The Pineapple Thief – The Soord Sessions Volume 4

Der rastlose Bruce und die akustische Ananas

Artist: The Pineapple Thief

Herkunft: Yeovil, England

Album: The Soord Sessions Volume 4

Spiellänge: 47:43 Minuten

Genre: Progressive Rock, Art Rock, Akustik

Release: 04.12.2020

Label: Kscope Records

Link: https://www.pineapplethief.com/

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Bruce Soord

Die anderen „Ananasdiebe“ sind auf diesem Release nicht vertreten.

Tracklist:

  1. In Exile
  2. Someone Pull Me Out
  3. Demons
  4. All This Will Be Yours
  5. Last Man Standing
  6. The Solitary Path Of A Convicted Man
  7. Versions Of The Truth
  8. Bond

Langweilig wird weder den Fans von The Pineapple Thief noch Mastermind Bruce Soord. 13 Studioalben, sieben Livealben, zwei Compilations und fünf EPs haben die Engländer seit 1999 auf den Markt gebracht. Als wenn das noch nicht genug wäre, hat der Frontmann noch drei Soloalben veröffentlicht, wovon eines in Kooperation mit Katatonia-Sänger Jonas Renkse entstanden ist. Da die Band das im September erschienene Album Versions Of The Truth aufgrund der aktuellen Situation nicht live präsentieren kann, gab es im Verlaufe der letzten Lockdown-Monate vier Livesessions, in denen der Sänger TPT-Material und Solosongs via Facebook streamte: „Ich habe keine Ahnung, warum ich das getan habe. Vielleicht war es, weil ich den Leuten etwas geben wollte, um sie auf andere Gedanken zu bringen, oder vielleicht war es das Duvel-Bier, das ich zu der Zeit genoss, als ich sprach. So oder so, da ich noch nie einen Livestream gemacht hatte, hatte ich keine Ahnung, wie ich es machen sollte, geschweige denn, was ich spielen sollte!“ Live aus dem Studio mit Akustikgitarre bewaffnet, präsentierte Bruce Soord die Songs in einer sehr intimen Atmosphäre. Die positiven Reaktionen der Fans zeigten, dass es sich um eine fantastische Alternative zur geplanten Tournee handelt. Die vierte dieser Akustik-Sessions wird exklusiv auf wunderschönem dunkelgrünem Vinyl veröffentlicht. Am Tag der Veröffentlichung wird Bruce Soord noch einmal live gehen und seine Favoriten der bisherigen vier Sessions präsentieren.

Bruce Soord ist neben Steven Wilson definitiv einer der talentiertesten Songwriter des Genres und seine Stimme kommt unglaublich intensiv beim Hörer an. Was auf diesem Output natürlich fehlt, ist das überirdische Drumming von Gavin Harrison. Dennoch wird mehr als nur akustisches Gitarrenspiel geboten. So wird der Klangkörper der Gitarre für geloopte Beats genutzt oder ein Solo auf der elektrischen Gitarre über den Sound gelegt. Die Session startet mit In Exile vom Your Wilderness Album und einer kurzen Einleitung in feinstem britischem Akzent durch den Sänger, der auch noch etwas zur Stimmung der Gitarre sagt. Sogleich beweist Soord, dass er keine große Bühne plus Band braucht, um seine wundervolle Stimme in Szene zu setzen. „Don‘t be aftraid to hate me“ – keine Angst, das wird nicht passieren! Someone Pull Me Out ist der Lieblingssong von Tourgitarrist George Marios und Soord kündigt an, dass er den Song nur spielt, damit Marios die Klappe hält. Nichtsdestotrotz eine sehr schöne Darbietung. Der nächste Song ist Demons vom aktuellen Album der Engländer. Hier passiert etwas Außergewöhnliches: Soord will partout die zweite Strophe nicht einfallen, umso sympathischer, dass er es für die Veröffentlichung einfach so gelassen hat. Nach insgesamt knapp acht Minuten findet er doch noch sein Happy End. Auf Facebook gibt es noch ein witziges Video dazu, welches von Drummer Gavin Harrison bearbeitet wurde. Es folgt der Titeltrack des grandiosen 2019er Soloalbums All This Will Be Yours. Hier schleicht sich ein Fehler beim Einsatz des Shakers ein, wenn nur alle Bands ihre Liveaufnahmen so unpoliert auf den Markt schmeißen würden. Es wirkt einfach zu hundert Prozent authentisch, was der Sänger hier abliefert und seine Bleistifte haben vermutlich keine Radiergummis am Ende.

Die nächsten Gänsehautmomente lassen nicht lange auf sich warten: Neben Pineapple Thiefs Last Man Standing wird mit The Solitary Path Of A Convicted Man ein weiterer Song von Soords letztem Soloalbum zum Besten gegeben, der für eine fragile und bedrückende Stimmung sorgt. Etwas versöhnlicher geht es bei Versions Of The Truth zu, dem Titelsong des aktuellen Outputs der Ananasdiebe. Ich kann die letzte Scheibe der Engländer sehr empfehlen, auch wenn Kollege Jürgen F. in seinem Review nicht so viele Punkte rausrückte. Die Session wird durch Bond vom Magnolia Album abgeschlossen. Die Songlänge wächst auf fast acht Minuten, die Gitarre knarzt, die Stromgitarre singt und ich bin dankbar, dass ein Perfektionist wie Bruce Soord ein unbearbeitetes Stück Musik in diese unvollkommene Welt entlässt.

The Pineapple Thief – The Soord Sessions Volume 4
Fazit
Das Album hätte aufgrund der Abwesenheit der meisten Bandmitglieder auch unter dem Namen Bruce Soord erscheinen können. Hier gibt es Futter für die Seele und Kopfhörermusik zum Abschalten an verregneten Herbsttagen. Eine Zuflucht vor der aktuellen Situation als Kontrastprogramm für den scheppernden Metaller-Alltag – nicht perfekt, aber wunderschön. Fans der Band und der Soloalben von Bruce Soord können ohne Zweifel zugreifen. Zumal The Soord Sessions Volume 4 allein schon durch die Vinylfarbe ein Highlight in jeder Sammlung darstellt.

Anspieltipps: In Exile, All This Will Be Yours, Versions Of The Truth
Florian W.
8
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Punkte
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