Wishbone Ash am 17.01.2019 im Jazzhaus in Freiburg im Breisgau

Rockgiganten geben sich publikumsnah im Jazzhaus“

Band: Wishbone Ash

Ort: Jazzhaus, Schnewlinstr.1, 79098 Freiburg im Breisgau

Datum: 17.01.2019

Kosten: 30,- € VVK 32,- € AK

Genre: Rock, Hardrock, Bluesrock, Jazzrock, Progressive Rock, Southern Rock

Besucher: ca. 350

Veranstalter: A.S.S. Concerts  https://www.assconcerts.com

Link: https://www.facebook.com/events/512930685833978/

Setlist:

01. Real Guitars Have Wings
02. Mountainside
03. Deep Blues
04. Come In From The Rain
05. Front Page News
06. Life Line
07. The King Will Come
08. Warrior
09. Throw Down The Sword

Acoustic Set:

10. Leaf And Stream
11. Wings Of Desire
12. F.U.B.B.
13. Standing In The Rain
14. Jail Bait
15. Phoenix

16. Blowin` Free (Zugabe)
17. Why Don`t We (Zugabe)

Das Jahr ist noch relativ frisch und schon geben sich die ersten Rockgiganten im Freiburger Jazzhaus ein Stelldichein. Wishbone Ash sind gern gesehene Gäste im Freiburger Gewölbekeller, die von Zeit zu Zeit immer mal wieder gerne vorbeischauen. Die Location in der Freiburger Schnewlinstraße ist, als ich um etwa 19:45 Uhr den Laden betrete, schon bestens gefüllt, wenn auch nicht ganz ausverkauft. Ich stehe auf der Gästeliste und so geht der Einlass problemlos vonstatten, jedoch gibt es sofort eine Ansage vom Bandmanagement, dass nur bei den ersten drei Songs fotografiert werden darf. Okay, eigentlich sind drei Songs ja normal, aber hier ist sonst meist mehr drin. Vor der Bühne steht das Publikum dicht an dicht und ich habe Probleme, bis in die erste Reihe vorzukommen. Bei namhaften Bands ist es im Jazzhaus immer recht schwierig zu fotografieren, da es keinen Fotograben gibt und je nachdem, sind einige Besucher not amused, wenn man sich nach vorne durchkämpft. So auch heute, doch nachdem ich erkläre, dass ich nach drei Songs wieder verschwunden bin, lässt man mich vor die Bühne.

In meiner Jugend haben die Briten mich natürlich begleitet und es war auch eine der ersten Bands, die ich Mitte der Achtziger Jahre live gesehen habe, doch im Laufe der Jahrzehnte hat sich mein persönlicher Musikgeschmack dann doch wesentlich verändert und ich muss gestehen, ich habe die Band dann irgendwann aus den Augen verloren. Seit ziemlich genau einem halben Jahrhundert sind Wishbone Ash eine der einflussreichsten Rockbands aller Zeiten und gelten als Pioniere des Twin Guitar Konzeptes. Im Laufe ihrer Karriere haben sie sich an den unterschiedlichsten Musikstilen versucht und immer gezeigt, dass sie in keine Schublade so wirklich hineinpassen. Auch wenn von den Gründungsmitgliedern aus dem Jahr 1969 mittlerweile nur noch Gitarrist und Sänger Andy Powell als unbestrittener Leader übrig ist, sind sie nun auf großer Europatournee, um das 50 jährige Bandbestehen zu feiern und machen auch an der Dreisam Halt.

Mit etwa 10 Minuten Verspätung betritt die Band dann auch endlich die Bühne und direkt werden im Publikum einige Pfiffe laut, die Besucher sind bereit und begrüßen die Briten mit Applaus. Wortlos schnappt man sich die Instrumente und legt gleich mit Real Guitars Have Wings los, einem Song vom 1987er-Album Nouveau Calls. Schnell wird klar, Frontmann Andy Powell konnte sich über all die Jahre seine wunderbar warme Stimme erhalten und hat auch sonst nichts verlernt. Mit Bandneuling Mark Abrahams (seit 2017) an der Gitarre, Bob Skeat am Bass und Joe Crabtree an der Schießbude hat Powell eine gut funktionierende Mischung aus jungen und erfahrenen Musikern für die britische Kultband gefunden. Eine große Show wird hier nicht geboten, die Band steht auf der Bühne und spult souverän ihr Programm ab. Große Sprünge und eine wahnsinns Bühnenperformance hat hier aber wohl auch niemand von dem mittlerweile 68 jährigen sympathischen Frontmann erwartet. Dafür steht ihm aber der Spaß an der Sache förmlich ins Gesicht geschrieben, der Mann fühlt sich auf der Bühne einfach wohl und ist zufrieden, wenn er die Fans auch heute noch begeistern kann.

Da man hier heute ohne Vorband spielt, sind praktisch zwei Sets geplant. Im ersten Set führt die Band uns mit Songs wie Mountainside, Deep Blues, Come In From The Rain, Front Page News, Life Line, The King Will Come, Warrior und Throw Down The Sword quer durch die Bandgeschichte. Das ZZ Top ähnliche Deep Blues begeistert auf ganzer Linie und reißt das Publikum erstmals richtig mit. Ich bin etwas überrascht, dass sich zwischen das überwiegend 40 – 50 jährige Publikum doch ein paar jüngere Besucher gemischt haben, die die Band zu ihrer Hochphase gar nicht erlebt haben können, doch da zeigt sich wieder einmal, gut gemachter Rock ist völlig zeitlos. Das erste Zwischenhighlight sind dann ganz klar The King Will Come, bei dem der Publikumsapplaus gar nicht mehr abreißen will, und dann zum Ende Throw Down The Sword, mit dem die Band in ihre religiöse Hochphase abtaucht. Freiburgs Altrocker kommen hier voll auf ihre Kosten, wobei die meisten hier im Jazzhaus ihre Rockerzeit längst hinter sich gelassen haben, denn wenn alternde Familienväter in Anzug und Krawatte zum satten Rock von Wishbone Ash abgehen, finde ich das doch etwas befremdlich. Es ist keine einzige Kutte zu sehen, nicht einmal Bandshirts, und mit meiner Tarnjacke falle ich hier durchaus etwas aus dem Rahmen.

Im zweiten Set des Abends wird es dann etwas ruhiger, denn es werden akustische Töne angeschlagen. In bin nun nicht der ganz große Freund von akustischen Versionen großer Klassiker, doch auch hier kann die Band durchaus überzeugen und letztendlich ist es doch spannend, die Songs einmal in anderem Gewand zu hören. Leaf And Stream, Wings Of Desire, F.U.B.B., Standing In The Rain, Jail Bait und Phoenix füllen den zweiten Teil des Abends und kommen beim Freiburger Publikum noch besser an. Ich hätte erwartet, dass hier eher neueres Material zum Zug kommt, doch weit gefehlt. Mit Ausnahme von Wings Of Desire und Standing In The Rain, beide aus 1991, stammen hier alle Songs aus den 70er Jahren. Besonders Jail Bait aus dem 71er-Kultalbum Pilgrimage wird frenetisch bejubelt und gefeiert. Auch das überlange, filigrane, mit Tempo- und Atmosphärenwechseln verschachtelte Phoenix, wird in einer tollen Version dargeboten und begeistert.

Da kann die fällige Zugabe nur noch Blowin` Free heißen und die gibt es dann auch wieder in stromverstärkter Version. Da das Publikum immer noch nicht genug hat, wird auch noch Why Don`t We nachgelegt, bevor dann aber um kurz nach 22:00 Uhr endgültig Schluss ist.

Insgesamt eine tolle Mischung aus alten Klassikern und mir persönlich neuen Nummern, die das Freiburger Publikum in ihren Bann gezogen haben. Frontmann Andy Powell hat einen guten Weg gefunden, die britische Kultband in Würde altern zu lassen. Der Vierer hat auch nach 50 Jahren immer noch genug Feuer unter dem Hintern und natürlich auch die musikalische Klasse, um noch ein paar Jahre durch die Clubszene zu rocken.

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