The Mountain King, Rýr und Kaputth am 06.03.2026 in der Kreativfabrik Wiesbaden

Drei Bands, drei Klangwelten – ein starker Underground-Abend in der Krea in Wiesbaden

Bands: The Mountain King, Rýr, Kaputth

Ort: Kreativfabrik Wiesbaden, Murnaustraße 2, 65189 Wiesbaden

Datum: 06.03.2026

Kosten: 12,00 € VVK, 15 € AK

Genre: Funeral Doom, Post Rock, Drone, Doom Metal , Stoner

Veranstalter: Kreativfabrik Wiesbaden

Link: https://kreativfabrik-wiesbaden.de/veranstaltung

Ein Abend zwischen Klanggewalten und Atmosphäre

In der Kreativfabrik stehen heute Abend mit The Mountain King, Rýr und Kaputth drei Bands auf dem Programm, die das neue Release Pike Dreams von The Mountain King gebührend mit den Fans feiern möchten (Review hier). Es erwartet uns ein Abend zwischen brachialen Ausbrüchen und feinsinnigen Zwischentönen. Ein Konzert sowohl für Fans härterer Töne als auch für Neugierige. Für mich persönlich bei der Zusammenkunft dieser drei Bands bereits im Vorfeld ein absolutes Muss, und der Abend soll uns heute nicht enttäuschen.

Rýr eröffnen mit düsteren Klanglandschaften

Den Auftakt des Abends übernehmen die Berliner Rýr. Als das Trio die Bühne der Kreativfabrik Wiesbaden betritt, ist der Raum bereits in gedämpftes Licht getaucht. Nebelschwaden ziehen langsam über die Bühne, während nur wenige Spots die Musiker schemenhaft sichtbar machen. Schnell wird deutlich, dass die visuelle Gestaltung des Abends stark mit Schatten, Lichtkegeln und dichter Atmosphäre arbeitet – ein Setting, das gut zur Musik von Rýr passt.

Der Name der Band leitet sich von einem isländischen Wort ab, das so viel wie „karg“ oder „spärlich“ bedeutet und eine reduzierte, verdichtete Beschaffenheit beschreibt. Diese Idee spiegelt sich auch im musikalischen Ansatz der Berliner Instrumentalband wider: Mit Gitarre, Bass und Schlagzeug entwickelt das Trio einen Sound, der gleichzeitig minimalistisch wirkt und dennoch enorme Wucht entfalten kann.

Seit der Gründung durch Gitarrist Marius Jung haben sich Rýr zu einem festen Bestandteil der europäischen Underground-Post-Metal-Szene entwickelt. Gemeinsam mit Bassist Florian Fricke und Schlagzeuger Eric Knoop verbindet die Band treibende Rhythmen, komplex geschichtete Gitarren und lange Spannungsbögen zu dichten Klanglandschaften. Diese Herangehensweise prägt auch ihr aktuelles Album Dislodged, das über Moment Of Collapse Records erschienen ist.

Rýr, Kreativfabrik Wiesbaden 2026, Pic by Big Simonski

Auch live zeigt sich schnell, wie sehr die Musik von Dynamik lebt. Ruhige, fast schwebende Passagen bauen sich langsam auf, Gitarrenlinien überlagern sich und steigern sich allmählich, bis die Stücke in massiven Klangwänden aus Verzerrung und druckvollem Schlagzeug aufgehen. Trotz der Schwere blitzen immer wieder melodische Momente auf, die den Songs eine gewisse Fragilität verleihen, bevor sie erneut in dunklere Gefilde zurückkehren.

Das Zusammenspiel der drei Musiker wirkt konzentriert und präzise, fast schon filmisch in seiner Wirkung. Ohne Gesang erzählt die Musik ihre eigene Geschichte aus Spannung, Verdichtung und Entladung. Im schummrigen Licht und mit der dichten Nebelkulisse entsteht so schon beim Opener des Abends eine intensive Atmosphäre, die das Publikum unmittelbar in den Bann zieht und den Grundton für den restlichen Konzertabend setzt.

Kaputth lassen die Berge hier im Keller beben

Nach dem atmosphärischen Auftakt von Rýr folgt mit Kaputth der nächste Programmpunkt des Abends in der Kreativfabrik Wiesbaden. Für mich ist dieser Auftritt mit einer kleinen persönlichen Geschichte verbunden, weshalb die Vorfreude entsprechend groß ist.

Der erste Kontakt zur Band entsteht, als mich Sänger Tobias Hüttmeyer zu Beginn des letzten Jahres anschreibt und fragt, ob ich Interesse hätte, ihr Debütalbum zu besprechen. Schon nach den ersten Durchläufen ist klar, dass mich die Musik sofort packt. Aus dem geplanten Review (hier) wird deshalb schnell mehr: Direkt im Anschluss an die Besprechung folgt auch noch ein Interview mit der Band (hier nachzulesen). Seitdem verfolge ich ihren Weg mit Interesse und hoffe schon lange, Kaputth mal live zu erleben. Heute ist es endlich so weit und entsprechend herzlich fällt die Begrüßung aus, als wir uns an diesem Abend das erste Mal persönlich begegnen.

Kaputth stammen aus Nürnberg und existieren seit 2021. Neben Tobias Hüttmeyer gehören Adrian Lorenzo Waldemar Seifert an der Gitarre, Salvatore Giallo am Bass und Lanthir Lörp Saibøt am Schlagzeug zum Quartett. Nach den frühen Singles Bergschwer (2021) sowie Kaventsmann / Ich Sehe Keine Tannen Mehr (2022) ist im Dezember 2024 mit I ihr erstes Album erschienen, auf dem auch diese Stücke enthalten sind. Die Vinyl nehme ich natürlich sehr gerne direkt vom Merchstand mit, so wie ich auch gerne bei den anderen beiden Bands heute reichlich einkaufe, denn das ist so alles richtig nach meinem Geschmack.

Musikalisch bewegt sich die Band klar im Funeral Doom: langsam, schwer und mit viel Raum zwischen den einzelnen Klangschichten. Gleichzeitig beschreiben Kaputth ihren Stil selbst augenzwinkernd als „Mountain Doom“. Der Begriff passt gut, denn viele Songs wirken tatsächlich wie massive Klangformationen, die sich langsam aufbauen und mit großem Gewicht auf das Publikum treffen. Auffällig ist außerdem, dass sowohl Songtitel als auch Texte auf Deutsch gehalten sind.

Kaputth, Kreativfabrik Wiesbaden 2026, Pic by Big Simonski

Live zeigt sich schnell, wie gut dieses Konzept funktioniert. Der düstere Opener N(osferatu)3 legt gleich zu Beginn eine schwere, fast unheilvolle Atmosphäre über den Raum. In Kombination mit dem gedämpften Licht und dem Nebel, der sich weiterhin massig über die Bühne legt, entsteht eine sehr dichte Stimmung.

Mit Auf Dem Gipfel Ein Sturm und später auch Brocken zieht die Band das Tempo weiter herunter und baut stattdessen auf massive Riffs und lange Spannungsbögen. Die Songs wirken dabei weniger wie klassische Stücke als vielmehr wie langsam anwachsende (Berg-)Klanglandschaften. Das ist alles doch geiler Mountain Doom, also Bergschwer. Dieser Songtitel trifft den Eindruck ziemlich genau: Die Riffs drücken mit spürbarer Wucht, während der Raum weiterhin in schummriges Licht getaucht ist. Erst mit Scheisse Was Is Pasirt? am Ende des Sets kommt etwas mehr Bewegung ins Set, ohne dass der charakteristische schleppende Groove verloren geht. Der Auftritt zeigt eindrucksvoll, dass Kaputth ihren schweren, entschleunigten Doom auch live überzeugend umsetzen können, und für mich bestätigt sich an diesem Abend noch einmal, warum mich die Band damals schon beim ersten Hören so begeistert hat.

The Mountain King krönen den Abend mit Pike Dreams

Den Abschluss des Abends übernehmen schließlich The Mountain King. Die Band ist für mich schon lange keine Unbekannte mehr. Ich habe sie über die letzten beiden Jahre bereits mehrfach live gesehen, erstmals im Sommer 2024 als Support von The Hippie Death Cult in Mainz im QKaff. Entsprechend vertraut wirkt es, als ich Mastermind Eric McQueen schon früh am Abend, kurz vor Beginn der Veranstaltung, begrüßen kann und wir uns lange unterhalten.

Gegründet wird das Projekt 2014 zunächst als Soloidee von Multiinstrumentalist Eric McQueen. Inzwischen hat sich daraus ein Trio entwickelt: Neben Eric McQueen stehen Frank Grimbarth an Gitarre und Gesang sowie Robert Furbished (wie immer etwas abseits am Bühnenrand) an Synthesizern und Programming auf der Bühne. Ein Schlagzeug steht zwar im Hintergrund, dahinter sitzt allerdings beim Gig von The Mountain King niemand. So kenne ich die Band, und in diesem Fall klappt das auch aus meiner Sicht hervorragend. Gemeinsam bewegen sie sich in einem Klangbereich, den sie selbst als „Electro Stoner Doom“ beschreiben: eine Mischung aus Stoner- und Doom-Riffs, ausgedehnten Droneflächen und elektronischen Elementen, die immer wieder in postrockartige Strukturen übergehen.

The Mountain King, Kreativfabrik Wiesbaden 2026, Pic by Big Simonski

Visuell bleibt die Linie des Abends erhalten: gedämpftes Licht, Nebel und eine insgesamt eher zurückhaltende Bühneninszenierung. Der Fokus liegt klar auf dem Sound, der sich langsam im Raum ausbreitet. Während Bass und Gitarre schwere, repetitive Muster aufbauen, legen Synthesizer und elektronische Texturen zusätzliche Ebenen darüber.

Der heutige Auftritt steht im Zeichen des Releases des aktuellen Albums Pike Dreams. Am Merchstand liegen ein paar wenige physische Exemplare aus, und ein Großteil des Sets bezieht sich auf dieses neue Werk. Das Album ist komplett instrumental angelegt und besteht aus sieben Hauptstücken, die nach prägnanten Jahreszahlen benannt sind – Momenten, in denen politische Umbrüche oder gesellschaftliche Konflikte Geschichte geschrieben haben.

Einige dieser Stücke finden sich auch auf der Setlist wieder. 476, 1066, 1381 und 2010 strukturieren den Auftritt wie einzelne Kapitel. Besonders 1381, das sich auf den englischen Bauernaufstand bezieht, entwickelt live eine dichte Spannung: langsame, sich wiederholende Riffs treffen auf flächige Synthsounds und bauen sich schrittweise zu einer massiven Klangwand auf.

Daneben greifen The Mountain King auch auf ältere Stücke zurück. Songs wie Dödo, Space Is Now Tainted oder Dripping Bats fügen sich nahtlos in das Set ein und zeigen, dass die Band neben reiner Instrumentalisierung auch Songs mit Gesang im Repertoire hat.

So entsteht ein stimmiger Abschluss für diesen Konzertabend. Nach den sehr unterschiedlichen Auftritten von Rýr und Kaputth setzen The Mountain King noch einmal einen eigenen Akzent – mit einer Mischung aus schweren Riffs, elektronischen Texturen und langen instrumentalen Spannungsbögen.

Drei Bands, drei Klangwelten – ein starker Underground-Abend

Am Ende bleibt der Eindruck eines rundum gelungenen Abends in der Kreativfabrik Wiesbaden: Drei Underground-Bands, die stilistisch unterschiedliche Wege gehen, haben gerade deshalb ein abwechslungsreiches, intensives Konzertprogramm geboten. Wieder so ein Abend, der gezeigt hat, dass Underground sehr mächtig sein kann.

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