so sehr, dass ich Songs schrieb, zu denen die Vocals hätten passen können. So war es bei den Songs Immortal Fire und Memories, und dann kontaktierte ich die Künstler. Ich wollte Künstler aus so vielen Ländern wie möglich kontaktieren, um das Projekt wirklich international zu machen. Ich bin überzeugt, dass Musik eine universelle Sprache ist und der beste Weg, um Menschen aus verschiedenen Ländern zu vereinen.

Time For Metal / Florian W.:
Gibt es Mitglieder, die dir seit den Anfängen von My Refuge treu geblieben sind?

My Refuge / Mauro Paietta:
Simone (Gitarre) und Salvatore (Bass). Ich kenne sie seit mehr als 20 Jahren, wir haben zusammen in verschiedenen Gruppen gespielt und sie gehören immer noch zu meinen engsten Freunden. Was die Band angeht, mussten wir leider irgendwann eine Entscheidung treffen. Um in einer Undergroundband wie My Refuge zu spielen, muss man sehr motiviert sein, denn das Engagement ist sehr hoch und die Ergebnisse zahlen das Engagement nicht immer aus. Eines Tages sagten sie mir, dass sie der Band nicht mehr genug Zeit widmen könnten und der Ausstieg unvermeidlich sei. Sie haben an der Platte mitgearbeitet und werden sicher auch an der nächsten mitarbeiten, aber sie sind keine offiziellen Mitglieder der Band mehr.

Time For Metal / Florian W.:
War In Heaven mit dem grandiosen Iggy Rod (Damnation Angels) am Mikro hat den passenden Text „From the chaos my refuge was born“. Ist das so etwas wie ein Motto für eure Band?

My Refuge / Mauro Paietta:
Ganz genau! Die Band wurde 2010 geboren, ich musste unbedingt die Empfindungen und meine chaotischen Emotionen dieser Zeit „vertonen“, aber vor allem wurden die neuen My Refuge aus dem Chaos der kompletten Neustrukturierung des Projekts geboren, in einer noch chaotischeren Zeit wie der des letzten Jahres wegen Covid-19.

Time For Metal / Florian W.:
Gibt es ein lyrisches Konzept hinter The Anger Is Never Over? Oder vielmehr, was ist deine Inspiration für das Schreiben von Texten?

My Refuge / Mauro Paietta:
Ich lasse mich vom Alltag inspirieren. Hinter den Texten von The Anger Is Never Over stehen Bedeutungen, die mit verschiedenen persönlichen Erfahrungen verbunden sind. Ich gebe dir ein paar Beispiele: Immortal Fire handelt von einem Unfall, den ich 2018 hatte, ich lag einen Monat lang auf der Intensivstation, es geht um den Schmerz und die Angst dieser Tage, aber auch um den Wunsch zu reagieren. War In Heaven und The Anger Is Never Over von den Ereignissen, die zur Entstehung der aktuellen Band führten. Memories vom Übergang der Kindheit zum Erwachsenenleben. Ich beschäftige mich oft mit melancholischen Themen, aber immer mit der Absicht, zu reagieren. Das Schreiben hilft mir, Emotionen zu übertragen, und ich hoffe, dass ich sie auch mit Musik vermitteln kann.

Time For Metal / Florian W.:
Wie sieht der Schreibprozess aus, schreibst du alle Songs selbst?

My Refuge / Mauro Paietta:
Ich liebe es, Songs zu komponieren und zu schreiben. Mit 14 habe ich angefangen, Texte zu schreiben, mit 15 habe ich dann angefangen, Gitarre zu spielen und Songs zu komponieren. Oft schreibe ich alles selbst, aber bei den Songs von My Refuge habe ich mit anderen Jungs der Band an kompletten Songs gearbeitet, insbesondere mit Simone (Gitarre). Es ist wichtig, eine zweite Meinung zu haben, um sich nicht zu wiederholen.

Time For Metal / Florian W.:
Was sind deine musikalischen Einflüsse? Hast du irgendwelche Gitarristen, die dich inspiriert haben?

My Refuge / Mauro Paietta:
Meine Lieblingsgitarristen sind Randy Rhoads, Chuck Schuldiner, Van Halen und Malmsteen, nichts besonders Originelles 😊, aber ich habe mich nie als Gitarrenheld gefühlt. Vielmehr habe ich mich immer von Musikern wie Kai Hansen, Peter „Peavey“ Wagner, Rolf Kasparek, deutschem Power Metal im Allgemeinen und Bands wie Judas Priest und Scorpions inspirieren lassen. Aber ich liebe die gesamte Rock-, Hardrock- und Metal-Musik der 80er und 90er.

Time For Metal / Florian W.:
Hast du Pläne, in Zukunft wieder mit einem der Gäste zu arbeiten bzw. ist das überhaupt ein Konzept für die Zukunft von My Refuge?

My Refuge / Mauro Paietta:
Ich würde die Erfahrung gerne für das nächste Album wiederholen und wieder mit allen Musikern von The Anger Is Never Over arbeiten. Ich habe mich mit allen gut verstanden, mit einigen ist eine Freundschaft entstanden. Es wäre schwierig gewesen, wenn ich mehr bekannte Namen einbezogen hätte.

Ich habe noch nichts für die Zukunft geplant. Ich habe gelernt, dass alles möglich ist, aber ich denke, ich werde wieder viele Gäste einbeziehen. Wenn die Energie der Komposition natürlich fließt, würde ich gerne einen Song komponieren, bei dem alle mitsingen.

Time For Metal / Florian W.:
Wenn ich eine Liste der Sänger für einen Liveauftritt machen müsste, würde ich Berzan Onen, Iggy Rod, Arthur Pessoa und natürlich die zauberhafte Andra Ariadna Chitu auswählen. Gibt es Pläne, Konzerte mit zumindest ein paar der Sänger vom Album zu machen?

My Refuge / Mauro Paietta:
Wenn ich mir etwas wünschen könnte, wäre es eine Tour oder Livetermine mit allen, aber das ist praktisch unmöglich. Logistisch gesehen wäre es einfacher, europäische Sänger (plus die Türkei mit Berzan Onen) einzubeziehen, wenn es möglich ist, würde mich das sehr glücklich machen!

Leider befürchte ich, dass es für das ganze Jahr 2021 unmöglich sein wird, aufgrund von Covid-19 an Liveauftritte zu denken. Wenn wir dann wieder auftreten können, müssen wir uns mit der Krise auseinandersetzen, die die Liveclubs getroffen hat.

Ich denke, es wird einfacher sein, ein neues Album zu veröffentlichen und zu versuchen, die Fanbase zu vergrößern, und dann, wenn wir gefragt werden, Livetermine zu organisieren. Das letzte Jahr hat mich gelehrt, dass der nächste Tag unvorhersehbar ist und dass nichts unmöglich ist.

Time For Metal / Florian W.:
Ich danke dir nochmals für deine Zeit. Es war mir ein Vergnügen. Hast du zum Schluss noch ein paar Worte für unsere Time For Metal-Leser?

My Refuge / Mauro Paietta:
Vielen Dank Florian. Die Arbeit von Webzines ist sehr wichtig für Undergroundbands und für die gesamte Musikszene, es ist eine Arbeit, die ausschließlich aus Leidenschaft gemacht wird und das bedeutet sehr viel! My Refuge sind eine kleine Realität und alles, worum wir bitten, ist, unserer Musik eine Chance zu geben.

Weitere Beiträge
Interview mit dem Dortmunder Grunge-Duo The Pighounds zum neuen Album „Hilleboom“