Hasche goes Thailand

Ein Gespräch mit dem ehemaligen Drummer von Running Wild und Macher der Rofa Ludwigsburg

Artist: Wolfgang „Hasche“ Hagemann

Herkunft: Ludwigsburg, Deutschland

Genre: Metal

Link: https://www.facebook.com/Rockfactorypattaya
https://de-de.facebook.com/rockfabrik.ludwigsburg/

Hasche und ich führen ein Gespräch über seine Zukunftsplanungen sowie das Ende der Rockfabrik in Ludwigsburg am 07.02.2020 im Pauli Bahnhof, am Rande der Veranstaltung We Rock The Nord, des Ballroom Hamburg (https://ballroom-hamburg.de). Einen kurzen Bericht zu der Musik des Abends gibt es hier (Klick).

Time For Metal / Jürgen:

Hallo Hasche, es ist sehr schön, dass du dir ein wenig Zeit genommen hast.

Hasche / Rock Factory:

Ja, das finde ich auch klasse, dass wir noch mal sprechen.

Time For Metal / Jürgen:

Am 31.12.2019 fand die letzte Veranstaltung in der Rofa statt. Wie waren die letzten Partys, die Silvesterparty und was passierte in der Zwischenzeit?

Hasche / Rock Factory:

Nun, die Besucherzahlen gingen steil nach oben. Sie vervierfachten sich quasi im Dezember. Viele ältere Besucher und frühere Stammkunden kamen zu uns. Aber natürlich war auch ein gewisser Tourismus dabei. Das Abschlusskonzert war am 21.12.2019 u.a. mit Ralf Scheepers und Mat Sinner. Wir spielten Coversongs von Helloween wie I Want Out und ähnliche. Es war auch mein offizieller Abschiedsabend am Schlagzeug der Allstar Band. Die Rofa war natürlich Sold Out und die Stimmung entsprechend.
Silvester war dann noch mal richtig heftig und emotional. Die Veranstaltung war ruck zuck ausverkauft. Um sechs Uhr morgens schloss die Rofa endgültig die Tür ab. Das Licht war schon eine Stunde an, aber es wollte keiner nach Hause gehen. Es flossen Tränen. Sowohl bei Besuchern wie Betreibern. Es tut weh, wenn man nach mehr als 30 Jahren nun getrennte Wege geht bzw. gehen muss.

Ab 02.01.2020 startete der Abbau. Es wurde alles abgebaut und rausgerissen. Ich war bis zum 15.01. dabei. Der erste Stock mit der kleinen Bühne sowie die Raucherlounge waren zu diesem Zeitpunkt komplett leer. Ich habe mein Büro übergeben und den Papierkram entsprechend abgewickelt. Aus der Rofa selbst wurden viele Sachen verkauft. Von ganz kleinen Dingen, wie eine Getränkekarte bis hin zu den beiden Riesenschädeln an der Bühne. Die wiegen mehr als 500 kg und wurden von Stammgästen erworben und abgebaut. Teile der Innenausbauten der Bar mit den großen Sitzgarnituren fanden ebenfalls neue Besitzer. Das Rockfabrik Neon hat das Museum der Stadt Ludwigsburg erworben. Hier werden wir also auf jeden Fall einen dauerhaften Platz behalten. Eine schöne Geschichte gibt es zu einer recht schweren Bank mit Coca-Cola Aufschrift. Ein Stammgast kam auf uns zu und fragte nach der Bank. Wir fragten, was er denn dafür bieten würde. Er sagte, das wäre völlig egal. Er müsse diese Bank haben. Vor neun Jahren machte er dort seiner jetzigen Frau einen Antrag. Sie haben jetzt bald Hochzeitstag und er möchte diese Bank – wo alles seinen Anfang nahm – als Geschenk zum Hochzeitstag präsentieren. Hier war es uns wichtig, dass einige Dinge auch an die richtigen Orte kommen. Das war bzgl. dieser Bank sehr eindeutig. So haben wir die Bank für 100 € dem ehemaligen Stammkunden mitgegeben. Wir sind sicher, dass dieser Gegenstand keinen besseren Platz hätte finden können.
Eingelagert haben wir vor allem die Elektronik und ähnliche Gegenstände. Alles andere wäre viel zu viel gewesen. Man weiß nicht, wie die neuen Räumlichkeiten aussehen und wie lange zwischengelagert werden muss.

Time For Metal / Jürgen:

Gibt es schon konkrete Räumlichkeiten für eine Fortführung der Rofa?

Hasche / Rock Factory:

Es ist nach wie vor alles offen. Also kein neuer Stand zu November 2019.

Time For Metal / Jürgen:

Kommen wir zu einem anderen Thema. Du hast Dich dazu entschieden zukünftig in Thailand Deine Zelte aufzuschlagen. Wie ist es dazu gekommen?

Hasche / Rock Factory:

Vor vielen Jahren war ich in Thailand unterwegs und lernte Hansi und seine damalige Freundin und jetzige Frau Nuth kennen. Hansi kam aus Stuttgart und war Stammgast der Rofa, ohne dass wir uns wirklich kannten. So entwickelte sich eine intensive Freundschaft. Auf der Hochzeit von Nuth und Hansi spielte ich Schlagzeug als Überraschungsgast. Vor knapp zwei Jahren kam Hansi mit der Idee um die Ecke, eine Metal Kneipe in Pattaya, ähnlich der Rofa in Ludwigsburg zu eröffnen. Damals war das für mich kein Thema. Erst im Rentenalter wollte ich nach Thailand und dann natürlich nicht nur am Strand liegen, sondern schon noch gerne etwas mit Musik und Club, so zwei oder drei Tage die Woche, machen.   

Konkret wurde es im Sommer 2019. Da rief mich Hansi an. Er hätte jetzt eine Location, die passt. Wir haben auf einem gemeinsamen Urlaub eine Band in einem kleinen Laden spielen sehen. Die Truppe gefiel Hansi und mir. Hansi machte dann Nägel mit Köpfen und holte die Band nach Pattaya. Ich musste natürlich erst mal darüber nachdenken. Mit meiner thailändischen Freundin entschieden wir, den Weg mit Hansi ab 2020 gemeinsam zu gehen. Wichtig war mir, das Thema Rockfabrik Ludwigsburg bis zum Ende mitzugehen. Daher war 2019 überhaupt kein Thema bzgl. Thailand. Aber 2020? Die Alternative wäre Hamburg gewesen und vermutlich zunächst mal Arbeitslosigkeit. Da war der Reiz einfach groß genug bzgl. Rock Factory. Das gesamte Paket etwas Neues zu tun, etwas Neues aufzubauen mit Ende 50, etwas Neues zu erleben und natürlich eine weitere Lebenserfahrung zu machen, ist einfach da. Es passt zu meinem bisherigen Lebensstil. Folge deinem Herzen!

Time For Metal / Jürgen:

Du gibst Deinen Wohnsitz in Deutschland komplett auf. Was nimmst Du überhaupt mit nach Thailand?

Hasche / Rock Factory:

Ein paar Sachen habe ich schon drüben. Alltagszeug, was man so als Erstes benötigt. Bettwäsche etc. und natürlich das Roland Schlagzeug muss auch mit und ist bereits vor Ort. Mit zwei Koffern und Handgepäck geht es am 19.02. dann rüber. Wir starten quasi bei fast null. Kaffeemaschine, Toaster etc. werden wir vor Ort kaufen. Klamotten, die man die ersten Tage benötigt, aber auch kleine Andenken sind in den Koffern. Zum Beispiel aus der Running Wild Zeit die Auszeichnungen. Container und Co. bleiben in Hamburg. Die Taucherausrüstung muss dann irgendwann nachkommen.

Time For Metal / Jürgen:

Wie wird für Dich das Leben ab dem 19.02.2020 aussehen? Was ist dort anders, als bisher in der Rofa?

Hasche / Rock Factory:

Alles – das Klima vor allem – es wird wärmer. Ich persönlich empfinde das als sehr angenehm. Die Menschen selbst ticken anders. Das muss ich erst mal kennenlernen. Das wird ein Lernprozess und die Zeit wird es mit sich bringen. Vom deutschen Standard werde ich mich auf jeden Fall verabschieden müssen. Die Musiker sind bereits kontaktiert. So gab es schon eine Einspielung von Christmas Songs als Metalversion. So was ist völlig unbekannt dort. Drumsticks sind ebenfalls schon da mit Namen des Drummers und des Clubs.

Time For Metal / Jürgen:

Welche Themen haben für die Rock Factory denn erste Priorität nach Deiner Ankunft?

Hasche / Rock Factory:

Die erste Woche wird der notwendige Papierkram erledigt. Das ist in Thailand nicht anders als in Deutschland. Weiterhin starten ab März diverse Umbaumaßnahmen. Momentan befindet sich noch ein Friseurgeschäft neben der Rock Factory. Der Pachtvertrag endet in diesem Monat. Anschließend wird das Geschäft entkernt und die Wand zwischen Friseur und Rock Factory entfernt. Dann haben wir die volle Größe des Clubs. Während des Umbaus läuft der Geschäftsbetrieb aber normal weiter. Wenn Konzerte stattfinden, dann entfernen wir die Bestuhlung. So finden ca. 300 Menschen Platz nach dem vollständigen Umbau. Natürlich gibt es noch viele weitere Punkte, die wir step by step angehen werden. Das sind Fragen bzgl. Ticketing, VVK, Bar, etc., Headbanging Area und Ähnliches. Das wird nicht von heute auf morgen gehen. Die thailändische Mentalität ist nicht die gleiche wie in Deutschland.

Time For Metal / Jürgen:

Dann lass uns mal in die Zukunft blicken. Gibt es bereits Planungen für Events in der Rock Factory?

Hasche / Rock Factory:

Am 19.04.2020 veranstalten wir ein kleines Festival. Freedom Call kommen als Headliner zu uns und spielen das volle Set. Weiter dabei sind Reload-X, unsere Hausband, Skeleton und Angel Venegance. Der Eintritt kostet umgerechnet ca. 6 €. Allerdings gibt es Tickets nur an der Bar. Weitere Bands werden folgen. Ein paar Namen wären Doro, D-A-D oder Core Leoni. Aber da muss ich erst mal vor Ort sein und die Zeitpläne abstimmen.
Bzgl. Übernachtungsmöglichkeiten haben wir auch Ideen. Das ist aber noch nicht spruchreif. Mehr dazu im Laufe des Jahres.

Time For Metal / Jürgen:

Wenn jemand aus Deutschland in Pattaya ist – wie findet er Dich? Muss er etwas beachten, wenn er die Rock Factory besuchen möchte? Welche Tipps hast Du für potenzielle Besucher?

Hasche / Rock Factory:

Songkran Fest ist im April. Da gibt es viel Wasser. Anstatt mit Böller feiert man in Thailand das neue Jahr mit Wasser. Das ist bei dem Klima aber okay. Also keine Angst. Mai bis Juni ist Regenzeit. Es ist bedeckt, aber über 30 Grad. Einen kompletten Regentag habe ich noch nicht erlebt. Aber überflutete Straßen kann es schon mal geben. Stromausfall kann auch mal passieren. Ein Standard wie in Deutschland ist es nicht. Wichtig: Wasser zum Kochen kommt nicht aus dem Wasserhahn – sondern aus dem Laden. Gerade für die Europäer vor Ort auf jeden Fall zu empfehlen.
Essen und Trinken: Zwei Essen beim Italiener mit Getränken kommen auf ca. 20 € in Pattaya. Thai Food ist deutlich günstiger (ca. 50%). An der Straße gibt es für kleines Geld auch für zwei bis drei Euro genügend Angebote. Ich habe bisher keine negativen Erfahrungen mit dem Streetfood gemacht. Für eine Übernachtung in Pattaya als Pärchen bezahlt man für mittleren Standard ca. 35 € (zwei Zimmer mit Pool auf dem Dach). Gehobener Standard (Villa) kostet zwischen 65 € und 80 €. Aber nicht über deutsche Reiseveranstalter buchen. Wer vorhat, zu uns zu kommen, kann auch die Rock Factory anschreiben. Wir helfen gerne.
Email: rockfactorypattaya@gmail.com

Time For Metal / Jürgen:

Vielen Dank für das Gespräch und alles erdenklich Gute wünsche ich Dir für das Vorhaben in Thailand und Deinen weiteren zukünftigen Lebensweg. Danke für Deine Arbeit und die Entwicklung der Rofa als eine der Metal Location in Germany über viele Jahre. Wer weiß, das Leben ist ja oft das berühmte Dorf – evtl. trifft man sich noch mal in Hamburg oder wo auch immer auf dieser Welt.

Hasche / Rock Factory:

Ja, vielen Dank. Wird schon schiefgehen. Wir sehen uns ganz bestimmt irgendwo.

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