Nine Miles Down – Fractures

„Die einzige Frage, die sich stellt: rot oder schwarz“

Artist: Nine Miles Down

Herkunft: Wales

Album: Fractures

Genre: Prog Rock / Prog Metal

Spiellänge: 42:13:66.6 Minuten

Release: 15.10.2018

Label: Doc Gator Records (www.docgator.com)

Link: https://www.docgator.com/

Bandmitglieder:

Gitarre, Gesang – Andy Makin
Gitarre – Eddie Marsh
Schlagzeug – Tom Williams
Bass – Adjii
Keyboards – Rob Wilsher

Tracklist:

1. Mockingbird
2. Where We Belong
3. Faithless
4. Beautiful Lie
5. Icarus
6. Long Way Down
7. My Last Fire

Der nächste Streich des exquisiten Schweizer Labels Doc Gator Records! Doc Gator Records veröffentlicht in Zusammenarbeit mit metalworld.ch das Album Fractures der walisischen Prog Rock / Metal Band Nine Miles Down auf edlen handnummerierten 180 Gramm Vinyl.

Neben der schwarzen Vinylversion wird auf Wunsch der Band auch eine rote Vinylversion herausgegeben. Beide Versionen sind streng auf jeweils 250 Exemplare limitiert. Als Schmankerl erhält man gratis als CD die EP Curse The Earth der Band dazu, ebenfalls limitiert und handnummeriert! Sammlerherz, was willst du mehr? Da sollte man schnell zuschlagen, bevor die Vinyls ausverkauft sind. Es stellt sich nur die Frage: schwarz oder rot, wie im Roulette! Das Vinyl am besten direkt bei Doc Gator Records bestellen (www.docgator.com). Die CD-Ausgabe von Fractures ist direkt bei der Band bestellbar.

Nine Miles Down formierten sich 2015 aus den Überresten von Black Light Machine. Die drei ehemaligen Black Light Machine Bandmembers Andy Makin, Eddie Marsh und Tom Williams fanden mit Adjii und Rob Wilsher ideale Partner für ihr neues Bandprojekt. Nine Miles Down sollten mit den Füßen im Heavy Metal stehen, ihre Flügel jedoch über weitere musikalische Bereiche erstrecken und dabei keine Angst haben andere Impulse und Ideen in ihre Musik einfließen zu lassen. Fractures ist nun das spannende Ergebnis ihrer musikalischen Ausrichtung.

Ich vergleiche Fractures hier einmal mit dem bekannten Film Nine Miles Down. Hier haben wir auch schon direkt den Bezug zum Bandnamen. Zum Film würde ich Folgendes sagen: Eine äußerst spannende Geschichte, mit sehr guten Schauspielern und Szenen – richtig spannend in Szene gesetzt. Den Film sollte man sich ansehen!

Analog zu Fractures von der Band Nine Miles Down heißt das: Eine äußerst spannende Aufnahme, mit sehr guten Musikern und die Songs richtig spannend produziert. Dieses Album sollte man sich anhören.

Bereits der Opener Mockingbird, beginnend mit einem spannenden Riff, zeigt, wo die Reise hingeht. Prog Rock / Metal in der gehobenen Liga. Ruhig, kraftvoll, beunruhigend und manchmal sogar beängstigend. Der Song vereint alle Gefühlslagen. Sechseinhalb Minuten genügen der Spottdrossel / dem Song, uns durch alle Gefühlslagen gehen zu lassen. Zudem bietet der Song jedem einzelnen Musiker genügend Platz, sein Können zu zeigen. Großartiges Schaffen im Kollektiv.

Where We Belong ist kein Cover des bekannten Joe Cocker Songs. Harte Metalklänge gleich zu Beginn. Harsh Voices des Sängers Andy Makin. Wollen uns Nine Miles Down damit andeuten, wo sie hingehören? Bei Weitem nicht. Ich persönlich finde den Song in seiner gesamten Struktur mehr als spannend, da neben den metalischen- und corelastigen Tönen die progressiven Elemente nicht fehlen. Dann natürlich mit Clean Voices, die dann auch wieder besänftigend rüberkommen. Aber wieso darf eine Prog Metal Band keine Ausflüge in andere Richtungen machen? Da werden die Old School Fetischisten natürlich etwas zu meckern haben. Ich aber bei Weitem nicht!

Faithless ist überhaupt nicht gesichtslos. Der Song hat einen tollen progressiven Groove. Voices und Instrumentalisten kommen wieder zurück und zelebrieren Old School Prog Rock / Metal. Da werden die eben bereits angesprochenen Fetischisten wieder ein wenig besänftigt. Sehr spannend hier die Einbettung der symphonischen klingenden Keys, die dezent im Hintergrund bleiben und es bewusst verzichten, sich weiter in den Vordergrund zu spielen.

War dieser Song jetzt schon wieder eine Lüge, so etwas wie eine Beautiful Lie? Nein, gewiss nicht. Der Song Beautiful Lie ist voll im Prog Metal eingebettet. Harte metalische Gitarren und ein angenehmes Tempo. Trotz schwerer Gitarren sehr schön. Eine Beautiful Lie halt. Zu schön, zu harmonisch für die Wahrheit. Der Song ist so schön, da könnte man einfach bei der Beautiful Lie verweilen.

Wie Icarus schwingt sich der nächste Song der Sonne entgegen. Wie mit starken metalischen Gitarrenriffs, getrieben von der überaus starken Rhythmusgruppe. Auf halbe Strecke muss Icarus kurz einmal Luft holen, bevor er der Sonne weiter entgegenstürmt. Dies geschieht mit sehr dynamischem und harmonischem Gesang. Dieses kurze Luftholen macht Icarus einige Male, jedoch ohne auszuruhen. Nein, er dreht ein paar weite Kreise, bevor er vehement wieder der Sonne entgegenstößt. Irgendwann steht Icarus dann vor der Entscheidung: Weiter nach oben oder lieber vorsichtig sein und der Sonne nicht zu nahe kommen.

In Long Way Down hat er dann die Entscheidung getroffen, oder war es doch die Sonne. Er taumelt den langen Weg zurück. Er taumelt und taumelt und nimmt dabei die Luftströme allzu gerne mit, um sich der Erdanziehungskraft entgegenzusetzen. Dem Song merkt man richtig an, dass es hier wieder in eine andere Richtung geht. Sehr Prog Rock / Metal mäßig der Song. In einigen Passagen vernehmen wir auch wieder im Background Harsh Voices, dies jedoch sehr dezent. Da muss man schon intensiv hinhören. Ja, es ist wirklich ein Long Way Down.

Mit dem letzten Song wird das letzte Feuer verschossen. My Last Fire beginnt zunächst etwas Pink Floyd mäßig verschroben. Man merkt richtig, dass es in dem Song brodelt. Atmosphärisch ruhig plätschert der Vulkanfluss zunächst nach dem Beginn dahin. Er windet und wendet sich, weiß nicht ob und wie er sich entladen soll. Fast acht Minuten hat der Song dafür sich zu entscheiden, wo die Reise hingehen soll. Er steht kurz vor dem Ausbruch, doch er beruhigt sich wieder, die Glut war wohl nicht heiß genug. Glühend heiße Gitarren geben dem Song zwischenzeitlich Auftrieb. Zum finalen Feuerausbruch kommt es jedoch dann nur kurz.

Die Waliser Prog Rock / Metaler Nine Miles Down haben mit Fractures ein ganz schönes Eisen hingelegt. Damit gehören sie zu den aufregendsten Prog Rock / Metal Erscheinungen des Jahres. Mit dieser Veröffentlichung zeigen Doc Gator Records erneut, dass sie ein Händchen für herausragende tolle neue Bands haben.

Fazit: Nine Miles Down schlagen einen Prog Rock / Metal Weg ein, der sie in Zukunft noch weit bringen kann. Atmosphärisch, ruhig, kraftvoll, beunruhigend und manchmal sogar beängstigend sind die Songs der Waliser auf ihrem Erstlingswerk Fractures. Am brillantesten wird dies im Song Mockingsbird gezeigt. Und wieso darf eine Prog Band denn nicht mal corelastige Harshvoices verwenden!? Mir gefällt das, aber ich bin halt auch nicht so Oldschool mäßig drauf, wie manch ein Reinfanatiker. Klar, wenn man so wild rum macht, kann man sich auch schon mal die eine oder andere Beule, oder eben eine Fraktur holen. Das ist aber gar nicht schlimm, denn das sind die immer gerne mal von mir angesprochenen Ecken und Kanten.

Anspieltipps: Mockingbird, Where We Belong, Beautiful Lie
Juergen S.
9.2
Leser Bewertung1 Bewertung
10
9.2
Weitere Beiträge
Long Distance Calling – Stummfilm – Live From Hamburg