Anvil, Pounding The Pavement Tour 2018, am 20.03.2018 im Flensburger Roxy

“Speed Gewitter in Flensburg, Anvil is in Town!”

Eventname: Anvil, Pounding The Pavement 2018

Headliner: Anvil

Vorband: Trance

Ort: Roxy-Concerts, Flensburg

Datum: 20.03.2018

Kosten:  20,50 € AK, 25 € VVK

Genre: Speed Metal

Besucher: 100

Veranstalter: Roxy-Concerts, Flensburg

Link:  http://anvilmetal.com/

http://www.trance-live-and-heavy.de/

http://www.roxy-concerts.de/

Setlist:

  1. Intro: Mercuria
  2. HM Queen
  3. Sensation
  4. Revolution
  5. Break Out
  6. Confession
  7. Burn The Ice
  8. Break Chains
  9. Loser
  10. Shock Power

  1. March Of The Crab
  2. 666
  3. Ooh Baby
  4. Badass Rock’n’Roll
  5. Doing What I Want
  6. Winged Assassins
  7. Free As The Wind
  8. On Fire
  9. This Is Thirteen
  10. Mothra
  11. Bitch In The Box
  12. Daggers And Rum
  13. Swing Thing (Drum Solo)
  14. Ego
  15. Die For A Lie
  16. Metal On Metal

Encore

  1. Running
  2. Born To Be Wild

Dienstagabend in Schleswig Holstein. Was gibt es da Besseres als ein Konzert zu besuchen? So macht sich das Dreiergestirn auf nach Flensburg ins Roxy, um eine der ersten Bands und ggf. Mitbegründer des Speed Metal zu sehen. Wie sprechen von den aus Kanada stammenden Anvil, die im Jahre 1981 mit Hard‚n‘Heavy aktiv ins Musikgeschehen eingriffen. Die vorhergehenden Aktivitäten unter dem Namen Lips lassen wir mal unbeachtet, da es hier auch keinerlei offiziellen Tondokumente mehr gibt. Nun also, nach 37 Anvil Jahren sollen sie im Roxy Musik Club die leider nicht so zahlreichen Gäste rocken.

Im Vorprogramm haben sie Trance aus der Pfalz dabei, die als Mitbegründer des deutschen Heavy Metal seit 1979 existieren. Bis heute ist allerdings viel passiert und auch eine Trennung im Jahre 1998 ließ die Band nicht aus. Seit 2011 sind sie wieder aktiv und jetzt mit Anvil unterwegs.

Das Konzert beginnt um 19:00 Uhr und das bis jetzt nur mäßig besetzte Roxy erlebt einen souveränen Auftritt. Nach dem Intro geht es mit Heavy Metal Queen vom 83er-Werk Power Infusion richtig los. Sänger Nick Holleman ist mit seinen 26 Lenzen der jüngste der Truppe und tobt wie ein Derwisch über die Bühne, während sich Bassist Thomas Klein und Gitarrist Markus Berger, übrigens das letzte verbliebene Gründungsmitglied, eher ruhig am linken bzw. rechten Bühnenrand aufhalten. Zweiter Gitarrist Eddie St James ganz in schwarz mit wallender, schwarzer Mähne und Stirnband übernimmt in vielen Fällen die Soloeinlagen und besticht durch ausdrucksstarkes Spiel. Am Schlagzeug sitzt heute Jens Gellner, der den auch bei Manila Road tätigen Andreas „Neudi“ Neuderth vertritt. Somit beschäftigt Trance zwei Drummer, die je nach Verpflichtungen den Job hinterm Drum Kit übernehmen. Nach dem Auftakt kommen Sensation und Revolution, zwei schnelle Songs, bei denen auch wieder die Stimme von Nick Zolleman hervorragend zur Geltung kommt. Er ist auch derjenige, der die inzwischen angewachsene Menge motiviert, anheizt und zum Refrainsingen auffordert. Haare schütteln, die Gitarristen mit der Luftgitarre zu noch mehr Leistung animieren oder auch mit einem Drumstick als Ko-Drummer, fungiert er als Motor der doch sonst eher gemäßigteren Musiker. Markus Berger legt noch ein tolles Solo hin, bei dem er seine Flying V hinter dem Kopf in bester Metaller Manier beackert. Nach Break Out des gleichnamigen Debüts kommen Confession und Burn The Ice, die ebenfalls von der bekanntesten Platte der Pfälzer stammen – aber auch dem zweiten Wurf, Power Infusion, wird hier gehuldigt. Es folgt der Track Loser, welcher den großen Erfolg des ersten Albums und der Band maßgeblich mitbestimmte. Mit Shock Power endet dieses Konzert. Nick zeigt noch mal seine Entertainerqualitäten und auch stimmlich passt er zu der im Original doch recht hohen Tonlage der Songs. Seine langen, anhaltenden Schreie begeistern und man fragt sich, wo kommt bei ihm die ganze Luft dafür her. Nach dieser knappen dreiviertel Stunde steht bereits fest, dass es sich gelohnt hat, hierher zu kommen. Das war schon mal großes Kino. Wir sind begeistert.

Nach kurzer Umbaupause, unserer Versorgung mit Beugelbuddelbier und Cola für die Fahrerin, ist die Bühne präpariert für Anvil. Plötzlich tönen Gitarrenklänge durch den Saal, aber auf der Bühne steht nur ein Bassist. Band? Nee, Steve “Lips“ Kudlow steht inmitten der Zuschauer, und entlockt seiner Klampfe Riff um Riff. Der sich schnell gebildete Kreis lässt Steve noch genügend Bewegungsfreiheit und so führt er sich schon mal fulminant ein. Dann geht es auf die Bühne und seine beiden Mitstreiter sind nicht mehr allein. March Of The Crabs heißt das Eröffnungslied und es wird gleich klar, hier und heute gibt es keine Ballade. Da wird einzig und allein die metallische Keule ausgepackt. Anvil blicken ja nun auch schon auf eine fast vierzigjährige Karriere zurück und haben in dieser Zeit viele Platten in die Regale gebracht. Nicht immer waren diese kommerziell erfolgreich, aber die Band hat schon immer das gemacht, wozu sie Bock hat und das ist schnörkelloser Speed und Heavy Metal. Ohne Pause kommt gleich 666 und danach Ooh Baby. Dazwischen ein paar freundliche Worte ans Publikum und es wird sich bedankt, als wenn Hunderte vor der Bühne stehen. Sie meinen es aber ernst und sind dabei voll authentisch. Steve steht direkt vor mir und ich kann sehen, was er aus seiner Gitarre rausholt. Das sind schnelle Finger, die ein fetziges Solo nach dem anderen aus dem Instrument rauskitzeln. Dazwischen dermaßen fette Riffs, dass die Boxen vibrieren. Es gibt keine Setlist, an der sich die Truppe orientiert. Alles ist im Kopf und wird, wie an einem Fließband, direkt und ohne Brimborium an den Mann bzw. die Frau gebracht. Auf der linken Seite steht Bassist Chris Robertson, der erst seit 2014 bei den Kanadiern am Vier- bzw. Fünfsaiter tätig ist. Diese spielt er fast schon wie eine E-Gitarre und sorgt somit für die mächtige Basis. Auffallend ist, dass er es ohne Weiteres mit Mr. Bean aufnehmen könnte. Was der an Grimassen schneiden, Augen rollen oder merkwürdige Bewegungen drauf hat, dürfte ihn für eine Karriere als Komiker qualifizieren, sollte es bei Anvil einmal zu Ende sein. Der im Hintergrund agierende Robb Rainer hat sein Kit voll im Griff und sorgt mit dem kräftigen Wums für den richtigen Rhythmus.

Bad Ass Rock’n’Roll folgt und beschreibt den Rock, den sie spielen. Zu Doing What I Want erläutert Steve, dass sie schon immer das gemacht haben, was sie wollen und sich keinem Mainstream hingegeben haben. Jeder Song wird voller Inbrunst gesungen und performt. Mehr als nur beachtenswert ist die Gitarrenarbeit. Nicht kleckern, sondern klotzen. Nicht umsonst werden Anvil von vielen anderen Gruppen des Genres, unter anderem Metallica und Slayer, als die wegweisenden und einflussreichsten Begründer des Speed Metals genannt. Leider blieben sie immer eine Underground Band, bei der nach dem dritten Album der Stern wieder sank. Trotzdem lassen sie sich nicht beirren und treten hier auf wie ganz Große. Keine unnötige Show, nur purer Rock’n’Roll mit etwas Licht. So kommt unser Mann für das Zelluloid zu guten Bildern. Immer wieder bringt Steve kleine Anekdoten, welche die Songs einleiten. Da wird an Lemmy erinnert und deren Zusammentreffen in Birmingham, bei dem nicht nur literweise Wodka-O floss, sondern auch andere bewusstseinserweiternde Substanzen fast ein Konzert platzen ließen, da die Akteure umnebelt waren. Auch wird kurz über den Film Anvil! The Story Of Anvil geredet, der ja für die neue entflammte Bekanntheit des Trios sorgte. So kann aus dem Vollen geschöpft werden und Free As The Wind, On Fire oder This Is Thirteen beeindrucken durch einfaches aber gekonntes Songwriting, welches erst auf der Bühne richtig kracht. Immer wieder legt Steve rasante Soli hin und bekommt dafür Headbanging und Fäusterecken zurück. Man merkt ihm den Spaß am Spiel an. Und endlich wissen wir Männer auch, wozu Dildos da sind. Hier zeigt Steve, wie eine Gitarre mit einem elektrischen Hilfsmittel malträtiert werden kann. Sehr interessant und das zauberte der einen oder anderen Dame ein verklärtes Lächeln aufs Gesicht.

Keinerlei Müdigkeit ist feststellbar, obwohl auch er bereits deutlich über sechzig ist. Natürlich werden Songs des aktuellen Albums Pounding The Pavement gespielt, denn das soll ja mit promotet werden. Der darauf enthaltene Doublebass Groove kommt live noch viel besser zur Geltung und so darf auch Robb Rainer ein vielleicht etwas zu langes Drumsolo hinlegen. Nun wird es auch bald Zeit für Metal On Metal, welches wohl als das bekannteste Stück der Drei gelten darf. Da wird das Publikum auch zum Mitsingen animiert und das fällt bei der Einfachheit nicht schwer. Diesem Riffgewitter kann sich keiner entziehen und das ist einfach überzeugende Arbeit. Der reguläre Part ist nach gut zwei Stunden vorbei. Das Publikum lockt sie aber nach drei Minuten Verschnaufpause mit zwei Zugaben nochmals auf die Bühne. Bei Running wird genau dies praktiziert und die beiden Griffbrettakrobaten nutzen die Bühne, um hin und her zu rennen. Obligatorisch beendet dann Born To Be Wild das Konzert. Glücklicherweise haben die mitgenommenen Ohrstöpsel etwas für Dämpfung gesorgt, aber das dieses Konzert laut war, wird klar, als ich diese rausnehme. Das muss aber auch so sein, denn hier passt leise nicht.

Fazit: Mit gemischten Gefühlen hingegangen, und positiv gestimmt wieder gegangen. Trance haben voll überrascht und können mit einer soliden Leistung mehr als nur überzeugen. Anvil haben uns einfach weggefegt und festigen hier und heute ihren Stand als Speed Metaller der ersten Stunde. Leider haben nur wenige den Weg hierher gefunden, aber denen wurde richtig was für die 20 Euronen Eintrittsgeld geboten. Da stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Also, wer Anvil und den unverfälschten Speed Metal mag, sollte da noch hin, solange sie auf Tour sind. Sie werden auch nicht jünger und wer weiß, wie lange es noch die Gelegenheit gibt, sie zu sehen. Und auch Trance konnten hier voll überzeugen.

Für die guten Bilder hat mal wieder Norbert C. gesorgt.

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