Mister Misery – Unalive

Untote leben länger?

Artist: Mister Misery

Herkunft: Stockholm, Schweden

Album: Unalive

Spiellänge: 38:03 Minuten

Genre: Alternative Metal, Modern Metal

Release: 04.10.2019

Label: Arising Empire Records, Contra Promotion

Links: www.mistermisery.com
www.facebook.com/mistermiseryband/
www.instagram.com/mistermiseryband

Produktion: Mister Misery, Videoproduktion von Patric Ullaeus

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Harley Vendetta
Gitarre – Alex Nine
Schlagzeug – Rizzy
Bassgitarre – Eddie Crow

Tracklist:

  1. The Blood Waltz
  2. You And I
  3. Tell Me How
  4. My Ghost
  5. Legion
  6. Dead Valentine
  7. Alive
  8. Rebels Calling
  9. Stronger
  10. Live While You Can

Debütalben sind in jeder Hinsicht immer etwas Besonderes. Vor allem in Zeiten, in denen alle musikalischen Räder bereits erfunden sind und jede Band versucht, sich trotz dieser Tatsache irgendwie vom Gros abzuheben. So sind auch die Schweden Mister Misery mit ihrem Debüt Unalive angetreten, diese Herausforderung zu meistern und einen wie auch immer gearteten Unterschied präsentieren zu können. Mister Misery sind 2018 aus den dunklen Gassen Stockholms emporgestiegen und deren Erstling darf nun am 04.10.2019 via Arising Empire das Licht der Welt erblicken.

Wir dürfen dieser Tage zunehmend beobachten, dass sich etablierte aber neuere Bands der Metal Szene nicht allein über ihre Musik vermarkten, vielmehr geht der Trend in Richtung Gesamtkunstwerk. Hier spielen Bühnenoutfit oder in Teilen abstrus wirkende Charaktere eine immer wichtigere Rolle. Dies soll die Musik vermutlich zusätzlich unterstützen und den Hörer nicht nur auditiv, sondern auch visuell stimulieren. Die ganze Palette der Social Media Instrumente zwingt einen quasi auch dazu. Wer sich hier nicht platziert, verliert ohne Zweifel den einen oder anderen potenziellen Interessierten. Ob man das nun gut oder schlecht empfindet, sei jedem selbst überlassen. Mein Fokus richtet sich primär auf die Musik, also rein auf das auditive Erlebnis, ohne dabei ein YouTube Video anzuschauen.

Tja, dann entpuppt sich die Musik von Mister Misery im Prinzip von Beginn an als buntes Potpourri aus den Bereichen Nu Metal, Metalcore und Alternative Metal, der nicht selten den Charme der amerikanischen Nu Metal Szene in sich trägt. Das klingt zunächst vielsagend, führt dann aber eben dazu, dass wir diese Musik bereits tausendfach zur Kenntnis nehmen durften.

Eines sticht in den Kompositionen indes hervor, die sehr juvenil klingenden Vocals von Harley Vendetta markieren so etwas wie einen Aha-Effekt. Warum? Also nicht wegen der hervorragenden Gesangstechnik, vielmehr wegen der schrillen und eben sehr pubertären Aufdringlichkeit. Die Smashing Pumpkins konnten sich seinerzeit ebenfalls über solche Elemente Gehör verschaffen. Nur, und das ist weniger aufsehenerregend, dieser angewandte Stil bringt insgesamt auf Unalive wenig Abwechslung mit sich. Das gesamte Songwriting baut auf dieser Strategie auf.

In der illustren Aneinanderreihung der zehn Songs ragt deshalb auch nur My Ghost heraus. Das, was nach Stephen Kings Pennywise klingt und in den Keyboards farbenfroh nachgezeichnet wird, ist zwar witzig dargeboten, aber eben nicht wirklich nachhaltig. Wenn wir den Maßstab Ernsthaftigkeit und Kreativität anlegen, so kann Live While You Can dann bei mir punkten. Der Schlusstrack überzeugt mit Eingängigkeit und technischer Raffinesse. Das klingt mehr nach Metal, besitzt mehr Seele und das Songwriting orientiert sich im Wesentlichen an stringent nachvollziehbaren Harmonien.

Das hört sich jetzt alles nicht wirklich positiv an, deshalb sei an dieser Stelle erneut betont, dass auch Mister Misery als Musikschaffende höchsten Respekt verdienen. Schnell hat man ge- und auch beurteilt, ohne die Kreativität zu würdigen. Mister Misery können was an ihren Instrumenten und stehen mit Sicherheit auch hinter ihren Kompositionen. In technisch-instrumenteller Hinsicht vermag Unalive auch unter Hinzuziehung modernster Gimmicks zu überzeugen, die Produktion jedoch klingt etwas steril und frostig. Allerdings ist dies ein Debütalbum, an das sich die Band selbst für weitere Aufgaben immer wieder erinnern wird. Das, was ich auf Unalive als eigenwillig bezeichne, dürfte mit den Jahren vielleicht auch zu eigener Identität reifen. Mister Misery dürfen sich in Zukunft deshalb gerne noch etwas mehr zutrauen.

Mister Misery – Unalive
Fazit
Mister Misery präsentieren sich mit Unalive wie ein sehr modern strukturiertes Kaufhaus. In den Regalen ist für die aufstrebende junge Generation des Alternative Metal alles dabei. Es würde mich deshalb auch nicht wundern, wenn Mister Misery eine stattliche Anzahl von Followern bekommen würden. Old School Liebhaber des Metal werden den Weg in dieses Kaufhaus jedoch nicht finden, da für diesen Personenkreis dann am Ende zu wenig Authentizität und Beständigkeit vorhanden ist.

Anspieltipps: My Ghost und Live While You Can
Peter H.
6.8
Leserwertung1 Bewertung
5
Pro
Contra
6.8
Punkte
Weitere Beiträge
Rising Insane – Porcelain