Breaking Benjamin + Support am 02.09.2017 im E-Werk, Köln

“Geschichten aus dem Tagebuch des Benjamin B.

Eventname: „Dark Before Dawn EU-Tour 2017“

Künstler: Breaking Benjamin (USA)

Vorband: Starset (USA)

Ort: E-Werk, Köln

Datum: 02.09.2017

Kosten: 30,00 € zzgl. Gebühren

Genre: Alternative Metal, Alternative Rock, Post-Grunge, Cinematic Rock

Veranstalter: Prime Entertainment, Live Nation

Linkhttps://www.facebook.com/events/118334152089983

Setlists:

01. Intro
02. Into the Unknown
03. Halo
04. Frequency
05. Satellite
06. My Demons
07. Bringing It Down
08. Ricochet
09. Carnivore
10. Telescope
11. Monster

01. So Cold
02. Angels Fall
03. Sooner or Later
04. Blow Me Away
05. Never Again
06. Failure
07. Believe
08. Breath
09. Medley: The Imperial March / Bulls on Parade / Smells Like Teen Spirit / Schism / Walk / Sad But True
10. Polyamorous
11. Ashes of Eden
12. Until the End
13. Drum Solo
14. Evil Angel
15. I Will Not Bow

Zugabe:

16. The Diary of Jane

Photos im Auftrag für Time For Metal: www.quintenquist.com

Nachdem es Breaking Benjamin seit ihrer Gründung 1998 im letzten Jahr das erste Mal in ihrer Bandgeschichte nach Deutschland geschafft haben, damals für vier Konzerte (Berlin, Hamburg und Rock am Ring/Rock im Park), soll sich der Spaß also heute schon wiederholen. Frontmann und Namensgeber Benjamin Burnley hat es sich nicht nehmen lassen und ist mit dem Kutter sieben Tage aus den Staaten rübergeschippert, macht es ihm seine Flugangst unmöglich, eine Maschine zu besteigen, was wohl auch der Grund für die lange Abstinenz sein mag und auch u. a. den Bruch der Band 2010 mitzuverantworten haben könnten. 2014 entschied man sich aber, die Band zu regenerieren und Burnley heuerte kurzum einen komplett neuen Musikerstab an. Und wie auch im letzten Jahr hat sich die Band die Cinematic Rocker Starset als Support dazugeholt.

Das E-Werk ist schon lange ausverkauft und vor den Türen rennen die Schwarzmarkthändler wild hin und her, organisieren Tickets und verkaufen diese einige Meter wieder weiter. Der Veranstalter hatte zwar noch ein Kontingent freigegeben, aber die Sommergrippe scheint immer noch einige Fans dahingerafft zu haben, die ihre 30,00 EUR natürlich gerne wieder reinholen möchten und Freunden und Bekannten die Tickets mitgegeben haben. Kurz vor 19:00 Uhr geht’s dann also auch schon rein und man hört die Sicherheitsleute laut Ermahnungen ausrufen, da die ersten Gäste doch relativ überschwänglich die Treppen gen Türen hochstürmen, wie es meine Mutter vermutlich täte, gäbe es ein Reunion-Konzert von Abba. Die Halle is aber groß genug, um dem ersten Schwung Fans ausreichend Platz und gute Sicht vor der Bühne zu gewähren.

Während sich unsereins nun bis zum Beginn um 20:00 Uhr die Füße in den Bauch steht, laufen im Hintergrund Metallica, Alice In Chains Unplugged und die Deftones. Mein Blick wandert schonmal gen Graben und ich entdecke Kisten über Kisten, die nochmal einen knappen Meter mehr Entfernung zum Bühnenrand ausmachen. Arghs. Dazwischen klemmen Schläuche und ich frage mich, ob noch eine Sicherheitsunterweisung der Security kommen könnte aufgrund größerer Effekte, aber jene wird heute ausbleiben. Wozu genau die Aufbauten dienen, werde ich an diesem Abend nicht herausfinden. Die Fans in der ersten Reihe werden sicher geächzt haben, dank des warmen Gebläses aus einer der Kisten^^

Um kurz vor 20:00 Uhr geht es also mit Starset los. Die Amis mit einem Faible für die Weltraumthematik haben Anfang des Jahres ihr neues Album Vessels veröffentlicht und präsentieren jene Platte heute meines Wissens das erste Mal in Deutschland. Zuerst betritt Drummer Adam Gilbert die Bühne und während des dröhnenden Intros nimmt er wie bei einer Raketenlandung langsam auf seinem Drum-Hocker hinter einer Plexiglaswand Platz. Ob diese als Schutz aufgestellt ist oder einen Cockpit-ähnlichen Effekt haben soll…ich weiß es nicht. Nach und nach betreten dann auch Gitarrist Brock Richards, Bassist Ron DeChant, Tour-Cellist Jonathan Kampfe und Sänger und Keyboarder Dustin Bates die Bühne. Neben großen LED-Elementen stehen digitale Effektgeräte- und Verstärkertürme, Egoriser, Keyboardständer und allerlei Kram. DeChant und Richards sind wie auch Gilbert in Raumfahrer-ähnliche Kostümen eingehüllt inklusive Backpack.

Starset @ E-Werk, Köln, 02.09.2017; Photo: www.quintenquist.com

Der schweißtreibenden Kutte entkommen sind hingegen Kampfe und Bates. Letzterer hält zwei Mikrophone in der Hand, um verschiedene Sounds bedienen zu können. Das macht nicht nur Sinn, sondern auch optisch was her, da eines der Geräte wie ein Kommunikator in einer postapokalyptischen galaktischen Welt anmutet. Wenn Bates mal nicht growlt oder singt, was er ziemlich gut kann, stellt er sich hinter seinen Synthesizer und Triggerpad, um die Songs mit Effekten und Sounds anzureichern.

Starset @ E-Werk, Köln, 02.09.2017; Photo: www.quintenquist.com

Der Ton heute Abend scheint ziemlich gut abgemischt zu sein und – unterstützt durch die Professionalität der Musiker – die Songs kommen gut rüber, was besonders bei den tiefergestimmten Nummern vom aktuellen Album eine Wohltat ist, um nicht nur Brei um die Ohren geklatscht zu bekommen. Hinter den Absperrungen sind die Reaktionen des Publikums etwas verhalten, aber die trägen, schweren Nummern laden auch mehr zum Kopfnicken als Moshen ein. Thematisch haben sich Starset wie erwähnt vollkommen auf das Weltraum-Thema eingeschossen, was neben den Kostümen auch durch die Lichtshow unterstützt wird. Es ist allgemein recht dunkel und die beleuchteten Helme der Saiten-Instrumentalisten kommen so natürlich noch besser zur Geltung. Die Band nennt ihren Auftritt auch nicht „Show“, sondern „Demonstration“. Nun gut, jeder, wie er mag und meint. Zum Song My Demons lässt es sich Bates auch nicht nehmen, hinter seinem Keyboard hervorzukommen, den Egoriser zu übersteigen und über die erwähnten Kisten runter zum Publikum zu gehen. Auf der Absperrung stehend schmettert er zur Freude derer in der ersten Reihe einige Zeilen in greifbarer Nähe. Richards und DeChant  ignorieren, dass sie vermutlich schwitzen wie ein Collie in der Wüste und bewegen sich recht viel, wenn auch nicht übermäßig schnell (im Weltall ist das ja auch nicht möglich^^) und setzen zumeist auf ihre Mimik, die durch die Visiere gut zu erkennen ist.

Starset @ E-Werk, Köln, 02.09.2017; Photo: www.quintenquist.com

Man kann sagen, was man möchte, die Jungs wissen, was sie da tun und setzen das Thema „Weltraum/All“ optisch und inhaltlich gut um – man muss sich nur darauf einlassen. Die Show ist solide, wenig Ansagen, mehr Musik und die Songs sind zeitgemäße Rock-Kracher mit einer satten Portion Epik, Theatralik und Mitsing-Charakter. Als Support für Breaking Benjamin hätte es definitiv schlechtere Acts geben können. nach einer knappen Stunde ist das Raumschiff dann gelandet und mit Monster beschließen Starset ihr Star-Set…

Umbaupause. Offiziell soll es um 21:00 Uhr weitergehen. Das könnte knapp werden. Und so betreten Breaking Benjamin um 21:15 Uhr die Bühne unter tosendem Applaus. Im Hintergrund hängt ein riesen Banner mit dem Motiv der aktuellen Platte Dark Before Dawn. Sänger Burnley tritt erst einmal nach vorne auf den Egoriser und lauscht der Begeisterung der Gäste. Für jene bedankt er sich flux mit dem obligatorischen „Herz aus der Hand“. Los geht’s musikalisch dann mit dem Klassiker So Cold und ich fühle mich in frühe PULP (Club in Duisburg) Zeiten zurückversetzt. Erwartung erfüllt.

Breaking Benjamin @ E-Werk, Köln, 02.09.2017; Photo: www.quintenquist.com

Und auch sonst hat die Band einige Klassiker im Gepäck und spielt einen ziemlich guten Querschnitt der Alben und EPs. Die Fans scheint es zu freuen und die Band freut es vermutlich ebenso, dass in den ersten Reihen auch jüngere Gäste stehen, während das Publikum inkl. mir allgemein eher die 30 gekratzt hat und der Nachbar zuhause auf den Familienhund aufpasst.

Drummer Shaun Foist sitzt auf einem vergleichsweise hohen Podest ziemlich weit nach hinten gerückt und es ist unmöglich, ihn dank der miserablen Beleuchtung des riesigen Drumsets zu photographieren. Erst im späteren Verlauf des Konzerts wird auch er mal seine fünf Minuten erhalten und im Rampenlicht stehen. Zu Breath holt Burnley dann Starset-Sänger Bates auf die Bühne, um die Nummer gemeinsam mit ihm und dem dazu aufgeforderten Publikum zu performen. Überhaupt teilen sich die Musiker heute das Mikro ziemlich oft oder singen ganze Songs gar alleine. Gitarrist Keith Wallen (Evil Angel) oder Bassist Aaron Bruch (Believe) übernehmen auffällig häufig die komplette Gesangsarbeit.

Breaking Benjamin @ E-Werk, Köln, 02.09.2017; Photo: www.quintenquist.com

Zur Set-Mitte kramt die Band dann ein Medley raus, das ansatzweise bereits letztes Jahr bereits gespielt wurde und vermutlich so gut ankam, dass man es kurzerhand ausgebaut hat. Nun gibt es also ein paar Takte aus The Imperial March (Star Wars), Bulls On Parade (Rage Against The Machine), Smells Like Teen Spirit (Nirvana), Schism (Tool) und Walk (Pantera) sowie Sad But True (Metallica). Für Pantera wird eigens ein kleines Drumkit aufgebaut, auf dem Foist unterstützt wird. Die Aktion wird gemischt aufgenommen und ich verstehe auch ehrlich gesagt nicht, wieso eine Band mit einem umfangreichen Songrepertoire Zeit mit Cover-Snippets anderer Bands verschwenden muss. Das kann ich auf jedem Dorffest haben.

Der Sound bei Breaking Benjamin hat für mich persönlich nicht die Qualität wie bei Starset, weil er sehr wummerig und basslastig, gar unstrukturiert ist. Das scheint das Gros in der Halle aber nicht zu stören und man feiert Burnley und Co. frenetisch. Zu Ashes Of Eden holt Burnley seine Emo-Gestik raus und performt die Nummer ein wenig übertrieben pathetisch. Ein (mäßiges, weil eher auf Lärm als Technik ausgelegtes) Drum-Solo folgt noch, bei dem sich Foist noch vor dem Ende feiern lässt und das Publikum anheizen möchte. Burnley verkündet anschließend, dass sie nichts vom „Rockstar-Bullshit“ halten würden und ich muss kurz schmunzeln, denn abgesehen von typischen Aufforderungen zu Walls Of Death oder Circle Pits, die heute nicht von der Bühne gen Publikum gehen bringen die Amis schon ein gutes Päckchen dessen mit, was Burnley angeblich verachtet. Kostenpflichtige Meet & Greet VIP-Upgrades, Coversong-Medley, andauernde und etwas lustlose Ansagen wie „We love you Germany“, ein Drum-Solo, um die Zeit zu strecken…

Breaking Benjamin @ E-Werk, Köln, 02.09.2017; Photo: www.quintenquist.com

Zum letzten Song I Will Not Bow bittet Burnley, das Licht auf das Publikum zu richten, weil wir ach so schön seien und er den Anblick genießen möchte. Na gut, die Blinder der Lichtshow haben über den Abend verteilt sowieso schon die Pupillen maximal verkleinert, damit man nicht sein Augenlicht verliert.

Apropos „Rockstar-Bullshit“: Zur Zugabe lässt sich die Band relativ lange bitten und spielt dann, jeder wird darauf gewartet haben, den Klassiker Diary Of Jane. Endlich. Und damit endet (m)eine Zeitreise dann auch nach einer Stunde und 20 Minuten. Mein persönliches Fazit tendiert gen „Pflichtbesuch“. Dass Burnley die Songs nicht (mehr) alle selbst singt und man das Set mit Drumsolo und Coversongs streckt finde ich persönlich etwas enttäuschend. Es wirkt ein wenig wie eine Auftragsband, die halt eine Rockshow abliefern soll und will, aber mit dem Ursprung von Breaking Benjamin nicht mehr viel zu tun haben mag. Kein Zweifel, sie haben ihre Sache gut gemacht, aber die Ehrlichkeit und Authentizität hat mir heute Abend ein wenig gefehlt. Aber freuen wir uns einfach, dass es die Herrschaften mit Flugzeug und Schiff endlich auch mal runter vom amerikanischen Kontinent geschafft haben und man Klassiker wie So Cold oder Diary Of Jane endlich einmal live erleben durfte.

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