Lionheart – Welcome To The West Coast II

“Wahrer Traum oder reine PR Nummer?!“

Artist: Lionheart

Herkunft: Oakland, Kalifornien

Album: Welcome To The West Coast II

Spiellänge: 25:24 Minuten

Genre: Hardcore

Release: 10.11.2017

Label: BDHW Records

Bandmitglieder:

Gesang – Rob Watson
Gitarre – Evan Krejci
Gitarre – Rob McCarthy
Bassgitarre – Travis Pacheco
Schlagzeug – Jay Scott

Tracklist:

01. Cali Stomp
02. Still Better Still Cold
03. Shelter
04. Cursed
05. Trial By Fire
06. Vultures
07. Unhinged
08. Thirty Years
09. Treading Water
10. LHHC ‘17

Abschiede von Bands sind immer sehr schmerzvoll für deren Anhänger, doch manchmal kommt es dann doch anders, als man es vielleicht erwartet hätte. So war es wohl auch für alle Hörer der Band Lionheart der Fall, welche nach nicht einmal einem Jahr nach Bekanntgabe der Auflösung bereits wieder mit einem neuen Album Welcome To The West Coast II die Gemeinde begrüßen durften. Während vermutlich für Hardcore Fans, des Genres als auch der Band, ein Traum in Erfüllung ging, erschien es für mich eher starke PR Nummer, die man sich eigentlich auch echt hätte sparen können. Ob man nun wirklich dachte, alles sei vorbei und man habe sich nur geirrt? So ganz erscheint das zwar unwahrscheinlich, dennoch sind Lionheart zurück und zum Jahresende wird es nun auch endlich mal für mich Zeit zu schauen, ob denn nun dieser große Trubel um die Band sich zumindest auch musikalisch lohnt. Mit zehn Tracks weist das Album eine geringe Länge von knapp 25 Minuten auf, wodurch es zumindest auf den ersten Blick kurzlebig erscheint. Das Album ist natürlich, wie der Name es auch schon verrät, der Nachfolger zu Ihrer 2014 erschienenen EP Welcome To The West Coast. Also kurz und schmerzlos oder doch eher schmerzvoll?

Der Opener Cali Stomp ist genau das, was man von Lionheart am Anfang auch erwartet, nämlich ein Intro ganz ähnlich vom Stil wie zu The Will To Survive. Dieses Intro nutzt man dann auch gleich, sich für die kleine Pause zu entschuldigen. Nun, zumindest reden die Jungs da nicht um den heißen Brei herum und begrüßen die Zuhörer mit dem, was sie am besten können: Tiefe Gitarren – Musik, die zum Moshen nur so einlädt, sich technisch ohne Makel zeigt, dafür jetzt aber auch nicht sonderlich Neues hervorbringt. Eine Tatsache, welche sich bereits in Still Bitter Still Cold abzeichnen lässt. Ja, Lionheart zeigen, sie haben in den paar Monaten Abwesenheit nichts wirklich verlernt, aber erfinden jetzt ihren Hardcore auch nicht neu. Wenn man da an die neuste Platte der Hardcore Kollegen Stick To Your Guns denkt, so ist doch der musikalische Fortschritt sowie die enthaltene Vielfalt eindeutig – eben beides nicht ganz gegeben, wobei man sich natürlich auch fragen muss, inwieweit True View von Stick To Your Guns noch Hardcore ist.

Ganz so negativ, wie es sich jetzt hier eventuell anhört, zeigt sich Welcome To The West Coast II gar nicht, vielleicht hatte man bzw. ich aber zumindest mit Veränderungen nach solch einer Pause gerechnet. Trial By Fire zeigt sich mitunter als einer der stärksten Songs, weil er einfach alles zu verbinden scheint, was das Genre und auch Lionheart, die man durchaus als Pioniere in diesem Gebiet sehen kann, ausmacht. Gar nicht lange drum herum reden, sondern anhören.

Shelter dagegen zeigt sich dann doch musikalisch ein wenig anders – immer noch Hardcore, sticht aber dennoch aus der Masse heraus. Unhinged und Thirty Years bilden direkt hintereinander ein Duo, welches wohl auch zusammen gehört werden sollte, denn so können beide Songs unglaublich profitieren. Hier stimmt einfach das Konzept und theoretisch hätte man auch einen Song draus machen können. Die kurze Länge der Songs zeigt sich insgesamt nicht als sonderlich störend, so hat man meiner Meinung nach als Zuhörer noch stärker das Gefühl, hier puren Hardcore präsentiert zu bekommen, der sich eben einfach schnell von den Gitarren löst und los preschert.

Umso schneller kommt man dafür aber auch schon am Ende an, welches mit LHHC ’17 natürlich die 2017 Variante/Version von LHHC (auf der erwähnten EP Welcome To The West Coast zu finden) liefert und es hier noch einmal schafft an alte Zeiten zu erinnern, und gleichzeitig die Neuen zu begrüßen. Bei dem Song darf dann auch JJ Peters von DEEZ NUTS vorbeischauen, um noch einmal einen kleinen Pluspunkt ganz zum Schluss für die Jungs von Lionheart einzusacken. Kurz, schnell und auf die Fresse – so geht Lionheart einfach!

Fazit: Am Ende von Welcome To The West Coast II bleibt vielleicht die Frage, was man denn am Anfang so erwartet hat. Ein ganz neues Lionheart? Ein wenig denke ich gerade an Asking Alexandria, die zwar keine Pause hatten, aber wieder zu ihrem alten Frontmann zurückgekehrt sind und nun am 15. Dezember ein Album veröffentlichen werden, welches sich dann doch ein wenig anders zeigt als die Platten bisher - die Auskopplungen haben so viel bereits verraten. Lionheart zeigen jedoch, dass Pausen nicht zwingend zu Veränderungen führen und sie sich und ihren alten Werken vollkommend treu bleiben - für mich persönlich vielleicht eine Spur zu treu, hätte doch etwas mehr Vielfalt zu stärkerem Interesse an der Platte selbst und der Band geführt. Wer aber Hardcore mag und Lionheart bisher immer mochte, macht auch mit diesem Teil nichts falsch, sondern wird sehr viel Spaß haben. Es ist eben Lionheart und bleibt auch Lionheart.

Anspieltipps: Cursed, Trial By Fire, LHHC'17
Anabel S.7
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