Bands: Wyatt E., Hemelbestormer
Ort: Vortex Music Surfer Club, Auf den Hütten 4, 57076 Siegen
Datum: 20.02.2026
Kosten: 17,17 Euro VVK (Studenten), 22,49 Euro VVK regulär
Genre: Doom, Sludge, Post Metal
Veranstalter: Vortex Surfer Musikclub, Rock Freaks e.V.
Link: https://www.facebook.com/events/1129905596013598
Heute verwandelt sich das Vortex in Siegen in einen Ort für außergewöhnliche Klangreisen. Mit Wyatt E. und Hemelbestormer treffen zwei belgische Bands und prägende Vertreter der europäischen Doom- und Post-Metal-Szene aufeinander und präsentieren einen Konzertabend, der gleichermaßen hypnotisch wie kraftvoll ausfallen dürfte. Wir sind da gerne für Time For Metal dabei. Am Einlass erwarten und begrüßen uns schon einige Freunde und Bekannte, die wir ansonsten auf dem Freak Valley Festival und anderen Stoner-Festivals im Sommer treffen. Besser kann solch ein Abend nicht beginnen. Der Beginn des Gigs von Hemelbestormer verzögert sich noch um einiges, da man wohl noch auf Leute warten möchte, die bei dem schlechten Wetter noch unterwegs sind.
Hemelbestormer: Instrumentale Wucht trifft atmosphärische Tiefe
Dann ist es so weit und es wird schnell klar, dass Hemelbestormer kein gewöhnliches Konzert abliefern, sondern eine dichte Klangreise zwischen Atmosphäre und eruptiver Wucht. Die vier Musiker aus Hasselt in Belgien starten ohne große Worte. Ambientflächen bauen sich langsam auf, bevor massive Gitarrenwände einsetzen. Ruhige Passagen und gewaltige Steigerungen wechseln sich ständig ab und erzeugen eine Dynamik, die das Publikum förmlich in die Musik hineinzieht.
Gitarrist Filip Dupont, zugleich verantwortlich für Keyboards und atmosphärische Klangflächen, eröffnet gemeinsam mit dem zweiten Gitarristen Jo Driesmans mit schwebenden Soundscapes. Bassist Koen Swerts legt darunter ein druckvolles Fundament, während Schlagzeuger Frederik Cosemans (hinter seinen drei Vorderleuten versteckt im Hintergrund und nur mit minimalem Licht angestrahlt) die Dynamik präzise zwischen zurückhaltender Spannung und explosiver Entladung steuert. Ohne große Worte wächst der Sound langsam an, bis sich massive Gitarrenwände entfalten. Der instrumentale Sound verbindet Post-Rock-Weite mit doomiger Schwere und gelegentlichen Ausbrüchen. Stücke wachsen organisch, entwickeln Spannung über lange Bögen und entladen sich in intensiven Höhepunkten. Besonders das Material des aktuellen Albums The Radiant Veil prägt den Abend: Mit solchen Songs wie Usil, Turms, Tinia oder Satra entfaltet die Band live eine rohe, beinahe körperliche Intensität. Synthesizer legen kalte Klangschichten über schwere Riffs, während das Schlagzeug zwischen hypnotischer Ruhe und explosiver Energie pendelt.

Dass Hemelbestormer bereits Festivals wie das Roadburn Festival, das Dunk! Festival oder das Graspop Metal Meeting bespielten, überrascht nicht: Die Band versteht es, Räume vollständig mit Klang zu füllen. Im intimen Club wirkt diese Wirkung jedoch besonders intensiv. Niemand steht im Mittelpunkt – das Zusammenspiel zählt. Die Songs wirken wie zusammenhängende Kapitel einer wortlosen Geschichte, getragen von präzisem Timing und spürbarer Erfahrung. Der Vortex Surfer Club verstärkt diese Wirkung durch seine Nähe zur Bühne: leise Momente wirken fast greifbar, schwere Passagen überwältigend. Am Ende bleibt ein Auftritt, der weniger auf unmittelbare Härte als auf Atmosphäre und dramaturgische Tiefe setzt. Hemelbestormer beweisen eindrucksvoll, wie kraftvoll instrumentale Heavy-Musik live sein kann – intensiv, weitläufig und nachhaltig beeindruckend.
Klang gewordene Zeremonie: Wyatt E. öffnen andere Räume
Direkt im Anschluss an den atmosphärisch dichten Auftritt von Hemelbestormer verändert sich die Stimmung im Vortex Surfer Club noch einmal. Beim Soundcheck stehen die Belgier noch „unmaskiert“ auf der Bühne, ruhig und konzentriert, doch als sie wenige Minuten später in ihren langen, mystischen Roben erscheinen, bricht tosender Applaus aus. Wyatt E. sind einzigartig, weil sie das Konzept von Doom-, Drone- und Psychedelic-Rock völlig neu denken. Wo zuvor eruptive Dynamik dominierte, entsteht nun ein beinahe ritueller Raum. Wyatt E. betreten die Bühne und lassen sich Zeit – jede (spärliche) Bewegung wirkt bewusst gesetzt, jeder Ton wie Teil eines größeren Ganzen.
Bassist Stéphane Rondia und Gitarrist Sébastien von Landau (wobei in beiden Fällen auch einmal die Instrumente wechseln) bauen gemeinsam mit ihrem Schlagzeuger (es müsste eigentlich Jonas Sanders sein, der im Hintergrund im Nebel nicht zu erkennen ist) langsam eine monumentale Klangstruktur auf. Tiefe Droneflächen, repetitive Rhythmen und archaisch anmutende Melodien wachsen Schicht für Schicht zu einer wuchtigen Soundwelle an. Der Club wird still – nicht aus Zurückhaltung, sondern aus konzentrierter Aufmerksamkeit.

Wyatt E. spielen keine klassischen Songs im herkömmlichen Sinn. Ihre Stücke wirken wie Zeremonien, getragen von hypnotischer Wiederholung und subtilen Veränderungen. Zwischen den Kompositionen herrscht fast ehrfürchtige Ruhe, die sich nur in den wenigen Pausen durch intensiven Applaus löst. Die Musik entschleunigt den Abend spürbar und zieht das Publikum aus dem Konzertalltag heraus in eine andere, zeitlose Sphäre. Mit Songs wie Qaqqari Lā Târi Part 1, About The Culture Of Death (Kerretu Mahrû), Im Lelya, Šarru Rabu oder Ahanu Ersetum entfaltet die Band eine düstere, spirituell wirkende Dramaturgie. Tiefe Basslinien pulsieren wie ferne Herzschläge, während Percussion und Gitarren eine Atmosphäre erzeugen, die zugleich meditativ und überwältigend wirkt. Die Musik scheint weniger vorwärtszudrängen als vielmehr Räume zu öffnen – langsam, schwer und hypnotisch.
Nach der klanglichen Intensität der vorherigen Band fällt es schwer, emotional wieder Boden unter den Füßen zu finden. Wyatt E. verlängern diesen Zustand bewusst: Ihr Set wirkt wie ein Übergangsritual, das Energie nicht entlädt, sondern kanalisiert und verdichtet. Gerade im intimen Rahmen des Clubs entfaltet sich eine Sogwirkung, die große Bühnen kaum reproduzieren können.
Der Konzertabend im Vortex Surfer Club zeigt eindrucksvoll, wie facettenreich die Doom- und Post-Metal-Szene heute klingen kann. Während Hemelbestormer mit dynamischer Wucht, organischem Songaufbau und überwältigender Klangtiefe eine intensive Reise zwischen Ruhe und Explosion erschaffen, führen Wyatt E. das Publikum anschließend noch tiefer in eine fast rituelle, entschleunigte Klangwelt. Zwei unterschiedliche Ansätze, die sich nicht konkurrieren, sondern ideal ergänzen: hier dramaturgische Spannung und emotionale Entladung, dort hypnotische Verdichtung und meditative Schwere.
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Wyatt E.
Hemelbestormer














