Corona-Pandemie: wir lassen Musiker, Bands, Clubs und Veranstalter zu Wort kommen

Part 26: In Control, Vomitheist, Necrotic Woods, Arctic Winter, Odd Dimension, microClocks

Das Coronavirus lässt die Welt seit einigen Wochen stillstehen, vielleicht nicht so ganz, aber zumindest in der Konzert- und Veranstaltungsbranche fast komplett. Wir haben in letzter Zeit viel geschrieben über die derzeitige Corona-Krise, haben von den Folgen für die gesamte Veranstaltungsbranche berichtet, haben euch über Konzertabsagen- und Ersatztermine und Online-Geisterkonzerte auf dem Laufenden gehalten, haben versucht einigen Veranstaltern und Live-Clubs aktiv mit Berichterstattungen zu helfen, und haben Tipps gegeben, wie ihr eure Lieblingsband oder eure bevorzugte Konzert-Location am besten in dieser schweren Zeit unterstützen könnt. Letztendlich sind die meisten von uns aber weder Musiker, noch Veranstalter oder Club-Besitzer, sondern nur ein paar Schreiberlinge, die den Metal leben und lieben. Deshalb wollen wir den Spieß nun einmal umdrehen und andere zu Wort kommen lassen, wir lassen Musiker, Bands und Veranstalter einmal selbst erzählen, wie sie die Corona-Krise erleben, wie sie die konzertfreie Zeit in der Quarantäne verbringen und wo der Schuh aktuell am meisten drückt.

Wir haben eine Menge Rückmeldungen gekriegt, deshalb müssen wir in Etappen veröffentlichen, denn sonst würde es unübersichtlich. Hier die nächsten Stimmen, weitere folgen in den nächsten Tagen:

Michael „Mike“ Neik (In Control)

Für uns alle sind die Einschränkungen natürlich sehr hart. Uns wird damit eine große Leidenschaft verwehrt. Wir sind schließlich nicht nur Musiker, sondern auch Freunde. Das tut schon sehr in der Seele weh. Aber wir nutzen die Zeit auch aus. Daniel (Guitar) tankt in seinem Homestudio neue Inspiration. Emmanuel (Keys) kann sich auf sein Studium konzentrieren. Julie (Vocals) hat sich in der Zeit als Tätowiererin etabliert. Robin (Bass) widmet sich seinem Nebenprojekt Metalfighters (https://time-for-metal.eu/metalfighters-sucht-genau-eure-band-bewerbt-euch/). Ich persönlich kann mich voll und ganz um meinen Nachwuchs kümmern.

Dadurch haben die Krise und der Lockdown für uns etwas Positives. Trotzdem juckt es uns wahnsinnig in den Fingern.
Hoffen wir, dass sich die Situation bald wieder bessert.

Wir wollen wieder auf die Bühne gehen!

Viele Grüße
Mike (Drums)

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In Control – Two Face (2018):

Yannick Aeschlimann (Vomitheist)

Coronazeit ist Biertrinkzeit (als ob wir sonst kein Bier trinken würden…), denn auch unsere Konzerte wurden – Überraschung – alle abgesagt oder verschoben. Zumindest waren es in unserem Fall nur einzelne Konzerte und nicht gleich eine ganze Tour. Somit muss der uns versprochene, weltweite Ruhm wohl noch etwas warten. Mit der eingeplanten Kohle, die sich nun als großes Loch in unserer Kasse manifestiert, haben wir dafür endlich unseren Proberaum mikrofoniert, einen Tape-Recorder gekauft und Pro Evolution Soccer 5 für die Band-PS2 erworben. Sport muss sein! Jetzt können wir während der Proben unsere Kettensägenmassaker true auf Kassette festhalten und müssen nicht mehr auf Lo-Fi Handyaufnahmen zurückgreifen, damit wir uns am nächsten Tag an die neuen Riffs des letzten bierseligen Abends erinnern.

Apropos neue Riffs: Wenn wir zur Zeit schon keine Konzerte spielen können, haben wir dafür an neuen musikalischen Abscheulichkeiten gearbeitet, die nach aktueller Planung 2021 auf unserer ersten Langrille erscheinen sollen. Zudem würde uns unser neues Equipment die Produktion einer Demo ermöglichen. Vielleicht kommt da also vor dem Album noch etwas Kleines. Daneben haben wir uns noch um die Aufstockung unseres Merch gekümmert und es endlich fertiggebracht, die ganzen modischen Accessoires auf unsere Bandcamp–Page zu stellen.

Sonst können wir im Moment auch nur abwarten, wie sich die Situation entwickelt. In der Schweiz sind die gelockerten Regelungen bezüglich Konzerten im Moment ziemlich unübersichtlich und es ist bei einigen geplanten Gigs noch nicht klar, ob und wann sie nachgeholt werden können.

In diesem Sinne, macht es wie wir: Abwarten und Bier trinken.

Yannick / Vomitheist

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Vomitheist – Strangled By Entrails (AuGeil Sessions) (2019):

Thorn (Necrotic Woods)

Die aktuelle Situation ist natürlich für alle sehr schwierig und auch wir mussten schon einige Gigs absagen, bzw. verschieben, was natürlich sehr schade ist. Finanziell trifft es uns zum Glück als Band nicht besonders hart, da wir nicht von der Musik leben müssen. Andere Bands und Veranstalter sind da viel schlimmer betroffen als wir. Die Quarantäne, bzw. freie Zeit, nutzen wir, um unser neues Album fertigzustellen. Berufsbedingt gab es da einige Verzögerungen. Wer uns unterstützen möchte, kann gerne mal auf https://necroticwoods.bandcamp.com vorbeischauen.

Am 16. Oktober kann man uns, sofern Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht, mit The Spirit und Vyre in der Kulturwerkstatt Paderborn sehen. Der Gig sollte eigentlich jetzt im Mai stattfinden und ist der erste verschobene Auftritt, für den es bereits ein neues Datum gibt.

Besten Gruß und bleibt alle gesund,

Thorn / Necrotic Woods

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Necrotic Woods – Venus In Furs (The Velvet Undergrond Cover)(2018):

Mic Winter (Arctic Winter)

In erster Linie ist es einmal die höchste Priorität, gesund zu bleiben! Das ist wohl der wichtigste Aspekt in der Corona-Krise, denn sonst ist alles, was man sich vornimmt, gegen null attestiert.

Selbstverständlich halten wir uns an die Beschränkungen und Auflagen. Das Resultat daraus ist leider eher suboptimal. Da wir in einem öffentlichen Gebäude den Proberaum unser Eigen nennen, waren wir leider zusätzlich eingeschränkt mit den Proben. Im Saarland sind aber jetzt die Beschränkungen gelockert worden. Ab Mittwoch wird wieder musiziert! 🙂

Online-Streaming-Konzerten sind wir keinesfalls abgeneigt! Es sind Planungen bei uns natürlich vorhanden, jedoch gibt es noch nichts Spruchreifes. Kontakte sind geknüpft und Gespräche werden demnächst geführt! Wir lassen euch bei Vollzug Infos etc. zukommen und es wäre eine große Unterstützung für uns, wenn das Time For Metal Magazin darüber berichten würde!

Wir sind online vertreten und haben in den letzten Wochen einige Sachen gepostet – wie einen Einblick in unsere Bandgeschichte. Auch gibt es Arctic Winter Metal auf YouTube. Aktuell arbeiten wir zu Hause an unserer neuen CD und sind gegen Ende letzten Jahres ins Songwriting eingetreten. Daraus resultieren mittlerweile schon sechs neue Stücke, von denen aber einige leider nur auf dem Papier existieren. Eingespielt haben wir bisher nur einen Teil des neuen Materials. Dann kam Corona… Das ändert sich aber dann jetzt: Wir starten wieder durch und eventuell versteckt sich ein neuer Song demnächst in einem Onlinestreaming… 😉

Stay loud and Metal up your ass

Mic Winter / Arctic Winter

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Arctic Winter – No Time To Die – live @ Wellesweiler Open Air 2019:

Gigi Andreone (Odd Dimension)

Last months were a big shock for all entertainment industry and especially for a genre so much connected to live events and to the importance of being together like Metal in all its expressions.

In the middle of the storm, trying to find a cure to all the sad news daily bombing our brains, we worked from home to the last phases of our new album, it was really difficult but challenging, and it also was a way to keep connected to reality in this strange and sad times for our country.

We tried to keep in touch virtually as a band (we live in different regions of Italy) and even to jam connected to the network, but nothing substitutes for us the pleasure of being together in a room sweating to play our music.

It was also a good moment to put in order our ideas, digging in some sweet memories and getting ready for a new beginning!

Thanks!

Gigi / Odd Dimension

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Odd Dimension – Dissolving Into The Void (2015):

JT (microClocks)

Es hat sicher bei jedem von uns eine ganze Weile gedauert, um die tatsächliche Tragweite der Corona-Krise zu erfassen. Und wie man hier und da hört, gelingt es einigen Menschen bis heute nicht, das alles zu verstehen und die rigorosen Maßnahmen als offenbar notwendig zu akzeptieren. Aber: So eine Zwangspause kann auch was Gutes haben! Mal runterfahren, in sich gehen und kreativ sein… das sehe ich als Chance! Auch wenn ich weiß, dass viele Musiker und andere Künstler derzeit um ihr Überleben kämpfen – und das nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ganz real.

Uns hat es gleich am Anfang der Krise – wenngleich nicht existenzbedrohend – erwischt, als das Dark Club Festival als eine der ersten Veranstaltungen überhaupt abgesagt wurde. Es sollte nämlich ausgerechnet im Kreis Heinsberg stattfinden, damals der Landkreis mit den meisten COVID-19 Infektionen deutschlandweit. Mein erster Gedanke war, dass diese Momentaufnahme sehr wahrscheinlich nur der Anfang einer Absagewelle sein würde – mit katastrophalen Folgen für alle Kunst- und Kulturschaffenden. Im schlimmsten Falle würde die Festival- und Clublandschaft nie wieder mehr die sein, die sie einmal war. Und dennoch: Das gesundheitliche Wohl aller muss im Mittelpunkt stehen und ich bin daher froh, dass derartige Events so früh abgesagt wurden, auch wenn es natürlich in der Musikerseele schmerzt…und das sicher noch eine ganze Weile!

Daher mein Appell an euch: Denkt auch, und gerade in diesen schwierigen Zeiten, an eure Lieblingskünstler und versucht, sie zu unterstützen, wo es nur geht. Denkt dran, dass beim Streaming quasi nichts beim Künstler ankommt, kauft daher CDs, kauft Merch, teilt eure Leidenschaft für eine Band oder einen Künstler mit euren Freunden und gebt denen denselben Rat. Denn wenn das hier alles vorbei ist, sind es genau die Künstler, denen ihr durch diese schwere Zeit geholfen habt, die dann auf euren Konzerten spielen können und die dann euer nächstes Lieblingsalbum produzieren.

Bleibt gesund!
JT und microClocks

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microClocks – Raptor (2017):

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