Life Of Agony – The Sound Of Scars

Vor sechs Monaten hätte damit wohl keiner gerechnet

Artist: Life Of Agony

Herkunft: New York, USA

Album: The Sound Of Scars

Spiellänge: 40:53 Minuten

Genre: Crossover Rock, Alternative, Rock, Metal, Hardcore

Release: 11.10.2019

Label: Napalm Records

Link: http://www.lifeofagony.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Mina Caputo
Gitarre – Joey Z.
Bassgitarre – Alan Robert
Schlagzeug – Veronica Bellino

Tracklist:

  1. Prelude
  2. Scars
  3. Black Heart
  4. Lay Down
  5. Then
  6. Empty Hole
  7. My Way Out
  8. Eliminate
  9. Now
  10. Once Below
  11. Stone
  12. Weight Of The World
  13. When
  14. I Surrender

Wir werfen heute einen Blick zurück. Auf den Tag genau vor einem halben Jahr feierte The Sound Of Scars von Life Of Agony sein Release. Damals konnte noch keiner erahnen, dass ihre Heimat New York das Epizentrum des neuartigen Coronavirus werden soll. Unbeschwert geht es in den 40 Minuten jedoch nicht zur Sache. Die vier Musiker sind alles andere als fröhlich unterwegs. Dennoch prägen sie mit ihrer Musik einen ganz eigenen Sektor und kaum eine Band kommt an ihren vielseitigen Mix aus Crossover, Alternative, Rock, Metal und Hardcore heran. Zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei, bei den US-Boys ist das jedoch nicht das Ergebnis, vielmehr inspirieren sie seit Jahren damit, dass man auch im härteren Genre mit einer extremen Bandbreite punkten kann. The Sound Of Scars schaffte es zudem bei uns in Deutschland bis auf Platz 34 der Albumcharts.
Die Tropfen fallen langsam von der Decke – das Prelude gibt den Opener. Eine Funksequenz weiter und nach wenigen Sekunden knackt Scars die harte Schale. Dahinter befindet sich nur bedingt ein weicher Kern. Die Keule haben Mina Caputo und seine drei Kollegen auch 2019 nicht herausgeholt. Vielmehr agieren sie bedacht, streuen geschickt die Hardcore Riffs und verlassen sich lieber auf ihren alternativen Mix mit einer deftigen Crossover und Grunge Note. In der Physiotherapie werden die Nerven, Sehnen und Muskelstränge getriggert. Life Of Agony machen dieses mit unserem Gehörnerv, dem Verstand und der Liebe zum detaillierten Songwriting, das keine schmalere Kost als ein Fünf-Gänge-Menü verkauft. Die Refrains bleiben hängen, der Cleangesang hat seine eigene Dynamik, ohne mit zu vielen Ecken und Kanten bei einzelnen Zielgruppen anzustoßen. Der erste Höhepunkt Black Heart reißt die Tür weit auf. Griffig, mit dem gewünschten Beat im Blut, geht die Post ab, ohne zu übertreiben. Dieses Sprungbrett nutzt im Anschluss Lay Down, der jedoch eine Gangart zurückschaltet und den Bass eine Spur tiefer ansetzt. Der Weg, den Joey Z. an der Gitarre und Alan Robert am Bass eingeschlagen haben, ist ein Schulterschluss zwischen dem Konzept der letzten Jahre und ihren musikalischen Wurzeln des hochdatierten Debütalbums River Runs Red aus dem Jahre 1993. Was auffällt: Die in den letzten Monaten gerne weicher gespielten Melodien bekommen wieder mehr Biss. Als wütend, gar angestachelt kann man Life Of Agony keine Treibjagd in alte Zeiten vorwerfen. Eher werden geschickt alte Tugenden aufgegriffen, und mit einem neuen gereiften Geist versehen. Mit der Peitsche in der Hand will Empty Hole zum Überholmanöver ansetzen, bleibt dann aber ganz brav in der Reihe und zieht maximal den roten Faden auf Spannung. The Sound Of Scars hat verdammt viel richtig gemacht – ein neuer Luftsprung und Lichtblick in der doch so bitteren New Yorker Zeit. Ob es unseren musikalischen Freunden in der schweren Zeit hilft, vermag ich nicht zu sagen, aber mit Mina Caputo am Mikrofon dürfte man die Quarantäne besser aushalten können. Now und vor allem Weight Of The World hat man im Oktober 2019 noch ganz anders wahrgenommen.
Life Of Agony – The Sound Of Scars
Fazit
Die Welt steht still und Life Of Agony liefern den Soundtrack. Neben Hoffnung, Verzweiflung und dem erschreckenden Realitätsgefühl, schieben die vier Musiker ein gelungenes Album über Napalm Records heraus. Wann man das Liedgut des sechsten Langeisens das nächste Mal erleben kann, steht in den Sternen. Ein Besuch eines Konzertes mit dem neuen Stoff lohnt jedenfalls. Als Filler agieren nur die lockeren Sequenzen zwischen den Tracks, die kein Mensch braucht. Darüber hinweggesehen hat The Sound Of Scars viele Vorzüge, die man auskosten darf.

Anspieltipps: Black Heart und Weight Of The World
Rene W.
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