Memoriam – To The End

Memoriam kommen noch lange nicht zum Ende

Artist: Memoriam

Herkunft: Birmingham, England

Album: To The End

Genre: Death Metal

Spiellänge: 44:46 Minuten

Release: 26.03.2021

Label: Reaper Entertainment

Link: https://www.facebook.com/Memoriam2016

Bandmitglieder:

Bass – Frank Healy
Drums – Spike T Smith
Guitars – Scott Fairfax
Vocals – Karl Willetts

Tracklist:

  1. Onwards Into Battle
  2. This War Is Won
  3. No Effect
  4. Failure To Comply
  5. Each Step (One Closer To The Grave)
  6. To The End
  7. Vacant Stare
  8. Mass Psychosis
  9. As My Heart Grows Cold

Auch Memoriam sind im Coronajahr mit einem neuen Album am Start. To The End nennt sich ihr neues Werk und ist bereits das vierte Album der Briten, die sich 2016 aus der Asche von Bolt Thrower und dem Blut von Benediction erhoben.

Der Hintergrund der Entstehung der Band ist ja leider ein trauriger Anlass. Nach dem plötzlichen Tod von Bolt Thrower Schlagzeuger Martin ‘Kiddie’ Kearns im September 2015 entschied sich der Rest der Band nach diesem tragischen Ereignis vorerst eine Pause einzulegen, später wurde das Ende der Band bekannt gegeben. Sänger Karl Willetts wollte etwas Neues wagen. Zusammen mit Bolt Thrower Drummer Andy Whale und den beiden Benediction Musikern Frank Healy (Bass) und Scott Fairfax (Guitars) gründete er Memoriam. Im März 2017 wurde bereits der erste Longplayer mit dem Titel For The Fallen bei Nuclear Blast veröffentlich. Es folgten im jährlichen Abstand beim gleichen Label The Silent Vigil (2018) und Requiem For A Mankind (2019). Nun nahm man sich zwei Jahre Zeit und es folgte ein Labelwechsel von Nuclear Blast zu Reaper Entertainment. Drummer Andy Whale wurde durch den der Band nahe stehenden Spike T Smith (Sacrilege) ersetzt. Zum Ausscheiden gibt es zwei verschiedene Versionen. In einigen Statements im Netz heißt es, dass er aus familiären Gründen ausgeschieden sei. Das beiliegende Promosheet sagt aus, dass er aus gesundheitlichen Gründen pausiert. Es wäre schön, wenn er irgendwann wieder am Start wäre.

Reaper Entertainment hat To The End am 26.03.2021 veröffentlicht. Das Artwork des Covers stammt, wie bei den Vorgängern auch, vom Kultkünstler Dan Seagrave, der die Werke von Memoriam neben der Musik auf den Alben unverkennbar macht!

Memoriam werden sich aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte wohl immer mit Bolt Thrower messen lassen müssen. Aus meiner Sicht eigentlich ein recht unfairer Vergleich. Nun ja, so sind viele Fans halt. So musste ich in der Vergangenheit immer wieder hören. Bolt Thrower ja, aber Memoriam ich weiß nicht.

Ich selbst war von den ersten Outputs von Memoriam immer angetan. Dabei habe ich auch nie einen Vergleich zu Bolt Thrower vollzogen. Vergleiche finde ich nicht unbedingt gut und angemessen. Und trotzdem will ich hier einen Vergleich bring: Memoriam sind genauso fannah wie Bolt Thrower einst waren. Das durfte ich bereits selbst erleben.

Und klar, da ist diese im Old School Death Metal unverwechselbare Stimme von Karl Willets, der eben auch Bolt Thrower zu dem gemacht hat, was sie wurden. Eine Stimme, die markant ist und im Death Metal halt zählt. Eine unverwechselbare Stimme, wie sie auch vielleicht Martin Van Drunen von den kultigen Niederländern Asphyx hat, aber eben auch anders. Daher auch hier keinen Vergleich. Martin Van Drunen war sogar mal kurzzeitig bei Bolt Thrower, da schließt sich dann auch wieder der Kreis, aber lassen wir das.

Hier geht es um Memoriam und ihr Album To The End. Ein Titel, der eine Menge Aussagekraft hat. Im Falle von Memoriam zeigt es sich, dass diese Band noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht wird. Memoriam ist eine noch recht junge Band mit erfahrenen Musikern, die in ihrer Karriere bereits große Fußstapfen hinterlassen haben, von denen der Old School Death Metal Nachwuchs noch einiges lernen kann.

Im Falle von To The End merkt man die Zeit, die sich die Band für das Songwriting gelassen hat. Die Songs wirken sehr ausgereift. Die fehlenden coronabedingten Auftritte wurden genutzt, um eben das Songwriting voranzutreiben. Das ist meines Erachtens auf To The End hervorragend gelungen. Nun dürften Memoriam mit To The End auch die ewigen Zweifler verstummen lassen, denn diese Platte ist einfach nur unwiderstehlich.

To The End ballert Memoriam nun endlich aus dem übermächtig erscheinenden Schatten, der durch die Vorgängerband auf ihr liegt, heraus. Wer mit diesem Album Memoriam als eigenständige Band nicht wahrnehmen will, dem ist einfach nicht zu helfen. Hier kann ich einfach nur entgegnen: „Shut up your mouth and play your guitar“. Ach, das ist jetzt ein Frank Zappa Titel, wieder was ganz anderes. Aber ihr ewigen Kritiker – jetzt verstummt doch endlich und haltet den von Zappa genannten Körperteil! Um es mit dem Titel einer anderen, nicht aus dem Metal kommenden Künstlerin zu sagen: To The End ist die nicht die Emanicaption Of Mimi, sondern die Emancipation Of Memoriam.

To The End ist Old School Death Metal mit erbarmungslos sägenden Riffs und einem unheimlichen, fast monströsen Groove, der wohl jeden Death Metal Fan mitnimmt. Dazu diese unverwechselbare und erbarmungslose Stimme von Karls Willets. Das Quartett setzt auf To The End eine Death Metal Kriegsmaschinerie in Gang, die alles erbarmungslos niederwalzt.

Funksprüche leiten den Opener Onwards Into The Battle ein. Bomber des Death Metals werfen ihre zerstörerische Ladung ab. Ein Heer an Panzern des Death Metals folgt. Von nun an ist kein Halten mehr. Unablässig treiben Memoriam diese Kriegsmaschinerie voran. Wenn ich da an diese Papp-Panzer der S Band denke, deren Name immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen bei den Metal Fans führt, könnte ich fast in die Hose pullern.

Memoriam sind authentische Death Metaller und halt keine Power Metal Kirmestruppe. Memoriam nimmt man das Szenario ab. Bei Memoriam wird aus allen Rohren geballert, wie das anschließende This War Is Won zeigt. Da braucht die Band überhaupt keine anderweitigen Effekte wie No Effect zeigt.

Oder doch etwa? Mit Failure To Comply kommt sogar etwas Industrial Sound auf. Das folgende Each Step (One Closer To The Grave) ist dem Untergang geweiht und ein unheimlich doomiger Song. Aber keine Angst Memoriam bleiben ihrem Death Metal Gewand weitgehend treu, wie es der Titelsong To The End (mit ebenfalls doomiger Attitüde) und das anschließende Vacant Stare zeigen. Auf Mass Psychosis wird kurz noch einmal die Industrial Keule hervorgeholt, bevor das abschließende As My Heart Grows Cold den Hörer in epischer Breite aus diesem Schlachtfeld entlässt!

Memoriam – To The End
Fazit
Memoriam legen mit To The End ein überragendes 2021er Old School Death Metal Album vor. Sie bewegen sich auf ihrem Schlachtfeld auf sicherem Terrain und lassen Scharfschützen aus Industrial und Doom eingreifen. Memoriam dürften mit diesem Album ihre Kritiker nun endlich niedergewalzt haben!

Anspieltipps: This War Is Won, Each Step (One Closer To The Grave) und Mass Psychosis
Juergen S.
9.8
Leser Bewertung3 Bewertungen
9.9
9.8
Punkte
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