Messa – Close

Vier Jahre mussten wir auf die Rückkehr des scharlachroten Dooms warten

Artist: Messa

Herkunft: Cittadella (Padua), Italien

Album: Close

Genre: Scarlet Doom Metal

Spiellänge: 64:42 Minuten

Release: 11.03.2022

Label: Svart Records

Link: https://www.facebook.com/MESSAproject

Bandmitglieder:

Schlagzeug – Mistyr
Gitarre – Alberto
Gitarre, Bass – Mark Sade
Gesang – Sara

Tracklist:

  1. Suspended
  2. Dark Horse
  3. Orphalese
  4. Rubedo
  5. Hollow
  6. Pilgrim
  7. 0=2
  8. If You Want Her To Be Taken
  9. Leffotrak
  10. Serving Him

Messa aus Italien zelebrieren ihre dritte Messe mit ihrem dritten Album Close. Close ist das erste Album der Band nach ihrem Labelvertrag beim finnischen Kult-Label Svart Records. Dort ist es ab dem 11.03.2022 als CD und auf Black Vinyl erhältlich. Zusätzlich wird noch eine limitierte Vinylausgabe in Gold für die Vinylsammler erhältlich sein.

Erstmals aufmerksam geworden bin ich auf diese besondere italienische Doomband um Frontfrau Sara mit ihrem letzten Album Feast For Water (2018), dem Nachfolger ihres Debüts Belfry (2016). Feast For Water hatte mich 2018 so richtig begeistert, umso mehr hat es mich erfreut, als ich erfahren habe, dass diese sympathische Band nun ihr drittes Album veröffentlichen wird.

Wer die Band noch nicht kennen sollte: Messa ordnen sich dem Scarlet (Übersetzung: scharlachrot) Doom zu, wobei ich jetzt keine weitere Band wüsste, die sich diesem Subgenre zuordnet. Ich würde dann auch dem, was Messa machen, den Stempel eines Alleinstellungsmerkmales aufdrücken. Es ist ein recht progressiver und jazziger Doom mit Ambient und Drone Einschlägen, den uns Messa servieren. Auf Close sind erneut Einflüsse von Jazz und Prog Metal/Rock und auch Oriental Folk zu hören. Und irgendwie wirkt das Ganze dann auch wieder extrem cool.

Natürlich ist auch auf Close die Grundsequenz geblieben, ein grundlegend schwerer Sound, voller Geheimnisse und Mystik, der durch die eingewebten, jazzigen und progressiven Einflüsse experimentell/progressiv wirkt. Das Quartett verströmt eine faszinierende Magie.

Der Opener Suspended ist genau das, was wir von Messa erwarten. Schwer und langsam. Der Song eröffnet fast wie eine Sanctus Messa / eine heilige Messe. Der tolle Klargesang von Sara, dazu massive Riffs. Ein Song zum Niederknien und Anbeten des Dooms!!! Da fließt das Blut dick und zäh durch die Adern. Nach fünf Minuten eine Jazzgitarre, der Irrsinn. Ich hätte jetzt beinahe gesagt, die Stunde der Geburt des Velvet Dooms, wenn ich es nicht besser wüsste, denn ich durfte ja bereits zum letzten Album ein Review machen (hier nachzulesen).

Mit Dark Horse kommt fast so etwas wie eine Raserei auf Close auf. Einen wesentlich schnelleren Lauf hat dieser Song. Den besonderen doomigen Touch bekommt Dark Horse meines Empfindens nach erst durch Saras Stimme. Glöckchen leiten uns aus diesem Song hinaus.

Ein Saxofon stimmt uns in Orphalese ein. Mit einem betörenden Spirit setzt dann Sara ein. Erstmals ertönen auch orientalische Klänge. Ein Song, der den Hörer einfach nur so dahinrafft und ihn mit einer orientalisch anmutenden Zeremonie betört.

Mit leichter disharmonischer Untermalung kommt Rubedo daher und zwingt den Hörer in die Knie, bevor es zu einem regelrechten Gitarrenexzess kommt. Massiv und dominant ist Rubedo, der Song knallt einfach, bevor er sakral endet. Mit Hollow gibt es ein kurzes, nur ca. eineinhalbminütiges orientalisches/folkloristisches Intermezzo.

Pilgrim nimmt diese Klänge auf und führt zu einer doomigen Karawane, bei der Sara am Abendhimmel als Muezzin (gibt es eigentlich eine weibliche Form dieses religiösen Rufers?) uns mit ihren Rufen führt. Dies sind jedoch nur die ersten drei Minuten, dann folgen massive, tödliche doomige Riffs. Und immer wieder diese Frontfrau, die ihre Stimme entsprechend anpassen und den Songs eine andere Wendung geben kann. Zehn Minuten machen diesen aberwitzigen Song aus. Nein, ich knie mich jetzt nicht schon wieder hin und bleibe einfach erschöpft und voller Ehrfurcht liegen. Schaut euch das Video mit den headbangenden Frauen in der Wüste zu diesem betörenden Song doch einfach mal an!

Noch ein Stück länger ist 0=2, der mit lang anhaltenden Geräuschen beginnt, bevor eine (folkloristische) Gitarre einsetzt. Dann erhebt sich Sara wie eine Gestalt aus irgendwelchen nebeligen Wäldern. In der Mitte des Songs vernehmen wir Sequenzen, wie man sie von King Crimson wohl am ehesten kennt. Der Song wird zu einem Post Prog Doom, was auch immer Song, zu dem das irre werdende Saxofon gegen Ende hin wie die Faust aufs Auge passt.

Sehr getragen, fast wie eine Ballade (und das im Doom!?) kommt If You Want Her To Be Taken daher, bevor der Song zum Ende hin vollkommen abhebt. Hier leistet die Rhythmusfraktion einmalige Arbeit.

Mit Leffotrak gibt es nun sogar ein kurzes Sludge-anmutendes Intermezzo, bevor mit Serving Him ein okkult geprägter Song diese doch sehr geile Platte abschließt. Sara dürfen wir hier noch einmal mit ihrem großartigen Gesang wahrnehmen. Sie zeigt, dass sie stimmlich gewiss zu den Hohepriesterinnen des Doom Metals gehört. Alberto kann an der Lead Gitarre noch einmal ganz groß auftrumpfen.

Messa werden in diesem Frühjahr eine kleine Tour, auch durch deutsche Lande, zelebrieren. Das werde ich mir auf keinen Fall entgehen lassen, zu sehen, wie sie das live umsetzen.

Messa – Close
Fazit
Messa sind mit ihrem Scarlet Doom nach vier Jahren endlich wieder zurück. Vergleiche mit anderen Bands sind in diesem Falle überhaupt nicht obsolet. Messa ziehen mit Close ihre eigenen Kreise an der Doom Umlaufbahn. Dabei scheinen sie bereits den höchsten Punkt am Doom-Firmament erreicht zu haben.

Anspieltipps: Suspended, Orphalese und Pilgrim
Juergen S.
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