Trivium – In The Court Of The Dragon

Trivium als neue Power Metal Elite?

Artist: Trivium

Herkunft: Orlando, Amerika

Album: In The Court Of The Dragon

Spiellänge: 52:17 Minuten

Genre: Heavy Metal, Progressive Metal

Release: 08.10.2021

Label: Roadrunner Records

Link: http://www.trivium.org

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Matthew Heafy
Gitarre und Backgroundgesang – Corey Beaulieu
Bassgitarre und Backgroundgesang – Paolo Gregoletto
Schlagzeug – Alex Bent

Tracklist:

  1. X
  2. In The Court Of The Dragon
  3. Like A Sword Over Damocles
  4. Feast Of Fire
  5. A Crisis Of Revelation
  6. The Shadow Of The Abattior
  7. No Way Back Just Through
  8. Fall Into Your Hands
  9. From Dawn To Decadence
  10. The Phalanx

Langeweile kommt bei Trivium anscheinend nicht auf, denn zwischen der Veröffentlichung von In The Court Of The Dragon und der von What The Dead Men Say liegen nur 532 Tage, das sind wiederum nur eineinhalb Jahre. In diesem Zeitraum zwei Alben zu produzieren, ist enorm und verlangt viel ab, aber auch hier wurde die Band von ihrem Label Roadrunner Records natürlich kräftigt unterstützt, was am Ende das ganze Projekt realisierbar machte. Hier darf man auch nicht vergessen, dass an der Qualität nicht gespart wurde und die Band sich wieder etwas übertroffen hat und das in nur eineinhalb Jahren – unglaublich.

Aber erst mal ganz von vorne! Nach dem Intro X geht es direkt mit dem titelgebenden Song In The Court Of The Dragon los und hier zeichnet sich schon deutlich ab, dass eine unglaublich talentierte Band wie Trivium auch in kurzer Zeit Qualität abliefern kann, ohne dabei in alte Muster zu fallen, welche man schon kennt. In kurzer Zeit kann die Band auf neue Ideen und Inspirationen zurückgreifen, welche das Album in einem anderen Licht Triviums erscheinen lassen – mir gefällt’s. Was dennoch etwas merkwürdig erscheint, ist das Cover, das unglaublich gut gemacht ist, aber mal ehrlich: Bin ich der Einzige, dem das Ganze scheint, als wäre es ein Power Metal Album? Ich finde das unglaublich verwirrend und würde ich die CD so im Regal sehen, wäre ich erst mal abgeneigt davon, da ich Power Metal mit Drachen und Feengeschichten einfach nicht mag.

Mich erinnert das Album etwas an The Sin And The Sentence aus 2017, da hier ebenfalls ein mystisches Intro den brutalen Song The Sin And The Sentence ankündigt. Ja, der aufmerksame Fan merkt hier jetzt, dass das erste Lied gleichnamig mit dem Album ist. Auch bei In The Court Of The Dragon und What The Dead Men Say war es so. Ich persönlich finde, dass das eine nette Geste seitens Trivium ist, und ich könnte schon wetten, dass es vielen gar nicht aufgefallen ist. Nur hier als kleine Randinformation: Bei Vengeance Falls und In Waves ist es ebenfalls so! Aber lassen wir uns von dem kleinen Easter Egg nicht weiter aufhalten, der Fokus soll ja weiterhin bei der diesjährigen Scheibe bleiben, welche, wie schon erwähnt, faszinierend ist. Der Sound stimmt wieder einmal von vorne bis hinten und es wurde sehr darauf geachtet, dass die Qualität erhalten bleibt und stetig wächst, was ich sehr anreizend finde. Melodien und durchgehendes Geballer gehören ja zu den Standardelementen von Trivium und darauf müssen wir auch nicht verzichten, ganz im Gegenteil wird von beiden Seiten mehr Aggression kommen. The Shadow Of The Abattior zum Beispiel vereint hier vieles und gibt einem mehr, als man verkraften kann. Viele harmonische und melodienreiche Teile, welche von der ruhigen Startphase in die aggressive Endphase führen, lassen sich von brutalen Riffs niederschmettern. Alex Bent fordert im weiteren Verlauf des Songs die Gitarren sowie Matthews Stimme zu einem Triell auf und in einem blutigen Kampf entscheiden die Drums das Rennen und übernehmen die Führung. Das Triell frischt den ganzen Song noch mal komplett auf und kreiert unerwartete Momente.

Neben diesen unerwarteten Momenten ist für mich das Erstaunlichste die Zeit, in welcher das Album geschrieben wurde. Es steht wieder einmal die Technik im absoluten Rampenlicht. Was direkt auffällt, ist, dass kleine technische Elemente aus The Sin And The Sentence genommen wurden und mit den Melodiecharakteren aus What The Dead Men Say verknüpft wurden. Aber auch eigene Ideen wurden eingebracht und die Mischung, begründet aus Inspiration und das „Verwerten“ der noch vorhandenen alten Ideen, erschafft den neuen Stil, der Trivium untermalt, aber auch die Band ein bisschen neu erfindet. Schnelle Bastbeats und Doppelbasspedalgestrampel erinnern an einen Wettkampf bei der Tour de France. Anfeuernd im Hintergrund ist der Bass, welcher dem Bike den richtigen Schwung verleiht. Neben dem erdrückenden Bassdonner spielen die Gitarren ihren Part. Mich beeindrucken die extremen Variationen der Melodien und der Rhythmusgitarre, es wiederholt sich nichts und wieder einmal spielen die Finger die Melodien und Akkorde schneller, als man mit den Ohren nachkommt. Es ist und bleibt beeindruckend. Für mich ist das ganze Album nicht so stark wie das aus 2017, da hier mehr Aggression vorhanden war und die Melodien mehr auf Hass getrimmt waren. Dennoch ist gegen die hier vorrangig herrschende Harmonie nichts zu sagen, denn ab und zu mal von Musik umarmt zu werden, hat ja selbst den dunkelsten Metalhead schließlich noch nicht umgebracht.

Trivium – In The Court Of The Dragon
Fazit
Für mich ein extrem gutes Album mit etwas zu viel Harmonie anstelle von Aggression, aber das soll erst mal nichts bedeuten. Das Album, die Technik, das Talent und das musikalische Verständnis sind wieder einmal auf höchstem Niveau, aber für mich erreicht es keine bessere Platzierung als mein Lieblings-Trivium-Album The Sin And The Sentence.

Anspieltipps: In The Court Of The Dragon, A Crisis Of Revelation, und The Shadow Of The Abattior
Paul M.
7.7
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