Crystal Ball – Crysteria

Album Nummer 11 der Schweizer Eidgenossen

Artist: Crystal Ball

Herkunft: Luzern, Schweiz

Album: Crysteria

Spiellänge: 54:04 Minuten

Genre: Hardrock, Melodic Metal

Release: 28.01.2022

Label: Massacre Records

Link: https://www.crystal-ball.ch/de/band/

Bandmitglieder:

Gesang – Steven Mageney
Gitarre,  Tasteninstrumente – Scott Leach
Gitarre – Peter Berger
Bass – Cris Stone
Schlagzeug – Marcel Sardella

Gäste:

Ronnie Romero
Stefan Kaufmann
Peter Östos (Jaded Heart)
Johan Fahlberg (Jaded Heart)
Torsten Röhre

Tracklist:

  1. What Part Of No
  2. You Lit My Fire
  3. Call Of The Wild (Feat. Ronnie Romero)
  4. I Am Rock
  5. Undying
  6. Crysteria
  7. Make My Day
  8. No Limits
  9. Draw The Line
  10. Loins On Fire
  11. Sole Conviction
  12. Crystal Heart (Feat. Jaded Heart) (Bonustrack)
  13. Till You Meet Again (Bonustrack)

Dieser Tage erscheint das elfte Album der Luzerner Melodic Power Metal Band Crystal Ball. Da stellt sich zunächst die Frage, wie haben die Schweizer den Wechsel an der zweiten Gitarre verkraftet? Scheinbar gut, denn Peter Berger, so der Name des neuen Gitarristen, hat sich gut eingefügt und auch diverse Songs beisteuern können. Crystal Ball haben zudem die Zeit in der Pandemie genutzt und über 30 neue Songs geschrieben, von denen nun elf auf der regulären CD und auf der heutzutage unumgänglichen Vinylausgabe zu finden sein werden. Auf dem Digipack und in der Boxversion sind noch zwei Bonustracks enthalten, die uns dann eine Spielzeit von knapp 55 Minuten bescheren. Des Weiteren haben Crystal Ball einige illustre Gäste eingeladen. So unterstützt Stimmwunder Ronnie Romero bei Call Of The Wild, Stefan Kaufmann steuert neben seiner Produzententätigkeit zusätzliche Leadgitarren-Parts bei No Limits, Sole Conviction, Loins Of Fire und I Am A Rock bei und der Bonustrack Crystal Heart (man beachte das Wortspiel) wurde mit den Freunden von Jaded Heart zusammen komponiert und eingespielt. Das lässt sich schon mal gut an. Ob die Platte insgesamt auch etwas taugt, das werden wir in Kürze wissen.

What Part Of No, der krachende Opener, inklusive Key/Synth Intro von Scott Leach, macht schon mal richtig Bock auf weitere Stücke. Sänger Steven Mageney macht einen Klasse-Job und kann mit kräftigem Organ überzeugen. Aber auch seine Mitstreiter der immerhin bereits seit 1999 bestehenden Band, verstehen ihr Handwerk. Drummer Marcel Sardella und Gitarrist Scott Leach sind die letzten verbliebenen Gründungsmitglieder und bilden mit „Neuling“ Peter Berger und Bassist Cris Stone die Instrumentalfraktion, wobei aber auch Hintergrundgesang in deren Spektrum zu finden ist. Nach gut zwei Minuten gibt’s auch für Gitarrenliebhaber einen tollen Einsatz der beiden Gitarristen. You Lit My Fire ist dann nicht mehr ganz so smooth und wirkt insgesamt leicht sperriger. Es fehlt die schöne Harmonie des ersten Songs, wobei sich der Chorus viel Mühe gibt. Call Of The Wild punktet durch Gastsänger Ronnie Romero, obwohl Steven das auch problemlos allein hinbekommen hätte. Sonst ist es ein Klasse-Track, der einfach Spaß macht und anständig zur Sache geht.

Nächster Neun-Punkte-Song ist I Am Rock, bei dem Stefan Kaufmann gitarrenmäßig unterstützt. Crystal Ball zeigen einfach, dass sie gute Harmonien können und in der Lage sind, diese dann auch musikalisch gelungen umzusetzen. Undying beginnt mit einem kurzen knackigen Drumintro von Marcell Sardella, von dem ich sogar DNA in Form eines blutgetränkten Drumsticks vom Bordesholmer Konzert der Crystalizer Tour 2018 (Konzertbericht hier) besitze, um sich dann zu einem typischen, melodischen Crystal-Ball-Metalsong zu entwickeln. Crysteria und Make My Day schließen sich an. Gerade Letzterer ist ein stampfender Rocker, bei dem mich mal wieder Stevens Gesangskünste überzeugen. Dazu kommt im Refrain eine geile mehrstimmige Harmonie, die schon fast ins Epische geht. Beide Gitarristen dürfen sich dann auch noch profilieren, was einen zusätzlichen Kick einbringt. Ne glatte elf von zehn – schade, dass er nach 4,50 Minuten zu Ende ist. Das dürfte aber neben einigen anderen ein Livekracher für zukünftige Shows sein.

Ein leichtes keybasiertes Intro bei No Limits läutet einen weiteren schnellen Song ein, der ebenfalls gut ins Ohr geht. Und immer wieder unaufdringliche Keyboards von Scott Leach, die eine zusätzliche Nuance im melodiösen Songwriting darstellen. Draw The Line und Loins Of Fire läuten das letzte Drittel der regulären einfachen CD,  bzw. der erst später erscheinenden Vinyl Platte (Presswerke überfordert) ein. Loins Of Fire sticht etwas aus den sonst straighten Songs hervor. Etwas experimenteller, ein Tick atmosphärisch, mit teilweise ins Proggige gehenden Anleihen, um dann aber doch wieder in die Metal Schiene zu springen. Gelungen. Mit Sole Conviction verabschiedet sich dann die Platte und hinterlässt den Hörer mit einem guten Gefühl. Wieder ein schöner mehrstimmiger Refrain, der einfach für gute Laune sorgt. Dazu kommt beim Gitarrensolo neben Peter und Scott auch noch mal Stefan Kaufmann zum Einsatz, der neben seiner Gitarrenarbeit für eine druckvolle Produktion in seinem ROXX Studio gesorgt hat.

Noch zwei Worte zu den Bonussongs. Crystal Heart wurde ja mit den Freuden der multinationalen Jaded Heart komponiert und aufgenommen. Wüsste ich es nicht, dann könnte der Track auch von Crystal Ball allein stammen. Beim Gesang hört man dann allerdings schon mal Johan Fahlberg raus, der hier die zusätzlichen Lead Vocals beisteuert. Trotzdem eine schöne Idee, mit Freunden zusammen etwas zu machen und es auf Platte zu bringen. Zweiter Song ist Till You Meet Again, der nur aus Klavier und einer leichten Orchestrierung von Torsten Röhre sowie dem Gesang von Steven Mageney, der eben nicht nur Metal, sondern auch gefühlvoll singen kann, besteht. Das ist eine reine Ballade, die sehr gut an den Schluss passt, da sie im Gesamtbild der regulären CD einfach nicht stimmig gewesen wäre.

Crystal Ball – Crysteria
Fazit
Wenn der Schweizer Franken als stabile Währung gilt, so sind Crystal Ball ebenfalls als Eckpfeiler für wuchtigen, melodiösen Hard Rock oder Metal anzusehen. Dabei kopieren sie sich nicht, sondern setzen immer wieder neue Akzente. Mit ein Garant für diesen Erfolg dürfte neben den durchdachten Songs und den versierten Musikern gerade Steven Mageney sein, der stimmlich den Eidgenossen das Besondere verleiht. Bis auf einen nicht ganz so zündenden Song eine Top-Leistung. Ich freue mich auf das nächste Konzert der Band, bei dem ich bestimmt dabei sein werde.

Anspieltipps: What Part Of No, Call Of The Wild und Make My Day
Kay L.
9.3
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