Irrlycht – Wolfish Grandeur

Auch der Underground hat Potenzial

Artist: Irrlycht

Herkunft: Heidelberg, Deutschland

Album: Wolfish Grandeur

Spiellänge: 60:04 Minuten

Genre: Black Metal

Release: 27.08.2021

Label: Folter Records

Link: http://irrlychthorde.de/

Bandmitglieder:

Gesang – Isegrimm
Gitarre – Nordger
Schlagzeug – Goatruler

Tracklist:

  1. Belebung Ymirs
  2. Gaias Niedergang
  3. Drohende Schatten
  4. Zweige Des Zweifels
  5. Permutt – Der Lohn Des Sisyphos
  6. Wolfish Grandeur
  7. Leuchten Der Roten Stille

Seit 2004 machen Irrlycht die Black Metal Szene unsicher und das mit misanthropischem Black Metal! Begonnen hat die Geschichte mit der EP Irrlycht im Jahr 2007, der richtige Einstieg geschah dann mit dem Album Schatten Des Gewitters, der ersten Scheibe Irrlychts, im Jahr 2011. Heute dürfen wir die neue Scheibe begrüßen, welche den schaurigen Namen Wolfish Grandeur trägt und nun von Folter Records vertrieben wird. Das Label ist unter anderem bekannt dafür, kleinere Undergroundbands zu fördern und mit Irrlycht hat das Label einen absoluten Gewinn gemacht. Die gebürtigen Heidelberger spielen klassischen, menschenfeindlichen Black Metal, ganz nach der alten Schule Mayhems.

Aber nicht der norwegische Einfluss, sondern auch viele eigene Ideen spielen hier eine große Rolle, was ich sehr befürworte. Die Riffs und die Fills der Instrumente sind einzigartig und erwärmen mein Herz. Selten bin ich von Musik so schnell mitgenommen worden wie von Wolfish Grandeur! Vor allem Permutt Der Lohn Des Sisyphos spielt hierbei eine ganz wichtige Rolle. Noch nie habe ich die Stimme Gottes gehört, welche als Outro auf Orgelklängen einen atmosphärischen Text verliest. Das war der Punkt, an dem ich für mich entschieden habe, dass der Song mein Lieblingssong 2021 wird, welcher aus der dunklen Black Metal Szene kommt. Aber auch neben dieser unglaublichen, innovativen Überraschung gibt es noch viel mehr Punkte, welche bei mir Gänsehaut ausgelöst haben. Einer dieser Punkte ist die Melodieführung! Leicht mythische Klänge verzieren das Album von vorne bis hinten und deuten dadurch den eigenen Stil Irrlychts perfekt aus. Das macht das Album und den Stil der Band so unverwechselbar, was mir sehr wichtig ist. In älteren Reviews aus der Black Metal Szene habe ich oft angemarkert, dass die Melodien stark kopiert klingen und wenig bis kaum der Fokus auf einen individuellen Stil gelegt wurde. Das ist hier nicht der Fall.

Paganartige Rhythmen und Melodien lockern das komplette Stück auf und erzeugen eine Atmosphäre, wie sie vor vielen Jahren in den Wäldern der Kannibalen gewesen sein muss. Unterlegt wird diese spezielle Stimmung mit den misanthropischen Gesängen, welche Isegrim vertont und dabei lässt sich der Sänger auch nicht eines Besseren belehren – geht auch gar nicht, denn es gibt nichts Negatives über seinen Gesang zu schreiben. Die Rhythmen, Fills und das herantreibende Tempo, welches von Goatruler performt wird, sind abartig und faszinierend. Man könnte meinen, dass Neil Peart sein Vorbild wäre, denn der Virtuose spielt mit vielen schwierigen Rhythmen, als ob das sein tägliches Brot wäre. Man hört keine Stelle heraus, an der man zweifeln könnte, keine Stelle, an der es langweilig ist. Das Ganze wurde gut überlegt und geplant! Das erwarte ich aber auch mindestens, denn die letzte Langspielplatte wurde vor zehn Jahren veröffentlicht, wenn danach nicht gut Überlegtes und Gutes dabei rumgekommen wäre, wäre ich schon sehr enttäuscht gewesen. Also auch hier wurden meine Erwartungen absolut erfüllt. Aber auch hier sind dann nicht die Gitarren zu vernachlässigen. Nordger spielt hier Unglaubliches zusammen und legt auch hier ein spezielles Augenmerk auf die Abwechslung, auf erdrückende Melodien und vor allem auf eine Stimmung, welche den Hörer nicht zum Weinen veranlasst, dafür aber eine dicke, schwarze Decke über den Hörer legt – ihn damit erdrückt. Oft ist es leider der Fall, dass die Gitarren sich irgendwo wiederholen und das Ganze relativ schnell langweilig wird, aber hier wurde auch mit genügend Talent und Erfahrung dafür gesorgt, dass dies nicht der Fall ist.

Über das ganze Album hinweg war ich wie in einem Tunnel. Mich hat das Album in die Arme genommen und nicht mehr losgelassen – kann es dann überhaupt Kritikpunkte geben? Leider muss auch hier die Frage mit Ja beantwortet werden. Leider ist es so, dass an manchen Stellen der Song etwas überladen klingt und manche Instrumente einfach untergehen. Setzt beispielsweise die Orgel bei Leuchten Der Roten Stille ein, rücken die Drums in den Hintergrund und man hört nur noch das massive Bassdrumgeballer. Bei anderen Songs kommt mir die Stimme etwas zu viel bearbeitet vor. Dauerhaft hört man die Vocals klar und deutlich, an manchen Stellen sind diese einfach viel zu verwaschen, das kann natürlich auch ein gezieltes Stilmittel sein, aber da war mir das ständige Hin- und Hergespringe einfach zu viel und zu inkonstant. Trotzdem ist das Album Spitzenklasse und ich freu mich auf ein weiteres Werk von Irrlycht, in dem dann die Perfektion noch mehr durchkommt, als sie es nicht eh schon tut.

Irrlycht – Wolfish Grandeur
Fazit
Es ist ein klasse Album, mit ein paar wirklich wenigen - ich will nicht sagen Fehlern - aber Unfeinheiten. Für Black Metal, atmosphärischen Black Metal Fans ist das Album absolut etwas und ich finde es schade, dass eine Undergroundband mit so einem hohen Talent noch nicht mehr Fans bekommen hat und noch im Underground lauert, aber Irrlychts Zeit wird noch kommen, davon bin ich überzeugt.

Anspieltipps: Gaisas Niedergang, Permutt – Der Lohn Des Sisyphos und Wolfish Grandeur
Paul M.
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