RockHarz Festival 2018 am 04.07. – 07.07.2018 am Flugplatz, Ballenstedt

„RockHarz Festival 2018 am 04.07. – 07.07.2018 am Flugplatz, Ballenstedt“

Festivalname: RockHarz Festival 2018

Bands: ahab, Amaranthe, Amorphis, Annisokay, Avatarium, Bannkreis, Battle Beast, Blind Channel, Cannibal Corpse, Cellar Darling, Crematory, Diablo Blvd., Die Apokalyptischen Reiter, Eisbrecher, Eisregen, Ensiferum, Equilibrium, Erdling, Evergrey, Exodus, Finntroll, Gloryhammer, God Dethroned, Goitsche Front, Grailknights, Hammerfall, I´ll Be Damned, In Flames, Knorkator, Kreator, Letzte Instanz, Manntra, Monument, Mr Hurley & Die Pulveraffen, Nanowar Of Steel, Nothgard, Obscurity, Paradise Lost, Powerwolf, Primal Fear, Ross The Boss, Schandmaul, Serenity, Skalmöld, Skyclad, Sodom, The Other, Trollfest, Versengold, Walking Dead On Broadway, Wintersturm, Drone, Aeverium

Ort:
Flugplatz, Ballenstedt

Datum: 04.07.2017 – 07.07.2017

Besucher: 17.000 + bis zu 5.000 Tagesgäste

Kosten: 3-Tagestickets: 102,00 € VVK

Genre: Rock, Gothic, Metal, NDH

Veranstalter: VERUGA GmbH

Link: http://www.rockharz-festival.com/

Anreise/Allgemein

Das diesjährige Rockharz feiert ein kleines Jubiläum. Seit einem Vier­tel­jahr­hun­dert gibt es diese Veranstaltung nun. Laut Veranstalter wird kein großes Brimborium gemacht, aber ein paar Verbesserungen zum letzten Jahr sind dann doch gemacht worden. Dazu an andere Stelle mehr. Die Anreise aus Kiel ist in vier Stunden erledigt. Auch der Aussage, dass Dienstag erst ab 14.00 Uhr auf das Gelände gelassen wird, darf man nicht trauen. Zügig sind wir auf dem Campground und ergattern einen guten Platz. Unser Equipment ist schnell aufgebaut und das, obwohl es tierisch heiß ist. Es soll in den letzten Wochen kaum geregnet haben und so ist Staub unser Begleiter und der Hammer eins der wichtigsten Utensilien. Die Heringe müssen in den Boden. Nach dem ersten „Alleserledigtbier“ wollen wir mal zum Merchstand, um ggf. schon ein T-Shirt zu ergattern. Da ist, mal wieder, Schlange und auch nur eine kleine Auswahl an offiziellen Shirts verfügbar. Also ab ins erweiterte Mutantenstadl, um dort bei hochsommerlichen Temperaturen ein kühles Blondes zu genießen. Hier hat sich was getan. Der Stadl ist gewachsen und mehr Sitzplätze wurden angelegt. Das wirkt sich gut aus. Noch braucht das Personal Eingewöhnungszeit, aber das wird schon. Wir treffen auch gleich gute Bekannte, die wir hier letztes Jahr kennengelernt hatten. Rico und seine Frau Kati gesellen sich zu uns und so wird erst mal geplauscht. Gegen Abend dann noch fix gegrillt und auch unsere Nachbarn scheinen nett zu sein. Keine nervenden Generatoren und auch sonst recht ruhig.

Mittwoch

Tag zwei beginnt mit der Anreise der noch fehlenden Gäste. Der Platz ist rappelvoll, aber irgendwie verteilen sich alle dann doch. Die Hinzunahme des Flugplatzes hat für deutliche Entspannung gesorgt. Die schwereren Wagen oder reservierte Plätze sind da untergekommen. Auch wurde eine zweite Zu-und Abfahrt angelegt, die ebenfalls für Entlastung sorgt. Positiv ist auch anzumerken, dass sich die Dusch- und WC Situation deutlich verbessert hat. Mehr Kabinen und auch ein neuer WC-Prototyp entlasten deutlich. Auch für Männer sind mehr Möglichkeiten geschaffen worden. Ab heute kommt natürlich auch die Musik zum Tragen.

Pünktlich um 15:30 Uhr wird das Infield geöffnet und der Haupt-Merch-Stand ist sofort schwer belagert. Hoffnungslos überforderte Verkäufer versuchen, so schnell es geht, die Kundenwünsche zu erfüllen. Das ist aber nicht so einfach. Eine riesige unkontrollierte Menge drängelt sich vor dem einzigen Stand. In den kommenden Tagen wird sich dies bestimmt noch regulieren. Das Infield bietet dann kaum Überraschungen, beide Bühnen sind wie immer nebeneinander und heute am Mittwoch wird ja eh nur eine bespielt.

Erste Band des Tages ist Monument. Die haben die mühsame Aufgabe das Festival musikalisch zu eröffnen. Das lösen sie mit Bravour und die ersten Zuschauer danken es ihnen. Das noch überschaubare Infield feiert die fünf East Londoner, die ein gutes Set abliefern. Der Progressive Metal mit Songs des neuen Albums erfreut und geht schon ganz gut los. Das helle Licht und die Wärme lassen aber die Zuschauer erst mal noch das Event ruhig angehen. In den 45 Minuten gewinnen Monument aber mit den im NWOBHM Stil gehaltenen Songs neue Freunde. Als dann Dan Boune auch noch auf Deutsch die Zuschauer anspricht, hat der Opener es geschafft.

Um 17.30 Uhr entern dann Drone die Bühne. Auffällig ist das doch etwas knapp unter der Gürtellinie angesiedelte Vokabular. Dass wir alle Ficknasen sind, wissen wir nun und dass wir viel trinken sollen auch. Musikalisch bewegen sich die Niedersachsen um Sänger Mutz im Bereich Groove Metal mit Thrash Ansätzen. Mit Welcome To The Pit wird das Set eröffnet, aber es dauert noch, bis der erste richtige Mosh Pit zustande kommt. Der ist dann aber auch schon richtig groß. Zum Abschied gibt’s noch eine klare Ansage zur neuen Datenschutzverordnung. Wer nicht aufs Bild will, soll den Kopf in den Arsch des Vordermannes stecken. So geht’s auch. Gelungen.

Die dritte Band des Tages hört auf den Namen Winterstorm mit ihrem Folk Pagan Metal, der in Power bzw. Epic Metal Gefilde gleitet. Mit dem Intro beginnt die Session der Musiker aus Bayreuth, die bei NoiseArt Records unter Vertrag stehen. Gesanglich sind sie nicht nur durch Frontmann Alex stark, sondern die Backvocals an allen Ecken und Enden werten die Kunst mehr als deutlich auf. Trotz des frühen Abends gibt es noch Abkühlung durch Feuerwehrschläuche in den ersten Reihen, denn wirklich abgekühlt ist es in Ballenstedt noch nicht. Das gilt auch vor der Stage, wo Titel wie Windkeepers, Winterhumppa oder Cube Of Infinity gefeiert werden. Die Stimmung könnte also deutlich schlechter sein und Winterstorm setzen weiter auf ihre kleinen Refrains. Während Noternten der Landwirte für Staub vielerorts dieser Tage in der Luft sorgen, schaffen dieses die fünf Musiker auf dem Flugplatzgelände mit lautem Heavy Metal. Den Schlusspunkt setzt Dragonriders und entlässt alle Besucher zufrieden in den Abend.

Zur besten Tagesschauzeit kommen dann Bannkreis auf die Bühne. Der Folk Rock zeugt davon, wie breit gefächert die Genres am ersten Tag sind. Der insgesamt erst vierte Auftritt von Bannkreis zeugt aber bereits von einer gewissen Professionalität. Kein Wunder, sind doch vier der Mitglieder auch noch bei Subway To Sally unter Vertrag. Eric Fisch und Johanna Krins haben diese Band erst 2017 gegründet und nun bereits die CD Sakrament veröffentlicht. Aus der stammen die heutigen Songs. In abgewandelter Version kommt dann auch das Lied vom Henkersbaum, Titeltrack des Mockingjay Soundtracks zur Geltung. Der Eurythmics Song Sweet Dreams Are Made Of This wirkt befremdlich, aber die Zuschauer sind begeistert. Nach 40 Minuten wird lautstark eine Zugabe gefordert, und diese wird, entgegen der sonstigen Festivalgrundsätze, gegeben. Mit Fährmann, und nicht der aktuellen Single Lebewohl geht dieser Auftritt zu Ende. Damit haben sie bestimmt einige neue Fans gewinnen können.

Bahnt sich mit Ross The Boss der erste derbe Kracher an oder werden die Erwartungen an den ehemaligen Bassisten von Manowar nicht erfüllt? Mit By Bloody Sworn haben sie erst im April ein neues Studioalbum präsentiert, welches heute lediglich mit Fistful Of Hate und This Is Vengeance zum Zuge kommt. Gut, das ist jedem Künstler selber überlassen. Der Rest des Sets sind jedoch alles alte Manowar Gassenhauer – für die Fans natürliche Bombe, nur schade, dass nicht mehr Ross The Boss Platz im Set gefunden hat. Die Show darf als solide bezeichnet werden. Das Interesse ist natürlich da, wenn die Amerikaner die Heavy Metal Klänge anschlagen. Bereits früh kommen wir mit Marc Lopes ins Gehege. Stücke wie Blood Of The Kings oder Sign Of The Hammer liegen dem Sänger in den normalen Gesangslagen ohne Frage, in höheren Regionen wird es grenzwertig, was man spätestens bei Kill With Power merkt. Evergreens wie Fighting The World, Battle Hymn oder Hail To Kill zünden trotzdem. Abschließendes Fazit zu Ross The Boss: Wir hätten ein wenig mehr erwartet, war aber okay – nicht mehr und nicht weniger.

Als erster Headliner fungiert die deutsche Thrash Metal Legende Kreator. Mille Petrozza an Axt und Mikrofon ebnet schnell mit seinen Kollegen Sami Yli-Sirniö, Christian Giesler und Ventor den Weg in einen feurigen Abend. Bengalische Feuer und Videoleinwand machen gleich Mars Mantra und Phantom Antichrist zu Eyecatchern. Das aktuelle Gods Of Violence kommt da nicht zu kurz. Hail To The Hords oder Satan Is Real stammen von dem starken Werk, welches im Januar 2017 über Nuclear Blast veröffentlicht wurde. Nicht nur die Kuttenträger kommen bei Enemy Of God oder Phobia ins Schwärmen. Bei Flag Of Hate zieht bereits ein großer Circle Pit jeden in den Sog der Thrash Metal Walze der Marke Kreator, von der man nie genug bekommen kann!

Erwähnenswert sind auch noch die wieder von Metal.de durchgeführten Autogrammstunden. So konnten heute Anhänger von Bannkreis, Ross The Boss, Monument und Winterstorm ihre CDs, Shirts oder sonstige Mitbringsel signieren lassen. Für Interessenten gab es meist einfache Autogramme auf neutralen Karten oder mitgebrachte richtige Bandautogrammkarten. Mir als Jäger und Sammler kam das gut zupass. Dabei wird dann auch mal das eine oder andere nette Wort mit den doch meist super aufgelegten Künstlern gewechselt.
Donnerstag

Heute geht es um 11:50 Uhr mit Blind Channel los. Auffällig, aber passend zum Wetter, alle Musiker stehen in Weiß auf der Bühne. Die fünf Finnen scheinen nicht gemerkt zu haben, dass es ein Metal Festival ist. Auch ihre fast schon poppigen Stücke mit leichten Nu Metal Einflüssen lassen ab und an an Linkin Park erinnern. Zwei Sänger wechseln sich am Mikro ab oder stimmen einen Wechselgesang an. Trotz der frühen Stunde fetzen sie die Bühne und zeigen, warum sie bereits in Finnland so hoch gehandelt werden. Da kann noch etwas Großes draus werden. Der Slot beträgt leider nur 30 Minuten, aber den nutzen sie voll aus. Tracks wie Blood Brothers oder Trigger gefallen. Danach sind sie sich auch nicht zu schade, direkt aufs Infield zu kommen und mit einigen Fans abzuhängen und außerhalb der „offiziellen“ Autogrammstunden Fanpflege zu betreiben.

Da heute auch die zweite Bühne mit bespielt wird, geht es auf der Rock Stage weiter. Cellar Darling aus der Schweiz übernehmen den nächsten Part. Den meisten Eluveitie Fans dürften die drei Musiker nicht unbekannt sein. Drummer Merlin Sutter, Gitarrist Ivo Henzi und Sängerin Anna Murphy nahmen 2016 ihren Hut bei Eluveitie und gründeten eben die hier auftretenden Cellar Darling. Das Debütalbum This Is The Sound und das demnächst erscheinende neue Album bieten dann genügend Songs, um hier die halbe Stunde zu füllen. Anna unterstreicht, dass sie keine große Erzählerin ist, aber ihre Songs Geschichten erzählen. Eine Gastviolinistin ergänzt kurzfristig das Trio. Herausragend heute der Song Avalanche, bei dem Anna auch wieder an der Drehleier zu gefallen weiß. Wo die Reise hingeht, wird sich zeigen. Der Auftritt wurde dankend angenommen, wenn auch leicht verhalten.

Der Leader von Nothgard hört auf den Namen Dom R. Crey, den einige von Equilibrium kennen dürften, die heute Abend noch in die Saiten schlagen werden. Die Death Metaler aus Bayern schlagen melodische Klänge an und zaubern Stücke wie Song Age Of Pandora aus dem Hut. Trotz der feinen Riffs bleibt das Quartett schön holzig und poliert nicht unnötig ihren schroffen Sound, der den Jungs perfekt ins Gesicht geschnitten wurde. Das haben auch Metal Blade Records erkannt und direkt die Dienste der Deutschen gesichert. Das Interesse an der Kombo kann man ebenfalls positiv bewerten – trotz des warmen, diesigen Sommermittags stehen beachtlich viele in Ballenstedt stramm, um Hymnen wie In Blood Remained zu konsumieren. Im Herbst kommt das neue Album, welches euren Ohren gleich auf Tour mit Omnium Gatherum und Wolfheart zugänglich gemacht wird.

Ach wie schön, dass niemand weiß, dass Skalmöld immer heiß auf eine Liveperformance sind. So dürfte es den Besuchern bei den Isländern gegangen sein, die sichtlich gut gelaunt ihre Show zelebrieren. Vögguvísur Yggdrasils aus dem Jahre 2016 darf man unter anderem als heißes Eisen bezeichnen. Die Folk Metaler kündigen zudem ein neues Werk an und wir werden euch zudem mit einem kleinen Interview ein paar spannende Fakten liefern. Heute geht alles rund, die Stimmung ist in allen Belangen perfekt und Skalmöld schaffen es als frühe Gruppe schnell Akzente zu setzen, wo alle anderen Bands erst einmal im weiteren Verlauf heran bzw. drüber kommen müssen. Ihr steht auf heidnischen Metal mit viel Herz? Dann seid ihr bei den Männern aus Reykjavik genau richtig!

Die Künstler Diablo Blvd aus Antwerpen schieben schnell Animal und Demonize heraus. Nach dem grandiosen Studioalbum Zero Hour gibt es trotzdem eine schlechte Nachricht im Hause der Heavy Metal Fraktion, denn Sänger Alex Agnew führt die Formation gerade auf die Zielgerade und hat vermutlich am 10.12. in Brüssel den letzten Gig. Dieser Tage zocken sie jedenfalls noch ein paar Open Airs. Weiter zu Diablo Blvd: Sänger Alex Agnew mit Sonnenbrille bestückt, haben sie nicht das größte Interesse auf ihrer Seite. Im Vergleich zu den Vorgängern aus Island müssen die Belgier vor leichteren Reihen klarkommen. Probleme haben sie damit nicht. Life Amounts To Nothing ist schon ne coole Nummer, die groovt. Zum Ende können sie noch aufdrehen und bekommen verdient mehr Beachtung. Der markante Punkt bleibt der Gesang von Alex.

Nach etwas Wartezeit ist unser Grailknights Interview auch im Kasten. Im Harz heute sind sie sehr pünktlich und legen fulminant mit ihrer großartigen Superhero Power los. Im Gepäck das neue Werk Knightfall, das den Ritterschlag der tapferen Recken aus Grailham City bedeutet. Als Höhepunkt kann man Pumping Iron Power stehen lassen, der im Studio mit Joakim Brodén eingespielt wurde. Nameless Grave möchte man ebenfalls nicht missen, Gleiches gilt für den Bösen Mr. Skull, der den Heiligen Gral entwendet hat. Früher waren die Grailknights Opener, die gleich die Headbanger zu früher Stunde aus dem Zelt gezogen haben. Heute im Jahr 2018 zerren sie nachmittags nicht nur den Bierstand leer. Das Superhero Medley, Cthulhu oder Laser Raptor 3D unterstreichen eine erneute Leistungssteigerung der Deutschen. Grailquest Gladiator als Schlusspunkt – noch Fragen meine Freunde?

Hm, warum bei unseren niederländischen Freunden von God Dethroned derartig wenig los ist, lässt ohne Frage die Stirn runzeln. Vor wenigen Tagen noch für drei Shows im Norden unserer Republik unterwegs, müssen sie heute vor wirklich lichten Reihen Todes Blei anrühren. An der Leistung liegt die Abstinenz nicht, nur bleibt es dabei – der kernigste Extrem Metal hat noch einen schweren Stand auf dem Rockharz. Bands wie die Thrasher Kreator oder Sodom funktionieren gut, aber die wirkliche Überraschung liefern Cannibal Corpse am letzten Tag, die viele Untote Deather vor die Bühne bekamen. Villa Vampira begeistert auch in der Sommersonne. Ohne Kompromisse folgen Nihilism oder No Man´s Land. Tapfer bringt Mastermind Henri „T.S.K.“ Sattler mit Gefolge das Gemetzel fröhlich blutend in den ortsansässigen Schlachthof.

Kurz vor 17:00 Uhr stehen dann Letzte Instanz auf der Bühne. Die Violin-Rockband hat ebenfalls was zu feiern. Seit 20 Jahren existieren die Dresdener nun und haben sich einen treuen Fankreis aufgebaut. In Dresden soll dieses Event stattfinden und so lädt Holly Loose alle ein, daran teilzunehmen. Sie beginnen mit Morgenland und Maskenball und zeigen, was sie können und wofür sie stehen. Das Set ist eine Art Best Of und so kommen Disco D‘Amour und Mein Todestag ebenfalls zur Geltung. Auch ein Ärzte Cover hat den Weg in die Setlist geschafft. Rico! Warum Hast Du Nichts Gelernt. wird abgefeiert, als wenn die Ärzte selbst da sind. Mit dem finalen Komm! entlassen die Musiker die Zuschauer in den Abend, ohne vorher noch mal zu erwähnen, dass sie aufgrund eines politischen Statements einen Shitstorm erfahren haben, der aber nichts an dieser Einstellung geändert hat.

Im Anschluss spielen Primal Fear. Ihr Slot beträgt immerhin 50 Minuten. Der Platz vor der Bühne ist gefüllt mit Freunden des melodiösen Power Metal aus deutschen Landen. Ralph Scheepers lässt keinen Zweifel an dem Teutonenstahl aufkommen. Sein muskelbepackter Körper scheint aus Metal geformt und der wird dann auch abgeliefert. Angels Of Mercy, Rulebreaker, Chainbreaker oder das abschließende Metal Is Forever können begeistern. Dabei unterstützt der viel bejubelte Mat Sinner am Bass und an den Vocals. Die beiden Gitarristen Alex Beyrodt und Magnus Karlsson liefern saubere Riffs und geile Soli ab. So werden dann natürlich auch viele Mitsingpassagen eingestreut und leider ist das Alles viel zu schnell vorbei. Im Herbst präsentieren wir von Time For Metal dann aber die anstehende Apocalypse Over Europe Tour 2018.

Heiden kommen in Scharen, um Equilibrium zu erleben. Die Feuerwand aus den dazu gehörigen Flammenwerfern zur Begrüßung erhitzt zusätzlich die Stimmung, die selbst durch das erfrischende Nass aus den offenen Strahlrohren der Feuerwehr nicht erstickt werden kann. Blut Im Auge oder Born To Be Epic lassen keine Wünsche offen. Sänger Robert „Robse“ Dahn ist eine unglaubliche Kante und könnte neben Tim Wiese wunderbar die WWE aufmischen. Noch ackert er für Equilibrium und man freut sich stets aufs Neue den Hünen live zu erleben. Ordentlich Crowd Surfer trägt das Publikum gen Bühne und versorgt die Security mit Arbeit. Dann wollen die Schlingel noch überziehen – der Stage Manager hat aber aufgepasst. Schade, wir hätten auch noch ein zwei Tracks bei einem kalten Gerstensaft genossen.

Nun, nach Equilibrium steht der nächste deutsche Act auf der Bühne. Sodom mit neuem Line-Up. Nachdem Tom Angelripper am Anfang des Jahres die gesamte Crew ausgewechselt hat, darf man gespannt auf das Ergebnis dieser Runderneuerung sein. The Conqueror eröffnet die Trash-Schlacht. Ab Sodomy And Lust beginnen auch die Crowd Surfer ihr Treiben und nun dürfen auch die immer freundlichen Security Mitarbeiter tätig werden und helfen den nach vorn getragenen, wieder auf den festen Boden zu kommen. Tom Angelripper hat alle im Griff und so muss er auch nicht viel sagen bei Outbreak Of, das Publikum gröhlt: Evil! Bombenhagel, und Remember The Fallen von Agent Orange treiben noch mal alle an und der Circle Pit ist noch staubiger. Die neuen/alten Mitstreiter machen ihre Sache exzellent und Gitarrist Frank Blackfire, Schlagzeuger Husky und Bassist Yorck Segatz untermauern, dass sie Sodom können.

Mit Spannung wird der Auftritt von Amorphis erwartet. Dementsprechend voll ist es vor der Rock Stage. Mit dem neuen Album Queen Of Time, aus dem der Opener The Bee stammt, im Gepäck, beweisen sie von der ersten Minute an ihre hervorragenden Songs. Die Bühne in Lila getaucht passt zu dem Auftritt. Sänger Tomi Joutsen hat mit seiner unverwechselbaren Stimme die Menge ab dem zweiten Song gefangen und so ist dieser Auftritt ein Selbstläufer. It‘s good to be back freut sich Tomi und zeigt, dass er sich im Harz wohlfühlt. Schon schnell ist einer der Highlights da. Silver Bride könnte auch ein Abschlusssong sein, so intensiv wird er zelebriert. Was nun folgt, ist ein Abriss der vorhergehenden Alben. Against Widows, The Castaway und Death Of The King lassen die Neunziger aufleben. Mit dem unschlagbaren House Of Sleep verabschieden sich Amorphis und hinterlassen eine glückliche, zufriedene Menge.

Nun kommen Schandmaul zu späterer Stunde auf die Bühne. Der einsetzenden Dunkelheit geschuldet, kommt auch das Licht besser zur Geltung als bei Amorphis. So darf zu den Folk-Rock Weisen dann getanzt werden. Vor Der Schlacht als Opener lässt keine Zweifel an der Ausrichtung zu und Hofnarr, Teufelsweib, der Partyweise Der Teufel…!, bei dem auf die Slow Motion Einlage meiner Meinung nach hätte verzichtet werden können, oder Walpurgisnacht unterstreichen dies. Mit Der Anblick wird das Programm beendet und dieser Song erzeugt bei vielen eine Gänsehaut und dies ist nicht nur dem frischen Wind geschuldet. Auch das von Thomas Lindner angebrachte Statement gegen Hass wird positiv aufgenommen, obwohl es auf dem Rockharz nicht zum Tragen kommt.

Resurrection By Erection: Erektionsprobleme haben die Headliner Powerwolf keine und stürzen sich total aufgegeilt auf das Publikum. Dem Titel gingen bereits Blessed & Possessed und Army Of The Night voraus und möchte man an dieser Stelle keinesfalls außen vor lassen. Attila Dorn bringt zwar die bekannten Ansagen, kann mit kleinen Änderungen und seinem persönlichen Charme Powerwolf aber den nötigen Spirit verleihen. Feuerbälle zischen hier, da eine Nebelbank und dazwischen Hymnen wie Amen & Attack oder Werewolves Of Armenia. Immer gehen auch Sanctified With Dynamite und We Drink Your Blood. Dazwischen ein Song des neuem Albums: Demons Are A Girl’s Best Friend. Den Wölfen wird förmlich aus der Hand gefressen, dafür benötigen sie noch nicht mal wie in Grimms Märchen ein Schafpelz. Als Wiederholungstäter im Harz immer ein gern gesehener Gast – egal ob auf der Rock oder Dark Stage. Wer Livefeeling für die eigenen vier Wände benötigt, kann ohne Probleme noch bei Blessed & Possessed (Tour Edition) zugreifen!

Zum zweiten Mal in Folge heißt es spät abends bzw. in der Nacht auf einem Slot Mr. Hurley & Die Pulveraffen. Wer die deutschen kennt, kann sie nur lieben oder hassen. Letztere liegen bereits in der Waagerechten. Erstere zieht es zur unchristlichen Stunde mit Piratenhüten, anderen Kostümen gut alkoholisiert und bestens aufgelegt zur Dark Stage. Da bleibt doch nur Tortuga oder? Einer der Partykracher, die schnell einen Ruf nach einer dritten Auflage im Jahr 2019 durch die Reihen kreischen lassen. Könnte man machen – Partystimmung selbst um 1 Uhr kann man eben nicht bei allen Acts gewähren. Mr. Hurley & Die Pulveraffen hingegen schaffen dieses scheinbar problemlos.

Resümee Tag zwei: gelungene Mischung unterschiedlicher Genres, die alle ihre Fans haben. Highlights für mich heute Primal Fear, Sodom und Amorphis, dicht gefolgt von Skalmöld und Powerwolf. Die sind ja immer eine sichere Bank und gern gesehen. Manko, wie gestern, die unbefriedigende Merch-Situation. Lobenswert die Security, die umsichtig für Erfrischung per Wasserschlauch sorgte und auch die vor Ort präsenten Sanitäter, die auf alle Zuschauer aufpassen. Essens- und trinktechnisch orientieren sich die Preise am Vorjahr, und auch der Zyklopenspieß war wieder top. Was im Getränkebereich auffiel, waren neue Gebinde für Bier. So gab es zusätzlich Pitcher inklusiv Becher und auch halbe Liter im Ausschank. Allerdings auch hier ein Manko, auf dem Infield wurden Wasserflaschen verkauft, die dann aber auch leer nicht wieder mir reingebracht werden dürfen. Und zu späterer Stunde gab es die Wasserflaschen nur noch ohne Deckel, da diese, so die Aussage, als Wurfgeschoss dienen könnten. Das wurde aber auch von Bierstand zu Bierstand anders gehandhabt. Die mitgebrachten Trinkhörner oder die erlaubten, fest verschlossenen Tetrapacks mit ähnlichen Deckeln können nicht geworfen werden?
Freitag
Heute öffnet das Infield etwas früher, trotzdem sind viele bereits in den Startlöchern, um an die begehrten Shirts und Hoodies zu kommen. Das ignorieren wir zunächst geflissentlich und begeben uns zur Rock Stage.

Hier machen I‘ll be Damned den Tageseröffner und das vor nur wenigen Zuschauern. Es ist wohl der leichte Hangover, der dafür sorgt, das nur wenige den gut gespielten Rock’n’Roll hören. Trotzdem geben die Dänen alles und legen einen beachtlichen Einstand auf die Bretter. Democracy Is Gone, People Who Hate People, Real Monsters oder Keep Warm, Burn The Rich sind gute Songs, die von Sänger Mr. Gamborg charmant präsentiert werden.

Nebenan machen sich Aeverium bereit, die für die verhinderten Oni eingesprungen sind. Sänger Marcel Römer trifft bereits den Abend vorher ein und muss leider sofort nach dem Auftritt wieder weg. Die anberaumte Autogrammstunde findet dann nach dem Konzert ohne ihn statt. Aber zunächst können die Musiker um die beiden Frontperformer Marcel und Aeva Morelle zeigen, was sie können. Die Mischung aus Symphonic und Nu Metal erreicht die vor der Bühne stehenden direkt und begeistert sofort. Songs wie Haunted oder See You On The Other Side sind live einfach Kracher und animieren zum Kopfnicken und bangen. Die beiden Sänger ergänzen sich hervorragend und Marcel wird es nicht müde seine Zöpfe zu dem treibenden Rhythmus zu schütteln. Er verzichtet zugunsten der Musik auf viele Worte, eher ungewöhnlich, und Aeva kann nicht nur singen, sondern sieht auch noch gut aus. Das Wechselspiel der Stimmen gibt den Tracks die besondere Note. Im Hintergrund agiert gekonnt lässig Andreas Delvos an den Keys. Drummer Bodo Stricker hämmert dabei so kräftig auf seine Felle, dass ein Stick den Geist aufgibt. Oft kommt Michael Karius an den Bühnenrand und zeigt seine Qualitäten an der Gitarre. Lars Danneberg am Bass ist viel unterwegs und sorgt mit Bodo für die stabile Basis der Songs. Nach jedem Stück wird der Beifall mehr und wer weiß, was passiert wäre, wenn Aeverium mehr Spielzeit bekommen hätten. Leider ist nach 30 Minuten alles vorbei. Vielleicht ist bei einem nächsten Rockharz mehr Gelegenheit dazu, denn hier und heute haben sie sich wärmstens für eine Wiederholung empfohlen.

Nun treten Nanowar Of Steel auf. Zuerst dachte ich, es ist ein Verschreiber im Programm und es sind Manowar Of Steel, eventuell eine Manowar Cover Band. Mitnichten. Sie heißen wirklich Nanowar Of Steel. Und was treiben die Italiener da? Eine mit rosa Tütu und knalligen Perücken ausgestattete Band macht Klamauk mit metallischen Einflüssen. Die Musik kann hierbei außer Acht gelassen werden, aber die Aussage, dass sie sich für eine Rückkehr zum Mittelalter einsetzen, ist schon mal ein Statement. Die Bademantelfraktion dankt es ihnen und so kann der Auftritt immerhin für etwas Erheiterung sorgen. Das scheint die Sonne auch so zu sehen und beginnt ihren unbarmherzigen Dienst. Zum Glück dauert dies alles nur eine halbe Stunde und so spare ich mir weitere Worte.

Weiter geht´s mit Obscuriy. Die Musiker aus dem Bergischen Land stehen zu fünft auf der Bühne und zeigen uns einen Death Metal gepaart mit Pagan Einflüssen. Der Wind zerreißt die Kunstnebelschwaden und auch der Sound ist nicht gleich optimal. Das textsichere Publikum singt ordentlich mit und der Pit läuft spätestens mit 793 rund. Sänger Agalaz ist es zufrieden und feuert die Streitmacht Bergisches Land zur Party an. Die in einheitlichen Uniformen auftretenden Musiker laden dann noch alle zu einem gemeinsamen Bier irgendwo auf dem Gelände ein. Ob das dann stattgefunden hat, ist mir nicht bekannt. Aber ein ordentlicher Einstand auf dem Festival ist es auf jeden Fall.

Wir freuen uns, Annisokay im Herbst präsentieren zu können. Alle Infos zur Tour findet ihr schon einmal HIER! Einen neuen Silberling haben die Deutschen auch mit Arms am Start, der in wenigen Tagen das Licht der Welt erblickt. Denn Annisokay sind zum deutschen Exportschlager gewachsen. Nach dem Auftritt geht es für die Männer auf US-Tour – herzlichen Glückwunsch dafür! Warum das so ist, spürt man heute. Modern, mit einer guten Portion Metalcore, schaffen sie einen dichten atmosphärischen Sound, der unter die Haut geht. Fannähe wird dabei großgeschrieben – Sänger Dave Grunewald kommt zum letzten Akt von der Bühne, klatscht die Anhänger ab und nimmt ein Bad in der Menge. Großartig, dieser erfrischende Senkrechtstarter!

Erfrischend – das kann man auf The Other nicht übertragen. Sie wirken ziemlich tot – jedenfalls spiegeln die Masken das wieder. Der Horrorpunk aus Nordrhein-Westfalen geht live jedoch besser als auf Platte. Wobei die Uhrzeit alles andere als in die Karten der Formation spielt. Wie bei vielen düsteren Bands passen auch sie besser in späte Stunden mit schönen Lichteffekten. Egal – Bloodsucker kann man auch mitten am Tag mal bringen. Mal ein Missverständnis beim Einsatz zaubert nur ein kleines Lächeln auf die Lippen der Musiker. Der Tod Steht Dir Gut! Gut aufgepasst, The Other zocken deutsch und englisch und halten die Waage auf 50/50. Was von den Ramones schwimmt bei der Kombo immer mit. Für deutschen Horrorpunk ohne Frage völlig okay – mir fehlt da trotzdem der letzte Schocker, der einem das Blut gefrieren lässt. Selbst Gänsehaut bekommt man nur sporadisch.

Zum Glück haben es Evergrey rechtzeitig zu ihrem Auftritt geschafft. Eigentlich sollten sie bereits zur Autogrammstunde gegen 13.00 Uhr da sein, aber das hat leider nicht geklappt. Die alle in schwarz angezogenen Künstler aus Göteborg sind am ehesten dem Dark Melodic Power Metal zuzuordnen. Die Songstrukturen sind oftmals im progressiven Bereich angesiedelt, ohne aber in dem Dream Theater Gefrickel zu enden. Tempowechsel, komplexe Songstrukturen und die anspruchsvolle Gitarrenarbeit haben eben diesen fast eigenen Stil erschaffen. Sänger Tom Englund und seine Mannen erzeugen einen eher düsteren Sound, der es hier eine Spur kälter werden lässt. Die meisten Songs sind von den letzten beiden Alben Hymns For The Broken und The Storm Within. Viel zu schnell ist der fast schon gefährdet gewesene Auftritt – Evergrey sind erst eine halbe Stunde vor dem Auftritt auf dem Gelände eingetroffen – vorbei. Was nicht fehlen darf, ist zum Ende King Of Errors, der nochmals die Klasse der Schweden aufzeigt.

Nach Evergrey sind Crematory dran. Wenn das mal kein Stilwechsel per Excellance ist. Trotz der in der Vergangenheit kontrovers geführten Diskussion um die Veröffentlichung des neuen Albums und des daraus resultierenden Shitstorms ist der Platz vor der Bühne gut gefüllt. Die seit 28 Jahren bestehenden Crematory haben in der Zeit viele gute Platten geschaffen. Heute sind eher neuere Sachen in der Setlist zu finden. Alle Musiker tragen eigenes Band Merch und Sänger Gerhard „Felix“ Stass fragt, „sagt mal, so Scheiße sind wir doch gar nicht, oder?“ Viel Selbstironie ist in den Ansagen versteckt, die aber insgesamt zu langwierig ausfallen. Da hätte es Platz für mehr Songs gehabt. Vom neuen Album sind dann Ghost Of The Past und Immortal vertreten. Weitere Titel sind dann unter anderem Tick Tack und auch Ravens Calling. Bei Shadowmaker werden die restlichen Mitstreiter vorgestellt, bei denen ja einige recht neu sind, aber das Posen verstehen sie bereits richtig zu machen. Der größte Hit darf dann auch nicht fehlen und so erklingt dann Tears Of Time, immerhin schon 20 Jahre alt, der bis zur letzten Spielminute mit Interaktionsspielchen ausgestattet ist. Das Publikum dankt es mit viel Beifall.

Das Zauberwort im Jahr 2018 lautet wohl Female Frontet. Genau in den 80ern gab es solche extra Beisätze ganz gewiss nicht. In der heutigen Zeit bekommt gleich jede Band mit einer Frau diesen wunderbaren Beimerk. Wohl einfacher, als Male vor jedes Genre zu schieben =). Spaß beiseite, Amaranthe schlagen in diese Symphonic Metal Schiene, die in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. Verstecken müssen sie sich definitiv nicht vor Bands wie Delain, Xandria oder Epica, die übrigens nächstes Jahr spielen werden. Vor allem die klassischen Momente bekommt Sängerin Elize Ryd butterweich serviert. Dabei klingen die Skandinavier live noch knackiger als auf Platte. Eine wirkliche Alternative zu den Großen des Genres, das spüren auch die Besucher in Ballenstedt. Die männlichen Gesangparts können ebenfalls als sehr delikat notiert werden. Ihr wohl bekanntester Song Amaranthine bleibt wieder hängen. Elektronisch bombastisch aber auch rockig verspielt, variieren sie zwischen angriffslustig und schüchtern emotional. Für fast alle was dabei, wenn das Sextett loslegt.

Nun kommen Battle Beast auf die Bühne. Vor der Dark Stage hat sich eine mehr als nur beachtliche Zuschauermenge eingefunden. Das epische Intro eröffnet ein Set, das kaum Wünsche unerfüllt lässt, außer dem, dass es länger hätte gehen können. Noora Lauhimo, mal wieder im sexy Outfit, macht ordentlich Party und ihre Mitstreiter unterstützen lautstark. Drummer Pyry Vikki nur mit Leggins bekleidet, animiert zum Klatschen und dann beginnt gleich Straight To The Heart. Sofort sind die Zuschauer da und feuern voll ab. Bringer Of Pain, Titeltrack des aktuellen Albums, macht weiter und heizt die Stimmung ordentlich an. Hier kommt auch wieder das Kommando „Wasser marsch“ und die willkommene Abkühlung tut gut. Black Ninja setzt dann nochmals einen oben drauf, bevor dann mit Far From Heaven ein Gang runtergeschaltet wird. Die Wasserkanonade war eventuell etwas zu ausgiebig, sind doch einige arg durchnässt. Aber da es ordentlich warm ist, trocknet dies schnell. Dann kommen neben anderen Titeln noch Lost In War, Touch In The Night und Bastard Son Of Odin, bevor Beyond The Burning Skies dem ganzen ein Ende bereitet. Beattle Beast dürfen eine Viertelstunde länger auf der Bühne bleiben, da sich Ensiferum verspäten. Sie hängen am Flughafen fest und so muss der anstehende Auftritt auf nachts verschoben werden. Auch Finntroll dürfen im Anschluss etwas länger spielen. Danach wird eine halbe Stunde Bierholen eingeschoben, bevor es dann bei Alestorm mit den regulären Zeitansätzen weitergeht. Ausgepumpt wird erst mal ein Kaltgetränk gezischt und an einem der vielfältigen Speisenstände zu Abend gegessen.

Wie die Vorgänger bekommen auch ihre Landsleute Finntroll ein paar Minuten mehr Spielzeit. Für Ensiferum heißt es hingegen, zwischen Versengold und Eisregen zu rutschen. Das bedeutet im Umkehrschuss einen verdammt langen Abend und ein noch späteres Intermezzo der Thüringer Eisregen. Ursvamp, Ett Norrskensdåd, Blodsvept und Nattfödd ebnen den Weg in eine Schlacht voller Trolle, heidnischen Folk Black Metal und melodischen Weiten, die im Land der tausend Seen ihre Heimat haben. Crowdsurfer zieren das Bild. Die gute alte Humpa Zeit ist zwar Vergangenheit, kann man in einzelnen Stücken jedoch neu auflodern lassen. Gut besucht kommt es nicht nur zu Circle Pits, auch die Pommesgabel steht wie eine Eins in der Luft. Trollhammaren wirbelt ordentlich Staub auf und das ist nicht nur wortwörtlich zu verstehen.

Wie angekündigt, gibt es zwischen Finntroll und Alestorm eine halbe Stunde Bierpause. Volltrunken oder gut angeheitert funktionieren die Schotten noch besser. Gute Laune ist quasi das Markenzeichen von Christopher Bowes und Trinkgemeinschaft. Eine riesige gelbe Ente ziert das Bühnenbild. Ganz ernst nehmen darf man die Truppe nicht mehr, viel mehr steckt in ihnen eine internationale Fun Metal Band, die im Geiste natürlich nordische Wurzeln hat und nur zu gerne tief ins Glas schaut. Keelhauled und Mexico bleiben wunderbare Gassenhauer. Mexico hätte man auch gut bei der WM nach dem ersten Spiel auflegen können. Drink und Hangover spiegeln nochmals deutlich die Sauflust vor und auf der Bühne wieder. Das Publikum dreht voll ab und feiert in Ekstase zu Captain Morgan’s Revenge und Co. Ein starker Auftritt, der im Kopf bleibt – nicht nur wegen der übergroßen Quietscheente!

Auf der Dark Stage geht es nun mit Eisbrecher weiter. Die super besuchte Autogrammstunde von Eisbrecher dürfte ein Zeichen gewesen sein, dass es nun voll wird. Dem ist auch so. Der schwarze Vorhang fällt und Sänger Alexander Wesselsky entert die Bühne. Dem Flagschiff der neuen deutschen Härte fällt es nicht schwer zu begeistern. Sie können aus den bereits erschienenen Alben schöpfen und beginnen mit Sturmfahrt. Die tolle Lightshow tut ihr übriges, sodass dieser Auftritt als überaus gelungen bezeichnet werden darf. Ein Schmankerl ist, dass bei dem Song Eiszeit alle in Pelze gehüllt auf der Bühne erscheinen und dass sie es schneien lassen. Schon eindrucksvoll. Was Ist Hier Los und Lichtblick setzen den bunten Reigen fort, bei dem Sänger Alexander auch mal in einem Käfig auf der Bühne sitzt. Zum Ende kommen noch zwei alte Stücke zum Einsatz. Miststück und This Is Deutsch dürfen nicht fehlen und der Track Alle In Einem Boot beendet nach einer Stunde diese fabelhafte Rockshow.

Wenn Hammerfall mit Hector’s Hymn, Riders Of The Storm und Renegade starten, kann es nur grandios werden. Die Schweden, die in den letzten Monaten zu alter Stärke gefunden haben, puschen sich mit einer enormen Spielfreude. Joacim Cans und Oscar Dronjak noch mal als die Überraschung zu bezeichnen, ist schon fast verwunderlich. Doch das Gespann um den Sänger sowie Gitarristen zieht das Niveau live auf eine neue Ebene. Die schweren Zeiten komplett vergessen, trumpfen sie locker, gar unbekümmert auf, und lieben ihren Status als Headliner, dem sie in allen Belangen mehr als gerecht werden. Der Platz vor der Bühne enorm gefüllt, standen bislang auf allen RockHarz Festivals wohl noch nie so viele Headbanger eng beieinander. Das liegt daran, dass es erstmals 17.000 Tickets gibt (alle ausverkauft), und auch alle 5.000 Tagestickets wurden am Freitag und Samstag restlos aufgekauft. Aus 22.000 Kehlen dringen daher Evergreens wie Thrashold oder Let The Hammer Fall. Nicht zu verachten das Legacy Of Kings Medley. Beklagen an dem Set braucht sich keiner, das ist Neudeutsch gesagt: ganz großes Kino. Hammer High, Bushido und der abschließende Hearts On Fire setzen Hammerfall die Krone auf! Feuerbälle aus allen Ecken des Geländes beim finalen Hearts On Fire sind selbst für uns eine Premiere.

Was soll nach Hammerfall noch kommen? Versengold versuchen es auf jeden Fall und es bleiben auch genügend Gäste da. Und die lassen sich nicht lange bitten – anstatt eines ruhigeren Akustiksets legen sie eine ordentliche Schippe hin. Der Song Niemals Sang- Und Klanglos zeigt das Programm auf und der Folk Rock findet seine Anhänger. Textsicher werden viele der Lieder mitgesungen, die oftmals von der letzten Platte Funkenflug stammen. In den Texten und den Liedern kommt auch immer wieder ihre Zuneigung zu Irland zur Geltung. Verliebt In Eine Insel zeugt eindrucksvoll davon. Sänger Snorre müsste eigentlich nur die erste Textzeile vorgeben und die Anwesenden würden den Rest erledigen. Aber als Vollblutmusiker übernimmt er das selbst und nach dem Stück Ich Und Ein Fass Voller Wein ist das Ende. Immerhin stehen heute noch zwei weitere Acts bevor. Eisregen und die verschobenen Ensiferum.

Nicht nur für Ensiferum ein verrückter Tag – auch für alle Fans. Durch einen gestrichenen Flug stand der Auftritt kurzzeitig vor der Absage. Veranstalter und alle anderen Bands zeigten auf, was es heißt, eine Metalgemeinschaft zu sein. Und so stehen die Finnen statt um 19:35 Uhr um 1:00 Uhr nachts auf der Bühne. Ajattomasta Unesta und For Those About To Fight For Metal funktionieren auch weit nach Mitternacht. Man kann Ensiferum alles nachsagen, aber für die Strapazen spielen sie groß auf und haben zudem Spaß an ihrem Auftritt. Das Interesse könnte bei den Umständen ebenfalls ganz anders aussehen. Das bunte Set hat Platz von Two Of Spades über From Afar bis zu Lai Lai Hei oder dem Evergreen Iron. Daumen hoch für Ensiferum!

Der Tod Ist Ein Meister Aus Thüringen! Gegen späte Stunde haben Eisregen in der Regel nichts. Als nachtaktive morbide Jäger blicken sie auf eine spannende Karriere zurück. Indizierte Alben und nur zu gerne an der Grenze des Erlaubten zaubern sie seit Jahren extreme Songs mit noch perverseren Texten. Die Stiländerung zerteilt jedoch das Lager und die Fans der ersten Stunde brauchen teils harte Nerven beim neuen Material bzw. andersherum. Gott Der Panzer oder Eisenkreuzkrieger kann man sacken lassen. 1000 Tote Nutten dürfen bei der fleischigen Sause nicht fehlen. Gleiches gilt es für 13 Russische Krebsschweine und Elektrohexe.

Resümee des dritten Tages: Wieder ein abwechslungsreiches Programm. Klamauk mit Nanowar Of Steel, unbekannteren Bands wie Obscurity und I’ll Be Damned, Power Auftritte von Aeverium und Battle Beast, einem würdigen Headliner wie Hammerfall und weitere hochkarätige Bands haben diesen Tag schnell vergehen lassen. Das professionelle Umgehen mit Unplanbarkeiten hat auch funktioniert und so kann das heute insgesamt als Erfolg gebucht werden. Nun noch den Samstag und dann ist das Rockharz 2018 auch schon wieder vorbei.
Samstag

Walking Dead On Broadway haben für den September ihr neues Album Dead Era über Long Branch Records angekündigt. Einen kleinen Cirle Pit gibt es direkt zum Wachwerden und den wohl kaum besser gewählten Track Sleeping Titans. Der letzte Tag ist also angebrochen und wie in den letzten Jahren verfliegt die mittlerweile vier Tage starke Veranstaltung wie im Fluge. Mit Pitchblack, The Sinner und Death Pilgrim setzten die Deutschen ein schweißtreibendes Ende und machen es für die nachfolgenden Erdling nicht leichter.

Für die Spielzeit können Erdling ebenfalls beachtliche NDH Jünger binden. Verspielte Elektroelemente veredeln den Klang aus Rock und Metal. Luft nach oben bleibt – eine gute Position im oberen Mittelfeld kann man ihnen nicht absprechen. Mein Element zu Beginn setzt gute Akzente und auch über das Set hinweg lauern immer wieder stärkere Nummern wie Phönix oder Blitz Und Donner. Für 11:55 Uhr auf der Dark Stage keine schlechte Wahl vom Veranstalter.

Ahab aus den Tiefen des Ozeans bringen Doom Metal mit ans Tageslicht. Teilweise akut schleppend und nichts für die brüllende Mittagshitze. Hier geht natürlich viel an Theatralik den Bach runter, aber wer möchte schon einen kalten regnerischen Tag, nur damit das Wetter Ahab gerecht wird. Positiv bleibt, das Publikum braucht nicht viel zu machen, es reicht Augen zu und genießen. Wenn Daniel Droste das Zepter schwingt, spürt man die Verbindung zum Meer – authentisch bringen sie dem Konzertgänger die Tiefen der Weltmeere näher. Schaurig düster mit Urzeitkraken, die nicht nur das Cover von The Boats Of The Glen Carrig zieren, legen sie ein neues Tiefseegrab an.

Zur besten Mittagszeit spielen Serenity auf. Die Tiroler ziehen, trotz der bereits wieder sengenden Sonne, viele Zuschauer, die sich vor der Bühne eingefunden haben. Sänger Georg Neuhauser strahlt übers ganze Gesicht und das steckt an. Der symphonische Power Metal wird gut angenommen und die Crowd lässt keine Zweifel daran, dass es ihnen gefällt. Das ist ein Wechselspiel, denn dadurch fühlen sich Serenity bestärkt und trumpfen weiter auf. Die flotten Rhythmen, die großen Melodien und Refrains regen an und so wird vor der Bühne ordentlich abgehottet, wobei einige sich auch eher zurückhalten und nur mit dem Kopf nicken. Das ist bei der Hitze heute auch legitim. Von der letztjährigen CD Lionheart stammen dann auch einige der Songs, wobei der Titeltrack schon fetzt.

Nun stehen die Engländer Skyclad auf der Bühne. Das britische Folk Rock Urgestein lässt nichts anbrennen, das erledigt der gelbe Stern am Himmel. Die sieben Musiker wissen, wie sie trotz der Wärme den anwesenden Metallern ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Die tanzbaren Lieder haben schon eher Pub Character, werden aber mit metallischen Klängen gepimpt, sodass es hierher wie Faust aufs Auge passt. Sänger Kevin Ridley macht aus seinem Hehl gegen den Brexit kein Geheimnis und der Song Parliaments Of Fools unterstreicht dieses deutlich. Das Zusammenspiel der Gitarristen Steve Ramsey und Dave Pugh und der Violinistin Georgina Biddle lassen keinen Wunsch offen und sorgen für tolle Momente. Diese Band ist meiner Meinung nach vollkommen unterbewertet.

Wer Steel Sarah, Kaptein Kaos und Die Grosse Echsen zu seinem Repertoire zählt, kann nicht ganz rund in der Birne laufen. Jedes Mal aufs Neue kommt die Frage auf, aus welchem Loch kriechen Trollfest, um permanent völlig verrückte Humppa Death Folk Rock Metal Kompositionen zu feiern. Dabei bleibt eine Frage offen: Feiern die Trolle sich auch selber? Spaß an dem ganzen Unfug haben sie, das merkt man von der ersten Sekunde an, und übertragen diesen ohne Probleme auf unzählige Besucher des RockHarz, die ebenfalls nichts als Schabernack im Kopf haben. Bier auf, Hose runter und ab mit einer Monsterpolonäse – einmal quer übers Gelände getingelt, wischt man mehrfach die müden Augen trocken. Ist das wirklich deren Ernst? Die Antwort lautet im Chor JAAAAAAAAAAAAAA! Trollfest kommen, um zu siegen. Wie ist egal – Hauptsache alle trinken unaufhaltsam Bier und haben gute Laune. Mission erfüllt, würden wir sagen!

Avatarium? Genau, die 70er Jahre Rocker um die Frontfrau Jennie-Ann Smith zocken auf dem RockHarz 2018. Hurricanes And Halos, welches im letzten Jahr über Nuclear Blast veröffentlicht wurde, habe ich immer noch im Kopf. Alleine der Song The Starless Sleep brennt wie eine ätzende Substanz tiefe Riefen in die Ohrmuschel und möchte ganz süchtig immer wieder befriedigt werden. Ganz lässig mit Sonnenbrille spielt sie liebevoll ihre Gitarren und singt leidenschaftlich ihre Kompositionen. Gegner der Retrorockwelle mögen wettern, aber Avatarium schaffen selbst Occult Rock Fans, wie die von Gold oder The Devil´s Blood zu berühren. Der Mainstreamspagat bleibt zudem bestehen, ohne Kompromisse für die eigene Kunst eingehen zu müssen. Gedankt wird ihnen das durch erstaunte wie begeisterte Blicke und einen satten Applaus zum Abschluss!

Party Party Party! Anders geht es nicht, wenn Gloryhammer aus den Weiten des Universums auf unserem Planeten andocken. Infernus Ad Astra, Rise Of The Chaos Wizards und der übermächtige Legend Of The Astral Hammer schieben die Erwartungen direkt nach oben. Mit Civil War als Vorgruppe viele neue Fans gewonnen, zockten sie im Frühjahr eine nicht weniger erfolgreiche Headliner Tour. Neben dem obligatorischen Bier Battle lassen sie übergroße Hammer gen Erde niederschlagen. Angus McFife und Zargothrax lassen die Puppen tanzen, während der The Hootsman bei The Hollywood Hootsman auf Betriebstemperatur kommt. Das dreier Gespann Universe On Fire, Angus McFife und The Unicorn Invasion Of Dundee bleibt ein delikater Power Metal Leckerbissen.

Nach den Power Metallern von Gloryhammer nun wieder Deutsche Härte. Die recht martialisch auftretenden Jungs der Goitzsche Front geben dem Genre alle Ehre. Die aus Bitterfeld stammende Band präsentiert keine tief greifenden lyrischen Ergüsse, sondern greift zu bekannten Mitteln und das gefällt der Meute. Menschen machen Fehler, weil sie Menschen sind, zeugt von diesen Inhalten. Aber das ist ja auch nicht die Botschaft, sondern hier soll dem Rock gehuldigt werden und das kriegen sie mehr als nur gut hin. Die Rock-Lokomotive dürfte auf die Harzer Schmalspurbahn nicht passen, denn sie ist mehr nur breit. Das Publikum feiert die Vier ab und diese lassen sich auch nicht lumpen. In Alter Manier oder Der Osten Rockt treibt alle an. Es ist wie ein ordentlicher Tritt in den Arsch, der hier aufrüttelt. Dann gibt’s noch eine Einladung zu einem von der Goitzschen Front selbst organisierten Festival.

Jetzt wird es Internationaler. Die Bay Area Thrash Legende Exodus steht auf der Bühne. Die Ansage lässt gleich das Selbstbewusstsein der Amis deutlich werden. „We are Exodus from Bay Area, are you ready for Violence?” läutet eine gute Stunde harte Mucke ein. Vielen mag das zu hart sein, aber was hier abgeliefert wird, ist Metal. So wird gebangt, Kopf geschüttelt und Luftgitarre gespielt, was das Zeug hält. Toller Sound, geile Gitarrenarbeit von Gründungsmitglied Gary Holt und gesangliche Höchstleistung von Steve „Zetro“ Souza begeistern schlichtweg. Natürlich darf Bounded By Blood nicht fehlen, ansonsten sind viele Songs der letzten CD Blood In, Blood Out dabei. A Lesson in Violence oder Blacklist begeistern alle, die auf den brachialen Thrash stehen. Auch die anschließende Autogrammstunde ist gut besucht und so bekomme ich von dieser Legende einiges signiert.

Der Corpsegrinder Fischer rülpst zum ersten Mal in die Harzer Open Air Luft. Mit dem Florida Death Metal sorgen Cannibal Corpse für ein tödliches Kontrastprogramm und da sage noch einer Extreme Metal ist nicht so RockHarz fähig. Das sieht bei den Amerikanern ganz anders aus. Großer Zuspruch vor der Bühne lässt einem die tiefen Breaks ins Gesicht schlagen. Bäm!!! Only One Will Die knallt aus der Anlage. Kuschelkurs oder Lagerfeuerromantik ist spätestens jetzt kein Thema mehr. Den brachialen Weg setzen Kill Or Become, Code Of The Slashers und Make Them Suffer fort. Ohne große Komunikation pflegen die Corpse das, was sie am besten können Death Fucking Metal. Mit dem dicksten Stiernacken ausgestattet, bringt Fischer auch bei Hochsommer Temperaturen den Propeller.

Es Wird Schlimmer! Wie oft hört man es oder muss man es lesen? Es Wird Schlimmer! Ein kurzer Satz, der die deutsche Gesellschaft wie kein anderer beschäftigt. Die Interpretation von Die Apokalyptischen Reiter darf da nicht fehlen. Wir Sind Zurück so schallt es über den Flugplatz – und ja, die Reiter haben eine lange Pause gemacht. Um so schöner, dass die Männer wieder bereit für neue Schandtaten die Äxte schwingen. Daniel „Fuchs“ Täumel am Mikrofon kommt gut außer Atem. Das zeigt, was für ein Tempo die Deutschen gehen. Der frühere Partyfaktor bleibt gedrosselt – ernster treten die Reiter auf und zocken gar alte Stücke aus der ersten Epoche. Der Rote Reiter und viele Crowdsurfer färben das Bild blutrot, während Es Wird Schlimmer Hand in Hand mit Reitermania geht. Friede Sei Mit Dir – lange nicht mehr gehört – macht da genauso Spaß wie einer meiner persönlichen Favoriten Slaves Of Hate, wo die Brechstange noch ein Mittel war, um die Reiter vom Himmel zu holen. Die Apokalyptischen Reiter bleiben Die Wahrheit jüngstes Kind!

Die Progressive Death Metaler von der Insel Paradise Lost stehen nicht zum ersten Mal auf der Harzer Bühne. Einen großen Wandel vollzogen die Musiker dennoch – wenn man altes Material mit dem von heute vergleicht, könnten zwei verschiedene Acts dabei herumkommen. Gleiches gilt für ihre Mitstreiter Anathema. Die geringsten Änderungen vollzogen da noch My Dying Bride, die nur selten live auftreten. Wie dem auch sei, Nick Holmes bleibt ein brillanter Sänger und jeder Auftritt kann zwischen diversen Songs auswählen, 08 15 gibt es woanders. Stücke wie Mouth klingeln im Ohr, From The Gallows kurz aber tödlich, wie ein Pfeil im Herz oder Embers Fire sorgen für Höhepunkte. Die Sonne geht unter und Paradise Lost lassen einen tödlichen Sturm aufziehen, der alles mitreißt, was nicht niet- und nagelfest verankert wurde.

25 Jahre RockHarz wurden immer wieder von Knorkator geprägt. Der Abschied der Band wurde gefeiert sowie die Reunion, und auch so mag man die Berliner Spaßkanonen nicht missen. Der Alter Mann darf früh zum Spielen raus, bevor es zu Ich Lass Mich Klonen kommt. Der Ultimative Mann, Ich Bin Der Boss und Weg Nach Unten setzen die Erfolgsgeschichte fort. Spaß, ein mehr als gutes Maß Ernst und immer freche Worte auf den Lippen, sollen nicht nur zum Lachen anregen, sondern zum Nachdenken. Gut, nach diversem Bier ist das mit dem Nachdenken etwas schwerer, aber dafür bleibt zu Not noch Zähneputzen. Für 2019 steht ein neues Album auf dem Progamm und für 2020 wird es eine fette Deutschlandtour geben. Der frühe Vogel fängt bei Knorkator den Wurm.

Der Samstagsheadliner kündigt sich an. In Flames haben Zeit genug gehabt und die Bühne ist entsprechend vorbereitet. Das Beste zum Schluss heißt es immer, und nun wollen wir schauen, ob sie dem gerecht werden. Ich durfte bereits am frühen Abend mit Sänger Anders Fridèn quatschen und so haben wir über Ozzy und seine Abschiedstour gefachsimpelt. Ich durfte in Oberhausen dabei sein, während In Flames in Schweden auf dem gleichen Festival wie Ozzy aufgetreten sind. Nun aber zum Auftritt. Es geht los mit dem Intro My Sweet Shadow, der schon mal eindrucksvoll die Lightshow ankündigt. Gerüchten zufolge brauchen In Flames nur für das Licht einen eigenen Dreißig Tonner LKW. Ein älteres Stück, Pinball Map, folgt stehenden Fußes. Der moderne, melodische Metal wird auch mitgetragen von Gitarrist Niclas Engelin, der heute Nachmittag bereits eine aus Acetat selbst gebastelte herausgeschnittene Minigitarre eines eingefleischten weiblichen Fans zum Signieren bekam. Schlagzeuger Joe Rickard und Bassist Bryce Paul zeigen auch live ihre Qualitäten und der zweite Gitarrist Björn Gelotte sorgt mit für den einzigartigen Sound. Der gesamte Auftritt steht unter einem guten Stern und wer die Setlist liest, wird feststellen, dass es in den 90 Minuten Highlight an Highlight gibt. Cloud Connected, Mirror‘s Truth, Only For The Weak, The Truth, Alias, Take This Life reihen sich aneinander. Sänger Anders macht zwischen den Songs nur zwei Ansagen, aber es fühlt sich an, als wenn er den ganzen Abend geredet hat. So wird getanzt, mitgesungen und voller Inbrunst geklatscht. Das ist ein würdiger Headliner und der bedankt sich nach dem Auftritt gefühlte zehn Minuten lang mit Gesten, hochgereckten Fäusten und Pommesgabeln.

So müssen auf der Dark Stage Manntra ausharren, bevor sie den endgültigen Schlussstrich unter das Rockharz 2018 setzen. Wenn man an Kroatien denkt, da kommen Manntra her, ist man derzeit eher bei Fußball. Aber auch urlaubstechnisch gibt es einiges zu entdecken und nun kommt das Musikalische dazu. Trotz der späten Stunde bleiben noch viele da um den stilistisch zwischen Folk Rock und Industrial Metal angesiedelten Songs zu lauschen. Die Texte sind überwiegend in Kroatisch verfasst, sodass ein Mitsingen eher schwierig ist. Das macht der Stimmung aber keinen Abbruch und als Gast erscheint dann noch Sänger Michel Rhein von In Extremo, der bei dem Titeltrack der aktuellen Platte Meridian mitgewirkt hat. Nach einem weiteren gemeinsamen Stück ist das Festival um 1:30 Uhr zu Ende.

Ende

Zyklopenspieß für Fleischliebhaber ist eines der Highlights und sehr lecker. Auch das Harzer Mutzensteak konnte ohne Einbuße genossen werden. Gleiches gilt für die Schweinerei mit den sich am Spieß drehenden ganzen Schweinen. Für nicht Fleischliebhaber gab es auch genügend Auswahl. Preislich kann natürlich je nach Größe des Geldbeutels vieles zu unerschwinglich erscheinen, aber die Preise gehen in Ordnung.

Fazit: Ich denke, wir haben bereits alles gesagt. Das Wetter war, wie irgendwie immer, hervorragend. Das Billing konstant stark und für jeden war was dabei. Die ersten Bands für 2019 machen bereits Lust auf mehr und das RockHarz gehört zum festen Bestanteil einer guten Festival Saison. Also bis zum nächsten Jahr, wenn es unter der Teufelsmauer krachen gelassen wird.

Bericht: Rene W., Kay L. und Franziska W.

Bilder: Rene W.

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