02.04.2018: Joe Bonamassa legt in Kiel fulminantes Abschlusskonzert ab

                                                 „Joe Bonamassa legt fulminantes Abschlusskonzert in Kiel ab“

Eventname: The Guitar Event Of The Year

Headliner: Joe Bonamassa

Ort: Sparkassen-Arena Kiel

Datum: 02.04.2018

Genre: Blues-Rock

Besucher: ca. 2.900

Eintrittspreis: 69,00 € – 149,00 € plus Gebühren

Bandmitglieder:

Gitarre – Joe Bonamassa
Bass – Michael Rhodes
Schlagzeug – Anton Fig
Trompete – Lee Thornburg
Saxophon – Pauli Cerra
Keyboards – Reese Wynans
Background-Gesang – Jade Mac Rae
Background-Gesang – Juanita Tippins

Setliste:

  1. King Bee Shakedown
  2. Evil Mama
  3. Just Cause You Can
  4. Self Inflicted Wounds
  5. I Get Evil
  6. No Good Place For The Lonely
  7. How Deep This Rivera Runs
  8. Breaking Up Someone’s Home
  9. Slowakei Train
  10. Driving Towards The Daylight
  11. Boogie With Stu
  12. Last Kiss
  13. How Man Mord Time
  14. Zugabe: Hummingbird


The Guitar Event Of The Year
versprach das Plakat nach 2016 ein zweites Mal. Wenn derzeit jemand so etwas versprechen kann, dann nur Joe Bonamassa als „Naturereignis“. Er ist derzeit der Einzige, der dieses Versprechen auch halten kann.
Mehr noch. Er ist derzeit der Einzige, der seine Bühnenshow mit vier Titeln beginnt, die im Saal überhaupt niemand kennt. Der Opener King Bee Shakedown, Evil Mama, Just Cause You Can sowie Self Inflicted Wounds werden erst im September auf Bonamassas neuem Studioalbum erscheinen. Doch dazu später mehr…

Auch wenn das hier ein Metal-Magazin ist, meine Wurzeln liegen im Blues. So war ich also Feuer und Flamme, als die 2018er-Tour von Bonamassa bekannt gegeben wurde. Er kommt wieder nach Kiel! Mehr noch, es wird der eigentliche Abschluss seiner Europatournee. Im Juni spielt er zwar noch zwei Konzerte in Europa, diese sind nach 10 Wochen Pause jedoch mehr als Einzelgigs anzusehen. Danach verschwindet er wieder bis zum Jahresende nach Amerika. Abschuss des Jahres feiert er noch mit zwei Konzerten in Kanada.
Um eine Akkreditierung bewarb sich sonst niemand, die Antwort kam auch innerhalb von ein paar Tagen. Lange Vorfreude also.
Vor zwei Jahren war er zwar auch schon in Kiel, jedoch habe ich ihn in Berlin gesehen. Dort war ich durch Zufall günstig an eine Karte gekommen, als ich sowieso gerade da war. Die Eintrittspreise sind nicht gerade jedermanns Sache. Viele wollten mich begleiten, doch um die 100 Euro für einen halbwegs vernünftigen Platz? Nicht unsere Liga. Weniger wäre da wahrscheinlich mehr. So fand ich mich mit meiner Pressekarte auf einem regulären Platz für 154 Euro wieder. Letzte Woche bei Metallica legte ich für einen ähnlichen Platz 116 Euros hin. Da waren aber auch nicht 2.900 Leute, sondern 14.000 da.
Durch die, für die Kieler Halle wenigen Leute, öffnete die Halle auch erst um 19.00 Uhr. Auf die Ränge wurde man allerdings auch erst um 19.30 Uhr gelassen. Zeit für einen Besuch am Merchandising-Stand und ein Kaltgetränk. Der Merch-Stand war sehr übersichtlich, wurde bedient vom Personal, das sich sonst um das Baltic Open Air kümmert. Nun gut, im Regal lagen keine Überraschungen. Shirts, Tonträger und kaum Kleinkram. Am Platz angekommen plausche ich ein wenig mit einem der Securitys. Fotos vom Platz sind erlaubt, jedoch keine von vorn am Bühnenrand. Hui, wandelt sich die Abschottmentalität?
Zur Einstimmung hört man Muddy Waters aus der Konserve. Für die nicht so Eingeweihten sei kurz erwähnt, das Bonamassa mit vier (!) Jahren in Vaters Gitarrenladen das Spiel beigebracht bekam. Muddy Waters entdeckte den Kleinen und holte ihn mit 12 (!) als Support auf seine Bühne. Punkt 20.00 Uhr geht das Licht aus. Mit den vier oben genannten Stücken beginnt er das Konzert. Erst dann eine kurze Begrüßung. Wie gewohnt steht Joe Bonamassa mit einem grauen Maßanzug mit passendem schwarzen Hemd auf der Bühne.
Zwischen dem Ersten, King Bee Shakedown, und dem Letzten, Self Inflicted Wounds, liegen musikalisch Welten. Beginnt er mit energetischem Boogie-Rock mit enormen Tempo, so wird es langsamer und endet mit einer Slow Blues Ballade. Allein in diesem Block zeigt sich, was für großartige Musiker um den Gitarrenmeister herum agieren. Bei Self Inflicted Wounds erinnert es mich bei den beiden Backround-Damen zum ersten Mal auch klanglich an Pink Floyds Great Gig In The Sky. Die beiden Australierinnen Jade Mac Rae und Juanita Tippins lassen deutlich ihr Können aufblitzen. Der Rest sind Musikerlegenden. Die beiden Bläser Lee Thornburg (Trompete) und Paulie Cerra stehen hinter den gleichen Pulten wie vor zwei Jahren.

Jade MacRae und Juanita Tippins
An den Drums Anton Fig

Cerra ist nicht nur solo unterwegs, ist auch bekannt als Sideman von Lionel Richie, Rickie Lee Jones oder Glen Hughes von Deep Purple. Thornburg arbeitete u. a. schon mit Legende Ray Charles zusammen. An den Drums noch so ein alter Herr. Anton Fig saß jahrelang in der Band von Talk-Legende David Letterman am Drum-Set. Nun schon seit über 10 Jahren an Bonamassas Seite.

Genial, trotzdem unauffällig am Bass: Michael Rhodes

Michael Rhodes am Bass hält sich selten im Hintergrund auf. Wozu auch, denn in seiner History war er der getreue Bassmann von Johnny Cash. Zu guter Letzt noch der Tastenmann Reese Wynans. In seinem Lebenslauf steht als größte Eintragung die langjährige Zusammenarbeit mit Stevie Ray Vaughan. Ohne viele Worte halten diese – allesamt Ausnahmemusiker – den hohen Qualitätslevel über den gesamten Zeitraum sehr, sehr hoch.
Apropos Qualität. Der Sound in der Arena ist hervorragend abgemischt. Ich habe selten hier einen so tollen, klaren Klangteppich erlebt. Man erlebt auch akustisch, wie Bonamassa jeden noch so kleinen, feinen Ton aus seiner Les Paul oder Statocaster heraus holt.
Weiter in der Setliste. Als Fünftes intonieren Bonamassa und Band I Get Evil. Dieses Albert King Cover ist von seinem 2016er-Livealbum At The Greek Theater. Ebenfalls auch 2016, aber vom Studioalbum Blues Of Desperation sind die nächsten beiden Titel. No Good Place For The Lonely und How Deep This River Runs kommen live einfach genial rüber. Nun bin ich gespannt. Im ersten Berliner Konzert kam jetzt in der Reihenfolge das Eric Clapton Cover Mainline Florida.

Orgel und E-Piano: Reese Wynans

Hier in Kiel entscheidet er sich zum zweiten Albert King-Song. Breaking Up Someone´s Home enttäuscht allerdings nicht.
Wie immer nach einer knappen Stunde erfolgt die Band-Vorstellung. Nach Slowakei Train nimmt das Konzert langsam wieder Fahrt auf. Es folgt Driving Towards The Daylight vom 2017er-Livealbum aus der Carnegie Hall und spannt die Brücke zum im Mai erscheinenden Album British Blues Explosion. Auf diesem Album wird auch der nächste Song erscheinen. Mit dem Led Zeppelin-Cover Boogie With Stu überzeugt die Band auch den letzten Rock-Fan in der Halle, deren Anzahl überraschend sehr hoch ist.

Lee Thornburg und Paulie Cerra

Last Kiss deutet an, der Abend ist endlich. Mit dem zweiten Led-Zep-Cover How Many More Times geht das reguläre Set zu Ende. Allerdings ist Bonamassa nicht Bonamassa, wenn er nicht auch diesen Titel durch Jams und Soli auf satte 20 Minuten streckt. Jimmy Page hätte seine hellste Freude daran gehabt. Mit Hummingbird, genau wie in Frankfurt, beschließt die Bonamassa All Star Band nach etwas über zwei Stunden den heutigen Abend. Dieses Leon Russel-Cover begeistert einfach immer wieder. Dass es gespielt wird, ist sicher auch eine Hommage an ihn. Er wäre heute 84 Jahre alt geworden. Eine Handvoll Pleks werden in das Publikum geworfen, seine Setlist wechselt den Besitzer. So volksnah war Joe Bonamassa auch nicht immer.

Never Change a winning Show: Die gleiche Bühne wie 2016.

Ich verabschiede mich von meinen Nachbarn, insbesondere von einem Dänen, der genau hinter mir sitzt. Er ist mit sechs Freunden extra aus Aarhus zu diesem Gig angereist. Dänemark gehörte wieder einmal nicht zum Tourneeplan dazu. Ziemlich rasch beordern ein paar Herren der Security die Menge in den Umlauf. Eigentlich wollte ich noch mit Bekannten ein Getränk zu mir nehmen, aber alle Stände waren geschlossen. So konnte man nicht einmal seine Pfandbecher wieder abgeben. Das ist für die Kieler Arena sehr ungewöhnlich und kam auch nirgends gut an. So war ich halt früh zu Hause und konnte noch diesen Artikel vorbereiten…

Fazit:
Bonamassa und seine Band hervorragend.
Neue Songs, bewährter klarer Sound.
Routinierte Show der alten Hasen.
Die Sparkassen-Arena als Veranstaltungsort mit Tops und Flops.
Die Eintrittspreise für meine Verhältnisse astronomisch hoch.

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