„Es ist völlig egal, aus welcher Ecke des Planeten man kommt.“

Artist: Annisokay

Herkunft: Halle (Saale), Deutschland

Genre: Post Hardcore, Alternative Rock, Metalcore

Label: Arising Empire/ Nuclear Blast

Link: http://www.annisokay.com/

Bandmitglieder:

Shouts – Dave Grunewald
Klarer Gesang & Gitarre – Christoph Wieczorek
Bassgitarre – Norbert Kayo
Gitarre – Philipp Kretzschmar
Schlagzeug – Nico Vaeen

Time For Metal / Kai R.:

Hallo Jungs,
ich freue mich, dass ihr die Zeit gefunden habt, um euch ein paar Fragen unserer Redaktion und unserer Lesern zu stellen. Beginnen wir doch einfach mal mit dem, was gerade so Stand der Dinge ist und damit relativ banal – wie geht es euch?

Annisokay:

Wir sind ziemlich durch! Gerade aus Japan zurück, was wohl die anstrengendste Tour überhaupt war. Wir haben mehr im Sitzen als im Liegen geschlafen. Und dennoch oder gerade deswegen war es eine unglaublich tolle Zeit. Die ganzen Eindrücke, die wir dieses Jahr sammelten, konnten wir noch gar nicht verarbeiten. 2018 war ein großes Jahr für uns. Wir haben uns Kindheitsträume erfüllt! Wir tourten durch fast alle amerikanischen Bundesstaaten, haben eine erfolgreiche EU Tour gemacht und sind nun durch Japan gereist. Es war großartig!

Time For Metal / Kai R.:

Bei eurer Tour, der Fully Automatic World Tour 2018, seid ihr nicht nur in den USA, sondern auch in Großbritannien, Deutschland und in Japan auf der Bühne gewesen. Wie sehr unterscheiden sich die Fans in den Ländern?

Annisokay:

Während einer Show überhaupt nicht! Eher nach der Show am Merch, wenn man sich gegebenenfalls aus Mangel an Fremdsprachenkenntnissen mit Händen und Füßen unterhalten muss. Funktioniert aber relativ gut und ein, zwei Bierchen oder gern auch ein gemeinsames Softgetränk bricht das Eis.

Time For Metal / Kai R.:

Ist da ein Unterschied für euch zu spüren, oder würdet ihr sagen, dass ein Annisokay-Fan überall einer Schublade entspricht?

Annisokay:

Ich weiß gar nicht, wie groß so eine Schublade sein müsste. Wir haben mit Erstaunen und Freude festgestellt, dass der Annisokay-Fan sehr, sehr bunt ist. Wir haben die unterschiedlichsten Menschen auf unseren Konzerten kennengelernt. Alle haben eins gemeinsam. Sie sind alle liebenswürdig, warmherzig und wie wir völlig bekloppt, was Musik angeht.

Time For Metal / Kai R.:

Wenn man so lange auf Tour ist, gibt es da schon mal einen Lagerkoller?

Annisokay:

Tatsächlich nicht. Liegt vielleicht daran, dass wir dieses Jahr so viele neue Länder bereisten und das erste Mal ist immer besonders. Alles ist aufregend und spannend und in den meisten Fällen viel zu schnell zu Ende. Auf jeden Fall unvergesslich und nie langweilig.

Time For Metal / Kai R.:

Wenn ihr gerade nicht auf der Bühne steht – was macht ihr beruflich, und was sind denn eure Hobbys (ist für so was überhaupt noch Zeit?), wenn es nicht gerade um die Band geht?

Annisokay:

Wir müssen tatsächlich unsere Brötchen anderweitig verdienen. Dafür ist die Band noch zu klein, dass fünf Musiker davon leben könnten. Obwohl die Band ein absoluter Full-Time-Job geworden ist. Demnach haben wir alle zwei Jobs und eine Familie. Zeit für Hobbys hat man da überhaupt nicht. Die Musik ist da auch unsere größte Leidenschaft und demnach Hobby.

Time For Metal / Kai R.:

Seid ihr schon genervt davon, dass die Herkunft des Namens der Band bei gefühlt jedem Bericht als Door-Opener verwendet wird?

Annisokay:

Das ist schon okay. Wir haben es ja nicht anders gewollt. Ich glaube, es gibt da aber wirklich Schlimmeres, was vielen Bands ständig anhängt.

Time For Metal / Kai R.:

Was haltet ihr von den Bands Callejon, Heaven Shall Burn und Caliban?

Annisokay:

Großartige und fleißige Bands, die alle bereits deutlich mehr Arbeitsjahre als wir auf dem Buckel haben. Das ist sehr zu bewundern. Wer mal einen kleinen Einblick ins Musikbusiness bekommen hat, der weiß, was das für eine harte Branche ist! Durchzuhalten ist da nicht immer einfach. Von daher haben wir riesen Respekt vor den genannten Kollegen und sind auch sehr stolz mit den einen oder anderen bereits eine Bühne geteilt zu haben.

Time For Metal / Kai R.:

Ist es ein Problem sich im Ausland als deutsche Band durchzusetzen?

Annisokay:

Im Grunde nicht. Es ist völlig egal, aus welcher Ecke des Planeten man kommt. Es ist nur mit hohen Kosten und Aufwand verbunden, die Welt zu bereisen. Das Equipment sicher von A nach B zu bekommen und nicht Unmengen an Geld dafür zu lassen. Und das, für uns mittlerweile, böse Wort Visa ist jedes Mal ein ziemlicher bürokratischer Aufwand. Wir sind damit gefühlt immer unglaublich spät dran. Unser Japan Visa bekamen wir am Tag unseres Fluges – ich glaube, knapper geht es nicht.

Time For Metal / Kai R.:

In meiner Rezension zu eurem neuen Album Arms habe ich als persönliches Highlight den Song One Second herausgepickt, der mich ein wenig an die neuen Releases der Australier Parkway Drive erinnert. Wie steht ihr zu solchen Vergleichen?

Annisokay:

Ja, sehr gut. Parkway Drive ist eine der größten Metalcore Bands der heutigen Zeit. Die haben also ziemlich viel richtig gemacht. Ein Vergleich kann da nicht schaden. Vielleicht hört sich der eine oder andere Parkway Drive-Fan auch dann mal unser Album an. Wäre klasse! Zu den Jungs von Parkway Drive haben wir auch ein sehr besonderes Verhältnis. Wir durften die Jungs vor ein, zwei Jahren auf Russland Tour supporten, was eine unglaubliche Erfahrung für uns war – war einfach krass!

Time For Metal / Kai R.:

Wenn ihr euer letztes Release Devil May Care mit Arms vergleicht, was hat sich da bei euch getan?

Annisokay:

Zum Glück eine Menge! Die Band Annisokay ist gewachsen, in jeglicher Hinsicht. Ich denke, wir haben einfach noch mehr unseren Sound gefunden. So ein Album ist immer ein Schnappschuss von der Band, wie sie in der jeweiligen Zeit klingt, und worüber sie singen will. Man kann deshalb bei unseren Alben ganz schön unsere Entwicklung und „Reise“ raushören, die wir über die Jahre gemacht haben. Wahrscheinlich ist die Reise noch nicht zu Ende, aber man kann definitiv hören, dass Arms noch erwachsener, roher, organischer und melancholischer klingt als Devil May Care.

Time For Metal / Kai R.:

Früher war für viele das Stöbern im Plattenladen ein eigenes Hobby – heutzutage hingegen kann man dank Spotify, Apple Music und Co. jedes Album bereits hören, wenn es frisch auf den Markt kommt. Somit verliert das Medium und das Release an sich, meiner Meinung nach, ein wenig an Wert. Wie seht ihr das?

Annisokay:

Das Physische verliert tatsächlich an Wert. Die Industrie hat brave Konsumenten erzogen, denen es wichtig war, für ihr Geld auch etwas in den Händen zu halten. Das ist auch völlig in Ordnung, schließlich ist das Artwork einer Platte ein wichtiger Bestandteil des gesamten Konzepts. Man möchte Musik eben nicht nur hören, sondern auch sehen – so paradox es klingt. Dennoch finden wir es überfällig, dass diese veraltete Technik der CD endlich verschwindet. Es liegt nun an der Industrie, da neue Wege zu gehen und neue Ideen zu verwirklichen.

Time For Metal / Kai R.:

Was hat Politik heute mit Musik zu tun? Darf eurer Meinung nach Musik ein politisches Medium sein?

Annisokay:

Musik ist unweigerlich ein politisches Medium, wenn die Musik veröffentlicht wird. Jeder veröffentlichte Text kann und wird interpretiert. Manchmal so, wie es der Interpret meint, manchmal auch ganz anders. Es ist die Frage, wie bewusst oder unbewusst Text und Musik verfasst werden. Welche Absicht der Künstler hat. Das kann auch völlig außer Kontrolle geraten. Das ist dann Berufsrisiko.

Time For Metal / Kai R.:

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, gab es dieses Jahr eine Zusammenarbeit zwischen der ESL (Electronic Sports League) und dem Wacken Open Air. Seid ihr selbst Gamer? Wenn ja, welches Spiel hat euch dieses Jahr am meisten gefesselt? Was haltet ihr überhaupt von solchen Kooperationen?

Annisokay:

Musik und Videospiele passen wie Butter und Brot. Da finden wir es großartig, wenn es spannende Kooperationen gibt. Wir sind auch leidenschaftliche Gamer, wenn es die Zeit zulässt. 2018 hat glaube Red Dead Redemption 2 alles in den Schatten gestellt. Auf Tour ist aber FIFA weiterhin der absolute Knaller. Einfach, weil man es mit mehreren spielen kann und ein gutes FIFA-Turnier auf Tour ist immer drin!

Time For Metal / Kai R.:

So, abschließend übergebe ich euch die Frage: Gibt es etwas, was ihr immer schon mal von einem Online-Magazin wissen wolltet oder etwas, was euch besonders an der Zusammenarbeit freut oder euch enttäuscht hat?

Annisokay:

Wie entscheidet ihr, welcher Redakteur welches Thema bearbeitet? Geschmack, Interesse? Wird gelost? Kommt es zu Streit? Und wie groß ist das Interesse völlig neue Themen zu bearbeiten?

Time For Metal / Kai R.:

Dadurch, dass unsere Redaktion aus ehrenamtlichen Mitarbeitern besteht, gibt es bei uns relativ wenig Diktat, was die Bearbeitung der Themen angeht. So kann sich jeder bei uns relativ simpel auf ein Rezensionsexemplar bewerben und bekommt dann den Zuschlag, wenn wir seitens der Redaktionsleitung davon ausgehen, dass die Person das Material auch bearbeiten kann. Bei Konzertakkreditierungen sieht das eher dann so aus, dass der Redakteur/ die Redakteurin, der/die zuerst für eine Tour anfragt, dann auch den Zuschlag bekommt. Kolumnen erarbeitet jeder selbst, hier gibt es noch keine Vorgaben. Ich denke, dass es uns gut tut, dass wir nicht finanziell abhängig sind und uns so relativ viele Freiräume schaffen können und das machen können, worauf wir Lust haben (natürlich hat auch das einen organisatorischen Rahmen). Streitigkeiten habe ich bisher keine vernommen, natürlich kann in einer Redaktion von ca. 30 Mitarbeitern nicht jeder zum Wacken Open Air fahren, doch ist gerade die Loyalität zwischen den Kollegen etwas, was ich an Time For Metal schätze. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand, der ein Festivalbericht schreibt und Hilfe benötigt, diese abgeschlagen bekommen hat. So schreibt manchmal der eine einen Vorbericht, während vier andere Kollegen zum Festival fahren – und anders herum.

Bezüglich der neuen Themen muss immer alles im Einklang mit dem Privatleben und den Lesern bleiben. So macht es für mich wenig Sinn, einen Artikel über Frischkäse und dessen Zusammensetzung zu schreiben. Hingegen über einen Kopfhörer vom Marshall, über ein Hemd der Marke Decihell zu schreiben oder ein PC Spiel zu rezensieren, welches Menschen das Spielen von Musik näherbringen will (denke da an Rocksmith) ist eindeutig immer von Interesse. So gesagt sind wir für alles offen, was dem Magazin und der Vereinssatzung dienlich ist!

Ich bedanke mich recht herzlich für die Zeit, die ihr euch für das Interview genommen habt, und ich hoffe, wir treffen uns auf der nächsten Tour!

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