Illi Hinzberg – Schlachthofromanze – Verliebt In Fury In The Slaughterhouse

Vom Fan zur "Spielerfrau"

Autor: Illi Hinzberg

Buchtitel: Schlachthofromanze – Verliebt In Fury In The Slaughterhouse

Sprache: Deutsch

Seitenanzahl: 144 Seiten

Genre: Lebensgeschichten

Größe: 19 x 12 x 1 cm

Release: 16. März 2021

Link: https://www.charlesverlag.de/schlachthofromanze/

Verlag: Charles Verlag (Bedey Media GmbH)

Buchform: Kartoniertes Buch, 13,00 €

ISBN-13: 978-3-948486-02-0

Illi Hinzberg – Quelle Charles Verlag 2021
Wer hat sie nicht, diese eine Band. Diese eine Band, der man ganz nah sein möchte. Diese eine Band, der man hinterherreist, um kein Konzert, keinen Auftritt zu verpassen. Illi Hinzberg hat auch so eine Band. Seit 1999 ist sie der deutschen Kult-Band Fury In The Slaughterhouse verfallen. Die gebürtige Hildesheimerin war da gerade erst 14 Jahre alt. Sie hätte auch Starwars– oder Hannover 96-Fan werden können, entschied sich aber für die unstete Band FITS aus Hannover. So kam es, wie es kommen musste. Ein Konzertbesuch folgt dem nächsten. Auch unter seltsamen Umständen. Der letzte Cent oder der Erlös des Familiensilbers werden in Konzertkarten oder ein Zugticket in irgendein Kuhdorf investiert. Viele Kontakte werden geschlossen und auch die Bekanntschaft zur Band lässt nicht lange auf sich warten. So kommt es auch irgendwann zu einer Begegnung Backstage. Diese persönlichen und ganz besonderen Fanmomente rund um die Furys hat Illi aufgeschrieben, nachdem sie bei der im Herbst 2017 statt findenden Fury-Akustik-Tour den Band-Blog schreiben durfte. Die durchweg positive Resonanz der Leser inspirierte sie schließlich zum Buch. Sie merkte, dass es einige Fans gab, die sich für die Geschichten interessierten.

Es ist ein Buch über das Wesen des Fantums geworden. Es hätte nach ihrer eigenen Aussage auch ein Fanbuch über Fußball, irgendeine andere Musik oder „lebend gebärende Zahnkarpfen“ werden können. Und dabei begann alles so profan. Wer hat sich nicht schon einmal die Frage als Jugendlicher gestellt, wofür er sein Taschengeld ausgibt? In Illis Fall war es die Wahl zwischen einer neuen Bad Religion-Scheibe oder einer Konzertkarte für die Furys, zu dem sie mitkommen sollte. Es sollten noch 140 Konzerte der Band folgen… Warum? Sie vergleicht es mit Sex oder einem Manhattan. Wenn man es mag, macht man es halt öfter. Schlachthofromanze. Dieses passende Wortspiel entstammt dem Bonussong Ein Zimmer der Band Kettcar, einer weiteren Liebe der Autorin. Natürlich funktioniert Fanliebe nicht ohne zu leiden. Was bei Konzertreisen durch die Republik so passieren kann, kommt in meinen Augen viel zu kurz. Konzerte, die „gefühlte 600 Grad heiß waren“ oder Treffen mit Freunden zur „Desinfektion innerer Wunden“ kommen irgendwie viel zu wenig vor.

Fury @ Krusenkoppel
Fury @ Krusenkoppel Kiel 2017

In der Tat hätte man sich auf den Konzerten der Band kennenlernen können. Fast alle von mir besuchten Konzerte der Band sind zufällig hier im Buch erwähnt. Kieler Woche 2001, Krusenkoppel 2017 (wieso schlecht erreichbar?), Flensburg 2017 mit Lars Jensen von den Speed Folkrockern Tears For Beers oder Wacken 2019 als Die Beschissenen Sechs. Fehlt nur Scheeßel und Hartenholm…

Und sonst? Humorvoll geschrieben, bleiben einzelne Wortfetzen dauerhaft im Gedächtnis. Sprüche wie „Papas Siegerspermium ist tätowiert“, „Auch Superhelden müssen mal Gassi“ oder Wortspiele wie „Wingenfelder – Finkenwerder“ bleiben in Erinnerung. Das Hardcore-Fans manchmal als „Bühnendekoration“ deklariert werden, kommt auch bei anderen Bands vor. Ebenso, dass der Kontakt und Umgang der Hardcore-Fans untereinander, und nicht nur bei Furys, als ausgesprochen gut anzusehen ist. Ebenso ist bei solchen Fangruppierungen die Loyalität zu den Supportbands symptomatisch.
Eine weitere kurze Begebenheit in dem Buch lässt für mich das Ganze noch sympathischer werden. Sie spricht mir aus der Seele, wenn sie Leute, die Akustiksongs oder gar Touren zerreißen, als „Nix-Blicker“ bezeichnet. Klar ist es Geschmackssache, aber wer sich einmal mit der Thematik auseinandergesetzt hat, wird diese Parts zumindest zu schätzen wissen.
Nach circa der Hälfte des Buches verliere ich ein wenig die Lust am Weiterlesen. Illi Hinzberg wechselt vom Fan zur „Spielerfrau“ und der offizielle Tourblog zur 2017er Tour wird komplett eingebunden. Diesen durfte sie schreiben, nachdem es zur Liebe zwischen ihr und dem Fury-Keyboarder Gero Drnek gekommen war.
Natürlich bleibt man dabei, denn ein wahrer Wälzer ist das Taschenbuch nicht.
Das Buch ist erschienen als kartongebundenes Taschenbuch und ist in jedem lokalen Buchhandel sowie bei den Online-Plattformen oder dem Charles Verlag der Bedey Media GmbH zu beziehen.
Illi Hinzberg – Schlachthofromanze – Verliebt In Fury In The Slaughterhouse
Fazit
Ein kurzweiliges Taschenbuch, das lustige Einblicke in das Tourleben einer Band und deren Fans gibt. Wahrscheinlich hätte man viel mehr hineinschreiben können, wollte aber Band oder Personen nicht diskreditieren. Macht man ja auch nicht und so lebt das Buch von dem Humor der Autorin. Wer einer Band hinterherreist, egal welcher, wird sich unabhängig von den Furys wiedererkennen. Solche oder ähnliche Ereignisse wird ein Fan von den The New Roses oder Thundermother genauso erfahren wie von Tears For Beers oder Extrabreit.
Norbert C.
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