Velvet Viper – Cosmic Healer

Altbewährtes in neuem Gewand

Artist: Velvet Viper

Herkunft: Hamburg, Deutschland

Album: Cosmic Healer

Spiellänge: 49:58 Minuten

Genre: Heavy Metal

Release: 23.04.2021

Label: Massacre Records

Links: https://www.facebook.com/VelvetViper/
https://velvet-viper.de/

Produktion: Produziert von Holger Marx im Jangland Studio. Gemischt von Ralf Basten und gemastert von Alexander Krull im Mastersound Entertainment Studio. Cover Artwork von Manfred Smietana, MS Art Design

Bandmitglieder:

Gesang – Jutta Weinhold
Gitarre, Gesang – Holger Marx
Bassgitarre, Gesang – Johannes Horas Möllers
Schlagzeug – Micha Fromm

Gastmusiker:

Ferdy Doernberg (Axel Rudi Pell): Keyboards in Sword Sister, Let Metal Be Your Master, Holy Snake Mother und Darkness Of Senses
Janine Schouten: Keyboards in Cosmic Healer, Voice Of An Anarchist, Sassenach, Osiris, On The Prowl und Long Shadows
Karsten Vollmer: Background Gesang in Let Metal Be Your Master, Cosmic Healer, Holy Snake Mother und On The Prowl
Al Shirazi (Voldt): Background Gesang in allen Songs außer Götterdämmerung (Acoustic)

Tracklist:

  1. Sword Sister
  2. Let Metal Be Your Master
  3. Cosmic Healer
  4. Holy Snake Mother
  5. Voice Of An Anarchist
  6. Sassenach
  7. Osiris
  8. On The Prowl
  9. Long Shadows
  10. Darkness Of Senses
  11. Götterdämmerung (Acoustic Version)

2018 hatte ich an anderer Stelle bereits Respice Finem besprochen und Oktober 2019 zudem das große Glück, mit meiner Band Sirius Curse den Support für Velvet Viper beim Air Axes Metal Club in Steinenbronn geben zu dürfen. Letztere Tatsache gewährt mir somit einen individuelleren Blick auf die Band und insbesondere aber auf die Menschen, die hinter diesem Projekt stehen. Allen voran Jutta Weinhold zog mich dabei in ihren Bann. Im Wissen darüber, welchen Weg Jutta bereits in Musicals, der Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg und letztlich mit Zed Yago zurückgelegt hat, dürfen die großen Worte Ehrfurcht und Demut hier mit Recht erwähnt werden. Zumindest ergeht es mir so.

Im Hause Velvet Viper herrschte die vergangenen Jahre alles andere als Stillstand. Die beiden Zed Yago Alben From Over Yonder und Pilgrimage wurden 2020 in Form eines Re-Release wieder veröffentlicht und auch hier kann man keinesfalls von Fehltritten sprechen.

Demnach gehört Stagnation weder zum Wortschatz noch zur Haltung dieser Musiker. Der kommende Longplayer Cosmic Healer steht exemplarisch für eine dezente Abkehr von den bislang angewendeten Skills. Denn und das stellt der Opener Sword Sister unter Beweis, hier finden modernere Arrangements Einkehr ins Songwriting. Das übertrifft insofern meine Erwartung, als dass ich diesen Groove und diese Härte eigentlich ausgeschlossen hatte. Der Song geht zünftig voran, besitzt eben diese bislang ungewohnten Riffs und eine Rhythmik, die für die Vocals als Herausforderung betrachtet werden dürfen. Die ewig junggebliebene Jutta Weinhold allerdings meistert diese Aufgabe hervorragend, verbindet Pathos und ihre einzigartige Modulation mit diesen Songstrukturen. Das Ergebnis mündet in einer Kombination aus zeitgemäßem, aber auch traditionellem Songwriting, verbunden mit dem hohen Wiedererkennungswert von Juttas Stimme. Hier möchte ich auch gleich ansetzen, denn aus tausend anderen Frauenstimmen wäre jene von Jutta Weinhold immer und ohne größere Probleme herauszuhören. Aus meiner Sicht ist ihre unverkennbare Stimme und Sangeskunst ein Qualitätsmerkmal, sofern der Hörer sich hier ebenfalls angesprochen fühlt. Diese Stimme schwebt über allen Songs von Velvet Viper und gewährt deshalb auch eine stete Sicherheit.

Angenommen, diese Herangehensweise sei von den Protagonisten so gewollt, steht diese automatisch aber auch im Zwiespalt. Man öffnet sich musikalisch, möchte die treuen Anhänger dabei aber nicht verlieren. Deshalb lehnt sich Let Metal Be Your Master wieder stärker an die altbewährten Muster an, ohne dabei Frische und Qualität einbüßen zu müssen. Das ist eine Hymne, nicht mehr und nicht weniger.

Auf dem schmalen Grat der Innovation wandelnd bietet der Titeltrack Cosmic Healer zugleich eine breite Palette an Angriffspunkten. Das Arrangement wirkt teils zu verspielt und verliert dadurch meiner Meinung nach zusehends den roten Faden und den Flow. Holy Snake Mother hingegen wirkt wieder zusammenhängender und flüssiger. Insbesondere Voice Of An Anarchist bringt eine grandiose Rock ’n‘ Roll Attitüde zum Tragen. Ohne Kompromiss geht diese Nummer geradeaus.

Epische und mystische Elemente liegen Velvet Viper im Blut, das haben sie auf ihren zurückliegenden Alben mehrfach bewiesen. Sassenach verwundert gerade deshalb nicht. Das doomige Flair, die lethargische Schwere und der überwiegend getragene, schleppende Groove sorgt allenthalben für Verzückung. Osiris folgt dieser Atmosphäre und hebt das Niveau nochmals an.

On The Prowl und Long Shadows erinnern wieder an die älteren Alben, erreichen mich jedoch nicht ganz so sehr. Das Songwriting ist gefällig, lässt jedoch ein wenig das Besondere vermissen. Darkness Of Senses musste ich in der Tat öfter hören, da ich mit der Struktur nicht warm wurde. Das hat sich bis zuletzt leider nicht aufgelöst. Die gezupfte Götterdämmerung gewährt zum Schluss einen tiefen Blick in die Klang- und Stimmfarbe von Jutta Weinhold. Ich kann mich sehr gut auf ihre Stimme einlassen und so folge ich schlicht der Emotion…

Velvet Viper – Cosmic Healer
Fazit
Cosmic Healer wird die Fangemeinde trotz oder vielleicht auch gerade wegen der erwähnten Abkehr meiner Meinung nach keineswegs spalten. Die neuere Ausrichtung, die in einigen Songs zu hören ist, frischt und wertet die ganze Geschichte insgesamt auf. Das alles täuscht jedoch über eines nicht hinweg und es muss abermals erwähnt werden. Jutta Weinhold, die Grand Dame des Dramatic Metal performt trotz ihrer 73 Jahre immer noch grandios. Davor ziehe ich den Hut und zolle ihr meinen vollen Respekt.

Anspieltipps: Sword Sister, Let Metal Be Your Master und Sassenach
Peter H.
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Punkte
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