Callejon – Retrospektive: Willkommen Im Beerdigungscafé & Fauler Zauber Dunkelherz

„Heavy Metal? Unfug! – Wahahaha …“

Artist: Callejon

Herkunft: Düsseldorf, Deutschland

Album: Retrospektive: Willkommen Im Beerdigungscafé / Fauler Zauber Dunkelherz

Spiellänge: CD1 28:42 Minuten, CD2 21:23 Minuten

Genre: Metalcore, Screamo

Release: 19.11.2021

Label: Warner Music

Link: https://www.facebook.com/callejon/

Bandmitglieder (aktuell):

Gesang – Bastian Sobtzick
Gitarre – Bernhard Horn
Gitarre – Christoph Koterzina
Bassgitarre – Thorsten Becker
Schlagzeug – Maximilian Kotzmann

Tracklist:

CD1 – Willkommen Im Beerdigungscafé (2021 Remaster)

  1. Eingang
  2. Es Regnet
  3. Erkenntnis
  4. Bitter Macht Lustig
  5. 1000 Winter Fauler Tau
  6. Love Sucks
  7. Snake Mountain
  8. Astronaut
  9. Mirage
  10. Und Die Sterne Sagen: Es Werde Licht
  11. 22 Teile

CD2 – Fauler Zauber Dunkelherz (2021 Remaster)

  1. Intro
  2. In Dunklen Wasser Brennt Ein Licht
  3. Loreley
  4. Mein Kopf So Leer, Die Welt So Voll
  5. Spiel Mir Das Lied Vom Leben
  6. Wo Ist Die Erde, Die Mich Trägt?!

Als ich 2008 mit meinem MP3-Player (Kinder so etwas gibt es heute im Museum zu bestaunen) und dem zweiten Callejon-Album Zombieactionhauptquartier auf den Ohren durch die Gegend stolzierte, hätte ich den Jungs aus Düsseldorf diese Karriere nicht zugetraut. Sie waren schon immer die Ausnahmeerscheinung – die etwas anderen Kids. Als die Gründungsmitglieder Bastian „BastiBasti“ Sobtzick und Bernhard „Action“ Horn vor zwanzig Jahren dachten, lass uns doch mal Metalcore, Screamo und Post-Hardcore mit deutschen Texten und quietschbunten Covern aufs Volk loslassen, eckten sie vermutlich in so ziemlich jeder Szene an. Drauf geschissen, durchgezogen und den Erfolg zu Recht eingeheimst. Wer einmal ein Konzert dieser geilen Schweine besucht hat, weiß, was ein Abriss bedeutet. Mal augenzwinkernd, mal tiefgründig in lyrischer Form. Zum Zwanzigjährigen beschenken Callejon ihre Fans mit der remasterten Neuauflage des Debütalbums Willkommen Im Beerdigungscafé (2006) und der EP Fauler Zauber Dunkelherz (2007) unter dem Banner Retrospektive. Wahlweise als Set oder einzeln auf CD und Vinyl, mit wunderschönen Artworks aus der Feder von BastiBasti. Die Originale wurden zu teils utopischen Summen auf dem Zweitmarkt gehandelt. Digital kommt die Generation Streaming auch erstmals auf ihre Kosten. Mich freut es ebenfalls, da ich bisher höchstens live in den Genuss der Klassiker gekommen bin.

Willkommen Im Beerdigungscafé (2021 Remaster)

Eigentlich ist es auch egal, dass Callejon (korrekte Aussprache HIER) auf ihrem Debüt der deutschen Sprache frönten. Ohne die passenden Texte war das Gekeife von Frontmann BastiBasti eh nicht zu entziffern. Nichtsdestotrotz gab es auch zu der Zeit einige Perlen, die jeden Dancefloor zum Beben brachten. Als da wären: Es Regnet mitsamt Dubstep-Intro und feinstem Core-Gewitter und Riffs amerikanischer Prägung. Dann wäre da noch die erste Bandhymne Snake Mountain„Bei der Macht von Grayskull … Ich habe die Kraft.“ Verdammt, He-Man Rules. 😀 „Da da da da da da …“, BastiBasti ist schon ein lyrisches Genie. Maschinengewehr-Core oder so.

Bei Und Die Sterne Sagen: Es Werde Licht lassen wieder prägende Metalcore-Bands wie As I Lay Dying oder Unearth grüßen. Da bleibt kein Auge trocken und kein Stein auf dem anderen. Allein das Riff zum Einstieg lässt meine Büromöbel durch die Gegend fliegen. Und dann diese Texte: Emotionen und Ebenen, die deutschsprachige Bands sonst kaum erreichen.

Fauler Zauber Dunkelherz (2021 Remaster)

Eigentlich wäre mit dem Intro der zweiten EP (2005 gab es schon eine namens Chronos) schon alles gesagt: „Was ist das? Was ist das denn? Oh Man, das sind fucking Callejon! Und was soll das sein? Affengebrüll? Ne… das ist Heavy Metal!“ Was der klassische Hörer der Altvorderen so unter Heavy Metal versteht, gibt es hier mit Sicherheit nicht zu hören. Jeder, der Anfang der 2000er auf den Metalcore-Hypetrain aufgesprungen ist und seine Texte gerne mit einem Augenzwinkern konsumiert, ist hier an der richtigen Adresse. Vor allem bei den Kompositionen und den Cleanvocals konnte man den Schritt nach vorne schon erkennen. Die typisch geshouteten Refrains, bei denen sie das ganze Publikum wie eine Armee hinter sich wissen, waren ebenfalls schon vorhanden. Der Song nach dem Intro hört auf den schönen Namen In Dunklen Wasser Brennt Ein Licht und vereint direkt auf beste Art und Weise die eben genannten Trademarks.

In Loreley leidet, weint, wimmert und verzweifelt Sänger BastiBasti in den abschließenden Zeilen: „Eine Rasse, die sich Menschheit schimpft.“ In der aktuellen Pandemie nicht unbedingt die beste Rasse, behaupte ich aufgrund einiger Aussagen meiner Mitmenschen. Mein Kopf So Leer, Die Welt So Voll schlägt in eine ähnliche Kerbe und jedes Stück auf dieser EP wirkt wie ein kleines vertontes Gedicht des Frontmanns. Spiel Mir Das Lied Vom Leben hat einen wunderschönen elektronischen Mittelpart und macht noch mehr Spaß, wenn man sich danach direkt den passenden Song Spiel Mir Das Lied Vom Sterben des Nachfolgers ZAHQ gönnt. „Zombieactionhomeoffice“ heißt es dann erneut für mich mit dem abschließenden Wo Ist Die Erde, Die Mich Trägt?!. Hochgeschwindigkeits-Riffing, rausgerotzte Vocals und dazu diese allgegenwärtige bittersüße Melancholie. Callejon rules – auf die nächsten zwanzig Jahre!

Callejon – Retrospektive: Willkommen Im Beerdigungscafé & Fauler Zauber Dunkelherz
Fazit
Wenn man sich mit dem zu der Zeit noch gewöhnungsbedürftigen Gesang anfreunden kann, dann ist diese Retrospektive für alle Unbeachteten, alle Außenseiter, alle Zuhause-Hocker und alle, die schon immer „dagegen“ waren, ein Pflichtkauf. Für Fans der Düsseldorfer ohnehin.

Anspieltipps: Willkommen Im Beerdigungscafé (2021 Remaster): Es Regnet, Snake Moutain, Und Die Sterne Sagen: Es Werde Licht

Fauler Zauber Dunkelherz (2021 Remaster): In Dunklen Wasser Brennt Ein Licht und Wo Ist Die Erde, Die Mich Trägt?!
Florian W.
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