Rage, Serenity und Vanish am 18.02.2020 in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln

Kontrastprogramm zum südbadischen Fasnets-Wahn

Event: Wings Of Rage Tour 2020

Headliner: Rage

Co-Headliner: Serenity

Support: Vanish

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 18.02.2020

Kosten: 39,50 CHF VVK

Besucher: ca. 250

Genre: Heavy Metal, Power Metal, Symphonic Metal, Prog Power Metal, Modern Metal, Prog Rock, Hardrock

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/2809514245756480/

Setlisten:

Vanish:
01. The Pale King
02. Make-Believe
03. Silence
04. We Become What We Are
05. Disbelief
06. The Grand Design
07. Follow

Serenity:
01. Intro
02. My Kingdom Comes
03. Reduced To Nothingness
04. Iniquity
05. Set The World On Fire
06. Souls And Sins
07. United
08. Spirit In The Flesh
09. Legacy Of Tudors
10. Follow Me
11. Lionheart

Rage:
01. Intro
02. True
03. Chasing The Twilight Zone
04. Shadow Out Of Time
05. The Devil Strikes Again
06. Deep In The Blackest Hole
07. Until I Die
08. Set This World On Fire
09. Wings Of Rage
10. Heartblood
11. Season Of The Black
12. Refuge
13. Shame On You
14. Invisible Horizon
15. Let Them Rest In Peace
16. Don`t Fear The Winter
17. Straight To Hell (Zugabe)
18. Higher Than The Sky (Zugabe)
19. Outro

Auch nach 36 Jahren ist Peter „Peavy“ Wagner noch nicht müde und so haut der Mann aus Herne in Westfalen erst dieser Tage sein insgesamt 24. Studioalbum Wings Of Rage raus. Die Zeit der großen Experimente liegt für Peavy und seine Truppe zunächst einmal in der Vergangenheit, was im Bezug auf das aktuelle Album durchaus positiv ist. Wo Rage draufsteht, da ist auch Rage drin, so auch bestimmt bei dem Konzert heute Abend in der Konzertfabrik Z7 im schweizerischen Pratteln. Der gebürtige Westfale hält noch immer den Z7-Rekord, denn bereits über 20 Mal stand der Ruhrpöttler mit seiner Band auf den Brettern der Z7-Bühne, so oft wie keine andere Band. Erst im letzten Sommer spielten Rage gemeinsam mit dem Lingua Mortis Orchestra im Vorprogramm von Ex-Nightwish Diva Tarja Turunen beim Z7 Summer Nights Open Air vor den Toren der Kult-Location, konnten jedoch nur bedingt begeistern. Heute sind sie nun mit ihrem neuen Album im Gepäck zurück und während ganz Südbaden im Fasnets-Wahn ist, ist das Z7 eine gute Alternative zu Cordula Grün, der atemlosen Helene und Anton Aus Tirol.

Ziemlich pünktlich um 19:30 Uhr geht der Zauber dann auch los und es heißt: vergiss Flecken, hör Vanish. Was mir bisher wirklich nur als Reinigungsmittel bekannt war, steht im Raum Böblingen/Stuttgart doch tatsächlich für schwäbischen Power Metal mit leichten Prog- und Thrash Elementen. Die fünfköpfige Band, die aktuell aus Bastian Rose (Vocals), Philipp Schönle (Guitar), Benjamin Galster (Guitar), Andreas Armbruster (Bass) und Ralf Nopper (Drums) besteht, entert die Bühne und steigt mit The Pale King und Make-Believe vom 2017er Album The Insanity Abstract in ihr Set ein. Obwohl ich bisher noch nie über den rockenden Fleckenreiniger gestolpert bin, weder live, noch aus der Konserve, bin ich nun umso überraschter, als da plötzlich ein alter Bekannter über die Bühne fegt, denn Bassist Andy ist mir durchaus bekannt als Bassist der seit 2017 auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegten Metalband Forensick aus Horb am Neckar. Noch verwunderlicher ist das Ganze vor dem Hintergrund, dass die bereits zur Jahrtausendwende gegründeten Vanish schon mit etablierten Acts wie Queensrÿche, Michael Schenker Fest, Brainstorm, Sanctuary, Mystic Prophecy, Axxis, Bonfire, Battle Beast, Freedom Call, Almanac und Kissin` Dynamite die Bretter teilten und auch schon zahlreiche Festivals beschallten. Der Fünfer um Frontmann Bastian Rose bemüht sich redlich, die spärlich versammelten Headbanger anzuheizen, doch Supportbands haben es im Z7 ja oftmals schwer. Auch haben sich gerade mal etwa 100 Nasen vor die Bühne verirrt und der moderne, schwere, teils düstere Metal Sound geht nicht so ganz leicht ins Ohr. Das Hauptaugenmerk liegt heute Abend auf dem The Insanity Abstract Album, von dem es noch We Become What We Are, Disbelief und Follow auf die Ohren gibt, einzig Silence und The Grand Design stammen vom Zweitling Come To Wither von 2014, während das Debüt Separated From Today aus 2006 außen vor bleibt. Am meisten stört mich heute der Gesang von Bastian Rose, der zwar mit seiner Wandlungsfähigkeit punkten kann, in höheren Lagen aber an seine Grenzen stößt und zum Wackelkandidaten wird. Die überzeugendste Leistung liefert Bassist Andy Armbruster ab, der auf der Bühne, wie auch schon zu Forensick-Zeiten, zur echten Rampensau mutiert und zwischendurch immer noch Zeit für Interaktionen mit dem Publikum und den Fotografen hat. Die Gitarristen Schönle und Galster liefern eine konstant gute Leistung ab und knallen dem Publikum die Riffs gnadenlos um die Ohren, einzig etwas mehr Bewegung hätte ich mir von beiden gewünscht. Zum Ende hin machen im Publikum dann aber doch ein paar mit, zwar kann die Songs hier keiner mitsingen, aber die eine oder andere geballte Faust oder geschüttelte Matte kann ausgemacht werden. Nach gut 45 Minuten ist Schluss für die Schwaben und die Band wird mit Applaus verabschiedet.

Der Co-Headliner des Abends, Serenity, ist dann ein ganz anderes Kaliber. Mit leichter Verspätung betritt die Band aus Tirol um kurz nach 20:30 Uhr die Bühne und gleich von Beginn an macht sich bemerkbar, dass Fronter Georg Neuhauser und seine Mannen im Z7 keine Unbekannten sind und seit 2012 heute bereits zum sechsten Mal in Pratteln aufspielen. Zahlreiche Serenity Shirts im Publikum machen deutlich, das viele nur wegen der charismatischen Gesellen aus der Alpenrepublik gekommen sind. Stand das Publikum zuvor eher abwartend herum, so herrscht nun schon beim Opener My Kingdom Comes, vom erst vor zwei Wochen veröffentlichten The Last Knight Album, gute Stimmung. Auch haben sich mittlerweile etwa 200 Headbanger vor der Bühne versammelt, von denen zumindest einige in Feierlaune sind. Gedränge ist sicherlich etwas anderes, denn ein Fan kann noch mühelos in der zweiten Reihe stehen und in aller Ruhe Pommes essen und muss deshalb Witzeleien von Georg über sich ergehen lassen. Die meisten allerdings haben Bock auf den Mix aus Symphonic und Power Metal und so kommen vor allem die älteren Titel wie Reduced To Nothingness und Iniquity gut beim Schweizer Publikum an. Zwar verbindet man Symphonic Metal unweigerlich mit weiblichem Gesang und den ganz großen Bands des Genres wie Nightwish, Within Temptation und Epica, doch bei der sehr guten Darbietung vermisst man den femininen Part kein Stück. Frontmann Georg ist richtig gut drauf und animiert die Besucher in einer Tour und auch die an den Tag gelegte Spielfreude könnte kaum größer sein. Dem Vierer gelingt es so, immer mehr Leute mitzureißen, doch der Fronter ist noch längst nicht zufrieden und schwingt sich hinab in den Graben und macht direkt an der Absperrung Party mit den Fans. Hier darf dann auch der eine oder andere Besucher einen kurzen Grölbeitrag zur aktuellen Nummer Set The World On Fire beisteuern. Auch das anschließende Souls And Sins stammt vom neuen Silberling, doch damit ist The Last Knight dann auch abgehakt und man widmet sich den Bandklassikern. Während von der Band United angestimmt wird, springt Frontmann Neuhauser schon wieder von der Bühne und unternimmt diesmal einen Ausflug ins Publikum, welches sich erneut an den Gesangsparts beteiligen kann. Mit Spirit In The Flesh, Legacy Of Tudors und Follow Me wird dann auch der Letzte bedient, nicht nur musikalisch, denn der sympathische Frontmann beginnt von der Bühne her Bierdosen zu verteilen. Mit Lionheart geht nach einer guten Stunde der Gig zu Ende, jedoch nicht, ohne das Neuhauser noch auf die anstehende Symphonic Power Alliance Headliner Tour verweist, die Serenity mit Dynazty, Victorius und Ad Infinitum im Vorprogramm am 10. April zurück in die Schweiz nach Luzern führt. Hier wurde die Stimmung während des Auftritts immer besser, sodass die Band mit großen Applaus verabschiedet wird.

Um 21.45 Uhr ist es dann Zeit für den Headliner des Abends und die Bühne wird in der Umbaupause mit Totenköpfen und Grabsteinplatten dekoriert. Mittlerweile haben sich etwa 250 Besucher versammelt, was selbst für einen Dienstagabend recht mager ist, aber hier macht sich halt bemerkbar, dass die Herren von Rage regelmäßige Gäste in der Konzertfabrik sind. Für eine Band, die fast jedes Jahr mindestens einmal im Z7 spielt, tut sich nicht jeder den Stress an und schwingt seinen Hintern direkt nach der Arbeit ins Auto, denn die nächste Gelegenheit bietet sich ja schon bald wieder. Das westfälische Power Metal Trio steigt mit True in sein Set ein, einer typisch stampfenden Nummer in modernem Gewand vom aktuellen Album Wings Of Rage. Auffällig ist auf Anhieb der recht gute Sound, denn als die Herner Metal Institution im letzten Jahr hier im Vorprogramm von Tarja spielte, ließ dieser arg zu wünschen übrig. Auch der zweite Song Chasing The Twilight Zone stammt vom neuen Album, was aber zumindest die Fans in der ersten Reihe nicht davon abhält, die Band abzufeiern. Weiter hinten verfällt man sich zunächst noch etwas abwartend, was sich aber mit dem ersten Klassiker Shadow Out Of Time dann schlagartig ändert. Frontmann Peavy weiß genau, dass die Fans vor allem das alte Zeug hören wollen, und fügt schnell hinzu, dass man ein paar neue Nummern spielen wird, aber auch ältere und ganz alte und dass man für jeden was dabei hat. Die Black In Mind Nummer von 1995 war da schon mal ein guter Vorgeschmack, doch mit The Devil Strikes Back geht die Reise wieder weit voran in die Neuzeit. Peavy erklärt, dass diese Nummer Pflicht ist, da das Album quasi das Debüt der aktuellen Besetzung Peter „Peavy“ Wagner (Vocals, Bass), Marcos Rodriguez (Guitar) und Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos (Drums) ist. Mit dem Titelsong Wings Of Rage und Let Them Rest In Peace kehrt das Power-Trio noch zum neuen Werk zurück, doch sonst gibt es die versprochene Zeitreise durch die Bandgeschichte auf die Ohren, wobei vor allem die Songs der Neunziger so richtig abgefeiert werden. Der Stimmungshöhepunkt wird definitiv mit Invisible Horizon erreicht, fliegende Fäuste und kreisendes Haupthaar prägen das Bild vor der Bühne. Mit der Uralt-Nummer Don`t Fear The Winter von 1988 geht das reguläre Set zu Ende und trotz einiger netter Überraschungen und einer souveränen Leistung stellt mich das heutige Programm bisher nicht so ganz zufrieden, denn ohne die ganz großen Songs wie Higher Than The Sky, From The Cradle To The Grave, Full Moon, Straight To Hell, Paint It Black oder Days Of December fehlt einfach etwas. So sieht es wohl auch das Publikum und somit wird gegrölt und applaudiert, bis Peavy & Co wieder zurückkommen und mit Straight To Hell noch einmal gewaltig nachlegen. Auch das lautstark verlangte Higher Than The Sky gibt es noch auf die Lauscher, doch dann ist endgültig Schluss und das Trio verabschiedet vom Schweizer Publikum. Doch gerade im Fall Rage gilt ja, niemals geht man so ganz und so wird der nächste Gig im Z7 nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Definitiv das richtige Kontrastprogramm zum momentanen südbadischen Fasnets-Wahn!

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