Feradur – Parakosm (EP)

Für Fans von Melodic Death Metal à la Amon Amarth

Artist: Feradur

Herkunft: Köln, Deutschland und Luxemburg

Album: Parakosm

Spiellänge: 26:11 Minuten

Genre: Melodic Death Metal

Release: 30.04.2021

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.facebook.com/FeradurMetal

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Mario Hann
Gitarre und Gesang – Michel Strock
Gitarre – Daniel Gloden
Bassgitarre – Fridtjof Kielgast
Schlagzeug – Michel Weber

Tracklist:

  1. Midas (Materia Prima)
  2. Crest Of Betrayal
  3. Saviours
  4. Tetsuo
  5. Host Of The Nightmare

Es ist tatsächlich schon ungefähr drei Jahre her, dass ich Feradur mal live erleben durfte. Das war bei der Releaseshow von Krähenfeld, die ihr Album Vergänglich veröffentlicht hatten. Krähenfeld haben ja gerade gemeinsam mit Convictive ein Split-Album am Start, und am 30.04. legen auch Feradur nach. Parakosm heißt die Scheibe, auf der fünf Songs für eine Spielzeit von ungefähr 26 Minuten sorgen.

Gegründet wurden Feradur bereits im Jahr 2006, vier Jahre später erschien die erste Demo Demoncracy. Nach den Alben Epimetheus aus 2015 und Legion aus 2019 ist die EP Parakosm dann wohl so eine Art Wasserstandsmeldung der Zwei-Länder-Band. Die kann man auf der Bandcamp-Seite von Feradur in verschiedenen Ausführungen vorbestellen, sogar in einer streng limitierten Ausgabe als Kassette.

Wenn ich mir das ungefähr anderthalbminütige Intro vom Midas (Materia Prima) so anhöre, könnte ich denken, ich wohne einer Beschwörungszeremonie bei. Die Instrumente geben das getragene Tempo vor, ganz im Hintergrund hört man Spoken Words. Das Ritual geht zu Ende, das langsame Tempo bleibt. Und neben sehr tiefen Growls, an denen Johan Hegg (Amon Amarth) seine helle Freude haben dürfte, gibt es noch so eine Art Keifgesang, der sich auch im Black Metal gut machen würde. Aber auf Dauer ist verhaltenes Tempo nichts für Feradur. So nimmt der Song ordentlich Fahrt auf und erinnert umso mehr an die Werke von Amon Amarth. Während die Gesangsparts mit ordentlich Punch daherkommen, warten die Instrumentalparts auch mal mit schönem, melodischen Gitarrenspiel auf, und Zeit für ein cooles Gitarrensolo ist natürlich auch. Mit diesem Wechsel zwischen Up- und Midtempo und zwischen harsch und melodisch ist der Einstieg in diese EP auf jeden Fall sehr gelungen. Gleich hier erweisen sich Feradur auch als profunde Geschichtenerzähler und haben als Hauptfigur den griechischen König Midas gewählt, bei dem sich alles, was er berührte, in Gold verwandelte.

So was wie ein Intro gibt es beim folgenden Crest Of Betrayal nicht, mit einem Schrei stürzen sich Feradur in die nächste Schlacht. Auch hier gibt’s wieder sehr gediegene Riffs, gern auch mal mit Twin-Guitar, und insgesamt eine Instrumentenfraktion, die fast so etwas wie eine Wall of Sound aufbaut, ohne den Gesang zu erdrücken. Auch sehr gelungen sind die sparsam eingebauten Taktwechsel, die im Zusammenspiel mit den beiden Gesangsarten auch diesem Song fast den Charakter eines Hörspiels geben.

Hatte ich bislang nur Amon Amarth genannt, die musikalisch sicherlich einen gewissen Einfluss gehabt haben dürften, streckt Saviours die Fühler eher in Richtung der ganz alten Werke von In Flames aus. Das Tempo, das Feradur hier vorlegen, kann im folgenden Tetsuo aber gehalten, wenn nicht teilweise sogar noch gesteigert werden. Und fast wie eine kleine Verbeugung in Richtung Japan erscheint mir die kurze Sequenz, in der man meint, Michel hätte das Schlagzeug gegen eine Tsuzumi ausgetauscht.

In Richtung Japan haben sich Feradur mit diesen drei Songs aber sowieso verbeugt. Die Inspiration für Crest Of Betrayal, Saviours und Tetsuo bezogen sie nämlich von Filmen japanischer Autoren/Regisseure. Der letzte Song Host Of The Nightmare basiert zwar nicht auf einem japanischen Film, aber auf einem Action-Rollenspiel, das von einem japanischen Studio für die PlayStation4 entwickelt wurde. Der längste Song der EP baut mit sehr vielen Rhythmus- und Tempowechseln fast so etwas wie eine musikalische Version davon auf. Da wird sich vorgetastet und die Gegend erkundet, bevor hinter der nächsten Ecke wieder ein Gegner auftaucht, der besiegt werden muss. Es wird düster und es wird brachial, musikalisch wie auch im Videospiel.

Feradur – Parakosm (EP)
Fazit
15 Jahre hat die Band Feradur in diesem Jahr bereits auf dem Buckel, mit einer richtig großen Party werden die Männer das aber wohl leider nicht feiern können. So liefern sie zumindest ein musikalisches Lebenszeichen. Einen Innovationspreis wird es auch für Parakosm nicht geben, aber die Fahne des Melodic Death Metal halten Feradur nach wie vor hoch, und allein dafür haben sie meinen Respekt.

Anspieltipps: Crest Of Betrayal, Saviours und Tetsuo
Heike L.
8.5
Leser Bewertung2 Bewertungen
5
8.5
Punkte