Sahara – II (Vinyl Release)

Wenn die Doom Wüste in Argentinien liegt

Artist: Sahara

Herkunft: Paraná, Argentinien

Album: II

Genre: Stoner, Doom Metal

Spiellänge: 70:15 Minuten

Release: 15.02.2019

Label: Hand Of Doom

Link: https://handofdoomentertainment.bigcartel.com/product/sahara-ii-2lp-green-200

Bandmitglieder:

Schlagzeug – Lucio Rodriguez
Gitarre, Gesang – Martin Ludi
Bass, Calamardofono – Julian Moreyra

Tracklist:

  1. The Gem
  2. The Sky (From Hell)
  3. The Gem Part 2: The Coming/The Gift/The Rise
  4. 20
  5. The Choosen One (The Gem Part 3)
  6. Artificial Minds
  7. CCR
  8. Starship

Bevor diese Argentinier übersehen bzw. überhört werden, muss ich sie wohl doch zutage bringen, obwohl die ursprüngliche Veröffentlichung bereits im August 2018 war. Das deutsche Label Hand Of Doom wurde auf diese Scheibe aufmerksam und veröffentlichte sie ein Jahr später als sogenannten Vinyl cut by Flight13 Duplication. Erhältlich auf Vinyl ist SahahraII in den limitierten Versionen Black (100 Stück) und Green (200 Stück). Wenige Restexemplare sind über das Label noch zu ergattern. Also wer schnell ist, hat noch die Chance!

Bei Sahara handelt es sich um eine argentinische Stoner Doom Band, die in der vorliegenden Besetzung bis 2019 bestand. Schlagzeuger Lucio Rodriguez (RIP) und Bassist Julian Moreyra (RIP) verstarben leider bei einem Verkehrsunfall. Gitarrist/Sänger Martin Ludi wagte 2020 einen Neuanfang der Band mit den beiden Mephistofeles Musikern Gabriel Ravera (Bass) und Iván Sachar (Schlagzeug). II ist das zweite Album der Band nach dem Debüt The Light in der alten Besetzung.

Das deutsche Label Hand Of Doom versteht es echt, exotische Perlen aus den tiefen Gewässern des Dooms an Land zu ziehen. Ich erinnere da nur an das vor Kurzem von mir rezensierte selbst betitelte Album der Italiener Black Spell (hier geht es zum Review), oder an das großartige Album Oscillator von den russischen Bongtower.

Was uns auf Sahara II erwartet, ist ein vom Wüstensand malträtierter Stoner Doom. Ich selbst bin nicht unbedingt ein Freund von Vergleichen und nenne ungern Namen anderer Bands in meinen Reviews. Hier muss ich diesem Grundsatz ein wenig abschwören, denn bereits der Bandname erinnert mich visuell an das Cover eines Albums einer anderen großartigen Doom Band. Da fällt mir nicht nur unbedingt visuell, sondern auch von der wunderbaren Trägheit der Töne das Album Dopesmoker von Sleep ein. So wandert also Sleeps Dopesmoker durch die Sahara II 😉 Also ein Sequel!?. Mitnichten, denn Sahara haben zwar einen Touch Sleep und klingen auch bekifft sehr gut, aber es bleibt doch genügend Eigenständigkeit für die Argentinier!

Das Album II, dieser ungeschliffene Edelstein von Sahara, beginnt mit einem ebensolchen. Der Opener The Gem schlängelt sich in frischer und unermüdlicher Trägheit von fast neun Minuten daher. Die Stimme scheint von jenseits der Dünen der Sahara zu uns zu dringen und wirkt dabei etwas entrückt. Obacht, wenn da nicht bald eine Oase kommt, verdurste ich bald, denn das Ding ist schon recht heiß.

The Sky (From Hell) kommt mir nach diesem, die Sinne zermürbenden Openers, fast schon wie ein Galoppritt vor. Fast locker luftige Stoner Riffs und der Gesang viel näher und auch stimmlich anders. Sahara scheinen hier ihre Kamele regelrecht aufgesattelt zu haben und die Karawane nach vorne zu treiben. Zwischendurch versucht man auch schon mal in den Himmel abzudriften.

Der Edelstein scheint weiter geschliffen zu werden. Es geht weiter mit The Gem Part 2: The Coming/The Gift/The Rise. Also was denn jetzt!? Shine On You Crazy Diamond? Das Tempo wird wieder ein Stück heraus genommen. Der Song beginnt ziemlich basslastig. Die Gitarre fängt an zu flirren. Die Stimme ist sowas von entrückt! The Gem Part 2 ist ein richtiger Trip, der am Schluss total abfährt. Nochmals: Shine On You Crazy Diamond.

20 ist ein Akustik-Interlude von 33 Sekunden. Das hätte man also auch 33 nennen können, aber das Trio wird sich bei 20 schon was gedacht haben, oder haben eben vergessen bei 20 Sekunden aufzuhören. Schnell sind wir beim dritten Part des Edelsteins – The Gem Part 3. Der Track The Choosen One (The Gem Part 3) ist ein richtig geiler Stoner Doom. Wer ist dieser Auserwählte, dieser Choosen One? Conan!? Auf jeden Fall erinnert mich dieser Track an Conans Höhlendoom!

Mit Artificial Minds folgt das Meisterstück von Sahara auf diesem Album. Spannung bis in die letzte Gehirnwindung. Nur ganz langsam im reduzierten Schneckentempo formt sich der Song immer mehr. Schmerzerfüllte, dunkle Gedankengänge, die sich da in den Köpfen winden und wenden. Der Mann im Ohr scheint sich hier in Form von den Voices des Sängers äußern zu wollen. Sahara zeigen hier, wie man einen Doom Track über zwanzig Minuten spannend hält, ohne dass da großartig Tempo aufkommen muss.

Das neunundzwanzig Sekunden lange Intermezzo CCR kling sogar tatsächlich wie ein Opener eines CCR Songs. Ok, dann also Bad Moon Rising und ab ins Starship. Auf zu einem Trip zum „Man In The Moon“. Das natürlich in gewohnter Doom Geschwindigkeit. Ein sehr geiler Trip im Starship zum Abschluss dieses tollen Albums von Sahara.

Ein Video zu einem Song gibt es leider nicht (jedenfalls habe ich nichts gefunden). Hier könnt ihr euch über das Bandcamp gerne mal in das Starship von Sahara einloggen und reinhören: https://saharadoom.bandcamp.com/album/ii

Sahara – II (Vinyl Release)
Fazit
Mit Sleep im Schlaf durch die Sahara, einen rauchen mit dem Dopesmoker und mit Conan in einem Wüstenloch den Höhlendoom zelebrieren. Aber Achtung, dann müssen wir mit diesem Auserwählten und seinem seltsamen Edelstein noch das Starship für einen ganz anderen Trip nehmen. Ich weiß ja gar nicht, was in den Köpfen der Argentinier so vor sich geht. Geil ist es auf jeden Fall!

Anspieltipps: The Gem Part 2: The Coming/The Gift/The Rise, Artificial Minds und Starship
Juergen S.
9.2
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9.3
9.2
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