Festivalname: Rock Im Park 2025
Bands: Nothing More, Kittie, Still Talk, Kris Barras Band, Skillet, Imminence, Defects, Teen Mortgage, Spiritbox, Me First And The Gimme Gimmes, Evil Jared X Krogi, Spiritual Cramp, Bullet For My Valentine, Airbourne, Holy Wars, Grade 2, Heaven Shall Burn, Future Palace, Trophy Eyes, Kontra K, In Flames, Northlane, Superheaven, Seven Hours After Violet, Sim, Slipknot, Rise Against, Smash Into Pieces, Zebrahead, SDP, Millencolin, Turbostaat, Touche Amore, Dead Poet Society, Fit For An Autopsy, Zetra, The Warning, Polaris, I See Stars, Idles, Jerry Cantrell, Amira Elfeky, The Red Flags, Jinjer, Wowws, Leftovers, Beatsteaks, The Ghost Inside, Deafheaven, Pain Of Truth, Falling In Reverse, Lorna Shore, Whitechapel, Drug Church, Avia, Korn, Powerwolf, Thrown, Terror, Massendefekt, Deine Cousine, Sleep Token, Stray From The Path, ZSK, Brutalismus 3000, Roy Bianco, Sportfreunde Stiller, House Of Protection, Knocked Loose, Frog Leap, Christin Nichols, Unpeople, Tulpe, Weezer, Myles Kennedy, Die Nerven, Survive Said The Prophet, Mia Morgan, Lolo, Poppy, A Day To Remember, Soft Play, Fjort, Frank Turner & The Sleeping Souls, Drangsal, Static Dress, Biffy Clyro, Feine Sahne Fischfilet, Destroy Boys, Nasty, Adam Angst, Fleshwater, Bring Me The Horizon, The Prodigy, Olli Schulz & Band, Creeper, Tocotronic, K.I.Z., Boston Manor, Electric Bassboy
Ort: Nürnberg, Zeppelinfeld
Datum: 06.06. – 08.06.2025
Kosten: Drei-Tages-Ticket ca. 320 Euro
Genre: Rock, Metal, Rap, Ska, HipHop
Veranstalter: PRK DreamHaus
Link: https://www.rock-im-park.com/
Ungewohntes Bild beim 30-jährigen Rock Im Park-Jubiläum am Pfingstwochenende – Regencapes und Gummistiefel statt Flip-Flops und Sonnenbrillen. Seit unserer regelmäßigen Berichterstattung in den letzten drei Jahren vom Nürnberger Kult-Rock-Event ist es das erste Mal, dass sich Regen übers Gelände breit macht und zum Teil für einige Matschkuhlen auf den Wegen sorgt.
Zudem sorgen 88.500 Fans aus nah und fern für lange Anfahrtswege, Staus und Warteschlangen in und um das Festival. Auch am Anreisetag sei es schon, laut den Besuchern, „leicht chaotisch bei Parkplatz- und Campingsuche“ gewesen.
Doch trotz des Regens lassen wir uns – so wie die meisten der Besucher – nicht die Laune verderben und steigen mit Bullet For My Valentine in den Rock Im Park-Festivalfreitag um 17:35 Uhr ein. Zugleich stelle ich mich bei der Signing-Session für Imminence an – die erste Neuheit seit den letzten Jahren. Bisher gab es keine Autogrammstunden auf dem Rock Im Park. Eine zweite Neuheit ist die Atmos-Stage, die wohl mehr Atmosphäre verschaffen soll, und etwas abseits vom Gewimmel liegt. Leider schaffen wir es bei den Spielzeitenüberschneidungen nicht, auch dort mal eine Band zu genießen. Leider. Unpeople oder Fjort wären auf jeden Fall interessant gewesen. Ob viele Besucher die vierte Bühne überhaupt wahrgenommen haben, scheint dahingestellt. Es ist schon immer mit drei Bühnen schwierig, rum zu kommen. Mit vier wird das schlichtweg unmöglich.

Bullet For My Valentine glänzen wie gewohnt mit Spielfreude und schicken ein „Fuck you Weather“ nach oben. Leider ohne Erfolg. Aber die Fans machen wie gewohnt gute Stimmung und feiern eine Stunde Songs wie Tears Don’t Fall, 4 Words, Hit The Floor oder All These Things I Hate (Revolve Around Me). Matthew Tuck und seine Jungs begeistern mit ihrem Jubiläums-Set zum 20-jährigen Bestehen von ihrem Debütalbum Poison.
Danach zieht es uns in die Halle, die Orbit-Stage, die gut gefüllt ist. Keine Geringeren als Future Palace sind dort ab 18:15 Uhr Start. Sie müssen zwar ihre Spielzeit mit Größen wie Bullet For My Valentine oder Heaven Shall Burn teilen, trotzdem ist die Halle voll – und Sängerin Maria wohl mehr als positiv überrascht. Der zierlichen aber powervollen Sängerin ist es sehr wichtig, ihre Message unters Volk zu bringen: gegen fehlende Gleichberechtigung der Frauen, Genozide, sexualisierte Gewalt oder auch Depressionen – die jahrelang selbst ein Teil von ihr waren, und die sie, auch durch die Musik, bewältigen konnte.

Ein Vorbild für uns alle – und auch die Songs sind immer wieder wahre Knaller. Und bei Malphas, A Fool On A Devil’s Reins, Uncontrolled, Defeating Gravity und Paradise kann keiner ruhig stehen bleiben und auch der Pogo bleibt nicht lange aus. Ein 45-minütiges Megaset, wie immer! Positiv bin ich von dem Sound überrascht, der draußen wie drinnen sehr gut ist.
Bevor um 19:55 Uhr In Flames auf dem Programm stehen, schauen wir uns von oben noch Heaven Shall Burn die letzte halbe Stunde an. Nicht nur, dass die Thüringer Glück mit dem Wetter haben, sie zeigen an diesem Tag mal wieder, wo die Messlatte liegt. Der Platz ist übervoll und die Fans feiern mit den Metalcore-Heroen ihr neues Album Heimat sowie natürlich Kracher wie Bring The War Home, Übermacht, Endzeit, Voice Of The Voiceless oder Black Tears.

In Flames schlagen in die gleiche Bresche wie ihre Kollegen davor und in gewohnter Melodic-Death-Metal-Manier hauen sie ihre bekanntesten Songs gleich schon am Anfang raus: Cloud Connected, Trigger, Only For The Weak oder PinballMap. Neuere Songs wie The Great Deceiver, In The Dark, The Mirror’s Truth, I Am Above oder Take This Life dürfen natürlich auch nicht fehlen. Anders Friden und seine Jungs sprühen vor Spielfreude und loben die Treue der Fans zur Band – und das schon seit vielen Jahren. Zugleich warnen sie aber vor der „Crazy World“ und dass sie „nett und freundlich miteinander umgehen sollen“ und natürlich viel Durchhaltekraft „für drei oder vier Festivaltage“ – auch in Bezug auf das regnerische Wetter. Starke Worte einer starken Band. Und das schon seit 35 Jahren.

Als Abschluss des Tages sind wir bei RiseAgainst, die die Mandora Stage um 21:35 Uhr entern. Zeitgleich sind Headliner Slipknot auf der großen Bühne, aber da Rise Against noch Neuland für uns sind, haben wir uns für die Jungs aus Chicago entschieden. Und haben es auch nicht bereut. Was für eine Stimmung hat die Band von Anfang an verbreitet. Dass es immer wieder regnet, stört kaum, es wird gemosht, gepogt und das Publikum singt textsicher jede Zeile mit. Sänger Tim McIlrath fasziniert mit seiner Aura und seinem Gesang und einer wahren Fanbase, die eine Stunde und zwanzig Minuten vor ihm begeistert dabei ist. Auch ich werde von der tollen Stimmung mitgezogen und feiere mit den Fans Songs wie The Violence, Give It All, I Want It All, Satellite oder Ready To Fall.
Besonders die Akustik-Nummern Hero Of War und Savior berühren die Menge sowie Tims Worte, wie toll die Metalgemeinschaft ist, welch tolle Energie er von ihr empfängt und wie wichtig und wertvoll jeder Einzelne ist. Feuersäulen und Glitzerregen umhüllen die Bühne und lassen das Set förmlich leuchten. Welch schöner Abschluss des ersten Tages für uns auf dem Rock Im Park.
Nach Rise Against dürfen noch SDP von 23:30 Uhr bis 1 Uhr den Abend beschließen, das sie auch würdig vor einer großen Menschenmenge tun. Mit ihrem gekonnten Pop/Rock Mix können sie die Fans begeistern und feiern bereits „Best Of 25 Jahre SDP“. Dass sie dabei Deutsch singen, kommt beim Publikum sehr gut an und erleichtert das Mitsingen von Abenteuerland, Ich Will Nur Das Du Weißt, Die Nacht Von Freitag Auf Montag oder Ne Leiche zum Beispiel.
Der Samstag startet, wie der Freitag aufgehört hat. Mit Regen. Leider müssen wir auf Fit For An Autopsy um 13:30 Uhr verzichten, weil heute auch die Zulieferbusse Verspätungen haben. Polaris hingegen haben ab 14:20 Uhr die Sonnenseite gebucht und ihr Platz ist gut voll. Zu Recht. Kraftvoll und powervoll wie immer gibt Sänger Jamie Hails auf der Bühne alles und hat sichtlich Spaß an der feiernden Menge und an den „World best Moshpit“. Sogar eine Zusatznummer gibt es von unseren Lieblingsaustraliern zu hören! Aber auch der Rest wie Nightmare, Hypermania, All Of This Is Fleeting oder The Remedy kann sich hören lassen. Für mich immer noch eine der Metalcorebands, die viel mehr Aufmerksamkeit verdienen und für die ich mich immer freue, wenn sie richtig gut abräumen.

Eine Post-/Punkband der besonderen Art erleben wir auf der Utopia Stage um 15:50 Uhr: Die Idles bei ihrem einzigen Deutschland-Gig. Die Brit-Band – soundtechnisch und optisch sehr gewöhnungsbedürftig. Mit einem Gitarristen im Kleid, einem in der Menge und einem Palästina-liebenden Sänger, der das Publikum in Deutsch begrüßt. In ihren Songs, darunter Colossus, Gift Horse, Mother oder Car Crash behandeln sie sozialkritische Themen und können damit bei ihren Fans punkten. Der Sound: Altpunk gemixt mit postalischen Elementen. Gesamteindruck: Leider nicht mein Ding und wirklich nur was für die Fans der Band.
Darum ziehen wir weiter zu The Ghost Inside, die um 18:05 Uhr starten, aber nicht, ohne vorher noch einen Abstecher bei den Beatsteaks zu machen, die die Bühne ab 17:20 Uhr entern und sichtlich bester Laune sind. Die Alternativ/Rocker aus Berlin sind gut mit Regencapes ausgestattet – was sie eigentlich gar nicht nötig gehabt hätten. Bei ihnen macht der Regen mal wieder Pause und Sänger Arnim kann die Fans in der ersten Reihe begrüßen und macht sich einen Spaß daraus, die Fotografen mit einem gekonnten Sprung in die Wasserpfütze anzuspritzen. Auch nach 30 Jahren wissen die Jungs, was die Menge will und so ist es ein Leichtes, sie mit Songs wie You In Your Memories, E-G-O, Against All Logic, Make A Wish oder Hail To The Freaks zu verzaubern. Aber ernste Worte in Richtung AfD dürfen, natürlich, auch nicht fehlen. Das ist die Band sich und ihren Fans schuldig.

The Ghost Inside sind heute für mich eine der Überraschungen des Tages. Mein erstes Konzert von der US-Metalcore-Band – und ich bin gleich begeistert. Auch wenn die Menge vor der Bühne oftmals noch zögerlich ist, liefern die Jungs gekonnt ab und es macht einfach Spaß, ihnen zuzuhören.
Dass sie auch schon 21 Jahre auf dem Buckel haben, sieht man ihnen nicht an. Sie freuen sich sichtlich über den Zuspruch der Besucher und auch mit dem Pogo klappt es dann nach einer gewissen Zeit.
Sänger Jonathan wirkt zwar mit weißer Jacke und weißem Käppi wie ein Maler, aber das ändert nichts an seiner Energie, die er auf der Bühne rüberbringt und unter anderem Death Grip, Pressure Point, Out Of Control, The Great Unknown, Wash It Away, Move Me, Secret oder Mercy zum Besten gibt. Ein Highlight jagt das Nächste, denn jetzt stehen Falling In Reverse auf dem Programm, die die Hauptbühne ab 19:15 Uhr zum Beben bringen.

Ein sichtlich gut aufgelegter Ronnie Radtke begrüßt, dass Rock Im Park-Publikum vor der Bühne. Und liefert ab. Nach dem Highway To Hell-Intro geht’s richtig los und ein Kracher jagte den Anderen: Zombified, Bad Guy, Losing My Mind, Just Like You, No Fear, All My Life, Popular Monster, Voices In My Head dürfen alle nicht fehlen. Auffallend ist, dass der Sänger, jetzt wieder mit Kurzhaarschnitt, nach jedem Song etwas trinkt und seine Lippen befeuchtet. Aber wahrscheinlich wirkt’s, denn die Songs kommen alle gut rüber. „You guys feel good?“ fragt er auffallend oft in die Fans und wiederholt ihr „Yeah!“ Ob er dabei mit einem leicht spöttischen Grinsen die Massen ein bisschen aufs Korn nimmt, scheint hingestellt. Aber wir wollen es ihm einfach mal so abnehmen und wer hört nicht gern, wenn der Sänger „I Love You“ in die Menge schreit? Bei der Frage „Who Is The Ashole?“ sind wir natürlich alle Asholes – Entweder man liebt Ronnie, der heute Ronald genannt werden will, oder nicht. Rock Im Park liebt ihn, definitiv. Er brennt einfach mal die Bühne ab – musikalisch sowie mit seiner Feuershow und selbst die Außenmonitore rauchen. Ein wirklich tolles Set und kein Vergleich zum Konzert im letzten Jahr in Frankfurt, als ich ihn das erste Mal live erlebte. Mit einem gemeinsamen „We Are The Champions“ verabschiedet er sich vom Rock Im Park-Publikum. Zwar zwanzig Minuten zu früh, laut Zeitplan, aber das verzeiht ihm heute die Menge großzügig.
Der Abschluss des Samstagabends, der sich auch wettermäßig etwas beruhigt hat, ist für uns Korn. Es bedarf nicht immer großer Worte – manchmal reicht es einfach, wenn man seine Songs ohne großes Tam-Tam runterspielt. So wie Jonathan Davies. Seine dankbaren Fans wissen das auch zu schätzen, die Stimmung ist durchwegs gut und das Publikum mal tiefenentspannt. Was nicht immer der Fall ist.
Der schwarze Schottenrock kleidet Davies sehr gut und sein stylisher Mikroständer, von H. R. Gieger inspiriert, passt perfekt in das Bühnenbild, das optisch Tausende von Laserstrahlen zum Leuchten bringt. Wenn es schon draußen nicht regnet, dann wenigstens optisch auf der Bühne ist wohl Korns Obsession. Aber nicht nur der Laserregen verzaubert, das ganze musikalische Set mit Freak On A Leash, Coming Undone, Blind, Got The Life, Did My Time, Here To Stay oder Falling Away From Me kann sich hören lassen. Davies ist zudem der Einzige, der auch mal erwähnt, dass Rock im Park 30-jähriges Jubiläum feiert und dazu gratuliert. Leider wird das auch in keiner Weise zelebriert. Schade eigentlich, denn darum geht es ja eigentlich, oder? Ein würdiger Ausklang auf der Utopia-Stage, während parallel auf der Mandora-Stage schon längst Sleep Token-Sänger Vessel seine Fans fasziniert.

Auch der Sonntag begrüßt uns, wer hätte es gedacht, mit Regen. Die Surprise Acts sind zum einen Sportfreunde Stiller – um 11:15 Uhr – und die Italo-Schlager-Musiker Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys – um 12:45 Uhr – die gleich mal mit ihrem Schlager-Mix für gute Laune unter den Leuten sorgen, die sich davon anstecken lassen. Gefühlt alle, wenn man die Menge vor der Bühne sieht – obwohl es im Nachklang auch kritische Stimmen über diesen Act gibt. Die Musiker aus Augsburg und München laden die Menge mit Bella Napoli, Sophia Loren, Santorin oder Ponte Di Rialto zum „Schlagerstrudel“ ein und zum Abschluss bei Weiße Rosen regnet es diese auch. Und das obligatorische Gruppenbild darf natürlich auch nicht fehlen. Auftakt geglückt, jetzt geht’s hart weiter mit Knocked Loose auf der Hauptbühne um 14:15 Uhr. Trotz ihres jungen Alters kann man sie zu einer der Größen in der Metalcore Szene zählen und überall ploppt ein Pogo trotz des frühen Tages auf und das Publikum feiert mit der Band ihr aktuelles Album You Won’t Go Before You’re Supposed To. Man genießt einfach mal wieder ein paar regenfreie Zeiten.

Weezer bringen ein bisschen Nostalgie-Stimmung in ihren Auftritt um 15:35 Uhr mit und begrüßen höflich das Publikum, bevor sie mit ihrem Alternative-Set loslegen. Eingängige Melodien, kraftvolle Gitarrenriffs und oft humorvolle und autobiografische Texte dürfen bei den Jungs aus L.A. nicht fehlen. Einfach mal Wohlfühlmusik zum Zuhören – das kann man zwischendurch auch mal gebrauchen. Und sich auf den nächsten Act freuen, bei dem es nicht so ruhig zur Sache geht.
Denn im Anschluss an Weezer übernehmen ab 17 Uhr A Day To Remember die Bühne. Die Post-Hardcorer aus Florida sind nicht sehr oft, zum Leidwesen ihrer Fans, in Deutschland. Das letzte Mal sahen wir A Day To Remember vor vier Jahren, zusammen mit Bring Me The Horizon. Seitdem haben die Jungs viel Bühnenerfahrung gesammelt und sind eine der Größen im Core-Bereich – denn auch sie gibt es schon 22 Jahre.
Sänger Jeremy McKinnon motiviert das Publikum immer wieder zum Crowdsurfen und ruft zum Circlepit auf, gleichzeitig erkundigt er sich nach ihrem Ergehen und erfreut sich über die wahre Menschenmenge, die bereits jetzt schon auf den Platz ist. Neben Knallern wie Paranoia, All My Friends, 2nd Sucks, Bad Blood, Miracle, Flowers oder Have Faith In Me regnet es ständig Schnipsel oder Luftschlangen, es fliegen T-Shirts, Klorollen und Wasserbälle, sodass die Stimmung fast am Überkochen ist. ADTR, wie sie ihre Fans liebevoll nennen, geben bei ihrem Gig auch wirklich alles. Leider schwappt die heitere und gelöste Stimmung nicht aufs Restpublikum über – die Leute mauern, was das Zeugs hält und ein Durchkommen in die vorderen Reihen ist fast unmöglich. Und das fünf Stunden vor Beginn von Bring Me The Horizon. Für mich fast schon unverständlich, obwohl ich selbst großer BMTH-Fan bin. Aber nicht bei diesem Wetter, das sich nach dem Gig von A Day To Remember wieder zusammenzieht und bei Biffy Clyro um 18:45 Uhr pünktlich wieder seine Schleusen über den Besuchern öffnet.

Doch das kann einen echten Biffy Cyro-Fan nicht vertreiben. Die Musik ist in ihrem Stil einzigartig und die Schotten wissen, wie man Alternative Rock und Post Hardcore gekonnt mixt. Große Gefühle kommen dabei ebenfalls zum Ausdruck, wie kraftvoller Gitarrensound. Eine Band, die die Nähe zu den Fans sucht, wie Bassist James Johnston, der immer wieder auf dem Bühnensteg zu finden ist und sich auch seines Shirts entledigt, zur Freude ihrer meist weiblichen Zuschauer. Songs wie Many Of Honor, Bubbles, Space oder Black Chandelier werden gebührend gefeiert, ein guter, technisch einwandfreier Auftritt eben.
Den nur einer toppen kann, natürlich Oli Sykes mit Bring Me The Horizon. Qualitativ hochwertiger Sound verschmilzt mit High-Tech-Animationen und interaktiven Bühnenbildern. Kreativität trifft LED-Türme, Festivalbesucher werden zu Videospielcharakteren im Kampf um die künstliche Intelligenz E.V.E – ach ja, dazwischen gibt es auch noch Musik: Teardrops, AmEN!, Mantra, Kingslayer, Wonderwall, Happy-Song, Kool-Aid oder natürlich den Song mit den meisten Singchören Can You Feel My Heart. Zwei Stunden Spielzeit – von 21 bis 23 Uhr – : gerechtfertigt. Oh ja, wir fühlen dein Herz Oli, aber ohne all‘ dem High-Tech würde ich deine Musik noch mehr lieben. Wie schön, dass ein Fan sich mit ihm im Karaoke-Singen messen darf und er bei Drown immer noch in die Menge geht, manche Dinge bleiben eben doch gleich. Und dafür lieben wir ihn und seine Musik – und seine Stellung in der Metalwelt, in der er wirklich ganz oben angekommen ist.

Bevor wir den Platz verlassen, machen wir noch einen Abstecher zu den Destroy Boys um 19:25 Uhr in der Orbit-Stage – Hurra, endlich mal eine Sängerin. Die hat man hier auf dem Rock Im Park leider nicht so oft gesehen. Die Punkband aus Kalifornien nimmt uns gleich mal mit zu ihrem Soundcheck, bevor sie mit ihrem rotzig-frechen Programm hinlegen. Endlich mal nur eine Handvoll Leute, die sich, wie wir auch, mal von anderen Bands überzeugen lassen wollen. Erfrischende Musik von einer gutgelaunten Band und der coolen Frontfrau Alexia, die gekonnt über die Bühne fegt und dabei Songs wie Drink, CryBaby, Fences, For What oder Sweet Tooth zum Besten gibt.
K.I.Z., Electric Bassboy und Prodigy – parallel zu Bring Me The Horizon – beenden das Festival.
Fazit: Oftmals unnötige Umwege, lange Warteschlangen und wenig Feierfeeling zum 30-jährigen Jubiläum – dafür viel Schlamm, Regen, guter Sound und tolle Bands.
Hoffen wir auf ein besseres Wetter fürs nächste Jahr – und freuen wir uns auf Linkin Park, einer der Highlights von 2026!



