Black Diamonds – No-Tell Hotel

Hotelgeschichten, die es wert sind, erzählt zu werden

Artist: Black Diamonds

Herkunft: St. Gallen, Schweiz

Album: No-Tell Hotel

Spiellänge: 47:40 Minuten

Genre: Hard Rock, Glam Rock

Release: 12.03.2021

Label: Metalapolis Records

Link: www.blackdiamondsrock.com

Bandmitglieder:

Gesang – Mich Kehl
Gitarre – Chris Johnson
Bass und Gesang – Andi Barrels
Schlagzeug – Manu Peng

Tracklist:

  1. No-Tell Hotel
  2. Evil Twin
  3. Lonesome Road
  4. Forever Wild
  5. Saturday
  6. Anytime
  7. The Island
  8. My Fate
  9. Hand In Hand
  10. Reaching For The Stars
  11. Turn To Dust
  12. Outlaw

Die Schweizer Hard Rock Band Black Diamonds liefert am 12. März ihr drittes Langeisen ab. Nach dem schon erfolgreichen Once Upon A Time (Review hier) festigen die Eidgenossen ihren eingeschlagenen Kurs und liefern wieder Hard Rock Songs, die aber auch eine Reminiszenz an den Glam Rock der Achtziger darstellen. Gerade im Livebereich ist davon eine Menge zu sehen, denn Schminke, Haarspray und Kostüme gehören zum Outfit dazu. Kann das Album auch musikalisch überzeugen? Wir werden sehen. Eins ist auf jeden Fall feststellbar, der Zugang von Gitarrist Chris Johnson, der den ausgeschiedenen Andreas „Dee“ Rohner ersetzte, wirkt sich deutlich auf die Musik aus und das, zum Glück, nicht zum Nachteil.

Bereits der Titeltrack zeigt, dass mit klaren Riffs und eingängigen Refrains zu rechnen ist. Inhaltlich werden die Geschichten der im bandeigenem NoTell Hotel residierenden Gäste erzählt. Dabei geht es um einen Serienkiller und andere Gestalten, die in diesem Etablissement einen Unterschlupf gefunden haben. Die Bewohner sind mehr oder weniger anonym und ihre Storys sollten eigentlich unter dem Mantel des Schweigens verborgen bleiben. Das erinnert mich irgendwie an das Continental in den John Wick Filmen. Nun werden die Geschichten des NoTell Hotels aber erzählt. Weiter geht es mit dem bösen Zwilling (Evil Twin), der scheinbar dem Gin (sehr sympathisch) außerordentlich zugetan ist. Der Track wurde bereits letztes Jahr als Vorabvideo veröffentlicht und überzeugt neben der Story durch schönen mehrstimmigen Gesang und die eingängige Melodie. Das folgende Lonesome Road beginnt als leicht Country-angehauchtes Stück. Das erinnert irgendwie an einen Bon Jovi Track von Lost Highway. Zum Ende hin entwickelt sich der Song aber noch zu einem anständigen Rock Song, bei dem Neu-Gitarrero Chris zeigt, was in ihm steckt.

Auch die nächsten beiden Tracks sind gute Rocker, die Potenzial haben. Forever Wild und Saturday bieten wieder guten Rock, der doch starke Erinnerungen an die 80er weckt. Mötley Crue, Poison oder Bon Jovi lassen grüßen. Das macht schon Spaß, auch wenn ein wenig losgelöster nicht schaden würde. Die neuen Aspekte durch das Gitarrenspiel von Chris tun den Songs aber gut. Wesentlich ruhiger geht es beim folgenden Anytime zu. Na klar, es braucht auf einer ordentlichen Scheibe eine Ballade, die zum Feuerzeug, äh Handyleuchten einlädt und der Kuschelfraktion ein paar Minuten gönnt. Der mehrstimmige Männergesang im Chorus dürfte die Mädels zum Schmelzen bringen.

Es folgt scheinbar ein Wechsel ans Wasser, so lässt das leichte Meeresrauschen zu Beginn von The Island vermuten und es wird wieder leicht schneller. Der Song ist nicht so zwingend wie die Songs vor der Ballade und auch das Piano ist etwas gewöhnungsbedürftig. Allerdings schafft es das Gitarrensolo zum Ende hin, noch einmal den Bogen zu einem Rock Song zu bekommen. Bekanntlich liegt die Schweiz in den Alpen und da ist der Bezug zu einer Insel ja halt schwer zu finden.

Der kurze Abstecher an die musikalische Küste wird in den folgenden Tracks wieder ausgeglichen. My Fate, eine im Stil der guten Hairy Metal Bands gehaltene Midtemponummer, wartet wieder mit gutem mehrstimmigen Gesang auf und zwei Gitarren liefern ansprechende Riffs. Hand In Hand wartet mit akustischer Klampfe auf und läutet den Weg für ein weiteres ruhiges Stück ein, das auch als Liebeslied durchgehen kann. Der Mich Kehl zeigt auch hier, dass er seine Stimme den Gegebenheiten anpassen kann. Es folgen noch drei etwas schnellere Stücke, wobei es bei Turn To Dust noch einige Kuhglocken in die Anfangssequenz geschafft haben. Ansonsten ordentliche Musik, die in Gänze aber nicht mehr die durchschlagende Wirkung der ersten zwei Drittel der CD erreicht. Das abschließende Outlaw versetzt einen in die Schweizer Mountains auf einen galoppierenden Hengst, wobei der Reiter auf der Suche nach dem nächsten Saloon zu sein scheint. Dazu gesellt sich auch noch eine Fidel, die ja meist bei der musikalischen Untermalung im Wilden Westen nicht fehlen durfte. Nun ja, geht als Fun Track durch und dürfte für Spaß im Liveset sorgen.

Black Diamonds – No-Tell Hotel
Fazit
Die Schweizer liefern hier wieder eine gute Scheibe ab. Nicht alle Tracks können mich ganz abholen, aber die überwiegende Anzahl macht Spaß und dürfte auch live für ordentlich Stimmung sorgen. Da ich Black Diamonds bereits sehen durfte, weiß ich, dass ihre Songs live immer noch eine ordentliche Prise Dynamik und Härte erhalten. Ihre Spielfreude steckt an und das sorgt für eine tolle Stimmung. Die neue Platte bietet für jeden Hard Rocker der auch mit 80er-Jahre Anleihen leben kann, viel Freude. Da machen die ein, zwei nicht ganz so überzeugenden Songs nichts aus.

Anspieltipps: Anytime, Evil Twin und Forever Wild
Kay L.
8.8
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