Marta Gabriel – Metal Queens

Solodebüt der Crystal Viper Frontfrau mit einer Hommage an die Metal-Frauen der 1980er-Jahre

Artist: Marta Gabriel

Herkunft: Katowice, Polen

Album: Metal Queens

Spiellänge: 47:29 Minuten (CD)

Genre: Heavy Metal, Power Metal

Release: 16.07.2021 in Europa, 30.07.2021 in Nordamerika

Label: Listenable Records

Link: https://www.facebook.com/martagabrielofficial

Bandmitglieder:

Gesang, Bass – Marta Gabriel
Gitarre – Eric Juris
Schlagzeug – Cederick Forsberg

Tracklist:

01. Max Overload
02. Metal Queen
03. Call Of The Wild
04. Light In The Dark
05. Rebel Ladies
06. My Angel
07. Count Your Blessings
08. Goin‘ Wild
09. Bad Attitude
10. Reencarnacion
11. Mr. Gold – CD-Bonustrack

Seit über einem Jahr kann auch die polnische Heavy/Power-Metal-Band Crystal Viper rund um Frontfrau Marta Gabriel nicht mehr touren. Das im Januar erschienene achte Studioalbum The Cult wartet auf eine dazugehörige Live-Tour. Was liegt also nahe, um die Zeit sinnvoll zu verbringen?

Quelle: Listenable Records

Ich bin nur bedingt ein Freund von Cover-Versionen. Klar, es gibt viele, die besser sind als das Original. So soll es auch sein. Nun liegt ein ganzes Album voller Fremdsongs auf dem Tisch. Wie dem offiziellen Bandstatement zu entnehmen ist, handelt es sich bei Metal Queens um Martas Hommage an all die weiblichen Heavy Metal- und Hard Rock-Sängerinnen der 1980er-Jahre. Eine Zeit, in der Frauen im Heavy Metal noch in der Minderheit waren und als Exotinnen angesehen wurden. Zu dieser Zeit wurden sie lieber in der Küche statt auf einer Showbühne gesehen. So gesehen, ein Konzept-Coveralbum. Warum man jedoch für das Solodebüt keine eigenen Songs geschrieben hat, um dem Projekt einen eigenen Fingerabdruck zu verpassen, bleibt Martas Geheimnis. Das Album soll laut Marta ein solides Stück Heavy Metal sein, das aus einem Guss klingt und auch Fans genießen können, die die Originalversionen der Songs nicht kennen. Für dieses Album wurden nicht unbedingt Hits der entsprechenden Bands herausgesucht und neu performt. Es handelt sich eher um Perlen, die etwas von der Öffentlichkeit unter Wert angesehen wurden.

Beleuchten wir also das Ergebnis.

Musikalisch ist es genau genommen eine Auskopplung aus der Welt der Crystal Viper. Statt derer fünf sind nun drei der Stammkräfte in diesem Projekt vereint. Neben Marta sind auch die Crystal Viper-Bandkollegen Gitarrist Eric Juris und Drummer Cederick Forsberg bei Metal Queens mit eingebunden, dazu hat man punktuell hochkarätige Gäste eingeladen.

Los geht es mit Max Overload. Der Opener stammt ursprünglich von der belgischen Band Acid aus dem Jahr 1983 mit Sängerin Katrien „Kate“ de Lombaer am Mikro. Ein Titel, der nach vorne geht. Schon hier legen Marta und Co., nahe am Original, noch eine Schippe drauf. So kann es weitergehen.
Weiter geht es mit dem „Titeltrack“, wenn man es so nennen kann. Metal Queen ist von der kanadischen Heavy-Metal-Queen Lee Aaron aus dem Jahr 1984. Auch hier zeichnet sich gleiches Bild. Nahe am Original ist dieser Song wie für Marta gemacht. Stimmlich liegt Marta dem Original sogar sehr nahe.
Song drei macht aus dem Original von 1984 ein Goldstück. Call Of The Wild stammt von der amerikanischen Gruppe Blacklace mit der New Yorkerin Maryann Scandiffio am Mikro. Ihre etwas dünne Stimme passte damals schon nicht zu dem hervorragenden Song. Diesen Fehler begradigt Marta nun. Hervorragender Power Metal mithilfe des Riot V-Fronters Todd Michael Hall.
Dass Marta auch gefühlvoll kann, zeigt sie bei dem anfangs balladesken Light In The Dark. Der Titel stammt aus 1990 von der Band Chastain aus Ohio mit der ehemaligen Rude-Girl-Sängerin Leather Leone. Es ist der bisher schwächste Song, ist trotzdem gut hörbar. Den männlichen Gesangspart übernahm Jag Panzer– und Titan Force-Sänger Harry „The Tyrant“ Conklin.
Eine Spur langsamer geht es weiter. Der Titel Rebel Ladies stammt von der Gruppe Zed Yago aus 1988 mit der Mainzerin Jutta Weinhold am Mikrofon. Auch hier das gleiche Bild. Die Polen schaffen es, dem alten Sound frisches Blut einzuhauchen. Damals hat mich Jutta zum Heavy Metal gebracht, jetzt überzeugt mich Marta von ihrem Können. Schon jetzt zur Halbzeit zeigt sich, dass das ein absolut rundes Album ist.
Weiter geht es mit einer reinen Frauenband aus London. Rock Goddess brachten 1983 My Angel heraus. Bei der Neuaufnahme spielt Raven Sänger- und Bassist John Gallagher die Bassgitarre und macht mächtig Druck.
Track sieben führt zurück in die USA. Count Your Blessings stammt von der Gruppe Malteze mit Frontfrau Barbara Maltese aus Rochester/New York. 1990 erinnerte ihr Gesang eher an Nina Hagen. Marta schafft auch hier die hohen Passagen problemlos. Ein einfacher Power-Metal-Song mit viel Gefühl und Tempowechsel.
Jetzt wird es punkig! Track acht stammt von der Ikone Wendy O´Williams mit ihren Plasmatics. Der Song Goin‘ Wild stammt aus dem Jahre 1985, taucht allerdings nur auf einer Liveaufnahme ein Jahr später auf. Hier zeigt sich eher, wie gut die Plasmatics waren und nicht nur auf Kettensägen, Flex und Vorschlaghammer reduziert gehören. Marta hat da eine Perle wiederbelebt, die derzeit mein Lieblingssong des Albums darstellt.
Der folgende 1987er Song Bad Attitude der Band Hellion aus Kalifornien wurde schon häufiger gecovert. Sängerin Ann Boleyn hatte damals schon eine furiose Show abgeliefert. Marta schafft es auch hier, diesem Powersong ein neues Leben einzuhauchen.
Der letzte offizielle Song führt uns in die spanische Welt des Heavy Metal. 1984 brachte die Band Santa mit der bekanntesten Sängerin Azuzena Dorado das Album mit dem gleichnamigen Titelsong Reencarnacion heraus. Hier beweist die Truppe, das sie auch mit dem spanischen Text hervorragend umzugehen weiß. Powermetal in Reinkultur!
Der CD-Bonussong führt die Zeitreise noch einmal nach Deutschland. Doro Pesch als Sängerin von Warlock bekommt mit dem 1986er Song Mr. Gold die Ehre, das Album abzuschließen. Der Cover aus dem Album True As Steel ist meiner Meinung nach der Einzige, der nicht das Original übertrifft. Liegt vielleicht daran, dass das die Musik meiner Jugend war …
In der Ansammlung der Heavy-Metal-Ikonen fehlt eigentlich nur Lita Ford, die hier keine Berücksichtigung erfährt.

Metal Queens wird als Vinyl, CD und digitalem Download erhältlich sein. Das erste Video gibt es in Form des Lee Aaron-Klassikers Metal Queen.

Marta Gabriel – Metal Queens
Fazit
Ein Coveralbum, das mich begeistert. Powermetal aus meiner Jugend in frischem Gewand. Dabei noch nie gehörte Perlen des Metal. Hier wurde so viel Herzblut in die Titel gesteckt, dass es nichts ausmacht, dass es keine Eigenkompositionen sind. Marta findet hier Perlen des Undergrounds und bereitet diese brillant mit Ihrem Können an Gitarre und Gesang auf. Ich empfehle dem geneigten Fan, sich erst auf YouTube das Original, dann von der CD das Cover anzuhören. Das bringt Spaß und erweitert den Horizont!

Anspieltipps: Goin' Wild, Max Overload und Metal Queen
Norbert C.
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