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Oceans – Hell Is Where The Heart Is
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Avatar-FotoFlorian W.·
Alben / EPsReviews
·13. November 2022·3 Minuten Lesedauer

Oceans – Hell Is Where The Heart Is

Gefangen in emotionalen Abgründen

Artist: Oceans

Herkunft: Wien, Österreich und Berlin, Deutschland

Album: Hell Is Where The Heart Is

Spiellänge: 38:31 Minuten

Genre: Alle! Nu Metal (für Timo)

Release: 25.11.2022

Label: Nuclear Blast Records

Link: https://www.facebook.com/oceansofficialDE

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Timo Rotten
Gitarre – Patrick Zarske
Bassgitarre – Thomas Winkelmann
Schlagzeug – J.F. Grill

Tracklist:

  1. Love (Intro)
  2. The Awakening
  3. Sulfur
  4. Skin
  5. Longing
  6. Home
  7. I Want To Be Whole Again
  8. Living=Dying
  9. Clarity (Interlude)
  10. If There’s A God She Has Abandoned Us
  11. I Sing Alone
  12. Hell Is Where The Heart Is

Hier fügt sich also alles zusammen: Liebe, Verlangen und Klarheit. Die Tage der EPs sind gezählt und jetzt ist das Zeitalter des zweiten Longplayers der deutsch-österreichischen Band Oceans angebrochen. Na ja, nicht ganz, denn am selben Tag des Full-Length-Releases wird auch die dritte digitale EP namens Hell Is Where The Heart Is – Part III: Clarity erscheinen. Wie schon Anfang des Jahres vermutet, vereint das Album unter dem Banner Hell Is Where The Heart Is also alle drei Teile: Love, Longing und eben Clarity. Die meisten der Songs sind für mich also mehr als eine Momentaufnahme und haben den Vorteil, im Laufe des Jahres ein fester Bestandteil meiner Playlist geworden zu sein. Somit werde ich auch nicht mehr intensiv auf das Material der ersten beiden EPs eingehen, sondern mich mit den letzten Stücken der Trilogie beschäftigen und stelle mich zusätzlich der Herausforderung, das große Ganze von oben zu betrachten. Wem die Prequels durch die Lappen gegangen sind, der kann Part I und Part II meiner Reviews gerne vorab konsumieren. Können Oceans ihr gesamtes Potenzial in einen Diamanten pressen?

Unfairerweise schrieb ich eingangs unter Genre: Alle! Das rührt einfach daher, dass ich mich nach wie vor schwertue, die Band in eine Schublade zu stecken. Das ist als großes Kompliment gemeint. Lasst es mich versuchen: Mastermind Timo fühlt sich mit dem Begriff Nu Metal ganz wohl. Fans, die mit Begriffen wie Modern Metal, Alternative Metal oder auch Post Metal etwas anfangen können, werden sich hier schnell zu Hause fühlen. Aufgeschlossene Metalcore- und Death Metal-Hörer ebenso.

Quelle: Nuclear Blast Records

Ich spule vor und lande direkt beim Song Nummer neun, dem Interlude Clarity. Sänger Timo führt die Szenerie mit verzerrter Stimme ein und beendet das Spoken-Word-Intro mit den eindringlichen Worten: „Life is stronger than any pain the world could ever hold“. Was danach folgt, ist zu meiner großen Überraschung eine waschechte Ballade. Starke Klickzahlen bei YouTube und Kommentare, dass neue Hörer scheinbar über den Song auf Oceans aufmerksam wurden, belegen die ansteigende Formkurve der Jungs. Zunächst war ich etwas skeptisch, was If There’s A God She Has Abandoned Us angeht. Doch die Nummer wächst mit jedem Durchlauf. Hinzu kommt die Thematik, dass manche Menschen die Welt einfach nur brennen sehen wollen, wie es Alfred in The Dark Knight treffend auf den Punkt brachte. Wir kehren die kalte Asche der unbedarften Handlungen der Generationen vor uns auf. Oceans untermalen die tiefgreifenden Lyrics mit Klavierpassagen und einem Refrain, auf den man die ganze Zeit wartet, um ihn dann mit einer Faust in der Luft laut herauszuschreien. Ich habe Tränen in den Augen und diese wohlige Gänsehaut, die bis in die Schädeldecke vordringt.

Mit den in sich gekehrten Gedanken von I Sing Alone musste ich mich in meinem Leben schon zu oft beschäftigen. Musik, die Wunden heilt und die negativen Gedanken zum Schweigen bringt. Wo ist eigentlich dieser Ausschalter für den ganzen Ballast, der uns schlaflose Nächte beschert? Musikalisch macht vor allem dieser wabernde Sound aus pumpenden Bässen und geschmackvollen Gitarreneffekten Laune.

Genug der introvertierten Emotionen, der titelgebende Track beendet das letzte Kapitel mit einer gewaltigen Explosion. Hell Is Where The Heart Is hat gar nicht die Absicht, ein Happy End zu sein. Es vernichtet sowohl musikalisch als auch lyrisch jegliches Leben und lässt nichts als verbrannte Erde zurück. Das Buch wird lautstark zugeschlagen und in einer finsteren Nacht im Wald begraben.

Was bleibt also, wenn man Liebe, Verlangen und Klarheit zu einem Puzzle zusammenfügt? Ich fühle mich wie in einem Filmsoundtrack, bei dem sich die Handlung an menschlichen Emotionen entlanghangelt, die wohl jeder schon mal in Zusammenhang mit dem großen Wort Liebe durchleben musste. Seien es positive oder negative Erfahrungen. Lässt man die tiefschürfenden lyrischen Ergüsse außen vor, hat der geneigte Fan der genannten Genres immer noch genug Futter für eine amtliche Eskalation und reitet gemeinsam mit Oceans das Höllenpferd geradewegs in den Abgrund.

Oceans – Hell Is Where The Heart Is
Fazit
Ich will es mit den Worten eines alten Zauberers versuchen: „Der graue Regenvorhang dieser Welt zieht sich zurück und verwandelt sich in silbernes Glas“. Soll heißen, wenn eine Band lyrisch gesehen in tiefe Abgründe vordringt, fühlt sich mein geschundener Geist ein Stück weit geheilt. Kommen dazu auch noch musikalische Reminiszenzen an meine Helden der Neunziger, ist auch der Nostalgiker in mir zufriedengestellt. Garniert eine Band das Ganze dann noch mit einer fetten Produktion, einem Coverartwork, das den Inhalt perfekt widerspiegelt und einer gewissen Unverwechselbarkeit, bleibt mir nur den Hut und die Höchstnote zu ziehen. Oceans machen Musik, die zu keiner Sekunde belanglos wirkt und wären Ende der Neunziger vermutlich in einem Atemzug mit den großen Namen der amerikanischen Nu-Metal-Szene genannt wurden. Danke Timo, Patrick, Thomas und J.F. 🖤

Anspieltipps: The Awakening, Home, Living=Dying und If There’s A God She Has Abandoned Us
Florian W.
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2022DeutschlandModern MetalNu MetalNuclear Blast Records GmbHOceansÖstereichPost Death MetalPost Metal

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