Nervosa – Slave Machine

03.04.2026 - Thrash Metal - Napalm Records - 43:12 Minuten

Im Jahre 2010 gründet sich in São Paulo die All-Female-Band Nervosa und jeder, der sich mit Death- und Thrash-Metal beschäftigt, hat zumindest schon einmal den Namen gehört, wahrscheinlich aber auch schon live gesehen. Die Karriere wurde fleißig in Angriff genommen und so verwundert es keinen, dass sie im Jahre 2023 ihr fünftes Album namens Jailbreak herausbrachten. Hinzu kamen viele Touren. Dieses hat aber auch dazu geführt, dass ein Kommen und Gehen auf der Tagesordnung stand, und so ist anno 2026 nur noch die Gründerin Prika Amaral mit dabei, welche 2023 neben der Gitarre auch den Gesang übernahm. Mittlerweile hat sie Musikerinnen aus Griechenland, den Niederlanden und Bulgarien um sich gescharrt. Nach drei Jahren Pause und Einarbeitungszeit wird es Zeit für Album Nummer sechs, welches auf den Namen Slave Machine hört. Never change a winning team, und so zeigt sich wieder Napalm Records für die Veröffentlichung verantwortlich.

Mit einem Intro, welches locker als Filmmusik im Bereich Abenteuer dienen könnte, legt man los und baut den Song Impending Doom bedrohlich auf. So mag ich es. Nach kurzer Zeit sprechen die Gitarren und thrashen ohne Ende. Die Drums sind fix dabei und so agiert man im Uptempo und nimmt den geneigten Fan mit. Die Screams sind schön aggressiv. Ein melodischer und drückender Midtempopart folgt im Anschluss und passt hervorragend dazu. Diese beiden Parts werden dann wiederholt. Am Ende des zweiten Midtempoparts wird man spielerisch und baut diesen aus. Mit einzelnen Gitarrenschlägen drückt man einem die Faust auf das Auge. Sehr elegant. Den Part arbeitet man weiter aus und hängt ein gelungenes Solo dran. Danach darf das thrashige Riff im Uptempo ran und der Midtempopart noch einmal, aber hier variiert man jetzt am Ende. Und dann ist auch schon Feierabend. Jo, das macht Laune, absolut. Ein gelungener und würdiger Opener, absolut.

Aggressiver, modern angehauchter Thrash Metal

Aber nicht nur der Opener, auch der nachfolgende Song geht sofort in die Gehörgänge. Es handelt sich dabei um den Titeltrack Slave Machine. Ein Wechselbad der Gefühle. Der schnelle Thrash Metal wird mit modernen Klängen verbunden und klingt dann an einigen Stellen immer atmosphärisch. Das Tempo wird schön fach- und sachgerecht abwechslungsreich gestaltet. Bei den thrashigen Riffs erlebt man ein Donnerwetter und die atmosphärisch angehauchten Elemente werden eher langsamer wiedergegeben, obwohl man immer absolut aggressiv bleibt. Dem Härtegrad schadet diese Abwechslung überhaupt nicht. Im Gegenteil, würde ich sagen. Dieser Wechsel erhöht ihn sogar noch. Ein verspieltes und relativ langes Solo darf natürlich auch nicht fehlen. Am Ende gibt es dann noch eine Stakkato-Attacke auf die Lauscher, welche es echt in sich hat, und der Song Slave Machine hat es absolut verdient, das Album anzuführen. Die Auswahl des Titeltracks ist durchaus gelungen.

Die jungen Damen haben echt ein Händchen für gutes Riffing und auch für gutes Songwriting. Am Anfang von Ghost Notes ballert man erst drauflos, holt dann ein treibendes Riff raus, paart dieses mit modernen Klängen und haut dann einen atmosphärischen und melodischen Part hinterher. Dieser Part nimmt einen starken Platz ein und aus der Wiederholung des Parts geht man langsam in ein sehr geiles, melodisches Solo über. Der Aufbau und der Vollzug klingen echt hervorragend, und gerade Freund:innen des Griffbretts dürfen hier ein fettes Lächeln ins Gesicht bekommen. Man rifft wieder und ein flüsternder Gesang wird hinzugefügt, um dann noch einmal den melodischen Moment zu wiederholen. So lässt man den Song ausfäden, und ich kann nur sagen, dass ich richtig Spaß habe beim Zuhören.

Melodische Parts und fette Soli

Die Musikerinnen verstehen ihr Handwerk und liefern donnernde Riffs ohne Ende ab, wie zum Beispiel beim Song Beast Of Burden und die Drums spielen gefühlt immer genau das, was sein muss. Hier gehen sie teilweise auch sehr vertrackt und kopflastig vor, kommen aber zum Punkt. Ich mag es aber lieber, wenn sie geradlinig zum Ergebnis kommen. Der Song bleibt nicht so bei mir hängen.

You Are Not A Hero ist da schon wieder eher mein Fall. Stakkato-Riffing und langsames Tempo bestimmen den Alltag und ein melodischer Moment wird hinzugefügt. Hinzu kommt ein geiler Refrainpart.

Hate dagegen ist dann wieder die reinste Attacke, nachdem man den Zuhörer mit einem modernen Anfang irgendwie erst einmal auf die falsche Fährte gelockt hat. Geiles Brett.

Abwechslung wird großgeschrieben und jeder Song hat irgendwie seine eigene Identität und Spezialität. The New Empire ist dann der Schwerpunkt, eher auf die melodische Spielweise gerichtet.

Mit Speak In Fire endet dann dieser Spaß. Hier holt das Quintett noch einmal alles aus sich heraus und groovt ziemlich. Dabei klingt man aggressiv und düster zugleich, aber auch verspielt, wie man am obligatorischen Solo gut hören kann.

Hier geht es für weitere Informationen zu Nervosa  Slave Machine in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Nervosa – Slave Machine
Fazit zu Slave Machine
Das sechste Album der Formation Nervosa klingt absolut frisch und zerstörerisch. Frontfrau Prika Amaral hat eine schlagkräftige Truppe zusammen, die modern klingt, aber absolut aggressiv zu Werke geht. Die thrashigen Riffs, und davon gibt es viele, setzen sich sofort fest und zerstören einen ordentlich. Das ganze Songwriting ist sehr intensiv, denn sie bauen immer wieder melodische Momente mit ein und wechseln gekonnt das Tempo und auch den Rhythmus. Die screamigen Vocals klingen absolut brutal und die Soli sind absolut erste Sahne.
Diese zwölf Songs stellen modernen Thrash Metal dar, so wie er klingen soll. Schnell, spielerisch, melodisch, finster, eingängig und vertrackt, aggressiv und auf den Punkt kommend. Nervosa stehen zu Recht da, wo sie gerade im weltweiten Metal-Zirkus stehen – ziemlich weit oben.

Anspieltipps: Impending Doom und Slave Machine
Michael E.
8.7
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