Steel Prophet – The God Machine

Steel Prophet vs. Roberto Dimitri Liapakis - ein Power Metal Neustart

Artist: Steel Prophet

Herkunft: Middletown, Connecticut, USA

Album: The God Machine

Spiellänge: 40:57 Minuten

Genre: Power Metal, Heavy Metal, US – Metal

Release: 26.04.2019

Label: ROAR! Rock Of Angels Records https://roar.gr

Link: https://www.facebook.com/SteelProphet/

Bandmitglieder:

Gesang – Roberto Dimitri Liapakis
Gitarre – Steve Kachinsky
Gitarre – John Paget
Bass – Vince Dennis
Schlagzeug – John Tarascio

Tracklist::

01. The God Machine
02. Crucify
03. Thrashed Relentlessly
04. Dark Mask / Between Love And Hate
05. Damnation Calling
06. Soulhunter
07. Buried And Broken
08. Lucifer / The Devil Inside
09. Fight, Kill
10. Life = Love = God Machine

Eine besonders sichere Bank waren die US-Amerikaner von Steel Prophet noch nie, sowohl was die Qualität der bisherigen Alben, als auch die Besetzung der Bandmembers angeht. Die US-Metal-Perlen hat man überwiegend in den 90ern veröffentlicht, danach war jedes neue Album eine zwiespältige Angelegenheit, was bei den häufigen Besetzungswechseln in der Kachinsky Crew aber kaum verwunderlich ist. Kaum ein Line-Up konnte mal zu einer echten Einheit zusammenwachsen, da drehte sich das Bandkarussell schon wieder. Und auch vor gut vier Jahren drehte es sich erneut, denn Frontmann Rick Mythiasin verließ, übrigens nicht zum ersten Mal, die US-Veteranen. Ein Wechsel am Mikro ist immer etwas besonders Einschneidendes und nicht wenige Bands sind bei solch einem Wechsel schon vor die Hunde gegangen und konnten nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen. Nicht wenige waren wahrscheinlich überrascht, als Mystic Prophecy / Valley`s Eve / Devil`s Train Frontmann Roberto Dimitry Liapakis als Nachfolger bekannt gegeben wurde. Bis zum Schluss blieb jedoch unklar, welche Rolle Liapakis innerhalb der Band spielen und welchen Einfluss er auf die neuen Songs von The God Machine haben wird. Er ist ein klasse Sänger, keine Frage, und er macht mit seiner Hauptband einen coolen Job, aber eine gewisse Skepsis bleibt.

Der erste Durchlauf überrascht, denn The God Machine, das erste Album seit fünf Jahren, bietet richtig guten Heavy Metal. Natürlich, Steel Prophet haben in den 90ern auch guten US-Stahl abgeliefert, aber The God Machine klingt so gar nicht nach den US-Propheten. Das Album klingt sehr europäisch, sehr deutsch, und damit ist zumindest schon einmal die Frage geklärt, wie groß Liapakis Einfluss auf die Songs war. Sehr groß!

Wer nun erwartet, mit Anlauf in die Welt des US-Metal katapultiert zu werden, derjenige wird enttäuscht sein. Schon der Titeltrack macht ganz deutlich klar, wer hier seine Finger im Spiel hatte, denn The God Machine weist zahlreiche Parallelen zu Liapakis Hauptband Mystic Prophecy und ähnlich gelagerte Kapellen auf. Eine sehr gradlinige und eingängige Nummer, in der der MP Frontmann gleich sein immenses gesangliches Können unter Beweis stellen kann. Mit dem rauen, markanten Gesang und donnernden Drums ballert der Track ordentlich und ist zudem noch ziemlich rifflastig und für die Jungs aus Middletown ungewohnt hart. Liapakis steuert seinen ganz eigenen Teil hinzu, inklusive des Wiedererkennungswerts, doch der Rest der Band sorgt dafür, dass der Song auch immer noch für Steel Prophet– und US-Metal-Fans interessant ist. Es ist also kein neues Mystic Prophecy Album, auch wenn Fans der Süddeutschen hieran Gefallen finden werden. Jedoch hat man außer Acht gelassen, dass auf den Interstates der USA ein Tempolimit von 70 – 75 mph (112 – 120 km/h) gilt, welches hier deutlich überschritten wird. Bei Crucify nimmt man den Fuß dann ein wenig vom Gaspedal und die Gitarren werden dominanter. Wieder geht es straight nach vorne und man kommt ohne große Spielerei zur Sache. Power Metal Fans kommen auch hier wieder voll auf ihre Kosten, jedoch blicken nun auch die typischen US-Metal-Elemente etwas stärker durch. Der griechischstämmige Deutsche drückt dem Song seinen ganz eigenen Stempel auf, ohne ihm die US-Grundstruktur zu nehmen.

Mit dem flotten, melodischen Thrashed Relentlessly kommen dann die US-Metal-Fans auf ihre Kosten, zumindest klingt es noch am ehesten nach den alten Steel Prophet. Großartiger, eingängiger Refrain und ein Killerriff, das fast schon in Thrash Gefilden wildert. Liapakis mit seiner variablen Stimme läuft zur Höchstform auf. Mit Dark Mask / Between Love And Hate bewegt man sich sogar im Bereich Hardrock – Jorn Lande und Axel Rudi Pell lassen grüßen. Der Refrain frisst sich direkt im Hirn fest und lässt einen nicht wieder los. Stimmlich liegt der MP Shouter irgendwo zwischen Bryan Adams und eben Jorn Lande, je nachdem, wie gerade Gas gegeben wird. Gradlinig und melodisch, ein echter Hit! Das stampfende Damnation Calling deckt dann den melodischen Midtempo Bereich ab. Das Grundgerüst erinnert durchaus an die Urväter des Heavy Metal Black Sabbath zu Zeiten des gewaltigen Headless Cross Albums. Mit einem galoppierenden Iron Maiden Riff und einer starken Gesangsmelodie entwickelt sich Soulhunter wieder zu einer soliden Hardrockhymne. So abwechslungsreich und zudem überzeugend hat man die Amis selten gehört.

Die Power Metal Ballade Buried And Broken besticht durch flirrende Gitarren im spannenden Mittelteil. Dass Herr Liapakis auch bei den ruhigeren Tönen eine gute Figur macht, brauche ich eigentlich nicht extra zu erwähnen. Der Mann zeigt sich auf dem gesamten Album als sehr wandlungsfähig und schafft mit seiner rauen Stimme selbst die hohen Passagen und sogar High Pitched Screams. Lucifer – The Devil Inside weist packende Rhythmustempo-Wechsel und tolle Spannungsbögen auf. Kernig knackig und eingängig zugleich. Immer wieder tauchen unerwartete Elemente auf, die den Sound auflockern und den Song aufwerten, so z.B. auch die Chöre, die Liapakis Gesang eine effektive Breitenwirkung verpassen.

Fight, Kill beginnt mit einem langatmigen Intro und auch danach passiert nicht mehr viel. Zwar wird nun wieder Gas gegeben, dennoch plätschert der Song vor sich hin. Meiner Meinung nach der einzig wirkliche Totalausfall. Life = Love = God Machine erinnert mit seinem kernigen Drive an die späten Uriah Heep und zeigt ansatzweise, dass man die progressiven Wurzeln nicht ganz vergessen hat. Man muss die Songs einfach öfter hören. Beim ersten Durchgang verdienen einige Nummern das Prädikat ganz nett, doch die Songs entwickeln ein Eigenleben, dass man beim ersten Hören gar nicht in voller Breite erfassen kann.

Für die Produktion zeichnen sich Roberto Dimitri Liapakis und Bandkopf Steve Kachinsky verantwortlich – die kommt sehr druckvoll rüber und setzt die Songs in Szene.

Das Album wird als Digipak CD incl. Logo-Patch und als Red / Black-Splatter-Vinyl erhältlich sein und natürlich auch in digitaler Form.

Fazit
Steel Prophet haben mit The God Machine viele alte Trademarks abgelegt, sodass das Album für Die Hard Fans eine Enttäuschung sein könnte. Die progressive Ausrichtung fehlt nahezu komplett und natürlich auch die eigenwillige Stimme von Rick Mythiasin. Die neuen Songs sind angesiedelt zwischen klassischem Power Metal, Hardrock und nur wenigen US- Metal-Elementen. Natürlich hat man sich unter neuem Sänger verändert, der Gesang von Roberto Dimitri Liapakis ist rau, kernig, melodiös, mal kraftvoll, mal sanft und bluesig. Man kann und darf das Album nicht mit früheren Steel Prophet Veröffentlichungen vergleichen, denn dann würde es untergehen und das haben die Songs nicht verdient. Geht man völlig unvoreingenommen und ohne Erwartungen daran, so offenbart sich ein erstklassiges Power Metal Album mit Hardrock Anleihen mit ein wenig US-Kante, das viele alteingesessene Vertreter dieses Genres alt aussehen lässt. Vielseitiger und gut ausbalancierter Heavy / Power Metal, der belegt, dass auch eine von vielen Line-Up Wechseln gebeutelte Band wie Steel Prophet durchaus wandlungsfähig sein kann. Die Wahl des neuen Sängers erweist sich dabei als absoluter Glücksgriff, denn mit Unterstützung von Liapakis wird die Band nun noch einmal richtig durchstarten können. Wie schon erwähnt, man muss die Songs ein paar Mal hören, bis sie in voller Breite zünden, doch schon im ersten Durchgang wird klar, dass man ein richtig gutes Album eingelegt hat, nur eben kein altes Steel Prophet Album. Dieses Album tritt euch in den Arsch und Fans des Genres können bedenkenlos zugreifen!

Anspieltipps: The God Machine, Crucify und Lucifer - The Devil Inside
Andreas F.8.5
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