Ghosther – Immersion

16.09.2022 - Modern Metal - Doc Gator Records - 50:09 Minuten

Die deutsche Modern Metal Kapelle Ghosther hat in diesem September was Neues herausgebracht. Über Doc Gator Records kann man dieser Tage die neue Platte Immersion erwerben. In 50 Minuten führen die Musiker aus Heinsberg den Hörer durch sehr moderne Landschaften. Mit dem Blick ins Soilwork und Halestorm Lager entfachen die vier Musiker um Sängerin Jenny Jansen ein kleines wie bedachtes Feuerwerk. 13 fast identisch lange Werke setzen Immersion zusammen. Das Artwork zeigt ein Herz in Form eines Eisberges. Nur ein Bruchteil liegt über dem Meeresspiegel, darunter verborgen die wirklichen Tiefen der menschlichen Gefühle, die von Ghosther aufgegriffen werden. Weg vom Metalcore shoutet Jenny die Texte nicht durchgehend. Auch da agiert das Gebilde modern und lässt der Sängerin viel Platz zur Entfaltung. Irgendwo zwischen erfrischendem Alternative Metal und vorsichtigen Death Metal Ansätzen schlängeln sich die Musiker aus NRW durch die Session. Die vorsichtigen Growls bleiben kleine Höhepunkte. Die meiste Zeit werden die Lyrics clean gesungen. Neben oft gesetzten Melodien, brechen sie gerne wie bei Karma aus dem Korsett aus. Auf Doomed darf Björn Strid mitmischen. Der schwedische Sänger von Soilwork erlebt durch den Verlust seines Freundes David Andersson schwere Stunden. Davon spürt man in der Nummer, die vorab eingespielt wurde, natürlich nichts. Im Duett mit Jenny macht der Track richtig Spaß und darf ohne Probleme als Anspieltipp hervorgehoben werden. Satte Beats, stattliche Attacken von Ronnie Jansen hinter der Schießbude inkl. dem Sprung zum melodischen Death Metal mit Core-Einflüssen macht Ghosther unberechenbar. Das gilt für das gesamte Album, das durch tiefe gesetzte Emotionen heraus immer wieder den Weg zur Wasseroberfläche sucht. Dem Licht entgegen, erlischt zu keiner Zeit die Hoffnung. Mit dem Blick fürs Wesentliche greifen Ghosther auf Immersion alles auf, was in dem Genre aktuell funktioniert. Der atmosphärische Sound geizt leider nur mit ganz persönlichen Handschriften. Der Blick nach links und rechts wird zaghaft angesetzt und bei Doomed auch umgesetzt. Davon brauchen die Vier noch mehr. Die zu ruhigen Momente lassen zwar Platz für krachende Explosionen, nehmen auf der anderen Seite in wichtigen Spielzügen unnötig die angerührte Naturgewalt aus dem Spiel. Darauf sollte man nicht zu sehr reiten, schließlich schicken sie mit Criminal Love und Afterglow weitere Perlen vom Meeresboden zu uns in die offenen Hände. Abschließend bleibt festzustellen, dass Ghosther ein anspruchsvoller Longplayer gelungen ist, der mit vielen Ecken und Kanten zwar den geraden Weg geht, aber trotzdem genug Platz bietet, um die noch weichen Hörner abstoßen zu können.

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Ghosther – Immersion
René W.
7.5
Leser Bewertung10 Bewertungen
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