Pink Floyd – Delicate Sound Of Thunder (Remastered)

Geldmacherei oder ein Must-have?

Artist: Pink Floyd

Herkunft: Cambridge, England

Album: Delicate Sound Of Thunder

Genre: Progressive Rock

Release: 20.11.2020

Label: Warner Music

Link:  https://delicatesoundofthunder.pinkfloyd.com/

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – David Gilmour
Schlagzeug – Nick Mason

Gastmusiker:

Tasteninstrumente und Gesang – Rick Wright
Gitarre – Tim Renwick
Tasteninstrumente – Jon Karin
Bass – Guy Pratt
Percussions – Gary Wallis
Saxofon – Scott Page
Gesang – Margret Taylor
Gesang – Rachel Fury
Gesang – Durga Mc Broom

Tracklist:

CD 1

  1. Shine On You Crazy Diamond (Parts 1-5)
  2. Signs Of Live
  3. Learning To Fly
  4. Yet Another Movie
  5. Round And Round
  6. A New Machine Part 1
  7. Terminal Frost
  8. A New Machine Part 2
  9. Sorrow
  10. The Dogs Of War
  11. On The Turning Away

CD 2

  1. One Of These Days
  2. Time
  3. On The Run
  4. The Great Gig In The Sky
  5. Wish You Were Here
  6. Welcome To The Machine
  7. Us And Them
  8. Money
  9. Another Brick In The Wall Part 2
  10. Comfortably Numb
  11. One Slip
  12. Run Like Hell

Mit schöner Regelmäßigkeit veröffentlichen Pink Floyd Altes in neuem Gewand und das oftmals schön edel aufgemacht und mit Bonustracks versehen. Für Sammler ist das immer wieder eine finanzielle Herausforderung, denn die Boxen sind meist nicht gerade günstig. Ich denke da an die letztes Jahr erschienene The Later Years Box für schlappe 350 Euronen oder die The Early Years Box, die zu Anfang gute 600 Euro kostete. Diesmal ist die erste Liveplatte Pink Floyds aus dem Jahre 1988 dran. Sie erscheint in einer remasterten Version und beinhaltet je nach Kaufversion zusätzliche Songs, die auf der Originalen von 1988 nicht enthalten sind. Höre ich einen bzw. mehrere entrüstete Aufschreie? Zu recht. Zunächst ist es nicht die erste Livescheibe, denn die Doppel LP Ummagumma beinhaltete bereits vier Livesongs. Somit gibt es bereits ein entsprechendes Livewerk, das aber vollkommen unzusammenhängend war. Und als Nächstes ist diese neue Version von Delicate Sound Of Thunder bereits im letzten Jahr auf der The Later Years Box erschienen. Also könnte man denken, da soll kurz vor Weihnachten noch mal Umsatz generiert werden. Das ist wohl auch richtig, betrifft dann aber nur die, die sich die Box letztes Jahr gegönnt haben. Für alle anderen ist das schon eine lohnende Ausgabe, denn hier wird das gesamte Konzert abgebildet..

Damit kommt nach 32 Jahren der Bombast Rock von Pink Floyd zu neuen Ehren. Die Band, da auf zwei Vollmitglieder geschrumpft, zeigt eindrucksvoll, was technisch und musikalisch möglich war. Doch zunächst, wieso nur noch zwei? Obwohl Rick Wright auf der Platte die Keyboards eindrucksvoll spielt, wird er nur als Gastmusiker aufgelistet. Er verließ 1981 auf Druck von Roger Waters Pink Floyd. Gründe gibt es einige, so sollen Drogen im Spiel gewesen sein. Trotzdem wurde er bei den The Wall Sessions noch eingesetzt, ohne als Gastmusiker genannt zu werden. Pink Floyd hatte sich 1985 von Waters getrennt und 1987 die Platte A Momentary Lapse Of Reason eingespielt. Wright wurde da noch nicht wieder offiziell als Mitglied von Pink Floyd geführt. Erst 1991 wurde er wieder Teil der Band. So wurde auch die Tour zur Platte, die Delicate Of Thunder Tour, zwar mit ihm als Hauptkeyboarder durchgeführt, aber eben nur als Gastmusiker. Inoffiziell wurde er aber immer als ein außerordentlich wichtiges Floyd Mitglied angesehen. Bis zu seinem Tode im Jahr 2008 war er Teil der wohl größten Progressive Rock Band der Welt.

Und Roger Waters? Die unüberbrückbaren Konflikte mit David Gilmour führten 1985 zur Trennung. Die Namensrechte gingen an die verbliebenen Mitglieder und Pink Floyd wurden unter der Leitung von David Gilmour durch die nächsten Jahre geführt. In den Folgejahren sind beide Musiker sehr erfolgreich und auch der Konflikt verblasste mit der Zeit. Es sollte zu einem respektvollen Umgang kommen, wobei gemeinsame Sachen (z.B. Live8 2005) dabei eher die Ausnahme blieben und bis heute geblieben sind. So gibt es auch mal gemeinsame Auftritte, die im Fanlager gern als erhofften Beginn einer erneuten Pink Floyd Phase gedeutet wurde. Das ist bis heute nicht der Fall und wird wohl auch nicht mehr passieren. Das erste Album ohne Waters wurde 1987 ein kommerzieller Erfolg und ebnete Gilmour den Weg für die bombastischen Touren, die die Band um die gesamte Welt führen sollte. Das erste Zeugnis war und ist eben die Aufnahme zu der Scheibe Delicate Sound Of Thunder im Jahre 1988. Im Nassau Collosseum auf Long Island in New York aufgenommen, erschien das Tondokument als LP, CD und später auch als Bildmaterial auf einer VHS-Kassette. Für die Jüngeren, das war der Vorgänger der DVD. 😉 Die Bildqualität war eher mäßig und auch der Ton nicht überragend. Es waren auch nur 15 Stücke enthalten, obwohl 23 Tracks auf der Setlist zu finden waren. Die jetzt zur Veröffentlichung anstehende Version beinhaltet zumindest die De Luxe Version und die Vinylausgabe alle Songs. Ich durfte mich ein Jahr nach dem Erscheinen der CD, also 1989, im Hamburger Stadtpark an den Livequalitäten von Pink Floyd erfreuen. Dadurch wurde mein „Fan sein“ verstärkt und noch heute sind sie neben Deep Purple meine Lieblingsband. Leider hatte ich keine Möglichkeit, genau diese Tour 1989 in Venedig zu sehen, als Pink Floyd dort auf einer schwimmenden Bühne vor Tausenden Zuschauern ein Konzert for Free gaben.

In der damaligen Zeit bot das Konzert visuelle und akustische Genussmomente der Extraklasse. Da die Tour wegen der ersten Platte ohne Waters stattfand, sind natürlich viele Songs der A Momentary Lapse Of Reason Scheibe zu hören. Im zweiten Teil findet man dann Pink Floyd Klassiker. Aus der ganz frühen Phase, also vor The Dark Side Of The Moon, hat nur One Of These Days überdauert. Ansonsten sind neben Stücken von Wish You Were Here auch das fast komplette Dark Side Of The Moon Album enthalten. Wegen der Waterschen Rechte an The Wall, spielten Pink Floyd dann noch die von David Gilmour für The Wall komponierten Stücke und wie bei eigentlich jedem Konzert, egal ob Waters oder Gilmour, ist das unumstrittene Highlight Comfortably Numb. Gitarrenvirtuose Gilmour zeigt hier eindrucksvoll, was er auf seiner Fender kann und katapultiert sich mit diesem Solo hoch in den Himmel der besten Gitarristen der Welt. Wer das Stück nicht kennt, der sollte unbedingt ein Ohr und auch ein Auge riskieren. Die riesige runde Leinwand im Hintergrund, beleuchtet durch zig Scheinwerfer in allen Farben des Regenbogens, die Spots, die langsam von der Decke nach unten fahrende, sich wie eine Blume öffnende Glitzerkugel, die Laserstrahlen, die wie im schönsten Star Wars Film durch den Saal flackern – das alles macht die Faszination dieses Songs aus. Das ist allerhöchste Unterhaltung, auch wenn Kritiker das als zu gewaltig, pompös, nicht zeitgemäß und zu bombastisch darstellten. Aber genau auf diesen Moment richtet sich das Konzert aus und hinterlässt die Gänsehautmomente, die man nun immer wieder erleben kann. Mit Run Like Hell, in dem die gesamte Band zeigt, dass es auch schnell und sehr rockig gehen kann, wird das Konzert nochmals mit einem Lichtermeer beendet.

Nur ein paar Jahre später wurde nach der erfolgreichen Devision Bell Scheibe dies nochmals in ähnlicher Form bei der Pulse Tour gezeigt. Das Gigantomanische wurde noch mal zelebriert und ist, wie auch die Delicate Sound Of Thunder, der Ursprung des Stadion Rocks, der von vielen großen Bands kopiert wurde und wird. Wer sich nun berufen fühlt, die erneute Ausgabe der Platte zu erwerben, der hat die Qual der Wahl. Entweder die De Luxe Box, bestehend aus zwei CDs einer Blue Ray und einer DVD sowie einem Buch, Poster und Karten, einer 3 LPs umfassenden Vinylausgabe, einem Digipack mit zwei CDs oder einer einfachen CD. Sammler dürften zuschlagen und können sich ein tolles Weihnachtsgeschenk machen oder machen lassen.

Pink Floyd – Delicate Sound Of Thunder (Remastered)
Fazit
Schön aufgemachte Box, die neben der The Later Years Box aber keine neuen Erkenntnisse mit sich bringt. Wer die Box bereits besitzt braucht die remasterte Delicate Sound Of Thunder nicht. Aber für die Vollständigkeit geht eigentlich kein Weg daran vorbei. Qualitativ hat die Aufnahme gewonnen und die zusätzlichen Tracks lassen die Scheibe um einiges an Wert gewinnen. Ich freu mich auf die visuellen Datenträger, denn die VHS-Kassette ist leider nicht mehr abspielbar und meine The Later Years Box steht ordnungsgemäß verschlossen im Schrank.

Anspieltipps: Alles. Es ist einfach Kult.
Kay L.
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